Devisen

Chinas Währung auf Talfahrt

Der chinesische Yuan erreicht heute den tiefsten Stand zum US-Dollar seit August 2012.

Die Märkte sind – für viele immer wieder überraschend – keine Einbahnstraße. Genau das aber war die Konsenserwartung: der Yuan wird kontinuierlich aufwerten, und so sind viele Anleger auf den Zug aufgesprungen mit billigen Dollars von der Fed, die in Wetten auf einen weiter steigenden Yuan investiert wurden. Jetzt aber fährt der Zug in die andere Richtung und bringt viele hochgehebelte Investoren langsam in Schwierigkeiten.
Interessant ist, dass die Konsensmeinung davon ausgeht, dass es sich bei der Abwertung des Yuan nur um ein vorübergehendes Phänomen handelt. Die Regierung wolle die zahlreichen Trittbrettfahrer aus dem Markt drängen, um die exzessive Liquiditätszufuhr ins Reich der Mitte einzudämmen, heißt es.

Aber stimmt das wirklich? Wichtiger noch scheint zu sein, dass die Regierung in Peking damit auf die schwächer werdenden Konjunkturdaten reagiert und mit der Abwertung den Exportsektor zu stützen versucht – schließlich macht der Nachbar Japan derzeit vor, wie die Abwertung einer Währung funktionieren kann – auch wenn der Ausgang des Experiments für Nippon noch alles andere als klar ist.

Der Westen tut sich bekanntlich schwer, die Abläufe in China zu verstehen. Nach dem Machtwechsel in Peking herrscht ein anderes Klima – das ist immer noch weitgehend unverstanden. Es ist ein Prozess des Deleveraging im Gange, der nunmehr auch die Währung Chinas erfasst hat. Vorbei die Zeiten, als Wachstum die oberste Maxime war – jetzt steht Konsolidierung und die Begrenzung von Risiken im Fokus.

Einige Branchen im Reich der Mitte bekommen das derzeit besonders heftig zu spüren: vor allem der Kohlesektor und die Stahlbranche bekommen von der Regierung massiven Gegenwind, nachdem der Smog insbesondere im Norden und Osten des Landes ein unerträgliches Ausmaß erreicht hat. Viele Firmen mussten bereits aufgeben – die Stahlpreise sind im Sinkflug. So sanken die Preise für Stahl gestern um 3,41% – der größte Rückgang seit Auflegung von Stahl-Futures im Reich der Mitte. Und auch heute Nacht ging es weiter bergab, diesmal „nur“ 1,33%.

Ein weiterer Grund für die seit fünf Tagen andauernde Yuan-Schwäche könnte auch die Sorge vieler Anleger sein, dass die Kreditblase im Reich der Mitte vor dem Kollaps steht – insbesondere die Trusts, die teilweise ihre Auszahlungen nicht mehr leisten können, geraten dabei ins Blickfeld. Möglich ist aber auch, dass die chinesische Führung wirklich ernst macht mit der Liberalisierung der Märkte. Da kaum jemand short ist im Yuan, besteht ein völlig ungesunder Überhang an Long-Positionen, die nun in Schwierigkeiten geraten. Folge könnte ein Dominoeffekt von margin-calls sein -einmal mehr ein Beweis, dass es risikofreie Gewinne nicht geben kann. Es ist insbesondere der Optimismus vieler westlicher Profi-Anleger, der dafür sorgen könnte, dass sich die Talfahrt des Yuan weiter fortsetzt – schließlich gehen die Märkte meist den Weg des größten Schmerzes..



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