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Gaspreis vor massivem Anstieg? LNG-Streiks in Australien

Der Gaspreis steigt - und wird er weiter massiv klettern? In Australien beginnen gerade Streiks bei wichtigen LNG-Anlagen.

Heute steigt der europäische Terminmarkt-Gaspreis Dutch TTF für die Oktober-Lieferung um 5,55 % auf 34,57 Euro – mit 35,83 Euro lag der Kurs heute schon höher! Der November-Kontrakt notiert bei 44 Euro. Sehen wir jetzt weiter kräftig steigende Preise, weil eine Angebotsverknappung droht? Bevor wir zu aktuellen Nachrichtenlage kommen, erstmal dies: Die Gasspeicher in Deutschland sind laut aktuellsten Daten von Gas Infrastructure Europe rechtzeitig vor dem Beginn der Heizperiode gut gefüllt mit 93,99 %, im EU-Schnitt sind es 93,47 %.

Gaspreis steigt an – LNG-Streik in Australien beginnt

Kann der Gaspreis nun weiter ansteigen? Gut möglich, denn in Australien haben Arbeiter in LNG-Anlagen (Verflüssigung von Gas für den Transport per Schiff) mit Streiks begonnen. Australien ist ein wichtiger Exporteur am Weltmarkt! Die Beschäftigten von LNG-Anlagen an wichtigen Standorten von Chevron in Australien begannen am Freitag mit Teilstreiks, nachdem in Gesprächen keine Einigung in einem Streit erzielt werden konnte, der die globalen Gasmärkte in Aufruhr versetzt hat. Bloomberg berichtet: Die Teilstreiks begannen um 13 Uhr Perth-Zeit in den Gorgon- und Wheatstone-Anlagen, die im vergangenen Jahr etwa 7 % der weltweiten LNG-Lieferungen ausmachten.

Mitglieder der Gewerkschaft Offshore Alliance erklärten, dass sie die Arbeit ab dem 14. September für zwei Wochen vollständig einstellen werden. Der Beginn des Arbeitskampfes markiert den Höhepunkt wochenlanger Diskussionen, die die weltweiten Gasmärkte in Atem gehalten haben. Anfang August hatten die Gewerkschaften erstmals mit Streiks an den Standorten von Chevron und Woodside Energy Group gedroht. Seitdem hat Woodside einen Kompromiss mit den Arbeitnehmern erzielt, während Chevron und seine Arbeitnehmer in mehreren wichtigen Fragen noch immer nicht übereinstimmen.

LNG-Anlagen in Australien

Die Teilstreiks vom Freitag umfassen Arbeitsniederlegungen, die Weigerung Überstunden zu leisten und einige andere Aufgaben zu erfüllen. „Die Verhandlungsführung von Chevron war die ungeschickteste aller Arbeitgeber, mit denen die Gewerkschaft in den letzten fünf Jahren zu tun hatte, und unsere Mitglieder haben genug davon“, erklärte die Offshore Alliance in einem Facebook-Post am Freitag.

Die Auswirkungen auf die LNG-Lieferungen werden wahrscheinlich nicht unmittelbar sein, und der Gasverbrauch ist derzeit sowohl in Europa als auch in Asien gedämpft. Dennoch hat die Aussicht auf künftige Lieferunterbrechungen den Gaspreis fürs Erste in die Höhe getrieben, da während der Nachfragespitzen im Winter in der nördlichen Hemisphäre ein größerer Wettbewerb um Ladungen droht.

Die ersten Streiks vom Freitag „scheinen auf einem niedrigeren Niveau zu liegen, um Kosten und Ineffizienzen für Chevron zu verursachen, aber noch keine wesentlichen Auswirkungen auf die Produktion zu haben“, sagte Saul Kavonic, ein Energieanalyst der Credit Suisse.

Kommentar

FMW: Irgendwann sind die Streiks – auch wenn sie noch an Intensität zunehmen sollten – wieder zuende. Auch wenn es dann zeitverzögert zu geringeren LNG-Lieferungen nach Asien oder Europa kommen sollte: Vorige normale Liefermengen werden nach den Streiks ja wieder erreicht werden, und dann sollte der Gaspreis auch wieder fallen. Zumal Europa wie gesagt rechtzeitig vor Beginn der Heizperiode bereits ziemlich gut gefüllte Lagerbestände an Gas vorzuweisen hat. Kurzfristig könnte der Gaspreis weiter hoch springen. Aber ähnlich wie bei großen Stürmen im Golf von Mexiko, wo Ölplattformen geräumt werden müssen und der Ölpreis steigt – nach dem Sturm und nach dem Streik normalisiert sich die Lage wieder. Die aktuelle Lage in Australien könnte also für den Gasmarkt ein „Sturm im Wasserglas“ sein.

Chevron-Firmenlogo. Photographer: Lisa Maree Williams/Bloomberg

FMW/Bloomberg



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2 Kommentare

  1. Vielleicht könnten ja die LNGTanker, die wegen dem Streik in Australien nicht benötigt werden, noch mehr russisches LNG in die EU transportieren, dass dann mit Aufschlag an Deutschland verkauft wird.
    Das klappt doch mit dem Diesel (aus russischem Erdöl) das Indien dann nach Deutschland liefert, auch ganz gut. Ist nur eben teurer.
    Aber Sanktionen sind eben teuer.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

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