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Ölpreis Richtung 60 Dollar als Zielmarke + OPEC-Meeting ohne Mengenänderung?

FMW-Redaktion

Übermorgen tagt in Wien planmäßig die OPEC. Von keiner Seite ist irgendetwas zu hören, was auf eine Senkung oder Erhöhung der Öl-Fördermenge hindeutet. Aber dies ist ja immer ein Beschluss, der offiziell für die OPEC als „virtuell“ existierende Gemeinschaft gedacht ist. So richtig hielt sich zuletzt niemand der Mitglieder an die Vereinbarungen der Organisation. Aber abgesehen davon verkündeten vor Kurzem OPEC-Delegierte aus Kuwait, Nigeria, Irak und Iran der Markt sei gerade dabei sich auszubalancieren – deswegen solle die OPEC derzeit einfach gar nichts ändern und den Markt die Dinge regeln lassen.

Der Wirtschaftsminister der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) Sultan Bin Saeed Al Mansoori sagte gestern auf einer Konferenz der Ölpreis könne diesen Sommer noch auf die 60 Dollar-Marke laufen – so hört man es auch vermehrt von Banken. Als Hauptargument sehen viele eine vermutlich kräftig anziehende Nachfrage in den USA, aber auch z.B. in Indien. Da mag man sich doch fragen dürfen, wo ganz plötzlich all die Prognosen von „der Ölpreis fällt unter 20 Dollar“ abgeblieben sind.

Unsere Leser mögen es in der Vergangenheit das eine oder andere Mal bemerkt haben: Wir sehen das mit den höheren Ölpreisen in den letzten Monaten recht kritisch, vor allem weil die Saudis als weltweite Nummer 1 seit Herbst 2014 die Politik verfolgten mit niedrigen Preisen die Fracking-Industrie in Nordamerika zu zerstören. Das ist ihr mittlerweile in guten Teilen gelungen – nur muss man jetzt in der Realität feststellen, dass viele noch nicht bankrott gegangene Ölproduzenten ihre Förderanlagen lediglich stillgelegt und Mitarbeiter entlassen haben. Man wartet dort, wie in den letzten Monaten viele Produzenten auch bestätigten, auf höhere Ölpreise. Einige nannten 45, andere 50 Dollar im WTI-Preis als Break Even-Schwelle für ihre Förderanlagen – verbleibe der Ölpreis eine gewisse Zeit auf diesem Niveau oder steige sogar weiter, werde man seine Förderung wieder hochfahren.

Das bedeutet natürlich wieder mehr Angebot, und ein merkwürdiger Teufelskreis könnte beginnen. Dann würden (so vermuten wir) auch die Saudis wieder anfangen mit einer Extra-Ölschwemme die globale Angebotsmenge kräftig über die Nachfragemenge zu drücken. Und genau diese kräftige Erhöhung der Fördermenge um mehr als 1 Million Barrels pro Tag hatten die Saudis jüngst angekündigt. Ob und wie schnell die Erhöhung kommt, weiß niemand, aber diese Ankündigung scheint der Gesamtmarkt derzeit recht gut zu ignorieren. Mag sein, dass es nur ein Bluff der Saudis ist – oder auch nicht. Für den Moment jedenfalls wünscht sich der Markt wohl weiter steigende Kurse. Ob man jetzt unter der 50 hängen bleibt oder durchbricht – wir wissen es letztlich auch nicht vorher!



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