Immobilien

Wohnungsknappheit in Deutschland Der Druck auf die Mieter steigt: Vonovia erwartet steigende Mieten

Der Druck auf die Mieter steigt: Vonovia erwartet steigende Mieten
Vonovia - Mietwohnungen. Foto: Krisztian Bocsi/Bloomberg

Der deutsche Immobilienmarkt steckt in einer Abwärtsspirale fest. Die Folgen des aggressiven Zinserhöhungszyklus der EZB wirken sich nun immer stärker aus. Das bedeutet nicht nur schlechte Aussichten für die Baubranche und Projektentwickler, sondern auch für viele Mieter. Die Immobilienkrise fordert ihre Opfer: So geraten immer mehr Projektentwickler wegen der hohen Kreditzinsen in Schieflage. Zudem geht das Neugeschäft der Baubranche spürbar zurück. Durch die Kostenexplosion werden immer mehr Immobilien-Projekte verschoben oder gar nicht erst umgesetzt, was wiederum die schon vorhandene Wohnungsknappheit in Deutschland noch verschärft. Der deutsche Vermieter Vonovia sieht daher steigende Mieten auf die Mieter zukommen. Der Immobilienkonzern setzt jetzt auf Verkäufe, um das Portfolio zu verschlanken und den Fokus auf Wohnimmobilien zu legen.

Vonovia: Fokus auf Wohnimmobilien

Wie Bloomberg berichtet, versucht die Vonovia SE, Geld zu beschaffen, während der größte Teil ihres Wohnimmobilien-Portfolios intakt ist, da die sich verschärfende Wohnungsknappheit in Deutschland die Voraussetzungen für höhere Mieten schafft.

Um eine kurzfristige Finanzierungslücke zu überbrücken, strebt Deutschlands größter Vermieter weitere 3 Milliarden Euro (3,3 Milliarden Dollar) an, die bis 2024 veräußert werden sollen, so der Vorstandsvorsitzende Rolf Buch. Das Unternehmen wolle sich von Pflegeheimen und Gewerbeimmobilien trennen und gleichzeitig so viele Wohnungen wie möglich behalten, sagte er.

Rolf Buch, CEO von Vonovia, erwartet steigende Mieten in Deutschland

„Es gibt einige Vermögenswerte, die wir ohnehin verkaufen wollen“, sagte Buch in einem Interview am Hauptsitz des Unternehmens in Bochum und bezog sich dabei auf Immobilien, die im Rahmen der Übernahme der Deutsche Wohnen im Jahr 2021 erworben wurden.

Nach einem jahrzehntelangen Boom hat das Ende der Ära des billigen Geldes auf den europäischen Immobilienmärkten Turbulenzen ausgelöst, insbesondere bei Unternehmen, die für die Erweiterung ihrer Portfolios hohe Kredite aufgenommen haben. Da die Anleihemärkte für den Sektor so gut wie geschlossen sind, haben die verschuldeten Vermieter nur wenige Alternativen zum Verkauf von Vermögenswerten mit hohen Abschlägen, um Geld zu beschaffen.

Laut einer Unternehmenspräsentation muss Vonovia bis Ende 2025 rund 4,5 Milliarden Euro an Krediten und Anleihen zurückzahlen. In diesem Jahr hat das Unternehmen sein Ziel, 2 Milliarden Euro durch den Verkauf von Immobilien einzunehmen, weit übertroffen.

Zwei dieser Deals, die Vonovia mit dem Vermögensverwalter CBRE Investment Management eingangen ist, zeigen dass „der Markt für Verkäufer immer noch schwierig ist“, so der CEO. CBRE Investment Management kaufte rund 2.500 Wohnungen in Berlin, München und Frankfurt für etwas mehr als 900 Millionen Euro, womit die Baukosten von Vonovia gerade so gedeckt werden konnten.

Baukrise bis mindestens 2025

Während einige Gewerbeimmobilien weiterhin zum Verkauf stehen, wird Vonovia den Verkauf von Wohnimmobilien stoppen, „sobald die Talsohle der Bewertungen erreicht ist“, sagte er.

Wohnungsknappheit: Der deutsche Wohnungsmarkt kommt nicht hinterher

Wenn das Unternehmen, das in Deutschland fast eine halbe Million Wohnungen besitzt, die Krise überstehen kann, setzt Buch darauf, dass sich die Aussichten verbessern werden, da der Baustopp und die ungebrochene Nachfrage den Weg für ein Ende der Wohnungsbauphase in Deutschland ebnen.

„Die Baukrise wird sich bis mindestens 2025 verschärfen“, sagt er. Die Bauunternehmen schließen nur laufende Projekte ab und fügen keine neuen hinzu, während der Sektor mit „erheblicher Unsicherheit“ konfrontiert ist, da die Regierung von Bundeskanzler Olaf Scholz mit einem Haushaltsdefizit von 60 Milliarden Euro zu kämpfen hat, sagte der CEO.

Mieter unter Druck

Das Haushaltsloch, das durch das überraschende Schulden-Urteil des Verfassungsgerichts entstanden ist, könnte dafür sorgen, dass Vonovia Subventionen für die Modernisierung älterer Gebäude entgehen. Die Kosten für energieeffiziente Sanierungen müssten dann die Mieter tragen. “Wenn wir die Förderung nicht an die Mieter weitergeben können, heißt das, dass die Mieten steigen müssen”, so Buch.

Für die Mieter wird der Druck bereits im nächsten Jahr spürbar werden. Weil die Mietspiegel in Deutschland der Inflation mit Verzögerung folgen, werden die Mieten im Jahr 2024 stärker steigen als in diesem Jahr.

Diese Dynamik könnte Vonovia helfen, seine Finanzen zu stärken und den Rückgang der Bewertungen zu stoppen, der dazu führte, dass das Unternehmen in den ersten neun Monaten des Jahres 2023 einen Nettoverlust von 3,8 Milliarden Euro auswies. Buch sagte, dass der aktuelle Markt eine Chance für zahlungskräftige Käufer sei.

„Sie setzen darauf, die guten Sachen jetzt zu kaufen“, sagte er. „Für diejenigen, die später einsteigen müssen, wird nichts mehr übrig sein.“

FMW/Bloomberg



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7 Kommentare

  1. aha, „vonovia erwartet steigende mieten“

    vorab, bei uns in saarbrücken hat der kaufhof vor monaten zugemacht. ein nachmieter wurde gesucht und gefunden. der nachmieter stolz präsentiert. das aachener modehaus hat sich an den sxhaufrnstern schon präsentiert um nach 3-4 minaten bekannt zu geben das sie insolvenz angemeldet haben.

    meiner meinung zu gewerbeflächen und den stationären handel habe ich schon gesagt. die zukunft für den stationären handel sieht düster aus.

    jetzt kommt mir der ansxhein, daß diese immo fon’s wie vonovia die verluste in ihrem gewerblichen segment auf die gesunde sparte wohnwirtschaftlicher wohnungen umwälzen wollen. trotz schon erzielten hohen mieten nochmal die miete erhöhen ist sxhmacklos. ich kann es verstehen es geht um sein oder nicht sein, die verlustr im gewerblichen sektor seit corona und onlinehandel werden immer höher und wenn man überleben will muss man das geld irgendwo anders reinholen.
    und was bleibt anders übrig als die wohnwirtsxhaftlichrn mieter auszunehmen. weil die mieterhöhungen müsste auf gerechtigkeit überprüft werden. und die situation am wohnungsmarkt nicht sxhamlos ausgenutzt.

    zur immoblase. man kann sagen was man will. so tue ich es auch.
    also die sxhockartigen zinserhöhungrn in kürzester zeit von 1% auf 5% haben meiner meinung nach dazu geführt das wir keine wiederholung wie 2008 zusehen bekommen werden.
    mann hat von heute auf morgen dem immomarkt den stecker gezogen und somit hat eine wirklich sehr gesunde konsolidierungsphase begonnen.
    nachfrage abgewürgt, baufikredite runtergefahren.
    es wird im wohnwirtschaflichen sektor kein platzen geben. alles ist gesund. anschlussfinanzierungen sind gesichert falls tilgungsbesparung über einen bausparer.

    die blase wird eher im gewerblichen sektor platzen, aber auch hier kann muss aber nicht.
    weil kommunen städte und das land als nachmieter in erscheinung treten. so habe ich das mal sehr oft gesehen. aber bis wohin will der staat leere gewerberäume anmieten, die im anschluss für irgendeinen aussteller dienen.

    summasummarum, bin ich zur zeit positiv überrasxht und bravo an die zinspolitik.
    noch ein jahr niedrigzinsphase und die immoblase hätte nur kurze zeit auf sich warten lassen. aber so ein “ dem immomarkt den steckerziehen“ war im richtigen moment die richtige entscheidung.

    sxhauen wir mal wie die fon’s und privaten eigentümer von gewerblichen gebäuden diese sxhwierige situation überwinden werden. ob überhaupt eine bank zu finden sein wird welcher mit ins feuer geht.

    aber zurück zum thema, hier muss der vermieterbund definitiv einschreiten. sonst ist bald die miete höher wie der arbeitslohn vom mieter.

    vg md

    1. „summasummarum, bin ich zur zeit positiv überrasxht und bravo an die zinspolitik.“

      nicht falsxh verstehen: mir wäre lieber gewesen die zinsen wären unten geblieben, daß gesxhäft lief gerade sehr gut.

    2. Man muss dem Regime nur vertrauen. Die Sozialisten und Fanatiker haben bereits in der Corona-Plandemie bewiesen, wie kompetent und glaubwürdig sie sind.

      Und wenn man Zweifel hat, dann gibt es wenigstens Schutz mit der Brandmauer gegen räääächts.

  2. aaaaach, klar soll mieterbund heissen und nicht vermieterbund. aber ihr kennt mich ja mittlerweile.
    bitte nach der qualität vom Inhalt beurteilen nicht nach meinen schreibfehlern :))) danke

  3. Vonovia soll Mal ordentlich was draufpacken, wirklich Leid tun mir nur die unschuldigen Rentner, die vom Staat verarscht wurden. Sonst haben wir ein Jammern auf hohem Niveau, Bürgergeld ist ja sowieso schon die „Sahnehaube“ 😱. Ja ja, die bösen Vermieter, aber schon schreien, wenn der Wasserhahn tropft. Junge Leute sind nicht erst durch den „Coronaeffekt“ per Saldo „dümmer“ geworden, nein sie sind nun auch noch faul 😩.

    1. Die jungen Leute müssen mit dem hinterlassenen Mist der Alten leben. Ich bin eher die ältere Generation und kann einige junge für die sich Leistung nicht mehr lohnt sehr gut verstehen. Es waren schliesslich die alten die zwar rumgemault haben aber jeden Mist der Politik zum eigenen Vorteil hingenommen haben. Die „jungen“ haben jedes Recht dem Generationsvertrag einen Stinkefinger zu zeigen! Die Alten maulen nur rum, weil sie Angst haben das die jungen sich nicht für ihre Rente ausnehmen lassen wollen. So siehts aus!

  4. Energiekosten ist (einer) der wichtigste(n) Standortfaktore(n) und keineswegs nur auf energieintensive Betriebe beschränkt. Man hat diese Kosten bewusst aus dem Ruder laufen lassen und wundert sich jetzt, dass Mieten und Kosten der Lebenshaltung steigen. Das sind indirekte Standortfaktoren, auch weil sie die Flexibilität von Arbeitnehmern stark einschränken.

    Klar ist: Weder die Rentner noch die Arbeitnehmer können hier etwas nachlassen, mit dem Widerspruch muss man schon leben. Vergisst man mal die Diskussion um Gerechtigkeit und Einschränkung für den Einzelnen und sieht sich nur das große Bild an, so wären Kürzungen bei den Renten a-priori asymmetrisch zugunsten niedriger Renten durchzuführen. Was über kurz oder lang dazu führt, dass dieses Rentensystem für einen nicht ganz unwichtigen Teil der Arbeitnehmer unattraktiv wird. Das führt zu Brain-Drain und Kapitalexport. Zwei weitere Pluspunkte für den Standort ist dann Geschichte.

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