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Lockerungen und Proteste China und sein neuer Umgang mit Covid – wie Zensur scheitert

China Covid Zensur

Die Regierung in China hat ihren Umgang  mit Covid verändert – wohl eine Folge des 20-Punkte-Plans. Das zeigt sich daran, dass über 6.000 Neuinfektionen mit Covid am gestrigen Dienstag in Guangzhou sich die Stadt nicht im Lockdown befindet. Die Bewohner üben sich derweil in neuen Protestformen. Auch in anderen Städten experimentiert China mit einem neuen Umgang mit Corona.

Covid in China: Über 6.000 Neuinfektionen in Guangzhou

In Guangzhou, der Hauptstadt der südchinesischen Provinz Guangdong und wirtschaftliches Powerhouse Chinas steigen die Zahlen rasant an. Am gestrigen Dienstag vermeldete die National Health Comission (NHC) 6296 Neuinfektionen nach vorhergegangen 5124 Fällen am Montag. Allerdings befindet sich die Stadt nicht im totalen Lockdown. Lediglich die sogenannte High Risk Areas wurden unter Lockdown gestellt. Zum Vergleich: Shanghai ging Ende März mit 3500 Neuinfektionen in den Lockdown. Enge Kontakte von engen Kontakten, die Covid-positiv getestet worden, werden nicht mehr in einem Quarantäne-Lager untergebracht.

Umgehung der Zensur

Wie schon in Shanghai, entlädt sich in Guangzhou teilweise heftig der Unmut der Bevölkerung, die Lockdown-Zäune niederreißen oder Testeinrichtungen zerstören. Die Polizei scheint in vielen Fällen überfordert zu sein. Die Kommunikation unter den Einwohnern in Guangzhou ist dabei deutlich einfacher als in Shanghai. Denn in Guangzhou wird überwiegend Kantonesisch gesprochen und in Langzeichen geschrieben, während im Norden Chinas die Kurzzeichen, die 1950 in der Volkrepublik China eingeführt worden, verwendet werden.

Die chinesische Zensur-Software ist aber auf Kantonesisch nicht vorbereitet. Zusätzlich kommunizierten die Kantonesen via Apples AirDrop, bis Apple auf Druck aus Beijing diesen Dienst für China einstellte. Die Benutzung von AirDrop spielte schon bei den Regenschirmen-Protesten in Honglong eine entscheidende Rolle. Auf den Balkons und auch auf den Straßen wurde das Lied „Glory to Hong Kong“ gesungen, die Hymne der Demokratieproteste in Hongkong.

Beijing schließt Covid-Test-Center

In Beijing wurden am Wochenende ein öffentliches Testcenter geschlossen. Damit versuchte die Stadtregierung die Bevölkerung dazu zu animieren, ihre notwendigen Tests, die alle 48 Stunden wiederholt werden müssen, in den Wohnanlagen (compounds) machen zu lassen. Die Kapazitäten dort reichen aber nicht, so dass sich lange Schlangen vor den Einrichtungen bildeten. Mittlerweile wurde zumindest ein Teil der Testcenter auf den Straßen wieder eröffnet. Auch die Einreise nach Beijing ist nicht mehr eingeschränkt. In der letzten Woche waren praktisch alle Flüge nach Beijing abgesagt.

Shijiazhuang

In der Hauptstadt Shijiazhuang (elf Millionen Einwohner) der zu Beijing benachbarten Provinz Hebei wurde am Sonntag verkündet, dass die Stadt keine kostenlosen Tests mehr anbieten wird. Auch bei der Benutzung der Metro ist nicht mehr das Vorzeigen eines negativen Testresultat notwendig.

Mittlerweile werden wider kostenlose Tests angeboten. Bei 11,2 Millionen Tests vermeldete die Stadt zuletzt rund 500 Neuinfektionen. Ende August ging die Stadt mit 30 Neuinfektionen in einen Lockdown.

China: Reisen zwischen Provinzen sollen einfacher werden

Das Ministerium für Kultur und Tourismus verkündete gestern, dass das Reisen zwischen den Provinzen nicht länger von der Risiko-Einstufung des Herkunftsbezirk abhängen soll. Ob dies auch von den einzelnen Städten befolgt wird, ist noch nicht klar. Bisher war es so, dass Reisende aus Hoch-Risiko-Gebieten am Ziel in Quarantäne untergebracht wurden. Nun soll der grüne Health Code ausreichen.

Keine Veränderung in Shanghai

In der westchinesischen Metropole Shanghai zeichnet sich im Moment keine Änderung ab. Disneyland und viele andere Touristenattraktionen bleiben geschlossen. Weiterhin braucht man alle 48 Stunden einen neuen Covid-Test, die aber weiterhin kostenfrei sind.

Politik der kleinen Schritte

Damit zeigt sich, dass die einzelnen Städte und Provinzen langsam aber vorsichtig Schritte zu einem anderen Umgang mit Covid pflegen. Bei nicht allen Einwohnern stößt die neue Politik auf volle Gegenliebe. In Shijiazhuang z.B. versuchen nun viele Eltern ihre Kinder nicht in die Schule zu schicken, da diese dort nicht mehr wie bisher getestet werden.

Eine andere Herausforderung ist, dass sich viele Beamte nicht sicher sind, ob sie auch gefahrlos eine Öffnungspolitik verfolgen können. Ihnen steht das Beispiel von Shanghai noch deutlich vor Augen. Hier hatte der Parteisekretär Li Qiang sich erst gegen einen Lockdown gewehrt, dann einen zweimonatigen Lockdown auf Druck aus Beijing durchgesetzt und wurde nun mit einem Sitz im Politbüro der Kommunistischen Partei belohnt.

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3 Kommentare

  1. Shanghai ist keine westchinesische, sondern eine ostchinesische Metropole. In Guangzhou wird zwar viel Kantonesisch gesprochen, es werden aber wie im Rest des Landes Kurzzeichen verwendet. Langzeichen sind nur in Hong Kong (nicht Honglong), Macau und Taiwan gebräuchlich. Dazu noch mindestens zwei Rechtschreibfehler.

    Eigentlich interessanter Artikel, aber wie soll man ihn ernst nehmen bei so vielen Fehlern?

    1. Ja, Shanghai ist ostchinesisch. Sorry, mein Fehler.

      Zur Umgehung der Zensur werden die Lagzeichen verwendet. Offiziell, das ist richtig, werden Kurzzeichen verwendet und allgemein werden auch auf WeChat u.a. meisst die Kurzzeichen verwendet. Vielleicht war dies nicht praezise genug geschrieben.

  2. Nachtrag: Guangzhou hat heute (Donnerstag, 17.11). nach 8.761 neuen Faellen eine „Stay-at-Home“-Notice ausgegeben. Die Einwohner werden aufgefordert, nach Hause zu gehen und sich testen zu lassen.
    Allerdings bleiben ausserhalb der High-Risk-Areas Restaurants und Geschaefte offen. Es ist also zumindest stand jetzt kein vollstaendiger Lockdown.

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