Devisen

Die neue Rolle des Euro

Der Ukraine-Konflikt hat zu einem breiten Kapitalfluss in sogenannte sichere Häfen geführt – insbesondere der US-Dollar, der Yen und der Schweizer Franken waren die Profiteure. Warum aber hat sich der Euro zum Dollar kaum bewegt?

Eine Erklärung ist natürlich das wohlbekannte Schneeball-System der Eurozone: Banken kaufen insbesondere Staatsanleihen der Euro-Peripherie, ein sicheres, profitintensives Geschäft (wenn den Investoren nicht überraschenderweise der Himmel auf den Kopf fallen sollte – aber das ist schon damals nicht einmal den Galliern passiert).

Jetzt aber hat die Commerzbank für die relative Stärke noch eine andere Erklärung. So sei für den Euro der Zinsausblick entscheidend – und der sei potentiell weiter auf eine ultralaxe Geldpolitik durch die EZB geprägt (anders als beim US-Dollar mit dem Tapering der Fed). Damit würde der Euro für Carry Trades interessant – man leiht sich also Euros zu auch in weiterer Zukunft absehbar günstigen Zinskonditionen, und investiert damit in Anlagen, die eine bessere Verzinsung haben (z.B. höher verzinste Währungen).

Carry Trades aber leiden normalerweise in Situationen wie derzeit beim Ukraine-Konflikt – die Marktteilnehmer lösen ihre Trades auf und kaufen damit wieder die sogenannte Funding-Währung. Der Euro profitiert also davon, dass die Carry Trades wieder rückabgewickelt werden und die zur Spekulation aufgewendeten Mittel faktisch wieder in Euro-Käufe münden. Damit gleicht der Euro den Nachteil gegenüber dem als sicherer Hafen geltenden US-Dollar wieder aus – was die vergleichsweise geringe Bewegung des Euro-Dollar während der Ukraine-Krise erklärt.

Respekt, liebe Commerzbanker. War doch gut, dass der Staat euch gerettet hat. Sonst wären wir jetzt um eine wichtige Erkenntnis ärmer..



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