Immobilien

Wohnungsmieten explodieren – Experten über den größten Preistreiber

Der Staat ist ein gigantischer Kostentreiber im Wohnungsbau, und damit auch für die immer weiter steigenden Wohnungsmieten.

Wohnungen mit Balkonen
Wohnungen mit Balkonen. Foto: Roman_Babakin-Freepik.com

Die Wohnungsmieten in Deutschland steigen, und steigen, und steigen. Natürlich wird zu wenig gebaut, und die Nachfrage nach Wohnraum übersteigt das Angebot. Folglich können die Mieten immer weiter ansteigen. Aber abgesehen davon stellt sich grundsätzlich die Frage: Wer profitiert hier eigentlich, wer macht sich die Taschen voll, wer greift die Gewinne ab? Man denkt schnell an die „bösen“ Vermieter, die immer reicher werden auf Kosten der Mieter. Oder gibt es andere Kostentreiber, die man kaum beachtet? Eine aktuelle Analyse vom Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA), dem Spitzenverband der Immobilienwirtschaft, benennt einen Grund für die hohen Wohnungsmieten, auf den man so direkt gar nicht kommen würde.

Immer höhere Wohnungsmieten – Wohnungsbau viel teurer als in anderen Ländern

Beispielsweise an der Tankstelle merkt der Verbraucher gar nicht richtig, wie hoch die staatliche Belastung ist. Und ähnlich ist es auch beim Bauen und Vermieten. Immens hohe staatliche Kosten stecken in den Wohnungsmieten! Laut ZIA belegt ein europäischer Vergleich der Baukosten, wer der eigentliche Preistreiber bei den Wohnungsmieten ist, nämlich der Staat. Wohnungsbau in Deutschland ist teurer als in vielen anderen europäischen Ländern – dies belegt laut ZIA eine aktuelle Analyse, deren Ergebnisse heute der globale Immobiliendienstleister CBRE veröffentlicht hat. Aus Sicht des ZIA sind diese Vergleichszahlen „ein weiteres Alarmsignal, das allen Entscheidern im Bund und in den Ländern eindeutig vor Augen führen sollte, dass sich Deutschland bei den Belastungen für Investoren endlich bewegen muss.

Deutschland mit 37 % Staatsanteil bei Baukosten

Die Analyse zeigt laut ZIA in der Gegenüberstellung mit Finnland, Frankreich, den Niederlanden, Österreich, Polen und Schweden, dass die Baunebenkosten in Deutschland am höchsten sind. „Deutschland mischt ganz oben mit, wenn es um Kostenfragen geht – die Art von Spitzenklasse brauchen wir definitiv nicht“, so der ZIA. Die Zahlen würden einmal mehr zeigen, warum Investoren bei uns immer häufiger zu verhinderten Investoren werden, wenn es um zusätzliche Wohnungen geht. Der staatliche Anteil von 37 Prozent an den Kosten beim „Gut Wohnen“ belege überdeutlich, wer der eigentliche Preistreiber bei den Wohnungsmieten ist. Dieser Anteil wird laut ZIA-Taxierung unmittelbar durch Finanzlasten, oder mittelbar durch hohe Auflagen, verursacht.

Der ZIA findet klare Worte: „Wer bei den Abgaben die Nummer 1 ist, braucht sich nicht zu wundern, wenn er bei der Konjunktur die rote Laterne bekommt. In Deutschland ist das Maß vollkommen verloren gegangen, und es gibt im Föderalismus keine ganzheitliche Sicht mehr auf die Staatsquoten.“

Der ZIA sieht aktuell vor allem zwei wichtige Hebel, um der Lähmung beim Wohnungsneubau etwas entgegenzusetzen: Eine Auszeit bei der Grunderwerbsteuer, und zwar auch für Mietwohnungen. Und es brauche ein starkes KfW-Kreditprogramm mit einem Zinssatz von höchstens zwei Prozent. FMW: Hilft das den Wohnungsbau anzukurbeln und damit die Wohnungsmieten zumindest im Anstieg zu bremsen? Vielleicht etwas? „Die hohen Grunderwerbsteuern in vielen Bundesländern werden längst zur rein theoretischen Einnahmequelle. Wo nicht gebaut wird, kommt auch nichts rein. Eine Auszeit bei der Grunderwerbsteuer bis 2025 könnte der Branche neue Luft zum Durchstarten verschaffen“, so der ZIA. Nur so kämen durch Bauprojekte dann auch wieder weitere Einnahmen bei der Mehrwert- oder Unternehmenssteuer rein: „Nur, wer baut, zahlt“, so der ZIA.

Kommentar

FMW: Natürlich behindern die massiv gestiegenen Zinsen der EZB und die sehr hohen Kosten für Baumaterial den Wohnungsbau! Aber die deutsche Bürokratie könnte in der Tat einiges dazu beitragen, durch Senkung von staatlichen Kosten und staatlicher Bürokratie, den Wohnungsbau anzukurbeln. Das wäre zumindest ein Beitrag, um für eine gewisse Erleichterung bei den Wohnungsmieten zu sorgen.



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4 Kommentare

  1. MMT hat Nebenwirkungen, konsultieren die Packungsbeilage oder einen Art ( Columbo)

    Kein gutes Zeichen für Inflationsleugner uns Zinssenkungsträumer. Die Inflation wird noch einige Zeit bleiben und zusammen mit Rezession wird Stagflation das nächste Thema sein.Notenbank- und Fed – Put- Verwöhnte können das Wort googeln.

    1. Da gibt’s noch einige andere Preistreiber, die noch nicht erwähnt wurden.
      Katasteramt, Bauamt, ENEv. Und, und, und.
      Als Maurermeister könnte ich hier endlos Beispiele aufführen.

  2. Korrigenda, Columbo ist natürlich keine Art sondern ein Arzt.

  3. Vorgeschlagen werden wieder nur Teilaspekte statt eines notwendigen Gesamtpaketes: Entrümpelung der Bauvorschriften auf Niveau der 80iger Jahre, Beendigung des Naturschutzes bei Bauvorhaben auch im Außenbereich (Erschließung zahlt der Investor) mit verpflichtender Bereitstellung von Bauland für 500 000 Wohnungen in Ballungsgebieten und um die Landkreiszentren , Abschreibung der Bau- und Grundstückskosten über 10 Jahre, Aussetzung der Grunderwerbssteuer. Staatliches Mitmischen wie die KfW-Bank ist dann überflüssig. Dies alles geschieht natürlich nicht, da zigtausenden von Beamten, Bürgermeister, Stadt- und Gemeinderäte, Landräte, Naturschutzverbände ect., ect., nichts mehr zum Geschaftelhubern und sonstigem Wichtigtuen übrig bliebe. Der Staat erstickt an sich selbst.

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