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Reichtum und Armut: Große Zahlen pünktlich zum Beginn von Davos

Alle Jahre wieder. Pünktlich zum Start des Weltwirtschaftsforums in Davos veröffentlicht die Hilfsorganisation "Oxfam" einen Bericht mit Zahlen zum "großen Ganzen". Natürlich kann sicher jeder...

FMW-Redaktion

Alle Jahre wieder. Pünktlich zum Start des Weltwirtschaftsforums in Davos veröffentlicht die Hilfsorganisation „Oxfam“ einen Bericht mit Zahlen zum „großen Ganzen“. Natürlich kann sicher jeder Verband seine eigenen Zahlen präsentieren, die alle stark abweichend ausfallen.

So berichtet Oxfam aktuell von einer Studie der Schweizer Credit Suisse, wonach 42 Persoen genau so viel Vermögen besitzen wie die ärmsten 50% der Menschheit. Solche großen Zahlen weichen stets nach Berechnungsmethode und Verfasser einer Studie stark ab, möchten wir betonen!

Seit 2010 hat laut Oxfam das Vermögen der Milliardäre jährlich im Schnitt 13% zugenommen, und damit sechs Mal schneller als Einkommen normaler Arbeiter. Die Zahl der Milliardäre habe wie noch nie extrem schnell zugenommen. Alle zwei Tage habe es einen neuen Milliardär gegeben zwischen März 2016 und März 2017. In 2017 habe die Zahl der Milliardäre weltweit mit 2043 ein Rekordhoch erreicht. Das reichste Prozent der Weltbevölkerung habe sich 82% des neu geschaffenen Reichtums gesichert.

Die arme Hälfte der Welbevölkerung (3,7 Milliarden Menschen) habe zuletzt überhaupt keinen Vermögenszuwachs erfahren. Wenn man ganz bitter böse kommentieren könnte, dann könnte man als Notenbanker antworten: Hey, wir haben die Zinsen abgeschafft. Wenn arme Leute Kredite aufnehmen, sparen sie durch weniger Zinslast jede Menge Geld – das ist doch besser als gar nichts…

Laut Oxfam Deutschland haben bei uns 40 Personen genau so viel Vermögen wie die arme Hälfte der Bevölkerung. Der „normaler“ Arbeitnehmer in Deutschland müsse 157 Jahre arbeiten, damit er genau so viel verdiene wie das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Dax-Konzernschefs.

Auch hat Oxfam einen plakativen und drastischen Vergleich für die Modeindustrie parat. Der Vorstandschef eines der weltweit Top 5 Modeunternehmen benötige nur vier Tage um genau so viel zu verdienen wie einfache Textilarbeiter in Bangladesch im ganzen Arbeitsleben.  Man benötige gerade mal 2,2 Milliarden Dollar pro Jahr um allen Textilarbeitern in Vietnam die Gehälter so weit zu erhöhen, dass sie davon auch leben können. Das sei nur 1/3 der Summe, die 2016 von den Top 5 Modekonzernen an ihre Aktionäre ausgeschüttet worden sei.

Unsere Meinung gerade zum letzten Punkt: Das mag sein. Aber: Die Wahrheit ist ja auch, dass die Aktien von Modeunternehmen etc nicht nur von Superreichen gehalten werden, sondern auch von Pensionskassen und Fondsgesellschaften. Und dort werden Kleinstbeträge Monat für Monat eingezahlt von kleinen Angestellten in den Industriestaaten, die etwas für ihre Altersvorsorge ansparen wollen. Also, ganz so einfach ist es nicht!

Was fordert Oxfam aktuell? Regierungen sollten Auszahlungen an Konzernchefs und Aktionäre begrenzen, und sicherstellen, dass alle Arbeiter Gehälter erhalten, die zum Leben reichen. Alleine in Nigeria müsste der Mindestlohn verdreifacht werden um minimale Lebensstandards sichern zu können. Auch müsse endlich die Differenz zwischen der Bezahlung von Frauen und Männern beseitigt werden. Auch müssten Reiche endlich ihren fairen Anteil durch höhere Steuern bezahlen, und man müsse endlich Steuervermeidung bekämpfen. Öffentliche Ausgaben für Bildung und Gesundheit müssten erhöht werden. Laut Oxfam könnte eine globale Steuer von 1,5% für alle Milliardäre für alle Kinder weltweit einen Schulbesuch sicherstellen.

Das hört sich in der Theorie alles toll an. Und in der Praxis, wie will man eine weltweit einheitliche Steuer durchsetzen? Ganz zu schweigen von der Durchsetzung so einer Maßnahme.


Eine Oxfam-Demo. Foto: Oxfam International – Flickr / Photo Ng Swan Ti oxfaminternational.wordpress.com (CC BY 2.0)



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