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Chinesen beginnen mit 50 Mrd Dollar-Bau des Panama Kanal-Konkurrenten

Gestern begann der Bau des Nicaragua-Kanals, oder „El Gran Canal“, wie die Einwohner des Landes ihn nennen. Er wird als direkte Konkurrenz zum südlich gelegenen Panama-Kanal gebaut. Das chinesische Konsortium „HK Nicaragua Canal Development Investment Company“ erhält 49 % der Anteile am Projekt, und betreibt den Kanal 50 Jahre lang mit einer Option zur Verlängerung. 51 % hält der Staat Nicaragua. Man kann davon ausgehen, dass eine chinesische Firmengruppe bei so einem Mega-Projekt unter der Obhut der Regierung in Peking arbeitet.

Die Chinesen investieren 50 Mrd USD und wollen nach nur 5 Jahren Bauzeit fertig sein – atemberaubend schnell, aber wenn man sieht, wie schnell die Chinesen zu Hause Bauwerke hochziehen, machbar. Neben dem Kanal sollen noch Häfen, ein Tourismuskomplex und eigene Baufirmen vor Ort entstehen. 2/3 der Einwohner Nicaraguas sind für den Kanal, weil man die wirtschaftlichen Chancen höher sieht als die enormen Risiken für Umwelt und Anwohner der betroffenen Region.

China kann so die zunehmende Rohstoff- und Nahrungsmittelproduktion, die an der Atlantikküste in Südamerika oder in der Karibik verschifft wird, durch den eigenen Kanal Richtung Pazifik leiten, z.B. Öl aus Venezuela, mit dem groß angelegte langfristige Lieferungen vereinbart wurden.

Der Panama-Kanal wird zwar nicht mehr direkt von den USA verwaltet, sondern ist wieder im Besitz von Panama selbst. Dennoch kann man Panama eindeutig als Land werten, dass zur Einfluss-Sphäre der USA zählt. Nicaragua zählt eindeutig nicht dazu. Mit dem Bau des Nicaragua-Kanals entledigt sich China einer weiteren unterschwelligen Machtgrundlage der USA und kann seine Reedereien durch den eigenen Kanal schicken. Nicht nur das – man könnte vermuten es geht der chinesischen Regierung nur ums Prestige, aber : mit bis zu 520 Metern Breite und 30 Metern Tiefe beim neuen Kanal ist der Panama-Kanal nur ein dünnes Abflussrohr. Alles spricht dafür, dass Reedereien (nicht nur chinesische), die mit Mega-Tankern und Containerschiffen unterwegs sind, durch den chinesischen Kanal fahren werden – er ist 500 km weiter nördlich gelegen als der Panama-Kanal, daher deutlich näher gelegen zur US-Ostküste und dem Golf von Mexiko. Warum soll man länger fahren und mehr Spritkosten aufwenden, um dann durch einen engeren Panama-Kanal zu fahren ? Der wird zwar gerade erweitert; die neuesten Mega-Schiffe passen dann immer noch nicht durch. Also kann der neue Kanal mit großer Wahrscheinlichkeit nicht nur ein Prestige-Projekt + geostrategischer Baustein werden, sondern auch ein kommerzieller Erfolg.

Scheitern kann das Projekt nur noch an den Kosten, denn man muss sich durch eine im Verhältnis zum Panama-Kanal ca. drei Mal so lange Strecke Urwald graben, und auch für die Durchquerung des riesigen Nicaragua-Sees muss dieser vertieft werden. Aber man sollte die Entschlossenheit der Chinesen nicht unterschätzen, notfalls Geld nachzulegen.

Natürlich wird es in Nicaragua zu Umsiedlungen kommen um Platz für den Kanal zu schaffen, und durch die Zerschneidung des Landes wird das Ökosystem beeinflusst. Aber abgesehen davon… zeigt das Beispiel Panama: für den laufenden Betrieb so eines Bauwerks werden zahlreiche Menschen benötigt, und direkte sowie indirekte Steuereinnahmen sprudeln. Für ein verarmtes Land wie Nicaragua kann es zu einer ähnlichen Erfolgsstory werden wie für Panama, das an beiden Endes seines Kanals etablierte Häfen hat, die es ohne Kanal in dieser Form nicht gäbe.



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