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Ein Überblick über die betroffenen Banken Signa: Der Zerfall des Immobilienimperiums erhöht Bankenrisiko

Signa - KaDeWe. Foto: Jacobia Dahm/Bloomberg

Der Zerfall des Immobilienimperiums von René Benko macht Investoren nervös. Denn die Krise um das Immobilienunternehmen von René Benko zieht immer weitere Kreise. Wie wir gestern berichteten, könnten die Signa-Finanzierungen die großen Landesbanken einholen. Neben den Engagements deutscher Landesbanken bei der Signa-Gruppe sind allerdings noch zahlreiche andere Banken, hauptsächlich aus dem deutschsprachigen Raum, involviert. Ganz oben auf der Liste steht Julius Bär, die Bank hat rund 600 Millionen Euro Kredite an Firmen in Benkos Umfeld ausstehen.

Für potenzielle Geldgeber kommt neben dem generellen Branchenrisiko ebenfalls ein notorischer Mangel an Transparenz verschärfend hinzu. Doch um welche Banken handelt es sich? Im Folgenden ein Überblick über die potenziellen Geldgeber des Immobilienimperiums und deren Engagements.

Signa-Schieflage

Wie Bloomberg berichtet, brach das Schweizer Bankhaus Julius Bär am Montag an der Börse ein, nachdem es einen plötzlichen Anstieg der Risikovorsorgen meldete, den Insider auf Kredite an die Signa-Gruppe von René Benko zurückführen. Investoren von Signa-Bonds haben Anwälte angeheuert. Mitaktionäre versuchen indessen, ihre Anteile an Benko zurückzugeben.

Benkos verschachtelte Gruppe steht im Epizentrum der Turbulenzen am europäischen Gewerbeimmobilienmarkt, der mit rasch steigenden Zinsen und einer geringeren Nachfrage nach Büroflächen zu kämpfen hat. Signa räumte Anfang November ein, dass seine Bargeldreserven zur Neige gehen, und bestellte einen Berater für die Umstrukturierung.

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Die Verbindlichkeiten von Signa sind in den letzten 3 Jahren weiter gestiegen

Die Jagd auf Banken hat begonnen

“Die Jagd auf Banken, die bei Signa engagiert sind, hat begonnen”, so die Bondspezialisten von CreditSights in einer Analyse. “Wir gehen davon aus, dass eine Reihe von Banken, vor allem aus Österreich, der Schweiz und Deutschland, betroffen sein werden.”

Alleine die Edelsparte Signa Prime (KaDeWe, Elbtower, Selfridges) braucht noch in diesem Jahr rund 500 Millionen Euro frische Mittel, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Für potenzielle Geldgeber kommt zum generellen Branchenrisiko der für Signa notorische Mangel an Transparenz verschärfend hinzu.

Bloomberg hat mehr als ein Dutzend Banken und Versicherer identifiziert, die in Signa engagiert sind, und stützt sich dabei auf Veröffentlichungen, mit der Angelegenheit vertraute Personen und Medienberichte. Je nach Höhe der Sicherheiten und der Gegenpartei innerhalb der Signa-Unternehmensgruppe sind sie unterschiedlich stark gefährdet.

Ausgewählte Banken-Engagements bei Signa-Unternehmen

Das Engagement verteilt sich auf verschiedenste Instrumente, darunter Kredite, Anleihen, eigenkapitalähnliche Partizipationsscheine und direktes Eigenkapital. Kredite sind in der Regel durch Immobilien besichert, bei anderen Instrumenten ist das häufig nicht der Fall.

Die Liste ist nicht erschöpfend, und die genannten Banken lehnten es im Allgemeinen unter Berufung auf das Bankgeheimnis ab, Stellung zu nehmen.

Ein Überblick über die betroffenen Banken:

In der österreichischen genossenschaftlichen Raiffeisen-Gruppe sind sowohl regionale Raiffeisen-Landesbanken als auch die börsennotierte Raiffeisen Bank International engagiert. Risikochef Hannes Mösenbacher bezifferte das größte Kundenengagement im Bereich Gewerbeimmobilien auf 755 Millionen Euro, nannte aber nicht den Namen des Schuldners.

Julius Bär hat rund 600 Millionen Euro Kredite an Firmen in Benkos Umfeld ausstehen, wie Bloomberg berichtet hat. Diese Kredite waren der Hauptgrund dafür, dass Bär im November 70 Millionen Franken zusätzliche Risikovorsorgen bildete.

Die deutschen Landesbanken sind stark bei Signa engagiert. Das Engagement der Helaba ist im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich, das der NordLB im niedrigen, sagen mit der Angelegenheit vertraute Personen. Bei der BayernLB geht es laut FAZ ebenfalls um einen Betrag in dreistelliger Millionenhöhe.

Die LBBW ist eigenen Angaben zufolge Vermittlerin eines Konsortialkredits mehrerer Banken an die insolvente Signa Sports United.

Bei der genossenschaftlichen DZ-Bank geht es dem Vernehmen nach um einen Betrag im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.

Die Mailänder Großbank UniCredit — mit den Banktöchtern HVB in Deutschland und Bank Austria in Österreich — hat Insidern zufolge Kredite für einzelne Signa-Projekte gegeben.

Auch Versicherer sind betroffen. Die Signal Iduna ist bei mehreren Projekten investiert. Sie habe “grundpfandrechtlich gesicherte Darlehen”, die “in der Höhe auskömmlich gesichert sind”, so ein Sprecher.

Die R+V Versicherung und die LVM hingegen sind beide Anteilseigner von Signa Prime.

Die österreichische Uniqa hat 80 Millionen Euro an Signa-Anleihen im Portfolio, die Vienna Insurance hat ein Engagement in Höhe von 50 Millionen Euro.

FMW/Bloomberg



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1 Kommentar

  1. Hat die Deutsche Bank aus der damaligen „Peanuts“-Affäre mit Jürgen Schneider dazugelernt oder wieso ist sie nicht in der Liste?

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