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Wasser ist jetzt als Terminkontrakt in Chicago handelbar

Claudio Kummerfeld

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Unethisch, unmoralisch, unmenschlich, das Allerletzte. Das ist das erste woran sehr viele Menschen denken, wenn sie hören, dass Wasser an der Börse gehandelt werden kann. Nicht die Aktien von Wasserversorgern oder von Konsumgüterkonzernen, die Wasser in Flaschen abfüllen. Nein, das Wasser selbst wird zur standardisierten Handelsware für Spekulanten, aber auch zum Absicherungsinstrument für Farmer. Muss das sein? Droht Wasserknappheit, weil Spekulanten den Preis hochtreiben werden?

Neuer Future-Kontrakt auf Wasser aus Kalifornien

Der diese Woche neu eingeführte Future-Kontrakt auf Wasser (hier die genauen Kontraktspezifikationen) wird an der weltgrößten Terminbörse CME in Chicago gehandelt. Future-Kontrakt bedeutet, dass der Käufer des Kontrakts sich verpflichtet zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft eine bestimmte Menge Wasser zu einem bestimmten Preis zu kaufen. Für den Verkäufer des Kontrakts gilt die selbe Verpflichtung. Durch Eingehen der Gegenposition an der CME hebt man als Trader diese Verpflichtung auf, sie wird dadurch sozusagen neutralisiert, weil man ja eine Kauf- und Verkaufsverpflichtung beim selben Kontrakt eingegangen ist. Für den Wasser-Future sind für 2021 sechs Ablauftermine festgelegt, und für 2022 vier Termine.

Durch einen Future-Kontrakt entsteht Kalkulationssicherheit. Eine gute Sache für Bauern, und natürlich auch eine Chance für Spekulanten. Aber blicken wir auf die Bauern. Dieser Terminkontrakt mit dem Namen „Nasdaq Veles California Water Index“ (Ticker-Symbol: NQH2O) bezieht sich lediglich auf Wasserrechte und Verkaufstransaktionen in den fünf größten Regionen in Kaliforniens. Es geht laut CME um Wasserrechtstransaktionen aus vier Grundwasserbecken. Vor allem in Süd-Kalifornien ist Wasser ein extrem knappes Gut, und wird oft über sehr lange Kanäle an die großen Verbrauchszentren herangeführt. Nicht nur Menschen, vor allem die Farmer brauchen für die gigantischen Anbaugebiete Unmengen an Wasser.

Bessere Kalkulationssicherheit für Bauern

Das geniale Konstrukt bei Futures für Bauern ist (weswegen Terminkontrakte auch sehr sinnvoll sind): Kauft der Bauer jetzt zum Beispiel einen Wasser-Future zu sagen wir mal fiktiven 100 Dollar, und der Preis steigt bis zum Ablauftermin im März auf 150 Dollar, so zahlt der Bauer zwar im März 150 Dollar. Aber an der Terminbörse ist der Future ja auch angestiegen, und der Bauer kassiert 50 Dollar Spekulationsgewinn. Dadurch hat der Bauer effektiv nur 100 Dollar bezahlt, und hat sich quasi den jetzigen Wasserpreis für die Lieferung im März gesichert. So entsteht Planungssicherheit. Natürlich ist da auch die „dunkle“ Seite bei Futures. Wo der Bauer dieses Instrument sehr sinnvoll nutzt (wie auch bei Weizen, Soja uvm), da kann der reine Börsenspekulant hier auch wilde Zockereien veranstalten.

Aber zurück zum neuen Future auf Wasser aus Kalifornien. Der Wert des Index spiegelt laut CME den volumengewichteten Durchschnittspreis von Wasser an der Quelle wider, wobei Beförderungskosten und Wasserverluste in den zugrunde liegenden Märkten nach Bereinigung um idiosynkratische Preisfaktoren, die für jeden der in Frage kommenden Märkte und Transaktionsarten spezifisch sind, nicht berücksichtigt werden. NQH20 wird in US-Dollar pro Acre-Fuß bewertet. Das ist die Wassermenge die benötigt wird, um einen Hektar Land (43.560 Quadratfuß) bis zu einer Tiefe von einem Fuß zu bedecken, was 325.851 Gallonen entspricht.

Knappheit in der Versorgung möglich?

Können Zocker den Preis für Wasser in Kalifornien wie bei anderen Rohstoffen in den letzten Jahrzehnten hochtreiben, und für echte Versorgungsknappheit sorgen? Bei Wasser wird es ja nun wirklich eine Frage des Überlebens? Zum einen betrifft dieser Wasser-Future nur einen sehr kleinen Prozentsatz der gesamten Wasser-Versorgungsmenge in Kalifornien. Denn ein Großteil der Wasserrechte ist langfristig an Versorger vergeben. Und zum anderen ist wichtig, dass Spekulanten über den Aufkauf der Kontrakte anders als bei Weizen und anderen lebenswichtigen Produkten keinen echten Erwerb von Wasser durchführen können. Denn der Wasser-Future ist als „Financially Settled Contract“ aufgesetzt worden, was man auf Deutsch auch als Barausgleich bezeichnet. Das heißt, dass bei den Lieferterminen kein echtes Wasser den Besitzer wechselt, sondern nur Gewinne und Verluste in US-Dollar zwischen den Terminmarkt-Teilnehmern ausgeglichen werden.

Ein Wasser-Kanal in Kalifornien
Beispielfoto: Das California Aqueduct im Alameda County in Kalifornien. Foto: John Loo CC BY 2.0

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Jan

    9. Dezember 2020 20:51 at 20:51

    Unethisch?
    Jetzt kaufe ich bis auf selbst gefangenes Regenwasser auch mein Wasser. Unterschiedliche Stadtwerke in dem Lande rechnen unterschiedlich ab. Findet jeder Normal. Keine Ahnung ob es sich bald lohnt mit einem Anhänger irgendwo Wasser zu holen. Alle andere Lebensnotwendige Sachen werden ebenso gehandelt und dienen die Spekulation.nun macht Wasser ein Anfang. So what.

  2. Avatar

    Übelkeit

    10. Dezember 2020 09:20 at 09:20

    „Wasser selbst wird zur standardisierten Handelsware für Spekulanten, aber auch zum Absicherungsinstrument für Farmer.“

    Wohl eher ersteres. Der Bereich der Derivate ist mittlerweile so groß, dass man hier nicht mehr von Absicherungsinstrumenten sprechen kann. Hier wedelt der Schwanz (Derivate) mit dem Hund (Realwirtschaft).

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Aktien

Andre Stagge über sein Depot, Inflation, Bitcoin und steigende US-Renditen

Claudio Kummerfeld

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Andre Stagge

Der Börsenexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht im folgenden ausführlichen Video fünf Positionen in seinem eigenen Investmentdepot. Aber er spricht auch über wichtige Themen in einem größeren Zusammenhang. Zum Beispiel geht er der Frage nach, ob in 2021 die große Inflation ansteht. Auch schaut er auf die mögliche weitere Entwicklung des Bitcoin, und bespricht die interessante Thematik, welche Auswirkung nachhaltig steigende Anleiherenditen in den USA auf die Märkte haben.

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Markus Krall über das große Debakel als Resultat der Gelddruck-Orgie

Claudio Kummerfeld

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Dunkle Wolken über Frankfurt

Markus Krall erlebt man in letzter Zeit leider öfters vor allem bei Twitter mit zweifelhaften Äußerungen zu Corona-Themen. Aber dennoch wollen wir seine hochinteressanten Aussagen zur Geldpolitik und Wirtschaftsordnung präsentieren. Denn seine inhaltlichen Aussagen zu diesen Themen sind bestechend. Sicherlich kann man bei einigen seiner Aussagen anderer Meinung sein, dennoch erweitern seine Thesen den Horizont und regen zum Nachdenken an.

Der folgende gestern veröffentlichten Vortrag stammt zwar schon vom 24. Oktober 2020, dennoch ist er auch heute noch aktuell. Die wirtschaftlichen und geldpolitischen Folgen der Coronakrise werden besprochen. Dabei zeichnet Markus Krall ein düsteres Bild über eine bevorstehende massive Inflation und das Ende des Euro. Richtig los geht es ab Minute 12:40 im Video. Banken und Zombieunternehmen sind Klassiker-Themen in seinen Vorträgen, die auch dieses Mal zur Sprache kommen. Auf jeden Fall ist dies mal wieder ein spannender Vortrag von Markus Krall.

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Dirk Müller über das Börsenjahr 2021: „Mit Gas und Bremse durch den Markt“

Claudio Kummerfeld

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Bulle und Bär - Dirk Müller will mit Gas und Bremse durchs Jahr kommen

Dirk Müller hat in einem aktuellen Interview über das Börsenjahr 2021 gesprochen, aber auch über die Corona-Restriktionen und den Bitcoin. Beim Thema Corona ist er der Meinung, dass die Beschränkungen nach einer flächendeckenden Impfung und rückläufigen Infektionszahlen nicht verschwinden würden. In welcher Form genau es weitergehe, könne er auch nicht sagen, aber gewisse Arten von Einschränkungen im Alltag würden dauerhaft bestehen bleiben. Dirk Müller erwähnt in dem Zusammenhang die auch bei der Grippe ständigen Mutationen und jährlich neuen Impfungen, um sich dagegen zu schützen. Corona käme dauerhaft als neues Risiko hinzu.

Dirk Müller über das die Aktienmärkte in 2021

Immer weiter steigende Börsenkurse sind laut Dirk Müller auch im Börsenjahr 2021 möglich, auch dank der Notenbanken. Aber, so seine Worte, alle Welt glaube es gehe an der Börse jetzt nur noch nach oben. Man frage sich nur noch, wie kräftig die Kursgewinne im Jahr 2021 ausfallen werden. Aber ein großer Börsencrash sei jederzeit möglich. Was dafür exakt der Auslöser sei, könne man vorher nie sagen. Ein Problem für die Aktienmärkte sei aktuell das Ansteigen der Anleiherenditen in den USA (aktuell 1,09 Prozent). Diese würden laut Dirk Müller unabhängig von der Politik der Notenbanken anziehen, weil die Inflationserwartungen in den USA zunehmen. Es stehe für 2021 eine Sektorenrotation bevor. Das Anlegergeld verlasse die Tech-Aktien. US-Banken würden interessanter werden, aber auch Branchen wie der Flüssiggas-Sektor. Er gehe mit Gas und Bremse durch das kommende Börsenjahr. Man solle für weiter steigende Kurse offen sein, aber mit Absicherung.

Bitcoin

Und was ist mit dem Bitcoin? Wochenlang war der Kurs ja kräftig gestiegen, dann wieder deutlich gefallen (hier unsere aktuellste Berichterstattung). Dirk Müller bleibt bei seiner bisherigen Meinung. Der Bitcoin sei eine eindeutige Zockerei, dahinter stehe kein echter Wert. Er könnte kräftig verlieren, aber auch unendlich weiter steigen.

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