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Warum der Ölpreis derzeit Stärke zeigt

Trotz einiger negativer Faktoren zeigt sich der Ölpreis derzeit relativ robust. Hier ein Blick auf einige weiche und harte Faktoren.

Öl-Tanks in Japan. Foto: Toru Hanai/Bloomberg

Europa ist am Rand der Rezession? China zeigt eine maue Konjunktur, deswegen kann man weniger Ölnachfrage erwarten? Und gerade erst vorgestern wurde in den USA der staatlich ermittele Lagerbestande für Rohöl im Wochenvergleich mit einem enormen Anstieg um 12 Millionen Barrels vermeldet. Das bedeutet, dass deutlich weniger Öl nachgefragt wird, weswegen produziertes Erdöl erstmal in den Lagertanks gebunkert wird. Entsprechend sackte der Ölpreis ab Mittwoch Nachmittag auch deutlich ab – amerikanisches WTI-Öl fiel um gut 3 Dollar bis gestern Mittag. Aber bis jetzt hat sich der Markt zu großen Teilen erholt mit Kursen um die 77 Dollar. Der TradingView Chart zeigt den Preisverlauf seit Mitte Dezember. Man befindet sich in dieser zeitlichen Betrachtung auf einem relativ hohen Niveau. Natürlich muss man dabei sehen, dass man im September 2023 noch Preise über 90 Dollar sah. Aber vom Tiefpunkt unter 70 Dollar im Dezember ist man derzeit gut entfernt.

Grafik zeigt Kursverlauf im Ölpreis seit Dezember 2023

Warum der Ölpreis so robust bleibt

Als negativer Faktor, der für einen fallenden Ölpreis sprechen würde, kommt die massive Ausweitung der Öl-Fördermenge in den USA hinzu, wo man inzwischen mit über 13 Millionen Barrels pro Tag so viel Öl fördert wie noch nie. Dies wirkt den Fördermengenkürzungen der OPEC-Länder entgegen. Dennoch gibt es Faktoren, die derzeit den Ölpreis stabilisieren. Dazu schreibt Bloomberg aktuell: Der Ölpreis konnte einen großen Anstieg verzeichnen, da eine risikofreudige Stimmung am Gesamtmarkt und Anzeichen dafür, dass die OPEC+-Mitglieder die Angebotskürzungen einhalten, die düsteren Nachfrageaussichten der IEA überschatteten. Die Ölgewinne kommen zustande, weil die US-Aktienmärkte einen weiteren Rekordstand erreichten und der Dollar nachgab, was die Rohstoffe für Käufer aus Übersee attraktiver machte.

Rohöl wird nahe dem oberen Ende der engen Handelsspanne gehandelt, in der es sich in diesem Jahr befindet, und beide Benchmarks (Brent und WTI) sind auf dem besten Weg, ihren vierten wöchentlichen Anstieg in den letzten fünf Wochen zu verzeichnen. Die Internationale Energieagentur mit Sitz in Paris befürchtet jedoch, dass die Ölmärkte das ganze Jahr über einen Überschuss aufweisen könnten, da das weltweite Nachfragewachstum an Schwung verliert.

Die OPEC+ hat Angebotskürzungen vorgenommen, um den Ölpreis zu stützen. Nach Berechnungen von Bloomberg, die sich auf offizielle Daten für Januar stützen, hat Russland sein Ziel für freiwillige Fördermengenkürzungen zum ersten Mal seit seiner Zusage im vergangenen Jahr fast erreicht. Andernorts haben der Irak und Kasachstan die Einhaltung ihrer Ziele zugesagt, nachdem sie ihre Produktion nicht wie versprochen im letzten Monat vollständig gekürzt hatten.

Im Nahen Osten hat sich das Feuergefecht zwischen der Hisbollah und Israel verschärft, was zu einer weiteren Eskalation des grenzüberschreitenden Feuers in dieser Woche führte und die Gefahr eines größeren Krieges heraufbeschwört. Im Gazastreifen nahm Israel Dutzende von Hamas-Kämpfern im Nasser-Krankenhaus fest, wobei Granaten und Mörsergranaten gefunden wurden.

Auf den Kraftstoffmärkten konzentrieren sich die Händler unterdessen auf die Auswirkungen der Störungen im Roten Meer und der Raffinerieausfälle, die das Angebot eingeschränkt haben. Die Benchmark-Futures für Diesel und Benzin sind seit Jahresbeginn um zweistellige Prozentsätze gestiegen, während Rohöl etwa 7 % höher notiert.

Einordnung

FMW: Faktoren wie Raffinerie-Ausfälle, Mengenkürzungen in Russland und anderen Ländern, drohender Kriegs-Eskalation im Nahen Osten, und dazu eine allgemein positive Stimmung am Aktienmarkt – das sind teilweise „weiche“ Faktoren, die derzeit den Ölpreis oben halten. Aber am Ölmarkt kann sich der Wind schnell drehen. Blicken die Händler demnächst mal wieder verstärkt auf konjunkturelle Schwächen in China und Europa, und damit auch eine geringere Nachfrage nach Öl, könnte der Ölpreis auch schnell wieder abrutschen.

FMW/Bloomberg



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1 Kommentar

  1. Die kompetente Ölfördermengepolitik der Öl-Allianz OPEC+ und die Entwicklung der Währung US-Dollar zeigen, daß die Öl-Allianz OPEC+ und die US-Texas-Ölindustrie/ExxonMobil ein Gleichgewicht im Ölgeschäft bilden. Die aktuelle Münchner Sicherheitskonferenz erörtert u.a. Den Naher und Mittlerer Osten. Im Zusammenhang mit letzterem bleibt die Entwicklung des Ölpreises abzuwarten.

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