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Türkei: Ab in die Planwirtschaft – steigende Preise einfach abgeschafft, und ein Theologe als Wirtschaftsberater

Redaktion

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Nicht nur für die Türkei, auch für Euroland, Italien und Griechenland galt und gilt immer noch: Die Politik müsse alles tun um „die Märkte zu beruhigen“. So sprechen Merkel, Schäuble und Co seit Jahren. Gewiss, das hilft bei der Schuldenaufnahme und vor allem bei der Höhe der Kreditkosten. Wer sich dem Markt fügt, muss wenig Zinsen zahlen, hat einen positiven Geldfluss ins Land usw.

Wer dieses Spiel mitspielt, muss natürlich auch Regeln befolgen. So muss man immer seriös auftreten, Ausgaben kürzen, erklären wo man demnächst noch mehr sparen will, irgendwas über Restrukturierungen erzählen usw. Präsident Erdogan will dieses „Spiel“ nicht mitspielen. Es ist ja schließlich kein Zwang.

Erdogan verbot gerade erst die Berater von McKinsey anzuheuern um die Türkei zu beraten. Man könne sich selbst helfen, und brauche keine Berater aus den USA, so Erdogan. Nein, da holt man sich aktuell lieber einen Theologieprofessor in einen neu gegründeten Wirtschaftsausschuss. Servet Bayindir soll sich auf das Thema „Islamic Finance“ fokussiert haben. Wie das aktuell bei einer Inflation von knapp 25% helfen soll?

Aber gut. Präsident Erdogan und sein neuer Finanzminister Berat Albayrak (sein Schwiegersohn) haben nun offenbar eine ganz einfache Lösung für die Türkei gefunden um die Inflation abzuschaffen. Man vereinbart einfach mit der Privatwirtschaft, dass die Preise nicht mehr steigen dürfen! Ist es nicht toll, wie einfach das geht? So verkündete Berat Albayrak vor wenigen Minuten, dass die türkische Regierung sich mit der Privatwirtschaft geeinigt habe, dass die Preise für Gas und Strom bis Jahresende nicht weiter ansteigen sollen.

Und die Sache mit den Strom- und Gaspreisen war nicht alles. Auch habe man mit der Privatwirtschaft vereinbart, dass alle Warenpreise, die zur Inflationsberechnung herangezogen werden, um 10% gesenkt werden sollen. Super, dann müssen die Großhändler nur noch ihren ausländischen Lieferanten sagen, dass die bitte auch einfach ihre Preise um 10% senken sollen, und alles ist gut.

Phantastisch, möchten man da sagen. Warum fällt Angela Merkel nicht etwas Ähnliches ein in Sachen Mietpreise? Aber im Ernst. Wie auch immer man sich mit der ganzen Privatwirtschaft geeinigt haben will. Das ist nichts anderes als Planwirtschaft und ein brutaler Eingriff in die Selbstbestimmung privater Unternehmer. Und selbst wenn man dies ignoriert: Wie soll das gehen? Wenn die Importpreise für Güter weiter steigen, sollen die Einzelhändler de facto die steigenden Preise komplett aus der eigenen Tasche bezahlen?

Darauf läuft es de facto hinaus. Halten sie sich wirklich an diese „Einigung“ mit der Regierung, freuen sich zwar die Konsumenten über nicht weiter steigende Preise. Aber dafür werden schon bald unzählige Groß- und Einzelhändler in die Pleite rauschen. Aber halt. Auch hier kann Erdogan ja notfalls staatliche Hilfen zusichern, nicht wahr? Letztlich landet dann alles beim Steuerzahler, womit die Staatsverschuldung der Türkei kräftig steigen dürfte.

Auch habe man mit Banken gesprochen, dass Kreditraten gesenkt werden sollen. Also alles im Sinne der Verbraucher? Auch hier gilt: Wie super, nur dann bezahlen eben die Banken den Preis mit schwächeren Bilanzen. Mal ehrlich: Kann man mit solchen Maßnahmen annehmen, dass man noch ernst genommen wird? Das ist mehr als nur Planwirtschaft – das ist schon die pure Verzweiflung. Die Inflation muss weg, sofort, egal wie. Es muss sofort eine einfache Lösung her, also schaffen wir steigende Preise einfach ab.

Dass irgendwer den Preis dafür zahlen muss, egal. Einfach unglaublich. Und, ist die türkische Lira in den letzten Minuten in einem Aufwärts-Rausch nach oben geschossen, weil die Inflation jetzt entfällt in der Türkei? Nein, die Lira bleibt gegen Euro und US-Dollar da, wo sie vorher auch war. EURTRY liegt bei 7,01 und USDTRY bei 6,12.

Türkei Istanbul
Die Hagia Sophia in Instanbul. Foto: Julian Nitzsche CC BY-SA 4.0

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    leokatz1

    9. Oktober 2018 15:40 at 15:40

    …zweite Möglichkeit: Die Händler verkaufen einfach nichts mehr zu den verordneten Preisen…die sind doch nicht blöde! Also ists neben Planwirtschaft dann auch gleich Mangelwirtschaft. Kennen wir doch irgend wo her? Ach ja, ehemaliger Ostblock…

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    m.sastre

    9. Oktober 2018 17:35 at 17:35

    Nicht nur ehemaliger Ostblock! In Venezuela erleben wir das selbe Schema in live. Mit Zwangsmitteln durchgesetzte Preissenkungen, gesetzlich verordnete Lohnanpassungen zwischen 3000 und 4000%. Es sind immer die selben präfinalen Massnahmen mit den immer selben erwartbaren Ergebnissen.

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    thelittleraven

    9. Oktober 2018 19:00 at 19:00

    ich weiss es nicht. Ich kann Ihnen nur eines sagen- seien Sie bitte vorsichtig, wenn Sie in die Tuerkei fahren. Die sind durchgeknallt, voellig durchgeknallt. Back to nation and islamism. Die sind dermassen faschistoid und xenophob, seien Sie nur vorsichtig. Ich denke, dass es das Richtige waere, wenn unsere Firmen und auch die Nato sich staerker auf dem Balkan engagierten – Slowenien, Griechenland, Serbien, Kroatien. Das sind die neuen Frontlaender gegen diesen islamistischen Wahn. Ich habe das dumme Gefuehl (bitte entschuldigen Sie, ich weiss, es ist unpassend), aber ich habe das einfach, dass sich diese Anspannung, diese Agression gegen uns richten kann. Ansonsten stimme ich Ihnen zu… dieses Land ist eine Katastrophe, das ist ein faschistoider Fuehrerstaat, sonst nichts. Und dann, bitte, sehen Sie sich doch einmal diese Gestalten an, die dort das Sagen haben – es ist doch nicht kaschiert oder heimlich oder sonstwas, die zeigen doch ganz offen ihre faschistische Ideologie (tuerkische Superrasse und so, die Herren der Welt, zum Herrschen geboren – sorry, die glauben den Dreck wirklich)- Erdogan und Entourage zeigen ganz offen das Rabia-Zeichen – das ist das Zeichen der Muslimbrueder. Sicher wollen die Europa und die Welt erobern, unterschaetzen Sie die nicht, verdammt, die sind gefaherlich, und es ist nur gut, dass das offenbar hier in Europa und den USA aufgefallen ist. Diese Leute sind brandgefaherlich. They can set the world on fire.

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      joah

      9. Oktober 2018 21:46 at 21:46

      Das einzige was hier brandgefährlich ist, ist Ihr stumpfer (Un-)Verstand. Viel Erfolg bei der Heilung.

      Glücklicherweise musste dieses Volk Sie noch nie kennenlernen (müssen), denn Sie waren noch nie dort.

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      Petkov

      9. Oktober 2018 22:26 at 22:26

      Guten Abend, ich wollte meine Erfahrungen zu den angesprochenen Punkten mitteilen, da ich behaupte, mich auf dem Gebiet gut auszukennen. Ich teile Ihre Sicht nur eingeschränkt, aber bitte meinen Kommentar nicht als Kritik verstehen. Ihre Meinung in Ehren! Ich möchte nur mit ein paar persönlich erlebten Nuancen zum Dialog beitragen.

      1. Wenn man in die Türkei als Tourist fährt, ist keine besondere Vorsicht geboten. Ich kenne Istanbul und einige der üblichen Reiseziele gut und fliege gerne hin und das seit Jahren, auch dieses Jahr vor wenigen Wochen. Ich war als Individualtourist in der Bosphorusmetropole unterwegs. Ich unterhalte mich auch oft und gerne mit Einheimischen, auch zu politischen Themen und zwar viel direkter als es ein Deutscher je tun würde… Bin ja auch keiner… Aber ich weiß auch sehr genau, wie weit der Bogen überspannbar ist. Und um ehrlich zu sein, merke ich keine wirkliche Veränderung bei den Türken in der Türkei. Ihre Weltanschauung ist weiterhin so, wie sie schon immer war. Zugegebenerweise „leben“ sie sie jetzt etwas intensiver aus, sicherlich auch von Erdowahn angestachelt, aber sonst sind sie immer noch so wie ich sie kenne und respektiere, auch wenn ich mich mit ihrem Weltbild keineswegs identifiziere.

      So viel zu den echten Türken. Die sog. Deutschtürken dagegen sind überwiegend eine ganz andere Hausnummer: aggressiver, verblendeter, ohne jede Spur von der typisch türkischen Frommheit (ja, die gibt es). Dass in Deutschland prozentual gesehen deutlich mehr Erdowahn-Wähler leben als in der Türkei, haben wir eindrucksvoll erleben dürfen.

      Aber auch hier muss man differenzieren: die Deutschtürken sind keine „eigene Spezies“, sondern die Konsequenz von der verheerenden Unfähigkeit Deutschlands, wirklich fremde Kulturen zu integrieren (Spanier, Ukrainer oder Polen etc. sind nicht kulturfremd).

      Skurrilerweise investiert Deutschland das mit Abstand meiste Geld in die Integration, um krachend zu scheitern. Für mich ist es vergleichbar mit einer Konstellation, in der der FC Bayern den Pep als Trainer zurückholt, dazu Messi und Ramos, um dann am Ende der Saison auf einem direkten Abstiegsplatz zu landen oder in der Relegation 1:7 gegen Hamburg zu verlieren.

      2. Dass eine Front gegen den wachsenden islamischen Fanatismus vonnöten ist, steht außer Frage. Aber welche „Frontländer“ Sie da vorschlagen, kann ich nicht nachvollziehen… Ich kann Ihnen einen kurzen Blick auf die Karte ans Herz legen: Slowenien ist gefühlt so groß wie der Großraum Istanbul und hat fünfmal weniger Bevölkerung als die besagte Stadt. Und auch geografisch ist das Land eher Österreich zuzuordnen als dem Balkan. Kroatien kann man erst ins Spiel bringen, wenn es um die Albaner geht. Griechenland ist jetzt schon Stammkunde bei einschlägigen deutschen Rüstungsfirmen :-) Die Hellenen wissen Bescheid ;-) Aber werfen Sie einfach selber einen Blick auf die Karte und dann erkennen Sie, welche Länder sinnvollerweise noch oder eher zu nennen sind.

      3. Und dass der Islam dem Faschismus ähnelt ist natürlich falsch. Es ist nämlich umgekehrt :-) Denn der Islam war zuerst da, auch wenn viel später als die anderen bedeutenden Religionen.

      Grüße und alles Gute

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    Petkov

    10. Oktober 2018 06:54 at 06:54

    Noch eine Frage: woran machen Sie fest, dass der EU und den USA die „Gefährlichkeit“ des türkischen Regimes (nicht der Türken selbst) aufgefallen ist? Meines Wissens sind die Amis weit davon entfernt, die türkische NATO-Mitgliedschaft in Frage zu stellen. Was ich übrigens bei der zahlenmäßig mit Abstand stärksten Armee Europas nicht ohne Weiteres empfehlen würde.

    Und die EU? Da hat die merkel mit ihrem luxemburgischen Taschenhund in einem entsetzlichen Alleingang entschieden, den türkischen Diktator regelmäßig mit über 5 Milliarden€ zusätzlich zu unterstützen. Damit er sich in seiner unendlichen Güte grundsätzlich bereit erklärt, bei der Lösung eines Problems bissle mitzuwirken, das die merkel selbst durch ihre obergrenzenlosen Naivität, Starrsinn und Kurzsichtigkeit groß werden ließ.

    Der aktuelle Umgang Europas mit Erdowahn ist viel gefährlicher als der Diktator selbst. Das dilettantische Auftreten der EU führt zu einer Radikalisierung der Türken, da der Neo-Osmane leichtes Spiel hat, seinen Untertanen zu vertickern, dass die Europäer und Amerikaner an allem schuld sind, aber Allah und vor allem der Sultan selbst werden sich schon um alles kümmern. Man muss ja nur zusammenhalten und vertrauen.

    Es ist Verpflichtung der ganzen westlichen Welt das große Friedenswerk weiterzuführen, das Mustafa Atatürk angefangen hat. Ein Ding der Unmöglichkeit in einem Europa, das von der machtbesessenen Kommunistin merkel und dem Alkoholiker Juncker geführt wird.

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    md

    10. Oktober 2018 12:30 at 12:30

    jetzt möchte ich mal meine ansicht hier kund tuen. eine ansicht welcher aus einem ganz anderen blickwinkel ist und welcher jeder mal vor augen halten sollte.
    wir reden hier oft von integrationsunwilligen türken oder wie gern wir den erdowahn haben. aber mal ehrlich – wer hat mitsxhuld an dieser situation.
    ich fang mal von ganz vorne an. unsere väter sind in den 60-70 ern nach deutschland gekommen. haben gearbeitet und später sind ihre familien nach deutschland gekommen, kinder sind in deutschland geboren. später wurden glaubengäuser eröffnet in welcher wir unseren glauben leben konnten und ein miteinander stattfand. unsere kinder gingen in schulen und haben berufe erlernt usw usw.
    jetzt zum thema, vor ca. 30 jahren kamen die asylanten ( kurdische asylanten aus der türkei) diese wurden gefördert. ihre kinder welche hier geboren sind, welche die hauptschule noch nicht beendet haben bekamen stipendien und sind jetzt architekten, ingenieure, politiker usw usw. sie sind gepusht worden. und auf einmal werden wir türken seit ca 15 jahren von den grünen hauptsächlich, linken und den anderen parteien als integrationsunfreundlich angegriffen. vorzeige ausländer sind ehemalige asylanten aus der türkei. angegriffen werden wir auch teils von politikern mit asylantenhintergrund.
    die türken und kurden wurden, von den meistens grünen politikern, gegenüber gestellt und politisch mißbraucht. man bedenke auf der einen seite türken die seit 60 jahren in deutschland sind, ihre kinder unter gleichen vorraussetzungen wie deutsxhe kinder oder italienische kinder dem schulischen wettbewerb standen und kurdische asylanten welche seit ca 30 jahren in deutschland sind, von sozi unterstützt worden, ihre kinder gepusht worden sind.
    diese mißstände haben wir türken schon erkannt, wie wir links liegen gelassen wurden sogar verbalen angriffen ausgestzt. bei uns war eine gleitende integration über jahre ohne irgendeine unterstützung, alleine von der selbstverständlichkeit sich anzupassen welche auch erfolgreich war gegeben.
    die mißstände wurden aber von einem anderen erkannt, ganz genau von dem erdogahn. er hat gesehen und gehandelt und die leeren herzen der türken erobert. und wer ist jetzt schuld an der situation.
    und noch etwas. wir türken in deutschland sind keine fundamentalisten. die einzigsten die sich geändert haben sind die deutschen. meine beobachtung der letzten 40 jahre bestätigt meine ansicht. was waren wir was ist aus dem deutschen volk geworden. die veränderungen sind gravierend bis hin zu gesellschaftsschädigend. und da hat noch nicht mal ein ausländer oder asylant mitschuld.
    ich belasse es mal mit dem geschriebenen und hoffe das ich nicht falsch verstanden werde.

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      Andreas

      10. Oktober 2018 13:02 at 13:02

      @md

      Ja muss ihnen besonders beim letzten Abschnitt zustimmen: Geändert haben sich in den letzten 2 Jahrzehnten besonders die Deutschen und nicht zum Guten.
      Die Deutschtürken haben ihre Mentalität, ihre Traditionen beibehalten.
      Die Ungarn waren vor 20 Jahren genauso wie auch heutzutage.
      Die Russlandsdeutschen sind ihrer Kultur ebenfalls treu geblieben.

      Die Deutschen sind leider einfach meist nur noch meinungslose Schuhabputzer der Elite, ihrer eigenen Kultur fremd geworden, vereinsamt und dekadent.
      Allein schon die Vorstellung seine eigenen Eltern in irgendwelche Pflegeeinrichtungen abzugeben, käme bei uns nicht in Frage. Auch hier sieht man wie die Deutschtürken als ganze Familie zusammenhalten, ich persönlich kenne zumindest keine Russen und keine Türken die ihre Eltern in diese Einrichtungen abliefern.

  6. Avatar

    Martin1

    11. Oktober 2018 15:03 at 15:03

    Preise zu fixieren ist nicht nur Planwirtschaft, sondern führt zu Deflation! :-(((
    Das Geld wird quasi mehr wert, aber der Händler müsste für die gleiche Menge Geld mehr Ware liefern.
    Wer fängt seine gestiegenen Kosten auf?
    Folge: Es wird nichts mehr angeboten.

    Das hatten wir 1937 schon mal. Nix gelernt!
    Erdogan hat echt nur Stroh im Kopf.

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Arbeitsmarkt nach Corona: Mehr Staatswirtschaft, weniger Industrie

Redaktion

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Von

Büro-Arbeitsplatz

Verschwörungstheorie? Oder nur eine Vermutung? Das „übliche“ neo-liberale Gelaber, welches den Staat verteufelt, und vor noch mehr Staat warnt? Nein, offizielle staatliche Aussagen vom heutigen Tage zeigen, dass am deutschen Arbeitsmarkt in die Staatswirtschaft deutliche Stellenzuwächse erleben wird, während produzierende Betriebe nicht nur jetzt, sondern auch in 2021 weiter Stellen abbauen wird.

Staatswirtschaft im Aufwind, Industrie im Rückzug?

De facto heißt das: Die Angestellten in der Privatwirtschaft müssen (insgesamt gesehen) durch Steuern und Abgaben immer mehr, mehr und noch mehr erwirtschaften und abführen, damit die immer größere Zahl der Arbeitsstellen im Rahmen der Staatswirtschaft auch bezahlt werden kann! Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute ihre Prognose für den deutschen Arbeitsmarkt für die Jahre 2020 und 2021 veröffentlicht. Und genau aus diesen Aussagen geht folgendes hervor, auszugsweise im Wortlaut:

Die Zahl der Arbeitslosen steigt laut der IAB-Prognose im Jahresdurchschnitt 2020 um 440.000, im Jahr 2021 könnte sie wieder um 100.000 zurückgehen.

Im Produzierenden Gewerbe gab es insbesondere im zweiten Quartal 2020 einen deutlichen Stellenabbau, der auch 2021 anhalten wird. Im Jahresdurchschnitt 2020 fallen hier 160.000 und 2021 nochmal 60.000 Stellen weg.

Beschäftigungszuwächse erwarten die IAB-Forscher dagegen vor allem im Bereich „Öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit“ (jeweils +190.000 in beiden Jahren).

Wird man im Detail die Neueinstellungen bei Staat und öffentlichen Betrieben (zusammen nennen wir das mal die „Staatswirtschaft“) durchgehen, dann wird man im Einzelfall sicher sagen: Ja, diese neue Stelle ist sinnvoll, und die auch, und die auch, und die da… ja dieser neue Job bei dieser Behörde ist auch notwendig. Zum Beispiel mehr Polizisten, mehr Lehrer, mehr Personal für die Gesundheitsämter, mehr Personal für den Zoll für die Kontrollen bei Schwarzarbeit und Einhaltung der Vorschriften bei Fleischbetrieben, mehr Sozialarbeiter etc. Und so könnte man die Liste sicher endlos fortsetzen.

Nur irgendwer muss all das ja auch bezahlen, zusätzlich zu der immens steigenden Staatsverschuldung, die irgendwann ja auch irgendwer mal bezahlen soll. Unterm Strich, da darf man sich sicher sein, wird es heißen: Wir müssen leider, leider die Steuern erhöhen. Geht eben nicht anders? Oder wird man anstatt die Steuern raufzuschrauben, eher auf indirekte Steuern und Sozialabgaben setzen? Was der Bürger nicht so offensichtlich sieht, tut auch nicht so sehr weh?

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Baugewerbe mit Einbruch bei den Auftragseingängen – kein Grund zur Sorge!

Claudio Kummerfeld

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Baugewerbe mit Rückgang bei den Aufträgen

Das deutsche Baugewerbe verzeichnet einen Rückgang der Auftragseingänge. Krise? Weit gefehlt, so möchten wir meinen. Wie heute offiziell vermeldet wurde, sind die Auftragseingänge im Juli im Vergleich zu Juni um 5,6 Prozent gesunken, und im Vergleich zu Juli 2019 um 4,9 Prozent. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2020 sank der reale Auftragseingang im Baugewerbe gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,7 Prozent. Warum diese Rückgänge noch kein Problem sind? Nun, die Aussagen der Statistiker deuten dies an.

Denn der Auftragseingang im Juni 2020 war aufgrund von Großaufträgen ungewöhnlich hoch ausgefallen. Und der Auftragseingang im Juli 2019 war der höchste jemals in einem Juli gemessene Wert. Von daher war es für den Juli 2020 auch schwer, im Vergleich zu diesem Rekord-Ausgangswert noch mal eine Steigerung hinzulegen. Und aktuell darf man ja auch noch ergänzen, dass im Zuge der Coronakrise verständlicherweise einige wirtschaftliche Abläufe wie Bauaufträge oder Bauanträge bei Ämtern verschoben werden oder sich verzögern. Wenn man das bedenkt, dann sind diese Auftragsrückgänge im Baugewerbe noch eher mild ausgefallen. So schreiben die Statistiker vom Statistischen Bundesamt auch Zitat „Gründe für diese negative Entwicklung sind neben möglichen Einflüssen der Corona-Pandemie auch das sehr hohe Niveau des Vorjahres“.

Die am Anfang des Artikels genannten Prozentveränderungen waren real, saison- und kalenderbereinigt gerechnet. Die nominalen Veränderungen fielen noch viel kleiner aus. Der Auftragseingang im Baugewerbe betrug im Juli 2020 rund 7,5 Milliarden Euro. Das waren nominal (nicht preisbereinigt) 2,5 % weniger gegenüber dem Höchststand im Juli 2019. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sanken die Auftragseingänge in den ersten sieben Monaten 2020 nominal um 0,5 %.

Grafik zeigt Verlauf der Auftragseingänge im Baugewerbe

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Coronakrise und Insolvenzen: Ab 01.Oktober kommt die Pleite-Welle

Markus Fugmann

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Aufgrund der Coronakrise hat die Bundesregierung bekanntlich beschlossen, das Insolvenzrecht zeitlich begrenzt auszusetzen und damit die Pflicht zur Anmeldung einer Insolvenz ausser Kraft zu setzen – gleichwohl droht nun bereits in der nächsten Woche eine massive Pleite-Welle. Denn ab 01.Oktober müssen jene Unternehmen wieder Insolvenz anmelden, die zahlungsunfähig sind – während überschuldete Firmen erst ab 01.Januar 2021 die Pflicht zur Insolvenz-Anmeldung haben.

Wie viele der von der Coronakrise betroffenen Unternehmen in Deutschland müssen dann als ab nächster Woche Insolvenz anmelden? Volker Römermann, unter anderem Fachanwalt für Insolveznrecht, sagt: über 90% der betroffenen Firmen werden dann ab 01.Oktober Insolvenz anmelden müssen, denn so hoch sei die Zahlungsunfähigkeits-Quote bei allen Insolvenzen – Überschuldung und damit die Pflicht zur Insolvenzanmeldung erst ab 01.Januar 2021 sei dagegen bei weniger als 10% der Fall.

Coronakrise: Jetzt kommt der Schmerz!

Das bedeutet: hunderttausende Firmen in Deutschland werden wohl zeitnah Insolvenz anmelden! Das wird viele Arbeitsplätze kosten. Der durch die Coronakrise ausgelöste Schmerz wurde also lediglich in die Zukunft verschoben – und diese Zukunft und damit der große Schmerz kommt nun also im Oktober, „buchstäblich am 01.Oktober“, sagt Römermann im Interview mit Florian Homm. Zwischen Januar und August diesen Jahres war die Zahl der Insolvenzen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr sogar rückläufig – da hat sich nun viel aufgestaut, was sich nun in einer Pleite-Welle entladen dürfte!

Und der Schmerz geht dann ab 01.Januar 2021 weiter, denn viele Firmen haben in der Coronakrise noch einmal Kredite aufgenommen, seien aber nicht zuletzt dadurch aussichtslos überschuldet, sagt Volker Römermann:

Ab 01.Oktober schlägt die Coronakrise voll durch - es droht eine Welle von Insolvenzen

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