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Xi schwört China auf unsichere Lebensmittelversorgung ein: „Wir müssen uns auf einen Regentag einstellen“

Reisanbau in China

Es scheint eine Szene aus einem mittelmäßigen Weltuntergangsthriller zu sein, doch 2014 schwammen Mitten in Shanghai tote Schweine im Gelben Fluss. Dies Szene war eine Folge, dass unter Xi Jin Ping überbordende Neujahrsbankette nicht mehr genehm waren und daher wesentlich weniger Schweine zum Verzehr geschlachtet wurden. Die Schweine im Gelben Fluss zu entsorgen war für die Bauern erheblich günstiger, als diese den Vorschriften gemäß zu entsorgen.

Ende 2020 führten die chinesischen Staatsmedien eine Kampagne gegen „Lebensmittelverschwendung“ durch. Sprich: der Konsum von Lebensmitteln solle mengenmäßig eingeschränkt werden. Zu diesem Zeitpunkt waren sowohl die Preise für Schweine als auch andere Lebensmittel erheblich gestiegen. Unter anderem mussten mitten in der Pandemie ca. 1 Mio. Ferkel nach China eingeführt werden. Wegen der Afrikanischen Schweinepest wurde praktisch der gesamte Schweinebestand gekeult. Es war nicht das einzige Problem der chinesischen Landwirtschaft: Zusätzlich fraßen Heuschreckenschwärme in Yunnan gut 9,000 Hektar Farmland kahl. Zusätzlich setzten heftige Regenfälle und Überschwemmungen landwirtschaftliche Anbauflächen in Sichuan unter Wasser. Sichuan mit seinem Lößboden ist mit seinem fruchtbaren Ackerland ein wichtiges Anbaugebiet.

Auch im letzten Jahr vernichteten Regenfälle große Teile der Ernten, diesmal in den Provinzen Shandong, Henan, Hebei und Hubei, wo hauptsächlich Mais, Weizen und Gerste angebaut werden. Infolgedessen stiegen die Importe von Mais um 135 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Nun äußerten sich sowohl der chinesische Agrarminister, Tang Ren Jian, als auch Chinas mächtigster Mann, Xi Jin Ping, zu der Versorgungssicherheit in China im Rahmen der derzeit stattfindenden „Zwei Sitzungen“, der Sitzung des Nationalkongresses (NPC) und des Ausschusses der Politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes (CPPCC). Tang Ren Jian warnte, dass die diesjährige Winterweizenernte die „schlechteste in der Geschichte“ sein werde.

Auch wenn Xi Jin Ping „nur“ auf der Versammlung der Innermongolischen Delegierten zum Nationalkongress eine Rede hielt, war diese doch von ungewöhnlicher Deutlichkeit geprägt. So sagte er: „Wir sollten nicht in unseren Bemühungen im Bereich Nahrungsmittelsicherheit nachlassen. Wir sollten nicht annehmen, dass die Industrialisierung Nahrung zu einem vernachlässigbaren Problem macht, noch sollten wir uns darauf verlassen, dass der internationale Markt dieses Problem löst. Wir sollten uns auf einen Regentag einstellen.“ Und: „Chinese Reisschüsseln sind mit chinesischem Korn gefüllt“.

Bei diesem Satz war wohl eher der Wunsch Vater des Gedankens: Denn seit 2013 ist China von einem Nettoexporteur von Reis zu einem Nettoimporteur geworden. Im letzten Jahr importierte China Netto 2.4 Mio. Tonnen Reis. Auch Weizen, Gerste, Hirse und vor allem Soja müssen im großen Stil importiert werden.

Auch der Ukraine-Krieg bleibt für China nicht ohne Folgen. Das Staatsunternehmen Xinjiang Production and Construction Corps pachtete 2013 100.000 Hektar Land in der Ukraine. Da die Ukraine ein Export-Verbot für Getreide verhängt hat und derzeit unter den gegebenen Umständen auch gar nicht in der Lage ist zu exportieren, wird die Ernte auf jenen Feldern nicht ihren Weg nach China finden. In China leben zwar 18.5 Prozent der Weltbevölkerung, jedoch besitzt China Inlands nur 9 Prozent der weltweiten Ackerfläche und 6 Prozent der weltweiten Frischwasserreserven, womit China auf Importe von Lebensmitteln angewiesen ist.

Die chinesische Landwirtschaftsproduktion gilt seit jeher als relativ unproduktiv. Zwar trägt die Landwirtschaft nur zu 8 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei, aber noch immer sind ca. 35 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt. Zur landwirtschaftlichen Produktion werden im Vergleich zu Deutschland doppelt so viel Düngemittel eingesetzt. Ebenso werden hohe Mengen an Pestiziden verwendet. Die Folgen sind, dass das Farmland verödet und die Lebensmittel zum Teil stark belastet sind.

Letztes Jahr verhängte China ein Exportverbot für Phosphate, das für die Düngemittelherstellung eingesetzt wird, zudem für Düngemittel selber, was eine Preissteigerung auf dem Weltmarkt nach sich zog.



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2 Kommentare

  1. Young Global Leader

    Interessanter Artikel, aber die Rechtschreibung ist holprig, um es vorsichtig auszudrücken. Das kulminiert in drolligen Sätzen wie diesem

    „Chinese Reisschüsseln sind mit chinesischem Korn gefüllt“

    Kam das so aus der automatischen Übersetzung? I.d.F. hätte ich mir die folgende Version gewünscht:

    „Chinese Reisschüsseln sind mit Chinese Korn gefüllt“

    So ist er, der Chinese, er isst alles, auch Chinese. Sching Schang Schong.

    1. Hallo,
      Ja, tut mir leid, da hat sich in der Tat ein Rechtschreibfehler eingeschlichen und ist bei der Korrektur durchgegangen. Es heißt natürlich: Chinesische Reisschüsseln sind mit chinesischem (Reis-)Korn/ Körnern gefüllt“.
      Mit freundlichen Grüßen,
      Hado Brockmeyer

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