Folgen Sie uns
  • Club der Trader
  • Börsenseminar
  • marketsx

Anleihen

Ex-Chefvolkswirt der Deutschen Bank fordert Systemwechsel

Veröffentlicht

am

Thomas Mayer bekleidete von 1983 bis 1990 verschiedene Funktionen beim Internationalen Währungsfonds in Washington, 1991 bis 2002 war er bei Goldman Sachs in Frankfurt und London tätig. Er wurde dann 2010 Chefvolkswirt der Deutschen Bank, 2012 mit Vorstandsvorsitz-Übernahme durch Anshu Jain und Jürgen Fitschen (Verstärkung des Trends zur Investmentbank) war er jedoch auf das Abstellgleis geschoben und bis 2014 nur noch beratend für die Bank tätig. Seitdem baut er für die Vermögensverwaltung Flossbach von Storch in Köln eine Denkfabrik auf.

Sein Buch „Die neue Ordnung des Geldes: Warum wir eine Geldreform brauchen“ ist eine elektrisierende Lektüre. Im Interview mit finanzmarktwelt.de erklärt Thomas Mayer, was schief läuft an den Finanzmärkten mit ihren ökonomisch-mathematischen Predigern. Seine Kritik ist im besten Sinnes des Wortes „radikal“ (an die Wurzel gehend):

1. finanzmarktwelt.de: Herr Mayer, in Ihrem Buch „Die neue Ordnung des Geldes“ sagen Sie, dass Sie die Achtung vor der herkömmlichen Ökonomie-Lehre verloren haben. Wie kam es dazu?

Thomas Mayer: Das gängige makroökonomische Modell – ich nenne es das Neukeynesianisch-neoklassische Fusionsmodell — hat versagt. Die Ökonomen in den Zentralbanken, Universitäten sowie den öffentlichen und privaten Forschungseinrichtungen, die diese Modell zur Analyse laufender Entwicklungen und Prognosen verwendet haben, haben die Finanzkrise nicht kommen sehen. Die moderne Portfoliotheorie, die die Blaupausen für die Kreditverbriefungen lieferte, hat ebenfalls versagt. Mit Hilfe dieser Theorie wurden scheinbar sichere Finanzprodukte gebaut, die sich in der Krise als Giftmüll entpuppten. Dies hätte beinahe zum Zusammenbruch unseres Finanzsystems geführt. Man sollte erwarten, dass diese Ansätze nach der Krise grundlegend in Frage gestellt werden. Das ist nicht geschehen. In den meisten Bereichen geht der Betrieb weiter als sei nichts passiert.

2.finanzmarktwelt.de: Die Politik versucht als Reaktion auf die Finanzkrise die „Zähmung des Systems“, wie Sie es nennen, indem es die Risiken minimiert – durch höhere Eigenkapitalanforderungen für Banken. Damit aber wird die Kreditvergabe weiter erschwert, während die EZB gleichzeitig verzweifelt versucht, diese Kreditvergabe zu stimulieren. Das passt doch nicht zusammen, oder?

Thomas Mayer: Das passt in der Tat nicht zusammen. Nach dem Platzen der Kreditblase ist die natürliche Reaktion aller Betroffenen, die Aufnahme neuer Schulden zu erschweren und (als Schuldner) zu vermeiden. Da aber in unserem Kreditgeldsystem Geld über die Vergabe von Krediten erzeugt wird, schwächelt die Gelderzeugung und damit die gesamtwirtschaftliche Nachfrage, wenn weniger Kredite vergeben werden. Die Politik reagiert auf dieses Dilemma, indem sie mit dem einem Fuß auf dem Kreditgaspedal und mit dem anderen auf der Kreditbremse steht. Das kann natürlich nicht gut gehen. Damit die Verringerung der Verschuldung möglich wird, ohne dass das Geld knapp wird, müssen wir das Geld- vom Kreditsystem trennen.

3. finanzmarktwelt.de: Sie zeigen in Ihrem Buch, dass das angeblich solide Bankengeschäft, das auf den Einlagen der Kunden basiert, faktisch riskanter ist als das auf Spekulation basierende Kapitalmarktgeschäft – und zerstören damit eine der zentralsten Illusionen der Deutschen. Warum ist das so?

Thomas Mayer: Wenn eine Bank einen Kredit vergibt schreibt diese dem Kreditnehmer den Betrag auf seinem Girokonto gut. Kreditvergabe ist also Geldschöpfung. Wenn nun zu viele und viele schlechte Kredite vergeben werden, dann wird ein Teil der Kredite ausfallen. Das mit diesen Krediten geschaffene Geld wird vernichtet, was zu Geldknappheit, Deflation und Wirtschaftskrisen führen kann. Das kann dann, wie bei einem Atomunfall, zu unüberschaubaren Schäden führen. Dagegen bestehen die Aktivitäten am Kapitalmarkt in ihrem Kern in der Vermittlung zwischen Sparern und Investoren. Natürlich können auch da Dinge schief gehen. Aber es kommt nicht zu einer Systemkrise – es sei denn, die Kapitalmarktakteure haben ihre Geschäfte mit Bankkrediten auf Pump finanziert. Dann haben wir es aber wieder mit eine Kredit- und Bankenkrise zu tun.

4.finanzmarktwelt.de: Nach wie vor müssen Banken für den Kauf von Staatsanleihen kein Eigenkapital hinterlegen. Durch die Garantie der EZB fallen nun die Risikoprämien – trotz der immensen Verschuldung der Staaten der Eurozone – von Allzeittief zu Allzeittief. Geht es der Politik und der EZB also faktisch gar nicht um die Minderung der Risiken, sondern eher um die Finanzierbarkeit der immensen Staatsschulden?

Thomas Mayer: Meiner Lesart nach hat die Neuaufstellung der EZB als Kreditgeber der letzten Instanz für Staaten den Charakter des Euro verändert. Im Maastricht Vertrag war es als unpolitisches Geld konzipiert, das den Staaten der EWU nicht als Mittel zur Finanzierung ihrer Schuld zur Verfügung stehen sollte. Der Euro war konzipiert wie Gold, oder „Aktivgeld“, wie ich es nenne. Aktivgeld ist ein Vermögenswert, der in der Bilanz auf der Aktivseite steht. Nun ist er ein Finanzierungsinstrument, das in der Bilanz auf der Passivseite steht. Deshalb nenne ich diese Geldart “Passivgeld“. In der Geschichte haben Staaten immer wieder Passivgeld emittiert, um ihre Ausgaben zu finanzieren. Die EZB ist dabei in einer besonderen Lage: Ihr steht kein einzelner Zentralstaat, sondern 18 souveräne Einzelstaaten gegenüber. Damit kann sie noch leichter zur Beute der Staaten werden, wenn diese mit EZB-Geld ihre Defizite finanzieren wollen.

5. finanzmarktwelt.de: Trotz der Maßnahmen der EZB springt weder die Wirtschaft noch die Kreditvergabe nachhaltig an. Liegt der Fehler im System, also im Wesen des „Passivgeldes“, wie Sie es bezeichnen? Wie sieht ihr Gegenentwurf dazu aus?

Thomas Mayer: Wie ich es oben schon beschrieben habe müssen wir die Geldschöpfung von der Kreditvergabe der Banken trennen. Dann können wir die Geldmenge mäßig und stetig vergrößern, ohne dass sich die Leute verschulden müssen. Geldmengenwachstum und Schuldenabbau sind dann nicht mehr Gegensätze. Im Übrigen halte ich es für ganz gesund, wenn nach übermäßigem Kreditwachstum nun die Kreditmenge – und damit die Schulden – wieder schrumpfen. Wachstum lässt sich auch anders als über Kredit finanzieren, nämlich über Eigenkapital. Das ist wesentlich gesünder für die Wirtschaft.

6.finanzmarktwelt.de: Sie fordern einen freien Wettbewerb von Währungen – also das Ende des Monopols des Euro. Wie könnte das aussehen?

Thomas Mayer: Ich könnte mir vorstellen, dass parallel zum Euro auch andere Währungen in der EWU umlaufen. Stellen Sie sich rein hypothetisch einmal vor, die Bundesbank würde in Konkurrenz zum Euro eine andere Währung anbieten. Würden es sich denn dann nicht die EZB-Politiker sehr gründlich überlegen, ob sie große Kreditsummen an Banken und Staaten vergeben wollen? Die Leute könnten dem Euro gegenüber misstrauisch werden und in die Währung der Bundesbank wechseln. Wenn aber keiner mehr den Euro will würden die EZB-Politiker ihren Job verlieren. Ein bisschen Konkurrenz wäre also ganz gut, um die Abenteuerlust der Zentralbanker zu begrenzen.

7.finanzmarktwelt.de: Sie formulieren: „Im Unterschied zum real existierenden Sozialismus früherer Jahre steuern nun aber die staatlichen Planer nicht mehr die Realwirtschaft, sondern den Finanzsektor“. Politik und EZB aber wirken immer ratloser – die Maßnahmen greifen einfach nicht. Sie hoffen, dass die einsetzende Desillusionierung ohne gewalttätige Revolution vonstatten geht. Worauf gründet Ihr Optimismus?

Thomas Mayer: Ich denke, wir sind eine Finanzkrise entfernt von einem Systemwechsel. Wenn schon alles wieder gut liefe, müssten wir uns über den Systemwechsel keine Gedanken machen. Aber dem ist nicht so. Die Krise ist angehalten, aber nicht überwunden worden. Wenn sie wieder ausbricht könnten wir die grundlegenden Systemänderungen machen – wenn wir uns in einer breiten Diskussion darauf vorbereitet haben. Wenn wir allerdings die Köpfe weiter in den Sand stecken, dann kann uns der erneute Ausbruch der Krise zu unbedachten und höchst kostspieligen Reaktionen bringen.

8.finanzmarktwelt.de: Gleichwohl ist Ihr neues Buch „revolutionär“, weil es die Abschaffung des bestehenden Geldsystems fordert. Hat Ihr Abschied von der herkömmlichen Lehre auch dazu geführt, dass Sie sich sagten: „Ich kann nicht für eine Bank arbeiten, die das herkömmliche System maßgeblich repräsentiert?“

Thomas Mayer: Aus meiner Sicht wäre es sehr wünschenswert, wenn die Bankenindustrie selbst sich grundlegende Gedanken über ihre Betriebssystem machen würde und zu Vorschlägen zur Behebung von Systemfehlern maßgeblich beitragen würde. Aber ich bin ein sehr naiver Mensch.

5 Kommentare

5 Comments

  1. Martin Ebner

    14. Oktober 2014 12:26 at 12:26

    Eine Möglichkeit, „die Geldschöpfung von der Kreditvergabe der Banken zu trennen“, wäre wohl „Vollgeld“, wie es in der Schweiz gerade von einer Referendumsinitiative angestrebt wird.
    ( http://martin-ebner.net/topics/money/vollgeld/ )

  2. Michael E.

    14. Oktober 2014 20:37 at 20:37

  3. Franz Hörmann

    18. Oktober 2014 11:25 at 11:25

    Eine Weiterentwicklung des Vollgeldes, wobei nicht mehr getauscht sondern kooperiert wird und „Geld“ eine wertlose Maßeinheit für menschliche Leistung darstellt, die bei Leistungserbringung „eingebucht“ und bei Konsum „ausgebucht“ – also nicht mehr weitergegeben und „getauscht“ wird – wurde mit Informationsgeld erschaffen: http://www.informationsgeld.info.

  4. Detlef Bosau

    18. Oktober 2014 11:42 at 11:42

    Hat Mayer am Ende wirklich von „Betriebssystem“ gesprochen? Es scheint ein Teil unserer spätrömischen Dekadenz, um nicht zu sagen: der kollektiven Frührentnerdemenz zu sein, überall Begriffe aus der Informatik reinzurühren um sich wichtig zu machen.

    Sowas ist trotzdem ein Kategorienfehler und als solcher nicht verzeichlich.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Anleihen

Zinsen – Kontrollverlust der Fed

Entweder, es kommt bald zu einer Rezession in den USA – oder die US-Notenbank Fed hat schlicht die Kontrolle über die Zinsen verloren

Veröffentlicht

am

Momentan ist ein seltenes Phänomen am US-Kapitalmarkt zu beobachten, das verschiedene Interpretationsmöglichkeiten zulässt: Die Zinsen für langlaufende Staatsanleihen liegen unter der Übernachtrefinanzierungsrate der Fed (Federal Funds Rate). Entweder, es kommt bereits im nächsten Frühjahr zu einer Rezession in den USA oder die US-Notenbank Fed hat schlicht die Kontrolle über die Zinsen verloren. Vielleicht ist es auch eine Mischung aus beidem.

Zinsen – Kapitalmarkt gegen Fed

Der Leitzins der US Notenbank Fed liegt aktuell in einem Band von 2,00 bis 2,25 Prozent. Damit ist er der mit Abstand höchste der G7-Staaten.

Aber auch die Kapitalmarktrenditen liegen jenseits des Atlantiks deutlich über denen in Japan und Europa.

Die Konjunkturdaten in den USA zeigen zwar an Hand verschiedener Indikatoren eine Abschwächung der Wachstumsdynamik, aber eine Rezession á la Deutschland ist aus dem ökonomischen Datenkranz noch nicht herauszulesen.

Ganz anders das Bild an den Rentenmärkten: Hier zeigt die Inversion der Zinsstrukturkurve ganz klar den Beginn einer Rezession im nächsten Frühjahr an. Die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen notieren sogar unter dem US-Leitzins – und auf dem tiefsten Stand aller Zeiten.

US Leitzins (blau) gegen Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen (rot):

EZB versus Fed

Schaut man sich den Vergleich zwischen der Leitzinsentwicklung in der Eurozone ergänzend zu den Kapitalmarktrenditen in den USA an, wird klar, welche Kraft außer der Konjunkturerwartung der Anleihehändler noch eine Rolle spielt – die Zinsarbitrage: Investoren und Spekulanten leihen sich günstig Euro, tauschen diese in US-Dollar und fragen verstärkt höher rentierliche US-Anleihen nach, deren Kurse dadurch steigen und deren Zinsen (Renditen) allmählich absinkt.

Da sich bei dieser Spekulation auch der US-Dollar erhöhter Nachfrage durch das internationale Kapital erfreut, steigt auch noch der Wechselkurs der Zielwährung an. Problematisch wird es nur, wenn man die Buchgewinne realisieren möchte und viele andere Arbitrageure das dann zeitgleich auch tun möchten. Aber so weit ist es noch nicht, da der Zinsabstand aktuell noch zu attraktiv ist.

Leitzinsen USA (rot) vs. Leitzinsen Eurozone (blau):

Die Entwicklung der Zinsen in den USA und der EU

Konjunktur mit zyklischer Phasenverschiebung

Wie aus der obigen Leitzins-Grafik ersichtlich, lief in den letzten zwei Jahrzehnten der US-Zinszyklus (zusammen mit dem US-Konjunkturzyklus) dem Europas stets voraus. Durch das massive Steuersenkungsprogramm der Trump-Administration in Höhe von 1,5 Billionen US-Dollar, das 2018 in Kraft trat, kam es jedoch zu einer Phasenverschiebung. Der amerikanische Konjunkturzyklus wurde in seiner ohnehin späten Phase nochmals durch diesen massiven Fiskalstimulus künstlich verlängert. Gleichwohl hat dieses Strohfeuer weder selbsttragende konjunkturelle Elemente entwickelt, noch sich selbst auf steuerlicher Basis refinanziert, weshalb eine kurzfristige Neuauflage im Wahlkampf nicht wahrscheinlich ist.

Die Opposition in den USA kontrolliert seit den Zwischenwahlen im November 2018 das Repräsentantenhaus und wird dem politischen Gegner Trump solch ein Fiskalfeuerwerk bis zum Wahltermin am 3. November 2020 mit Sicherheit nicht noch einmal zugestehen. Das gleiche gilt für wachstumsrelevante Infrastrukturprogramme. Die Verständigung über solche Programme ist in diesem Sommer zwischen den Kammern des Kongresses und dem Weißen Haus in einer sehr frühen Phase bereits gescheitert. Die Demokraten verknüpften die Forderung Trumps nach erneuten gigantischen Ausgabenprogrammen politisch geschickt mit signifikanten Steuererhöhungen für Besserverdienende und Reiche – eine Hürde, über die die Trump-Administration nicht springen kann.

Damit läuft der einzige Grund für die noch vorhandene relative Stärke der US-Konjunktur gegenüber anderen Teilen der Welt aus. Es ist daher anzunehmen, dass es auch beim Zinszyklus der USA lediglich zu einem zeitlichen Nachlauf kommt. Dass es, wie der Fed-Chef Jerome Powell und einige seiner Kollegen momentan noch behaupten, lediglich zu singulären Zinssenkungen zur Absicherung des Aufschwungs kommt, ist äußerst unwahrscheinlich.

Fazit

Die Amerikaner mögen es nicht gewohnt sein, aber in Sachen Zyklus bei Zinsen und Konjunktur gehen diesmal andere voran. Diese Tatsache kann die Fed noch eine Weile negieren, verhindern kann sie dies gleichwohl nicht. Die Kontrolle über die globale Zinsentwicklung haben längst die Zentralbanken Japans, Chinas und der Eurozone übernommen. Nicht, weil sie per se mächtiger sind, sondern weil sie den gigantischen Zins-Arbitrage-Hebel des Kapitalmarkts auf ihrer Seite haben. Damit bleibt es dabei: die Leitzinsen in den USA werden sich dem Zinsniveau von EZB & Co. anschließen und nicht umgekehrt.

Die Fed hat die Kontrolle über die Zinsen

weiterlesen

Allgemein

Euro und EZB – Vorschau auf den MEGA-Event nächste Woche

Veröffentlicht

am

Nächste Woche Donnerstag ist es endlich soweit. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ihre Zinsentscheidung bekannt geben. Sie wird den Euro beeinflussen, aber auch zahlreiche Nachbar-Währungen wie den Schweizer Franken, den polnischen Zloty, den ungarischen Forint usw. Vor allem die Schweizer Kollegen der EZB dürften vermutlich zügig nachziehen mit sinkenden Zinsen, weil sie eine Aufwertung des Franken unbedingt verhindern wollen. Aber was wird erwartet? Womit darf man rechnen für Donnerstag um 13:45 Uhr (Entscheidung) und 14:30 (PK)?

Euro und EZB - Mario Draghi nächsten Donnerstag mit seiner letzten Entscheidung
Mario Draghi. Foto: EZB

Euro gegen Dollar schon gut gefallen

Schauen wir auf den folgenden Chart, der Euro vs US-Dollar seit 2016 zeigt. Man sieht, dass der Euro seit gut einem Jahr langsam aber kontinuierlich am Fallen ist. Denn der Markt hat sich immer mehr darauf vorbereitet, dass die Europäische Zentralbank wohl doch eher Zinsen senken statt anheben wird. Denn im Laufe der letzten Quartale wurden die Konjunkturdaten in Europa immer schlechter und schlechter. Euro vs USD hat seit Sommer 2018 von 1,1750 auf unter 1,10 verloren. Ganz aktuell in der letzten Woche ging es ein klein wenig bergauf für den Euro, aber eher weil der US-Dollar dank steigendem Risikoappetit der globalen Anlegergemeinde Schwäche zeigte.

Euro vs USD seit 2016

Was wird die EZB tun?

Aber erst einmal zur EZB. Was wird sie entscheiden? Seit Monaten geht man davon aus, dass es eine Zinssenkung in Kombination mit einem neuen Anleihekaufprogramm sein wird. Die Aussicht hierauf hatte den Euro wie vorhin schon erwähnt bereits deutlich geschwächt. Aber zuletzt mehrten sich auch Zweifel daran, ob es neue Anleihekäufe geben würde. Ein gewisser Kampf zwischen Nord- und Südländern innerhalb der EZB soll im Gange sein. Denn erstens scheinen die Nordländer innerhalb der EZB grundsätzlich dagegen zu sein. Und zweitens gibt es das Problem, dass die EZB maximal 33% der verkauften Anleihen eines Landes kaufen kann. In einigen Fällen ist man schon an dieser Grenze angekommen. Deshalb müsste man seine selbst erstellten Regeln dann nach oben anpassen. Was aber die Kritiker auf die Palmen bringen dürfte, die sowieso schon seit Jahren der Meinung sind, die EZB betreibe letztlich die Finanzierung von überschuldeten Staatshaushalten in der Eurozone. Also könnte es sein, dass es nur eine Zinssenkung wird? Beim Banken-Einlagenzins, der bereits bei -0,40% liegt, könnte es auch weiter bergab gehen, aber mit einer Regelung, welche betroffene Banken schonen könnte.

Aber jetzt kommt ein Problem auf für alle Beobachter, die in den letzten Tagen ein eher kleine Lockerung durch die EZB erwarten. Denn die Konjunkturdaten gerade für Deutschland sind in den letzten Wochen immer grottiger ausgefallen. In Sachen Inflation zeigen zahlreiche jüngst veröffentlichte Indikatoren sogar in Richtung Deflation (hier ein Beispiel). Auch die Industrieaufträge und Umsätze aus Deutschland sind aktuell stark rückläufig. Und was hatte Mario Draghi noch am 25. Juli gesagt? Diese niedrige Inflationsrate könne man nicht akzeptieren. Und seit diesem Satz sind schon wieder fünf Wochen vergangen, und diverse Daten zeigen eine weiter verschärfte Abwärtstendenz für die Verbraucherpreise in der Eurozone. Also: Darf man vermuten, dass die EZB wohl doch einen großen Schritt vornehmen wird?

Eine Meinung

Die Danske Bank hat gestern eine aktuelle Meinung veröffentlicht, was man für Donnerstag erwartet. Man glaubt daran, dass die anstehende Entscheidung der EZB sogar die Leitlinien für die nächsten Jahre setzen könnte. Danske erwartet bei der Deposit Rate und der Marginal Lending Facility (zwei von drei Leitzinssätzen) eine Senkung von 20 Basispunkten, mit einer Aussicht auf möglicherweise weiter sinkende Zinsen. Auch glaubt man gleichzeitig an einen Neustart der Anleihekäufe für 12 Monate in Höhe von 45-60 Milliarden Euro pro Monat. Und man glaubt daran, dass die EZB ein Stufensystem beim Bankeneinlagenzinssatz von derzeit -0,40% einführen wird, um die Geschäftsbanken ein wenig zu entlasten.

Markterwartungen

Der führende US-Finanzsender CNBC hat es gestern kurz und knapp so ausgedrückt: Der Markt erwarte eine Zinssenkung, und einige Experten erwarten auch einen Neustart der Anleihekäufe. Also: Kommt es zu Zinssenkungen + neuen Anleihekäufen, sollte der Euro dann ab Donnerstag Nachmittag weiter fallen gegen den US-Dollar? Laut „FT“ glaubt die französische BNP Paribas Asset Management, dass der Markt eine unendliche Fortsetzung des QE (Anleihekäufe) sehen will. Die Anleihekäufer (Institutionelle Investoren) hätten diese Anleihen (FMW: Zu immer höheren Kursen und immer niedrigeren Renditen) gekauft, weil sie davon ausgehen, dass man sie später an die EZB verkaufen könne.

Und ja, so meinen wir von FMW: Diese Erwartung haben viele Anleihekäufer wohl. Denn wenn man etwas kauft, will man es ja schließlich später mit Gewinn weiterverkaufen. Die Hamburg Commercial Bank (ehemals HSH Nordbank) ist der Meinung, dass die Analystengemeinde mehrheitlich von 10 Basispunkten Zinssenkung beim Einlagenzins ausgehe. Einige Beobachter würden aber auch 20 oder 30 Basispunkte erwarten. Und es werde wohl eine Staffelung der Einlagenzinsen geben, vielleicht auch mit Freibeträgen für die Geschäftsbanken wie in der Schweiz. Wichtig: Laut der Hamburg Commercial Bank würde der Markt ein QE-Volumen von 20 Milliarden Euro pro Monat wohl als Enttäuschung auffassen, und 40 Milliarden Euro als überraschend hoch. 12 Monate als Laufzeit seien realistisch.

Abschließend möchten wir anmerken: Mario Draghi gibt seine Abschiedsvorstellung! Das sollte man nicht unterschätzen. Er könnte also als großes Finale eine kräftige geldpolitische Lockerung durchpauken, denn die Konjunkturdaten in der Eurozone sind wirklich schlecht! Der Markt erwartet schon einiges, aber diese Erwartungen könnten von Draghi letztlich noch übertroffen werden. Dann sollte/könnte es womöglich mit dem Euro wohl weiter gen Süden gehen in Relation zum US-Dollar. Aber jetzt Schluss mit den Vermutungen. Am Donnerstag sind wir alle schlauer.

weiterlesen

Anleihen

Risk On ist, wenn neben der Bund-Rendite sogar der Peso steigen kann! Aktuell hilft ISM dem Dollar

Veröffentlicht

am

Von

Wir hatten es vorhin bereits besprochen. Vor allem dank der politischen Entspannung in Hongkong, aber auch wegen einer (zumindest in diesem Augenblick) leichten Entspannung im Handelskrieg glaubt der globale Kapitalmarkt, dass man wieder etwas mehr in Risiko-Assets gehen kann. Seit zwei Tagen wird der US-Dollar abverkauft, und man schichtet wieder mehr um in Risiko-Anlagen (Risk On Trade). Der Euro profitierte davon, und teilweise auch Gold.

Aber heute ab 16 Uhr gab es einen Game Changer, zumindest für den Augenblick. Der ISM-Index für Dienstleistungen in den USA lässt vermuten, dass die konjunkturelle Lage noch besser läuft als gedacht. Deswegen gewinnt aktuell der Dollar-Index von 98,08 auf 98,34 Indexpunkte. Euro gegen US-Dollar fällt daraufhin um 25 Pips. Aber: Gold rauscht seit 16 Uhr in Keller. Seit 15:30 Uhr ist es insgesamt ein Absturz von 1.537 auf jetzt 1.516 Dollar. Dollar rauf, Gold runter.

Risk On Trade und die deutsche Bundesanleihe

Aber zurück zum grundsätzlichen Risk On-Trade. Mal sehen, wie lange der Dollar diese kleine Euphorie beibehält. Deutsche Anleihen werden seit zwei Tagen verkauft. Also, raus aus der „ultimativen“ Sicherheit, und rein in mehr Risiko. So ist die Rendite für zehnjährige deutsche Staatsanleihen seit Dienstag bis jetzt gestiegen von -0,73% auf jetzt -0,59%. Das ist ein deutlicher Schritt. Im Chart sieht man den Renditeverlauf der letzten vier Wochen.

Risk On - Rendite deutscher Anleihen steigt

Und woran erkennt man dieser Tage wirklich, dass Risk On vorherrscht, dass die Anleger wieder Risiko suchen? Sogar der argentinische Peso kann gegen den US-Dollar zulegen. Kostete 1 USD am Dienstag noch 60,50 Peso, so sind es jetzt „nur noch“ 56 Peso. Das ist trotzdem noch ein katastrophaler Umrechnungskurs für die Argentinier, aber ganz kurzfristig in dieser Woche ist es eine kleine Erholung. Auch die in letzter Zeit so geprügelten osteuropäischen Währungen konnten seit zwei Tagen gegen den US-Dollar aufwerten. USD gegen ungarischen Forint verlor von 303 auf 297, steigt jetzt dank ISM auf 298. USD gegen Zloty verlor von 3,99 auf 3,91, und steigt jetzt auf 3,92.

Grundsätzlich, wenn man ein paar Schritte zurück tritt, und das Gesamtbild betrachtet, dann läuft der Risk On Trade (hier gut erklärt) weiter. Raus aus deutschen Anleihen und Gold. Raus aus dem US-Dollar, mit aktueller Unterbrechung durch den ISM-Index. Frage: Dreht der Dollar nun, oder geht es schon in wenigen Stunden weiter mit der Dollar-Abwertung? Im folgenden Chart sieht man seit dem 30. August in rot-grün den US-Dollar (Dollar-Index) gegen Gold in blau. Der Dollar fiel seit Tagen, und Gold versuchte als Gegenbewegung zu steigen. So richtig gelang das aber nicht. Dann jetzt, wo der Dollar dank ISM ein klein wenig aufwertet, rauscht Gold nach unten. Im Gold schlagen diese aktuelle Dollar-Aufwertung + Risk On doppelt zu.

Risk On - Gold vs USD

weiterlesen
Bitte abonnieren Sie unseren Newsletter.


Anmeldestatus

Meist gelesen 30 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen