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Interessantes aus der Presse

Philipp Bagus: Es ist Zeit für eine Geldwende

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am

Philipp Bagus, Professor für Volkswirtschaftslehre in Madrid, zählt zu den führenden Vertretern der Österreichischen Schule, die das bestehende Geldystem „radikal“ in Frage stellt. Folgender Artikel erschien zunächst in der „Neuen Züricher Zeitung“ – und wurde heute auf der in jeder Hinsicht empfehlenswerten Homepage des Ludwig von Mises Institut Deutschland veröffentlicht:

Fragen der Währungs- oder Geldpolitik werden viel diskutiert. Soll die Zentralbank die Zinsen noch weiter senken? Wie lange sollte die Bindung des Frankens an den Euro aufrechterhalten werden? Ist ein «Quantitative Easing» erforderlich, und wenn ja, in welchem Ausmaß? Was ist die optimale Geldmenge, der beste Zinssatz? Die Frage stellt sich kurzum: Wie kann das staatliche Geldsystem am effektivsten verwaltet werden?

Die Feinjustierung des Geldes wird immer komplexer. Dabei wird vergessen, dass nur an Symptomen herumgedoktert wird. Tiefergehende Fragen zum System des immateriellen Staatsgeldes werden vernachlässigt, und Vergleiche mit alternativen Geldsystemen kommen unter die Räder.

Auf Kosten der kleinen Sparer

Der Hauptunterschied zwischen unserem System immateriellen Geldes und einem Warengeldsystem, wie einem Goldstandard, liegt darin, dass Ersteres eine unbegrenzte Geldproduktion zu minimalen Kosten ermöglicht. Die Fähigkeit, neues Geld zu drucken oder einfach am Computer entstehen zu lassen, hat schwerwiegende Konsequenzen: Erstens erlaubt unser Staatsgeldsystem eine immense Umverteilung. Jede neue Geldproduktion verschiebt die Einkommens- und Vermögensverhältnisse. Die Erstempfänger des neuen Geldes profitieren von den alten, noch niedrigen Preisen. Wenn die Erstempfänger (vor allem Banken und Staaten) das neue Geld ausgeben, beginnen die Preise zu steigen.

Für die Spätempfänger (vor allem kleine Sparer und Bezieher fester Einkommen) gilt das Umgekehrte: Sie sind mit erhöhten Preisen konfrontiert, bevor ihre Einkommen zu steigen beginnen. Die Erstempfänger des neu geschaffenen Geldes profitieren auf Kosten der Spätempfänger. Zwar ermöglicht auch ein Goldstandard die Produktion neuen Geldes. Jedoch steigt die Goldmenge in viel geringerem Umfang – ein bis zwei Prozent im Jahr und nicht zehn oder mehr wie in der Boomzeit vor der Finanzkrise. Vor allem aber ist die Goldproduktion nicht monopolisiert und sehr aufwendig.

Zweitens ermöglicht unser heutiges Geldsystem die Finanzierung von nie da gewesenen Wohlfahrtsstaaten. Staatsausgaben können durch Steuern oder durch Geldproduktion finanziert werden. Steuern sind unpopulär und zeigen die Kosten vermeintlicher sozialer Wohltaten des Versorgungsstaats. Wird neues Geld vom Bankensystem oder von der Zentralbank geschaffen, um Staatsanleihen direkt oder indirekt zu kaufen, dann werden Staatsausgaben durch die Schaffung neuen Geldes finanziert. Die Kosten der Staatsausgaben werden so verschleiert.

Die meisten Bürger stellen keinen Kausalzusammenhang zwischen Staatsdefiziten zur Finanzierung des Versorgungsstaats und der Teuerung her, vor allem nicht, wenn die Teuerungsrate durch technologischen Fortschritt und Globalisierung gebremst wird. Jedenfalls wären heutige Staatsdefizite und Staatsschuldenberge in einem Goldstandard-Regime undenkbar gewesen. Es ist kein Zufall, dass die Staatsverschuldung und der Wohlfahrtsstaat ab 1971 mit dem Ende des Bretton-Woods-Systems, das noch lose an Gold gebunden war, so richtig zu wuchern begannen.

Drittens hat ein System, in dem Geldmenge und Preise stetig steigen, auch Auswirkungen auf Werte und Kultur. Heute ist es nicht ratsam, zuerst Geld zurückzulegen, um dann Vermögenswerte, wie eine Wohnung, zu erwerben. Selbst bei einer Teuerungsrate von nur zwei Prozent im Jahr – ein Wert, bei dem die Europäische Zentralbank Preisstabilität als gegeben sieht – verliert Bargeld in nur zwanzig Jahren die Hälfte seiner Kaufkraft.

Vielmehr ist es in unserem Geldsystem ratsam, sich möglichst früh zu verschulden, um Vermögenswerte wie Immobilien zu erstehen. Denn einerseits entwertet die Teuerung die Schulden stetig, andererseits steigen die Preise von Vermögenswerten kontinuierlich. Anstatt also wie in einem klassischen Goldstandard, in dem die Preise tendenziell langfristig sogar eher leicht fallen, zunächst in Ruhe zu sparen, werden die Menschen im heutigen System früh in die Verschuldung getrieben.

Die Kultur des billigen Geldes

Das hat natürlich auch kulturelle Auswirkungen. Wer (hoch) verschuldet ist, dem werden tendenziell materielle Dinge wichtiger. Die Menschen müssen sich zunehmend mit den Finanzmärkten beschäftigen, um ihren Lebensstandard erhalten und verbessern zu können. Sie werden eher bereit sein, Überstunden zu leisten. Die Schulden drücken. Daher werden sie auch tendenziell weniger Zeit für lange Reisen, berufliche Auszeiten, Kultur, Bildung, tiefgründige Gespräche, Familie oder Religion haben. Zeit ist eben in der Schuldenwirtschaft Geld. Den Menschen geht ihre Gelassenheit und Unabhängigkeit zunehmend verloren.

Auch die Unternehmenskultur ist vom Geldsystem betroffen. Für Unternehmen ist es ebenfalls lohnend, sich zu verschulden, die Eigenkapitalquote zurückzufahren. Sie werden zunehmend von den sie finanzierenden Banken abhängig. Neu geschaffenes und von den Banken zu niedrigen Zinsen verliehenes Geld ermöglicht zahlreiche Firmenübernahmen. Eine langfristige feste Beziehung zwischen Eigentümer und Belegschaft wird dadurch erschwert. Die gegenseitige Verbundenheit und Verantwortung geht teilweise verloren.

Die angesprochenen und bei weitem nicht erschöpfend behandelten Konsequenzen unseres Geld- und Währungssystems sind vielleicht das größte Problem unserer Zeit. Daher sollten wir statt Detailfragen der Geldpolitik die verheerenden Folgen immateriellen Staatsgelds thematisieren. Es ist höchste Zeit, die Geldsystemfrage zu stellen. Wir brauchen eine Geldwende. Jetzt.

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Allgemein

Lesetipp: Die Kamelkurve prophezeit der Welt die Krise

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am

Von

FMW-Redaktion

Dubai ist ein Frühindikator für die Welt. Und die Dinge stehen derzeit nicht zum Besten im Wüstenstaat. Warum die „Kamelkurve“ die Krise auch für die Weltwirtschaft ankündigen könnte, lesen Sie in der „Welt“ hier..

https://twitter.com/Schuldensuehner/status/679258959895773184/photo/1

Weitere Artikel zu Dubai finden Sie hier..

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FMW

Die großen Crashs 1929 und 2008. Warum sich Geschichte wiederholt

Veröffentlicht

am

Heute erscheint das Buch von Barry Eichengreen „Die großen Crashs 1929 und 2008. Warum sich Geschichte wiederholt“ auf deutsch (englisches Original: „Hall of Mirrors“). Barry Eichengreen ist der Nestor der Crash-Forschung, in seinem Werk analysiert er die Gründe, die zu den Crashs der Jahre 1929 und 2008 führten. Wir haben zu diesem Thema am Freitag ein Interview mit dem Autor veröffentlicht unter dem Titel „Eichengreen: Ein deutscher Marshallplan für Griechenland„.

Hier nun, mit freundlicher Genehmigung des FinanzBuch Verlags, ein Auszug aus der Einleitung des Buches:

Barry Eichengrenn Crash 1929 und 2008

Dies ist ein Buch über Finanzkrisen. Es beschreibt die Ereignisse, die
solche Krisen verursachen. Es handelt auch davon, warum Regierungen
und Märkte so reagieren, wie sie es tun. Und es handelt von den
Konsequenzen.
Es schildert die große Rezession von 2008 und 2009 und die große
Depression von 1929 bis 1933 – die beiden großen Finanzkrisen unseres
Zeitalters. Nicht nur in politischen Kreisen weiß man, dass es Parallelen
zwischen diesen beiden Episoden gibt. Viele Kommentatoren haben
beschrieben, wie das Wissen über das frühere Ereignis – die »Lektionen
aus der Großen Depression« – die Reaktionen auf die Ereignisse 2008
und 2009 beeinflusst hat. Weil diese Ereignisse so auffällig denen der
1930er-Jahren ähnelten, lieferte diese Erinnerung an die Vergangenheit
eine Art Objektiv, durch das man sie betrachten konnte. Die Tendenz, die
Krise aus der Perspektive der 1930er-Jahre zu sehen, wurde noch dadurch
verstärkt, dass Politiker von Ben Bernanke – Vorsitzender des Board of
Governors der Federal Reserve – bis Christina Romer – Vorsitzende des
ökonomischen Beratungskomitees des Präsidenten Barack Obama – diese
Geschichte in ihren früheren Karrieren als Akademiker studiert hatten.
Infolge dieser Lektionen verhinderten die Politiker das Schlimmste.
Nachdem die Pleite von Lehman Brothers das globale Finanzsystem an
den Rand des Abgrunds geführt hatte, versicherten sie, dass sie keine
weitere Pleite einer für das System äußerst wichtigen Finanzinstitution
mehr zulassen würden, und sie hielten dieses Versprechen. Sie widerstanden
einer Politik unter dem Motto: »Bettle deinen Nachbarn an«, die in
den 1930er-Jahren den Zusammenbruch der internationalen Transaktionen
verursacht hatte. Die Regierungen erhöhten ihre öffentlichen Investitionen
und senkten die Steuern. Die Zentralbanken fluteten die Finanzmärkte
mit Liquidität und gewährten einander solidarisch Kredite in einer
Weise, die es so noch nie gegeben hatte.

Diese Entscheidungen waren vor allem vom Wissen über die Fehler der
Vorgänger beeinflusst. In den 1930er-Jahren unterlagen die Regierungen
der Verführung des Protektionismus. Sie ließen sich von einem veralteten
ökonomischen Dogma leiten, kürzten ihre öffentlichen Ausgaben
zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt und versuchten, ihre Budgets ins
Gleichgewicht zu bringen, als stimulierende Investitionen notwendig gewesen
wären. Es machte keinen Unterschied, ob die betreffenden Politiker
Englisch sprachen, wie Herbert Hoover, oder Deutsch, wie Heinrich
Brüning. Ihre Maßnahmen verschlimmerten nicht nur den Niedergang,
sondern sie scheiterten sogar an der Aufgabe, das Vertrauen in die öffentlichen
Finanzen wiederherzustellen.
Die Zentralbanker hielten an der Idee fest, dass sie nur so viele Kredite
bereitstellen müssten, wie es für die legitimen Bedürfnisse der Unternehmen
erforderlich war. Sie gewährten mehr Kredite, wenn die Wirtschaft
expandierte, und weniger, wenn es einen Rückgang gab, womit sie Booms
und Krisen noch verstärkten. Sie vernachlässigten ihre Verantwortung für
finanzielle Stabilität und schritten nicht als Kreditgeber in Notfällen ein.
Das Ergebnis war ein sprunghaftes Ansteigen von Bankenpleiten und ein
verkümmerndes Kreditgeschäft. Man ließ zu, dass die Preise kollabierten
und Schulden nicht mehr zu managen waren. Milton Friedman und
Anna Schwartz geben in ihrem einflussreichen Werk über die Geschichte
der Geldpolitik den Zentralbanken die Schuld an diesem Desaster. Sie
kommen zu dem Fazit, die unfähige Politik der Zentralbanken sei mehr
als jeder andere Faktor für die ökonomische Katastrophe der 1930er-Jahre
verantwortlich gewesen.
Da die Verantwortlichen die Lektionen aus dieser früheren Episode gelernt
hatten, gelobten sie, es diesmal besser zu machen. Wenn damals die
Welt in Deflation und Depression gestürzt war, weil ihre Vorgänger weder
die Zinsen gesenkt noch die Finanzmärkte mit Liquidität geflutet hatten,
würden sie diesmal mit einer expansiven Geld- und Finanzpolitik reagieren.
Wenn die Finanzmärkte zusammengebrochen waren, weil ihre Vorgänger
panische Anstürme auf die Banken nicht verhindert hatten, würden
sie auf ganz entschiedene Weise mit den Banken umgehen. Wenn
Bemühungen, den Staatshaushalt auszugleichen, den Niedergang in den
1930er-Jahren verstärkt hatten, würden sie finanzielle Anreize schaffen.
Wenn der Zusammenbruch der internationalen Kooperation die Probleme
der Welt verschlimmert hatte, würden sie persönliche Kontakte und
multilaterale Institutionen nutzen, um sicherzustellen, dass es diesmal
eine angemessene Koordination politischer Maßnahmen gab.
Als Resultat dieser ganz anderen Reaktionen erreichte die Arbeitslosenquote
in den USA 2010 einen Spitzenwert von 10 Prozent. Das war
immer noch besorgniserregend hoch, aber die Quote lag doch weit unter
den katastrophalen 25 Prozent während der großen Depression. Hunderte
Banken gingen pleite, aber nicht Tausende. Es gab viele Verwerfungen
an den Finanzmärkten, aber deren völliger und äußerster Kollaps wie in
den 1930er-Jahren wurde mit Erfolg abgewendet.
Das war nicht nur in den USA so, sondern auch in anderen Ländern.
Jedes unglückliche Land ist auf seine eigene Weise unglücklich und ab
2008 gab es unterschiedliche Grade der wirtschaftlichen Unzufriedenheit.
Aber abgesehen von einigen fehlgeleiteten europäischen Ländern erreichte
dieses Unglück nicht das Niveau der 1930er-Jahre. Weil die politischen
Maßnahmen besser waren, fielen die sozialen Verwerfungen, die
Schmerzen und das Leid geringer aus.
So sagt man jedenfalls.
Diese nette Geschichte ist leider zu einfach.
Sie lässt sich nicht mit der Tatsache in Einklang bringen, dass man die
Risiken nicht antizipiert hat. Bei einem Besuch der London School of
Economics 2008 hat Königin Elisabeth II. eine später berühmt gewordene
Frage gestellt: »Warum hat das niemand kommen sehen?«, fragte sie
die versammelten Experten. Sechs Monate später schickte eine Gruppe
prominenter Wirtschaftswissenschaftler der Königin einen Brief und entschuldigte
sich für »den Mangel an kollektiver Fantasie«.

(..)

Die Architekten des Euro waren sich dieser Geschichte bewusst. Man erinnerte
sich sogar noch intensiver an sie, weil 1992 bis 1993 der Wechselkursmechanismus
zusammenbrach, der die europäischen Währungen
miteinander verband wie ein Seil eine Gruppe von Bergsteigern. Daher
bemühten sie sich um ein stärkeres währungspolitisches Arrangement.
Es sollte auf einer Einheitswährung basieren und nicht von den Wechselkursen
zwischen einzelnen Landeswährungen abhängig sein. Die Abwertung
einer Landeswährung sollte nicht mehr möglich sein, weil die einzelnen
Länder dann keine nationale Währung mehr haben würden, die sie
abwerten könnten. Dieses Euro-System sollte nicht von nationalen Notenbanken
reguliert werden, sondern von einer supranationalen Institution,
der Europäischen Zentralbank.
Wichtig ist, dass der Vertrag zur Einrichtung der Währungsunion keine
Möglichkeit zum Ausstieg vorsah. In den 1930er-Jahren konnte ein Land
durch eine unilaterale Entscheidung seiner nationalen Legislatur oder seines
Parlaments den Goldstandard abschaffen. Im Gegensatz dazu wäre
die Abschaffung des Euro in einem Land ein Vertragsbruch und würde
das gute Verhältnis dieses Landes mit seinen Partnerstaaten innerhalb der
EU gefährden.
Die Architekten des Euro vermieden zwar einige Probleme des Goldstandards,
sorgten dafür aber für andere Probleme. Indem das Euro-System
ein trügerisches Bild der Stabilität schuf, setzte es große Kapitalströme in
die südeuropäischen Länder in Gang, welche schlecht dafür gerüstet waren,
mit ihnen umzugehen – wie schon in den 1920er-Jahren. Als diese
Ströme die Richtung wechselten, führten die Unfähigkeit der nationalen
Zentralbanken, Geld zu drucken, und der nationalen Regierungen, sich
dieses Geld zu leihen, zu tiefen Rezessionen – wie schon in den 1930er-Jahren.
Der Druck, etwas zu verändern, wurde immer stärker. Die Unterstützung
von Regierungen, die das nicht taten, wurde schwächer. Es häuften
sich die Prognosen, der Euro werde ebenso scheitern wie der Goldstandard;
Regierungen in notleidenden Ländern würden ihn verlassen. Und
falls sie zögern sollten, dies zu tun, würden sie von anderen Regierungen
und politischen Führern abgelöst werden, die zum Handeln bereit wären.
Schlimmstenfalls könnte sogar die Demokratie in Gefahr sein.
Es stellte sich heraus, dass dies ein falsches Verständnis der Lehren aus
der Geschichte war. Als Regierungen in den 1930er-Jahren den Goldstandard
aufgaben, waren der internationale Handel und das Kreditwesen
schon zusammengebrochen. Diesmal taten die europäischen Länder gerade
genug, um dieses Schicksal zu vermeiden. Daher musste man den
Euro verteidigen, um den gemeinsamen Markt, den Handel innerhalb
Europas und den Zahlungsverkehr zu bewahren. In den 1930er-Jahren
zählte die politische Solidarität zu den frühen Opfern der Depression.
Trotz der Belastungen durch die Krise setzten die Regierungen diesmal
ihre Konsultationen und ihre Zusammenarbeit mithilfe internationaler
Institutionen fort, die stärker und besser entwickelt waren als die
in den 1930er-Jahren. Die wirtschaftlich und finanziell starken EU-Länder
vergaben an ihre schwachen europäischen Partner weiterhin Kredite.
Diese Kredite hätten zwar höher sein können, aber verglichen mit den
1930er-Jahren waren sie dennoch umfangreich.
Und schließlich kam es nicht zu einer Krise der Demokratie, wie sie
diejenigen prognostiziert hatten, die mit dem Kollaps des Euro rechneten.
Es gab Demonstrationen, auch solche, bei denen es zu Gewalttaten kam.
Regierungen stürzten. Aber anders als in den 1930er-Jahren überlebte
die Demokratie. Die Kassandras des Zusammenbruchs hatten die Wohlfahrtsstaaten
und die sozialen Sicherheitsnetze übersehen, die infolge der Depression
aufgebaut worden waren. Sogar dort, wo die Arbeitslosenrate
bei mehr als 25 Prozent lag, wie es in den am schlimmsten betroffenen
Teilen Europas der Fall war, kam es nicht zu offenkundiger Verzweiflung.
Das schwächte die politische Gegenreaktion. Es begrenzte den Druck, das
bisherige System zu verlassen.
Es ist allgemein bekannt, dass die Erfahrung der Großen Depression
die Wahrnehmung und die Reaktionen auf die große Rezession stark
geprägt hat. Aber um zu verstehen, wie diese Geschichte genutzt – und
missbraucht – wurde, muss man sich nicht nur die Depression genauer
ansehen, sondern auch die Entwicklungen, die sie ermöglicht haben. Wir
müssen also ganz am Anfang beginnen, nämlich im Jahr 1920.

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Interessantes aus der Presse

Verwirrung um Lagardes Grexit-Aussagen: IWF bringt Korrektur

Veröffentlicht

am

Von Markus Fugmann

Hat sie oder hat sie nicht? Das ist hier die Frage – der IWF sagt nun: sie hat nicht. Gemeint sind die Aussagen der IWF-Chefin Lagarde gegenüber der „FAZ“. So wird ihr Satz allgemein so zitiert:

„Der Austritt Griechenlands ist eine Möglichkeit“, würde aber nicht das Ende der Eurozne bedeuten („likely not spell the end of the
euro.“).

Doch taucht ein wörtliches Zitat in dem Artikel der „FAZ“ gar nicht auf.

Nun hat der IWF gestern eine Richtigstellung der Äusserungen Lagardes herausgebracht, „to clarify and put into context the quotes reported in the FAZ
interview.“ Das Interview der „FAZ“ mit Lagarde wurde in englischer Sprache durchgeführt, der IWF hat die Aussagen Lagardes nun gestern im Original veröffentlicht.

Nun hat ein Sprecher des IWF auf Nachfrage einer Nachrichtenagentur klar gemacht, dass Lagarde in dem Interview weder das Ende der Eurozone noch das Ende des Euro in dem Interview erwähnt habe. Ofefnkundig versucht also der IWF, die Wellen, die das Interview mit der „FAZ“ aufgebracht hat, wieder zu glätten. Man ist nervös – auch und gerade beim IWF..

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