Anleihen

Evergrande und Kaisa: Fitch erklärt „Eingeschränkten Ausfall“ – Schock bleibt aus

Beispielbild zeigt Hochhäuser in Shanghai

Die Ratingagentur Fitch hat die chinesischen Unternehmen Evergrande und Kaisa auf den Status „Eingeschränkter Zahlungsausfall“ (Restricted Default) abgestuft. Diese Klassifizierung liegt nur eine Stufe über dem klassischen richtigen Zahlungsausfall, also quasi einer Pleite. Ein Zahlungsausfall wird immer dann erklärt, wenn Unternerhmen ihren Verbindlichkeiten nicht nachkommen können. Am Transparentesten ist dies natürlich bei Anleihen, die am Markt platziert wurden, und wo nachvollziehbar ist, ob zum Beispiel die laufenden Zinszahlungen an internationale Anleger geleistet werden. Fitch erklärt nun also die Herabstufung des Fremdwährungs-Emittentenausfallrating (IDR) von China Evergrande Group, der Tochtergesellschaften Hengda Real Estate Group Co. Ltd und Tianji Holding Limited von „C“ auf „RD“ (Restricted Default) – aber auch von Kaisa.

Nicht gezahlte Zinsen bei Evergrande

Die Herabstufungen spiegeln laut Fitch bei Evergrande die Nichtzahlung der am 6. November fälligen Zinskupons für Tianjis 13 Prozent-Anleihen im Wert von 645 Millionen US-Dollar und 13,75-Prozent-Anleihen im Wert von 590 Millionen US-Dollar wider, nachdem die Nachfrist am 6. Dezember abgelaufen war. Weder das Unternehmen noch der Treuhänder haben sich laut Fitch zu den Kuponzahlungen geäußert, die am 6. November für die beiden Tianji-Anleihen nach Ablauf der tilgungsfreien Zeiträume fällig waren. Darüber hinaus habe das Unternehmen nicht auf eine Anfrage nach einer Bestätigung der Kuponzahlungen reagiert. Man gehe daher davon aus, dass sie nicht gezahlt wurden.

Anleihekurse im Keller -Ereignis bereits seit Monaten eingepreist

Der Experte Christophe Barraud erwähnt diesbezüglich die (bereits seit Mai dramatisch gecrashten) Kurse der Anleihen von Evergrande, die von damals über 80 auf jetzt gut 20 Cents pro Dollar gefallen sind. Eine logische Entwicklung. Gut, bei 20 Cents ist immer noch reichlich Luft nach unten vorhanden – denn schließlich fehlt noch die Meldung des Totalausfalls. Aber der Anleihemarkt sah seit Monaten eine stetig größere Wahrscheinlichkeit für Zahlungsausfälle. Daher wurden die Anleihen verkauft – die Kurse sanken, die Rendite stieg. Wer diese Papiere kaufte, wird durch dramatisch höhere Renditen entlohnt – dafür dass er das Risiko des wahrscheinlicheren Zahlungsausfalls übernahm. Und nun wird dieses Risiko offenbar Realität. Der Chart zeigt: Was jetzt Realität wird, wurde vom Anleihemarkt seit Monaten bereits eingepreist.

Interessant an dieser heutigen Feststellung von Fitch ist: Der Schock an den internationalen Kapitalmärkten bleibt heute gänzlich aus. Man erinnere sich an die letzten Monate, wo die westlichen Aktienindizes einbrachen, eben aus Angst vor diesem Ereignis, das die Weltwirtschaft vermeintlich in den Abgrund reißen könnte. Aber man hatte nun monatelang Zeit sich daran zu gewöhnen, und nun interessiert das niemanden mehr? Denn die Indizes wie Dax, Dow und Co zeigen heute keinen Absturz. Muss dazu erst der richtige endgültige Zahlungsausfall (Default) verkündet werden, oder bleibt der Gesamtmarkt dann auch ruhig wie heute?



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1 Kommentar

  1. Fakt ist, beide Konzerne haben kein Kapital um ihre ausstehenden Schulden zu bezahlen, somit sind sie insolvent! Alles andere ist Spielerei seitens der Ratingagenturen. Die Führung in China scheint ja schon mal klar gemacht zu haben, das man nicht plant den Unternehmen zur Hilfe zu kommen. Interessant wird es nun im Hinblick darauf, wie die Reaktion der (Off-Shore) Anleihenbesitzer ausfällt: Gibt es einen kompletten Ausverkauf bzw. kann man überhaupt über eine Restrukturierung verhandeln? Bei Kaisa wurde erst neulich ein Umtauschangebot abgelehnt..

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