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Reale US-Arbeitslosigkeit bei 22% – über das Statistik-Wunder der USA

Warum die offizielle Arbeitslosen-Statistik in den USA Unfug ist – und die reale Arbeitslosigkeit in den USA derzeit höher ist als auf dem Hochpunkt der Finanzkrise!

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FMW-Redaktion

Als am Freitag die US-Arbeitsmarktdaten veröffentlicht wurden, sorgte besonders die extrem niedrige Arbeitslosenquote von 4,3% für Aufsehen – denn diese 4,3% sind der niedrigste Wert seit 16 Jahren. Es war dabei nur eine Nebennotiz, dass die Beteiligungsquote (labour force participation rate) von 62,9% auf nun 62,7% zurück gefallen ist – was faktisch bedeutet, dass knapp über 600.000 Amerikaner weniger sich überhaupt um Arbeit bemühen, wohl, weil sie es ohnehin für aussichtslos halten.

Sieht man nur auf diese wunderbar niedrige offizielle (!) Arbeitslosenquote von 4,3%, scheint doch alles in Ordnung zu sei. Aber eines ist doch sehr bedenklich: die Zahl derjenigen in den USA, die keinen Job haben (aus welchen Gründen auch immer), lag auf dem Hochpunkt der Rezession Anfang 2009 bei 92,6 Millionen Amerikanern. Die arbeitsfähigen Amerikaner, die nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen (“not in the labor force”) liegt derzeit bei 94,98 Millionen. Addiert man zu diesen 94,98 Millionen auch die „offiziellen Arbeitslosen“ (,6,86 Millionen), liegt die Zahl knapp unter 102 Millionen. Mithin sind also seit der Finanzkrise fast 10 Millionen Amerikaner mehr ohne einen wirklichen Job, weil etwa Anfang 2009 nur 81,02 Millionen Amerikaner „not in the labor force“ waren, während 11,61 Millionen Amerikaner damals „offiziell“ als arbeitslos galten.

Was ist da also passiert? Richtig: man hat seit der Finanzkrise Millionen von Amerikaner umgebucht von „offiziell arbeitslos“ in „not in the labor force“ (und daher offziell nicht als „arbeitslos“ gezählt)!

Faktisch sind die USA also sehr weit entfernt von dem, was man als „Vollbeschäftigung“ bezeichnen könnte, im Gegenteil. Alleine im Mai sind 367.000 Vollzeitjobs weggefallen im Vergleich zum Vormonat – aber die Märkte interessieren sich nur für die 138.000 neue Jobs, die geschaffen wurden (darunter wiederum viele Teilzeitjobs wie Kellner etc.).

Und das Statistik-Wunder geht noch viel weiter, und zwar durch das sogenannte „Net birth/death Model“, eine ziemlich dubiose statsitische Größe, die in den USA unter Reagan eingeführt worden war, weil sich der damalige Präsident beschwerte, dass die Zahl der neu geschaffenen Stellen in den offiziellen Zahlen unterschätzt würden, weil die Start-up-Firmen oft zu jung und zu klein seien, um von den offiziellen Daten zeitnah erfaßt zu werden.

Bis zur Finanzkrise hatte die adjustments (also die durch das Modell bedingte Anpassung der realen Zahl) des birth/death models kaum Einfluß auf die offizielle Erfassung der Anzahl neu geschaffener Jobs. Das änderte sich dann aber schlagartig im Rezessionsjahr 2009, als plötzlich angeblich 904.000 Stellen entstanden sein sollen aufgrund des Modells – was per se sehr unwahrscheinlich ist, kann man doch davon ausgehen, dass das Modell eigentlich sogar hätte negativ ausfallen müssen in einer Zeit wirtschaftlichen Abschwungs!

Seit dem Jahr 2009 spielen die „adjustments“, also die kaum nachvollziehbaren Anpassungen, eine immer größere Rolle – 40% aller angeblich neu geschaffenen Jobs in den USA stammten im Jahr 2016 durch diese „Anpassungen“. Untersuchungen zeigen dagegen, dass die Zahl der Start-ups in den USA rückläufig ist – was die Methodik noch zweifelhafter macht! Dazu kommt, dass laut dem Challenger Jobs Report im Jahr 2017 71% mehr Jobs weggefallen sind als noch im Jahr 2016.

Mithin sind also die offiziellen Daten des Bureau of Labor Statistics mehr und mehr eine reine Luftnummer geworden, die im Grunde gar nicht mehr ernst zu nehmen ist. Das sieht man auch in den sogenannte „food stamps“, also der Ausgabe von Essensmarken an verarmte Amerikaner: kurz vor der Finanzkrise erhielten 26 Millionen Amerikaner diese Essensmarken, inzwischen sind es 44 Millionen Amerikaner. Und so spricht vieles dafür, dass es auf dem Arbeitsmarkt der USA nicht besser aussieht als zum Hochpunkt der Finanzkrise, im Gegenteil. Laut shadowstats dürfte die wirkliche Arbeitslosigkeit in den USA daher nicht bei 4,3%, sondern bei 22% liegen!


Die offizielle Arbeitslogkeit in den USA, Quelle http://data.bls.gov/timeseries/LNS14000000

17 Kommentare

17 Comments

  1. Koppenwallner

    6. Juni 2017 12:44 at 12:44

    Es ist noch komplizierter: viele Amerikaner geben nur einen schlecht bezahlten Arbeitsplatz in Teilzeit an, kassieren diverse Zuschüsse wie für Krankenversicherung und arbeiten dann schwarz ( off the books)

  2. Heiko

    6. Juni 2017 14:42 at 14:42

    Wenn wir über das auseinanderklaffen des Reichtums reden, lohnt sich ein Blick in die USA. Hab im letzten Urlaub einen Ami kennengelernt, arbeitet beim Fernsehen in New York, fährt jeden Tag eine std mit der Ubahn rein, eine Std raus, zahlt trotzdem eine wahnsinns Miete. In den großen Städten leben nurnoch die reichen, aber weniger durch ehrliche Arbeit siondern eher wegen Reichtum durch Eltern/Aktien. Der Handwerker lebt schon lange weit weg.

  3. Walter Schmid

    6. Juni 2017 15:12 at 15:12

    Es ist immer wieder eine Freude für mich, aufgrund Ihrer Recherche Informationen zu erhalten, wie ich sie sonst nicht finde.

  4. Beobachter

    6. Juni 2017 15:28 at 15:28

    @Heiko, u.eben diese Aktien kann man ja immer hochtreiben,auch wenn es viele nicht glauben,irgendwann endet diese wunderbare Geldvermehrung, z.B AMAZON KURS/GEWINN-Verhältnis= 165 d.h die Aktie wird nur wegen Hoffnung auf höhere Kurse gekauft, wenn die Hoffnung endet Knalles gewaltig.

  5. Tino

    6. Juni 2017 16:45 at 16:45

    Auch wenn ich das ähnlich sehe so muss man auch mit einberechnen das es immer mehr ältere gibt die evtl mit 70 auch wirklich nicht mehr arbeiten wollen oder können und das die USA 24Mio. mehr Bevölkerung hinzugewonnen hat, das muss dann auch noch in Relation gesetzt werden

  6. asyoulike

    6. Juni 2017 17:38 at 17:38

    Moin, moin,
    schön zu hören, dass es noch Medien gibt, die hinter die Kulissen schauen und nicht auf Weisung von Berlin, Washington, London etc. handeln. Aber was für eine Fälschung diese Arbeitslosenzahlen. Da kann man m.E. nicht mehr vom „statistischen Fehler“ reden. Jeder Staat „korrigiert“ sich halt seine Statistiken, wie er sie benötigt. Motto: Schaut her, wie erfolgreich wir sind. Klappt auch soweit, nur einige merken es und durchschauen die Mogelpackung.

  7. gerd

    6. Juni 2017 18:23 at 18:23

    Ich muss annehmen, dass eine solche oder ähnliche Vorgehensweise von allen Staaten praktiziert wird.
    Deutschland bzw. EU-Statistiken werden von FMW beispielsweise ja ebenfalls zu recht an den Pranger gestellt.
    Ich muss weiter annehmen, dass das so oder ähnlich schon seit vielen Jahren praktiziert wird.

    Wenn dem aber so ist, kann ich weitergehend annehmen, dass die Statistiken miteinander vergleichbar sind und auch Aussagekraft besitzen – selbst wenn sie regelmäßig um einen bestimmten Wert geschönt dargestellt werden.

    • Markus Fugmann

      6. Juni 2017 18:31 at 18:31

      @Gerd, in Deutschland zumindest gibt es so etwas wie das birth/death model nicht, daher auch keine „adjustments“ etc. In Deutschland sind die Statistiken ja transparent, man schiebt in die Kategorie „Unterbeschäftigung“ ab, das Problem ist hierzulande hauptsächlich, dass die Medien hier immer nur die Headline-Zahlen berichten und den Rest weglassen. Nicht aus bösem Willen, sondern weil meistens nur eine Nachrichtenagentur darüber oberflächlich berichtet und die anderen als Abo-Inhaber dann den Artikel 1:1 auf ihre Seite stellen..

    • Michael

      6. Juni 2017 20:34 at 20:34

      @Gerd, genau, wie Markus es schreibt: In Deutschland ist das alles transparent, da muss man sich nur die Mühe machen, ein paar Minuten zu suchen und zu lesen.
      In Wonderland hingegen wird verschleiert, beschönigt und getrickst, bis jeder Bulle den Blödsinn glaubt.

    • Lars

      6. Juni 2017 22:46 at 22:46

      @gerd
      Ich kannte einmal einen hoffnungsvollen Studenten der Soziologie, Politologie, Philosophie und Wirtschaftswissenschaften, der sich jedoch wie Sie ständig in Annahmen, im Konjunktiv, in der Unverbindlichkeit verstrickt hatte.
      Aus einer großen Hoffnung für die Wissenschaft wurde am Ende ein trauriges kleines Instrument für eine noch traurigere politische Randgruppe.

      Ich muss annehmen, dass es derartige Karrieren nicht nur in Deutschland, sondern EU-weit gibt. Ich muss annehmen, dass es diese schon seit vielen Jahren gibt. Wenn dem aber so ist (worauf basiert diese Schlussfolgerung, außer auf willkürlichen Prämissen?), kann ich annehmen, dass die traurigen gescheiterten wissenschaftlichen Karrieren eine weltweite Verbreitung in Form von Populismus bis hin zu Propaganda und Demagogie erfahren.

      Außer Annahmen nichts gewesen, Herr Gerd 😉

      • Petkov

        6. Juni 2017 23:51 at 23:51

        Buah, krass Aldder… Der mega Checker Hardcore Student ist den Grünen beigetreten?! Is escht psycho, ich schwörs Mann.

      • Michael

        7. Juni 2017 00:32 at 00:32

        Ach @Lars, seinen Sie doch nicht so kritisch.
        Wie ich aus früheren Posts herauslesen kann, gehören auch Sie zu der Generation, die lange vor Europa private, vom Staat und von Anlageprofis alternativlos empfohlene Altersvorsorgeverträge in Form von privaten (fondsgebundenen) Rentenversicherungen (zu angeblich 4 bis 8% und möglichen 20% garantierten Zinsen) bereits im 20. Jahrhundert abgeschlossen hat.
        Die um die Jahrtausendwende und dann nochmal 2008 von den Aktienbullen und deren Verkaufsstrategen alternativlos um ihr Vermögen und ihre Altersvorsorge gebracht wurde.
        Zu der Generation, die sich davon wieder erholt hat, aber nun für die noch bestehenden Nullnummern (privaten Altersvorsorgeverträge) aus den 1990ern büßen muss, indem diese nach der Bürger“entlastung“ nicht mehr steuerlich absetzbar, aber dennoch zu bezahlen sind.
        Zu der Generation, die mit gigantischen privaten Qualen, Verzichten und Verlusten eine deutsche „Einheit“, viele pensionierte Beamte (mit 2.000,- EUR p.m. und viel mehr) ein Europa finanziert, das sich nicht einmal gegen die alten Betrüger und Covfefes in Politik und Börse wehren kann.

        Warum sollen wir nun nicht Europa wieder vernichten und Alternativen fürs Denken eine Chance geben? Wir wurden drei Mal betrogen und um unsere Lebensleistung gebracht, ein viertes Mal schaffen wir auch noch mit ü60.

        Wir opfern jetzt unsere letzten Ansprüche auf 900,- EUR Rente und bekennen uns als die Deppen, die wir sind. Die Generation, deren Geld und Lebensleistung bereits vor 20 Jahren in Apple und Microsoft investiert wurde, leider ohne Gewinn (obwohl es eigentlich nach den Börsenkursen anders aussehen sollte).

  8. Schlechtdenker

    6. Juni 2017 18:57 at 18:57

    Nicht nur Statistiken werden schöngerechnet, man konnte ja auch schon lesen,dass Firmengewinne manipuliert werden,wen wundert das ,können doch die Manager ihre bescheidenen Saläre ein wenig aufbessern .Solange es gut läuft merkst niemand.Eine Anmerkung an die Permabullen, wenn es kracht kommt die Wahrheit u.dies wird die Korrektur verstärken.

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Wahnsinn, was heute alles passiert ist..! Marktgeflüster (Video)

Am heutigen Montag überschlagen sich fast die Ereignisse: maßlose Turbulenzen an Europas Börsen, daher entschließen sich die Amerikaner dazu, die Wall Street gar nicht erst zu öffnen..

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Am heutigen Montag überschlagen sich fast die Ereignisse: maßlose Turbulenzen an Europas Börsen, daher entschließen sich die Amerikaner dazu, die Wall Street gar nicht erst zu öffnen (und begründen das mit dem Geburtstag von George Washington). Aber Ernst beiseite: der Dax in der erwartbar schmalen Handelsrange, die deutschen Auto-Werte schwach, weil die USA die Autoimporte aus der EU als nationales Sicherheitsrisiko werten. Im Fokus danaben wieder die Wirecard-Aktie, nachdem die Bafin Leerverkäufe verbietet und die Staatsanwaltschaft München gegen die Autor der Financial Times ermittelt, der die Artikel über Wirecard geschrieben hat. Aber ansonsten doch eher „tote Hose“ an den Märkten..

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Wirecard-Aktie aktuell: BaFin verbietet Leerverkäufe, hier im Wortlaut

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Das ist ein Hammer für die Wirecard-Aktie! Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat ab sofort Shortselling (Leerverkäufe) in der Aktie verboten. Damit können Spekulanten keinen zusätzlichen Verkaufsdruck auf die Aktie ausüben, wenn sie sie möglichst stark in die Tiefe drücken wollen. Die Aktien von Wirecard steigen im frühen Handel um knapp +9%!

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Über Leerverkäufe

Beim Leeverkauf verkauft ein Spekulant Aktien, die er gar nicht besitzt. Dabei leiht sich die Depotbank des Spekulanten die Aktien bei einer anderen Depotbank, oder sie selbst verleiht sie an ihren Kunden. Dem Spekulanten wird die Aktie dann zum Verkaufen geliehen, wofür er einen Leihzins zahlen muss, wie beim Mieten eines Autos. Letztlich muss der Spekulant die Aktie dann irgendwann zurückkaufen und sie wieder an den Verleiher zurückreichen (das geschieht alles elektronisch).

In den letzten Wochen hatten es Shortseller in der Wirecard-Aktie doch zu arg übertrieben, wie man im folgenden Chart mehr als eindeutig sehen kann. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt in dieser Sache, aber nicht gegen Wirecard selbst. Ob und wie der Journalist der Financial Times, der diese Kursrutsch auslöste, irgendwie an Leerverkäufen partizipierte, ist noch völlig unklar, und daher im Augenblick eine reine Vermutung, die nicht bewiesen werden kann. (hier mehr zu den Hintergründen)

Entwarnung für die Wirecard-Aktie?

Mit dem aktuellen Verbot der BaFin wird zumindest bis April (bis dahin gilt das Verbot) ein gewisser Abwärtsdruck von der Wirecard-Aktie genommen. Das heißt aber nicht, dass sie jetzt nicht mehr fallen kann. Natürlich können Aktienbesitzer sie noch weiterhin ganz „normal“ verkaufen. Hier die BaFin im Wortlaut zum aktuellen Verbot:

Wirecard AG: Allgemeinverfügung zum Verbot der Begründung und Vergrößerung von Netto-Leerverkaufspositionen
Datum:18.02.2019
Die BaFin hat am 18. Februar 2019 eine Allgemeinverfügung erlassen, wonach es ab sofort verboten ist, neue Netto-Leerverkaufspositionen in Aktien der Wirecard AG (DE0007472060) zu begründen oder bestehende Netto-Leerverkaufspositionen zu erhöhen.
Das Verbot gilt bis zum 18. April 2019, 24 Uhr. Die Verfügung beruht auf Artikel 20 Verordnung (VO) Nr. 236/2012 (EU-LeerverkaufsVO). ESMA hat der BaFin dazu eine positive Opinion abgegeben.

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