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Rohrkrepierer und Heuchelei: Europa bastelt Iran-Zweckgesellschaft

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Die US-Sanktionen gegen die Iran sind voll in Kraft. Die massiven Drohungen der USA haben gewirkt, und so ziemlich alle europäischen Industrieunternehmen, die in den letzten Jahren gerade erst begonnen hatten ihre Export-Beziehungen mit dem Iran wieder aufzunehmen, haben ihre Aktivitäten nun schnell wieder eingestellt. Niemand will den tausendmal wichtigeren Exportmarkt USA verlieren. Denn genau darin besteht die verdammt mächtige Drohkulisse der Amerikaner.

Das war und ist natürlich eine Blamage für Europa. Denn Frankreich, Deutschland und die EU-Kommission hatten hoch und heilig versprochen, dass Europa am Atomabkommen mit Teheran festhalten werde, und dass die europäischen Unternehmen auch weiterhin Geschäfte mit dem Iran machen würden. Doch die Unternehmen richteten sich nicht nach ihren eigenen staatlichen Vertreten, sondern nach den Vorgaben der Amerikaner.

Zweckgesellschaft soll Handel mit Iran retten

Wie schon seit Monaten angedeutet, wird nun eine „Zweckgesellschaft“ gegründet („Special Purpose Vehicle“). Über sie sollen Zahlungen zwischen dem Iran und europäischen Unternehmen weiter ermöglicht werden. Denn auch die Banken in der EU blocken Zahlungen von und nach Iran inzwischen größtenteils ab. Auch sie haben panische Angst ihren Zugang zu den USA und zum Dollar-System zu verlieren. Diese Angst ist auch mehr als berechtigt. Also: Heiko Maas bestätigt aktuell, dass die Installierung dieser Zweckgesellschaft kurz bevorstehe. Noch diese Woche soll sie in Frankreich gegründet und von einem Deutschen geleitet werden.

Teilnehmer und Betreiber dieser Zweckgesellschaft sind Frankreich, Großbritannien und Deutschland. Unsere Meinung: Dieses Vehikel wird der totale Rohrkrepierer! So etwas würde nur dann Sinn machen, wenn beispielsweise deutsche Exporteure zu 1000% sicher sein könnten, dass die USA dank dieser Zweckgesellschaft in keinster Weise erfahren, dass die Firma Geschäfte mit Teheran macht. Denn wichtig ist nicht, ob ein Geschäft mit dem Iran verhindert werden kann oder zustande kommt. Wichtig ist (so meine wir), ob die USA wie auch immer (Geheimdienst-Infos etc) davon Wind bekommen, dass diese Firma mit dem Iran Geschäfte macht. Ist dies der Fall, ist die Wahrscheinlichkeit extrem groß, dass diese Firma in den USA keine Geschäfte mehr machen darf. Und genau DAS ist die große Gefahr – und nicht, dass keine Geschäfte mehr mit dem Iran möglich sind.

Heuchelei

By the way… half die Bundesregierung denn in den letzten Monaten beispielsweise Händlern oder sogar iranisch-stämmigen Geschäftsleuten in Deutschland, denen Bankkonten gekündigt wurden uvm ? Nein, man machte alle drei Augen zu, sah nichts, wollte nichts sehen, wollte nichts wissen und nichts hören. Und dann jetzt diese „heroische“ Aktion gegen die USA? Das wirkt doch wie verzweifelte Heuchelei, damit man in der Außenwirkung so tut, als könne oder wolle man sich als starker unabhängiger Wirtschaftsblock gegen die USA stellen.

Nicht mehr gültiges Atomabkommen Iran USA EU
Das waren noch Zeiten, als das Atomabkommen im Jahr 2015 feierlich verkündet wurde. Inzwischen haben die USA es einseitig gekündigt und Sanktionen gegen den Iran verhängt, gegen den Willen der EU. Foto: Bundesministerium für Europa, Integration und Äusseres – Iran Talks / Wikipedia (CC BY 2.0) – Ausschnitt aus Originalfoto.

6 Kommentare

6 Comments

  1. Hans

    29. Januar 2019 15:36 at 15:36

    An den Iran Sanktionen müssen sich alle Unternehmen halten, die Ware in US $ Ein- oder Verkaufen. Der Handel mit den GUS Staaten z.B. wird in US $ abgewickelt. Da bleiben nicht viele mögliche für den Iran interessante Lieferanten mehr übrig. Die EU Zweckgesellschaft für den Iran Handel kann nur arbeiten, wenn im Iran eine ähnlich Zweckgesellschaft gegründet wird, der den Handel mit Iranischen Firmen abwickelt. Wahrscheinlich geht es Maas und den anderen nur um Willen gegenüber der heimischen Industrie zu zeigen und nicht wirklich um den Iran Handel zu retten.

  2. tm

    29. Januar 2019 17:32 at 17:32

    Ich kann durchaus nachvollziehen, dass das Verhalten der USA als Drohnung aufgefasst wird, zugleich aber finde ich es auch konsequent und die deutsche Politik sollte m.E. darüber nachdenken ähnlich zu handeln. Wenn „wir“ aus moralischen Überlegungen Sanktionen gegen ein anderes Land verhängen, dass ist ein Land, dass sich diesen Sanktionen nicht anschließt vielleicht moralisch nicht ganz so schlimm wie das sanktionierte Land aber es unterstützt zumindest den Überltäter. Je nachdem wie verwerflich „wir“ das Verhalten des sanktionierten Landes finden, sollten dann auch unterstützende Länder miteinbezogen werden.

    Problematisch am Verhalten der US-Regierung finde ich daher auch gar nicht so sehr die Ausweitung der Sanktionen, sondern dass ein Land sanktioneirt wird, dass sich an zuvor vereinbarte Verträge gehalten hat.

  3. Bernd Bronowski

    30. Januar 2019 10:00 at 10:00

    Für die Firmen, die eine Finanzierung benötigen,keine Handelsbeziehungen zu den USA haben und keine Bank finden, ist es ein möglicher Weg.

    • Nils Gronmeyer

      31. Januar 2019 10:50 at 10:50

      Aber das ist nur ein Bruchteil, will sagen das Firmen die legal mit dem Iran Geschäfte machen ebenso legal ohne europäische/intl. Banken Ihr Geld bekommen können.

      Wie es der Artikel beschreibt, das Ganze ist der klägliche Versuch der Gesichtswahrung. Die über diesen Weg abzuwickelnden Geschäfte sollen zu dem erstmal nur medizinische/Hilfsgüter etc. betreffen und nicht die so dringend benötige industielle Hardware oder Abrechnung der Ölgeschäfte. Also, was soll das ?

      Ausserdem kaschiert das wohl kaum das doppelte Spiel europ. Regierungen wie zb. das Zulassen das Unternehmen mit staatl. Beteiligung wie die Telekom mit einer 7 Tages Frist die Kommunikationswege iranischer Banken und anderer Unternehmen kappt.

      Oder das Flugzeuge der Iran Air die Auftankung hier in D. verweigert wird oder der Iranischen Reederei IRISL das Anlegen im Hamburger Hafen.

      • Bernd

        31. Januar 2019 17:04 at 17:04

        Leider haben sie recht, jedoch findet sich keine Bank, die iranische Oelgeschaefte abwickeln moechte – die Angst vor US Sanktionen ist zu gross. Denken sie an die Strafen die ING und BNP bezahlt haben.

        • Nils Gronmeyer

          31. Januar 2019 22:12 at 22:12

          Eben. Selbst diese in den Medien gern zitierte Möglichkeit für den Iran n Asien, hier China sein Öl zu verkaufen ist blockiert. Die einzige in Frgae kommende Bank (Kulun) hat ebenfalls auf Druck der Amerikaner ihre dementsprechende Bereitschaft wiederrufen.

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Die Schweizer wissen wie es geht – mach aus Luft 30 Milliarden Gewinn in 3 Monaten

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Ja, wir wissen, der Titel klingt natürlich etwas reißerisch, aber letztlich ist es so. Die Schweizer schaffen aus dem Nichts, quasi aus dem luftleeren Raum, gigantische Gewinne. Wenn der Normalbürger das doch auch so einfach machen könnte. Aber leider ist das Geldverdienen dieser Art nur für staatlich kreierte Notenbanken möglich.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hatte jahrelang (virtuell) in gigantischem Ausmaß Franken gedruckt, um sie gegen Dollar und Euro zu verkaufen. Damit will sie den Franken schwach halten. Damit hat sie aber das „Problem“, dass sie immer größere Berge an Dollars und Euros angehäuft hatte. Die werden auch zu guten Teilen in US-Aktien angelegt, weshalb die Nationalbank in unzähligen großen Titeln engagiert ist.

Und so kommt es zu folgendem Umstand. Laufen die Aktienkurse gut, verdient sich die Schweizerische Nationalbank dumm und dämlich. Wie sie heute mitgeteilt hat, war es allein im 1. Quartal 2019 ein Gewinn von 30,7 Milliarden Franken. 29,3 Milliarden Franken davon rühren her aus Gewinnen der Fremdwährungspositionen. Dazu die SNB im Wortlaut:

Die Zins- und Dividendenerträge betrugen 2,4 Mrd. Franken bzw. 0,7 Mrd. Franken. Auf Zinspapieren und -instrumenten resultierte ein Kursgewinn von 6,9 Mrd. Franken. Das positive Börsenumfeld führte zudem zu einem Gewinn von 17,4 Mrd. Franken auf Beteiligungspapieren und -instrumenten. Die wechselkursbedingten Gewinne beliefen sich auf insgesamt 1,9 Mrd. Franken.

Ende 2018 hatte die SNB einen Devisenberg von umgerechnet 763 Milliarden Franken angehäuft. Bei so einer Manövriermasse können schon mal satte Gewinne, aber auch Verluste anfallen. Zuletzt, dank der guten Börsenlage, lief es halt sehr gut. Die Bilanzsumme von 817 Milliarden Franken zu Ende 2018 ist übrigens vier mal so hoch wie noch 2009! Das ist doch alles nicht mehr normal. Und all das nur, damit der Franken nicht immer weiter aufwertet.

Schweiz - Schweizerische Nationalbank
Die Schweizerische Nationalbank in Bern. Foto: CC BY-SA 3.0

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Neue genehmigte Wohnungen in Deutschland: Trendumkehr?

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Ohhh, da gibt es aber gerade einen Schwenk gen Süden. Erst vor zwei Wochen hatten wir gefeiert, dass in Deutschland nun endlich eine anständige prozentuale Steigerung bei der Genehmigung neuer Wohnungen erkennbar ist. Im Januar gab es im Jahresvergleich noch ein Plus bei den Genehmigungen für normale Wohnungen (Wohngebäude mit drei Wohnungen oder mehr) von 6,3%.

Heute wurden Zahlen für Januar und Februar zusammen veröffentlicht. Im Jahresvergleich sinken die Genehmigungen für diese normalen Wohnungen in Wohnblöcken um 3,2%. Der Gesamtschnitt aller Genehmigungen sinkt nur um 0,1%, weshalb in anderen Medien aktuell von einer Stagnation die Rede ist. Aber rechnet man Einfamilienhäuser und andere Faktoren raus, bleibt nun mal der aktuell spürbare Rückgang im wichtigsten Teilsektor, den Einzelwohnungen. Zitat Statistisches Bundesamt von heute:

Von Januar bis Februar 2019 wurde in Deutschland der Bau von insgesamt 49 350 Wohnungen genehmigt. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, waren das nahezu genau so viele Baugenehmigungen wie im Vorjahreszeitraum (-0,1%). Die Genehmigungen galten sowohl für neue Gebäude als auch für Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden. In neu zu errichtenden Wohngebäuden wurden von Januar bis Februar 2019 rund 42 600 Wohnungen genehmigt. Dies waren 2,0 % oder 900 Wohnungen weniger als im Vorjahreszeitraum. Gestiegen ist ausschließlich die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser (+4,4 %). Die Zahl der Baugenehmigungen für Zweifamilienhäuser sank dagegen um 1,1 % und die Zahl der genehmigten Mehrfamilienhäuser um 3,2 %.

Erst seit heute zeigt der Chart ganz am Ende einen Abwärtstrend bei den Genehmigungen an. Mal schauen, ob sich dies in den nächsten Monaten verfestigt.

Genehmigte Wohnungen

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Tesla-Quartalszahlen: Verlust deutlich höher als erwartet, Umsatz sehr schwach

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Die Tesla-Quartalszahlen wurden soeben veröffentlicht. Hier zeigen wir die wichtigsten Kennzahlen. Heute vergleichen wir bei Tesla nicht wie sonst üblich die aktuellen Werte mit den Vorjahreswerten, sondern mit denen des letzten Quartals. Denn Tesla hat noch keine klassischen Produkt- und Saison-Zyklen wie etablierte Hersteller, sondern fährt gerade eine schnelle Wachstumsstory mit seinem Model 3. Da müsste es eigentlich von Quartal zu Quartal aufwärts gehen, wegen der Abarbeitung der Auftragshalde.

Lachnummer vorweg: 90 Minuten nach Börsenschluss ist der Conference Call mit Analysten angesetzt. Diesmal hat sich Tesla 75 Minuten Zeit gelassen mit der Veröffentlichung seiner Zahlen. Damit die Analysten kaum/keine Zeit haben die Daten zu prüfen, bevor die Fragerunde startet?

Der Umsatz liegt bei 4,54 Milliarden Dollar (Vorquartal 7,23/erwartet 4,4-5,4).

Der Verlust liegt bei 2,90 Dollar pro Aktie (Vorquartal +1,93/erwartet -1,30, grob geschätzt).

Die Aktie notiert nachbörslich mit +1% (erstaunlich).

Der Cash-Bestand sinkt in 3 Monaten von 3,7 auf 2,2 Milliarden Dollar (es mussten auch Anleihen zurückgezahlt werden).

920 Millionen Dollar wurden in 3 Monaten verbrannt.

Tesla bestätigt seinen bisherigen Jahresausblick von 360.000-400.000 Auslieferungen im Gesamtjahr 2019.

Die „Automotive gross margin“ sinkt von 24,3% auf 20,2%.

Kurz-Fazit: Gruselige Zahlen.

Tesla-Werk Fremont - Tesla-Quartalszahlen
Tesla-Werk in Fremont, Kalifornien. Foto: Steve Jurvetson – Flickr: Blue Belles CC BY 2.0

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