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Kreditzinsen in USA und Deutschland sinken weiter – die große Geldflut!

Claudio Kummerfeld

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Einfamilienhaus in den USA, Geldscheine und Taschenrechner

Warum sinken die Kreditzinsen denn weiter? Denn die Leitzinsen in den USA und in Europa sind ja zuletzt nicht weiter gesenkt worden. Was ist da los? Nun ja, wo die große Geldflut herrscht, da tut sich so einiges. Die Zentralbanken fluten alles und jeden mit Geld. Die Banken werden mit Liquidität zugeschmissen. Und nicht nur von Notenbanken. Jetzt wo man in der Coronakrise als williger Konsument fast gar nicht mehr verreist, fast gar nicht mehr ins Restaurant geht und auch weniger Klamotten kauft, da stapeln sich die Geldvermögen auf den deutschen Bankkonten derzeit mehr denn je – so darf man es vermuten. Ja, natürlich geht es derzeit vielen Menschen finanziell sehr schlecht. Aber es gibt auch einen großen Teil der Bevölkerung, der seinen Job nicht verloren hat, und gerade jetzt vermutlich immer mehr Kontoguthaben bei der Hausbank anhäuft.

Kreditzinsen als Lockmittel der Anbieter für die Abnehmer

Die Folge: Der Strafzins von minus 0,5 Prozent, den die Banken für Guthabenhinterlegung an die EZB abdrücken müssen, wirkt desto schlimmer, je mehr Geld die Banken unterm Strich als Überschuss halten. Also: Wohin mit dem überschüssigen Geld? Besser raus damit als Kredit zu minimalem Zins, als dass man dieses Geld bei der EZB parkt und dafür noch Strafzins zahlt. Und da derzeit ein derber Kredit-Wettbewerb unter den Banken herrscht, will natürlich jede Bank dem willigen Kunden einen Anreiz bieten einen Kredit aufzunehmen. Daher sinken die Kreditzinsen weiter, denn der Zins ist in diesem Fall der Angebotspreis des Verkäufers gegenüber dem Produktkäufer. In diesem Fall ist der Kredit das Produkt.

Aktuelle Daten von „Dr. Klein“ zeigen, dass die Kreditzinsen für Deutschland in den Keller rauschen. Gezeigt wird eine Standardrate für eine Muster-Baufinanzierung über 150.000 Euro mit zwei Prozent Tilgung, 80 Prozent Beleihungsauslauf und zehn Jahren Zinsbindung. Im August sinkt die Kreditrate auf rekordniedrige 379 Euro – minus 2 Prozent im Vergleich zum Vormonat und rund 4 Prozent oder 15 Euro weniger als vor einem Jahr! Den Verlauf seit August 2019 sieht man im folgenden Chart.

Deutsche Kreditzinsen für Hauskäufer als Grafik

Kreditzinsen in den USA auf Rekordtief

In den USA zeigen aktuellste Daten des Hypothekengiganten Freddie Mac, dass die Kreditzinsen für Immobilienkredite weiter in den Keller rauschen. Die Grafik zeigt seit 2004 die Kreditzinsen für 5, 15 und 30 Jahre Laufzeit. Die 30jährige Laufzeit hat mit 2,86 Prozent ein neues Rekordtief erreicht, nach 2,93 Prozent letzte Woche. Das ist schon das neunte Rekordtief in 2020! Der Chart zeigt den Verlauf der Kreditzinsen seit dem Jahr 2004. Laut Freddie Mac haben diese immer weiter fallenden Kreditzinsen eine „robuste Kaufnachfrageaktivität“ nach Häusern in den USA ausgelöst, die 25 Prozent höher ist als vor einem Jahr, und seit vier aufeinanderfolgenden Monaten mit zweistelligen Raten wächst. Auf dem Weg in den Herbst werde es jedoch schwierig sein, die Wachstumsdynamik bei den Käufen aufrechtzuerhalten, da das mangelnde Angebot bereits eine Einschränkung der Verkaufsaktivitäten darstelle, so Freddie Mac.

Chart zeigt Kreditzinsen für Hauskäufer in den USA seit dem Jahr 2004

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Camillo Koerber

    12. September 2020 23:49 at 23:49

    Hi, der obige Artikel beschreibt nur die eine Seite der Medaille. Die Zahlungsunfaehigkeit der Haeuslebauer in den USA ist auf Rekordhoch !!! Und das trotz der mehr als generoesen Covid Arbeitslosigkeit Kompensationen.
    Das korrekte Bild hier :https://wolfstreet.com/2020/08/17/mortgage-delinquencies-jump-by-most-ever-60-day-delinquencies-hit-highest-level-ever-record-16-of-fha-mortgages-delinquent-what-a-mess/

    Cheers

    • Avatar

      thinkSelf

      14. September 2020 09:10 at 09:10

      Das gilt ja nicht nur für Hypothekenkredite. Ich werde seit Monaten mit Werbepost zugemüllt, in der mir riesige Konsumentenkredite ohne Sicherheiten zu Zinsen nicht weit von der Nulllinie angeboten werden.
      Bin mal gespannt, wann es endlich soweit ist, dass ich mein Leben mit negativen Zinsen finanzieren kann.

  2. Pingback: das-bewegt-die-welt.de

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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