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US-Autokredite als neuer „Big Short“? Investmentbank zieht Parallelen zu Hauskrediten

FMW-Redaktion

Schon am 12. Februar titelten wir „Autokredite & Studentenkredite: Der nächste Short der Zocker?“ Heute nun ein Kommentar von Morgan Stanley: Vor allem durch den Kinofilm „The Big Short“, wo die Wetten auf fallende Kurse von Schrottimmobilienpaketen dargestellt wurden, könnten Marktteilnehmer jetzt inspiriert werden vermehrt auf die Idee zu kommen Schrottpakete gefüllt mit Subprime-Autokrediten aus den USA zu handeln, in der Hoffnung auf fallende Kurse.

Aber wie wir schon im Februar schrieben: Die gesamte Finanzindustrie hat (unglaublich) ernorme Ansehensverluste erlitten, weil Banken den Hedgefonds vor und während der Finanzkrise erlaubten verpackte Immobilienkredite als reines Spekulationsobjekt zu handeln. Shorten war bei einigen schlauen Füchsen angesagt, die die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkannt hatten. Die Gewinne waren enorm. Dass mit so was Profit erzielt werden konnte, stieß (merkwürdigerweise?) bei der breiten US-Öffentlichkeit auf Unverständnis und Wut.

Jetzt wollen die Banken ihr neues Saubermann-Image pflegen und bisher zumindest den Profi-Zockern keinen Zugang zum Handel mit den Schrottpaketen bestehend aus minderwertigen Autokrediten geben. Morgan Stanley meint aber in einem aktuell veröffentlichten Text, dass der Kinofilm „The Big Short“ tatsächlich dazu anstacheln könnte in dieser Niesche eine Art „2008 Subprime reloaded“ zu sehen, so nennen wir es mal.

In den letzten fünf Jahren stieg das Volumen an US-Autokrediten laut der Federal Reserve immerhin von 750 Milliarden auf aktuell über 1 Billion US-Dollar. Der Markt ist natürlich nicht mit dem Häusermarkt vergleichbar, aber vom Konstrukt her ist es das selbe. Verbraucher verdienen nicht genug um ihr Konsumgut bezahlen zu können (Haus oder Auto), der Kredit wird notleidend, und somit wird ab einem gewissen prozentualen Anteil das ganze Kreditpaket notleidend. Aber so weit ist es laut Morgan Stanley bis jetzt noch nicht.

Die aktuellen Ausfallraten müssten erst noch deutlich weiter steigen als bisher. In manchen Teilbereichen des Subprime-Autokreditmarkts liegt die Ausfallquote auf einem 20 Jahreshoch. Und die Ausfallrate aller Autokredite (also gute und schlechte) hat sich in den letzten vier Jahren im Schnitt von unter 1 auf fast 2% verdoppelt – wie gesagt, bei allen Autokrediten. Bei einem möglichen Problem mit diesen Paketen redet man ja von den Subprimes – also Paketen, in die nur minderwertige Autokredite verfrachtet werden. Und je nach Zusammensetzung der Pakete kann die Ausfallrate deutlich höher sein. Für den Inhaber so eines Pakets wie bei den Häusern wird das oft zu einer Wundertüte.

Laut Morgan Stanley würde der Film „The Big Short“ potenzielle Investoren veranlassen nach jeder Chance auf Schwäche zu suchen (um die Produkte dann shorten zu können). Und wie wir vorhin schon schrieben: Autos sind wie Häuser Konsumprodukte (im finanziellen Sinne betrachtet). Beides kann notleidend werden, beides wird vom US-Konsumenten in rauen Mengen nachgefragt. Am Häusermarkt sei für die Shortzockerei mit Kreditpaketen laut Morgan Stanley wenig zu erwarten, weil u.a. durch die neuen Regularien nach der Finanzkrise der Zugang für finanzschwache Verbraucher zu Hauskrediten strenger überwacht sei. Wir meinen: Auch wird eine Rolle spielen, dass schlicht und einfach viele potenzielle Hauskäufer seit der Finanzkrise so pleite sind, dass sie für gar nichts mehr einen Kredit bekommen. Also, gibt´s jetzt bei den Autos was abzustauben? Auch Morgan Stanley sieht dafür die Chancen als bisher eher gering an. Möglich, so meinen wir, dass die Banken den Zockern schlicht und einfach keinen Zugang zur Zockerei mit Autokrediten geben.



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