Folgen Sie uns

Allgemein

Autokredite & Studentenkredite: Der nächste Short der Zocker?

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Sind Wetten auf immer stärkere Zahlungsausfälle bei Autokrediten und Studentenkrediten der neue Trend am US-Zockermarkt? Wie man hört, bemühen sich Hedgefonds auf der Suche nach dem schnellen Profit (welch Wunder?) derzeit darum Abwicklungsbanken zu finden, die ihnen ermöglichen in großem Umfang ABS-Papiere (Asset Backed Securities) zu shorten, die auf Autokredite und/oder Studentenkrediten basieren. Denn neben Immobilienkrediten bis 2007 kann man ja alles Mögliche in Pakete verpacken, also auch Autokredite, Studentenkredite, Kreditkartenschulden usw.

Letzten Sommer hatten wir das Thema der Verbraucherkredite in den USA bereits angesprochen. Die Verschuldung der Konsumenten nimmt in rasantem Tempo zu, und die Zahlungsausfälle ebenso. Der Grund ist struktureller Natur. Nach der Finanzkrise, als die Arbeitslosigkeit schnell anstieg, wurden massenweise neue Arbeitsplätze geschaffen, die die Arbeitslosigkeit jetzt (zumindest optisch) schnell wieder runtergedrückt haben. Das Problem für viele Amerikaner ist aber, dass sie vorher z.B. einen relativ gut bezahlten Job im produzierenden Gewerbe hatten, und jetzt in ihrem neuen Job im Dienstleistungssektor (Call Center, Gastronomie etc) deutlich weniger verdienen als vorher. Die Verschiebung weg von Produktion hin zu schlechter bezahlten Dienstleistungsjobs ist in den USA ein stetiger Trend. Nur der Amerikaner will sein Konsumleben offensichtlich genau so weiterleben wie vor der großen Krise 2008, als er noch besser bezahlt wurde.

Und wie finanziert er diese Lücke? Über Schulden! Deswegen steigen gerade diese beiden Posten, Studentenkredite und Autokredite an, wie diese Grafik der US-Notenbank Federal Reserve zeigt. Die Studentenkredite in den USA sind seit 2011 um 40% gestiegen auf zuletzt 1,4 Billionen US-Dollar. Die Autokredite stiegen im selben Zeitraum um 38% auf 1 Billionen Dollar.

Autokredite Studentenkredite
Grafik: Federal Reserve

Bei immer mehr Schulden und immer mehr Ausfällen kommt dem geneigten Hedgefondsmanager jetzt so langsam die Idee die selbe Short-Wette einzugehen wie bei Immobilienpaketen 2007/2008. Wenn in den geschnürten Paketen von Auto- und Studentenkrediten immer mehr Kredite notleidend werden, verlieren die Pakete massiv an Wert, so die Grundannahme. Jetzt geht es nur noch darum, ob die US-Bankindustrie den Hedgefonds das Shorten hierauf ermöglicht. Das Problem für die Banken ist: Sie selbst sind ja die Kreditgeber für diese Auto- und Studentenkredite – gleichzeitig würden sie aber Hedgefonds ermöglichen dagegen zu wetten. Deswegen gestaltet sich die Suche nach abwickelnden Banken für diese Wetten derzeit recht schwierig. Aber wir vermuten: Es wird sich noch die eine oder andere Bank finden lassen, die dieses Geschäft abwickeln will.

Aber das Zögern der Banken ist da. Sie dürften Angst haben wie nach der Immobilienkrise 2008 mit Strafen überzogen zu werden, weil das vorher beschriebene Szenario ja einen Interessenkonflikt darstellen könnte. Aber der Drang der Zocker auf diese große Short-Wette scheint genau so da zu sein. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg? Werden Sie einen Weg finden diese Short-Wette einzugehen? Will man das seitens des Staates verhindern, wie wäre es mit einem Verbot derartiger Transaktionen? Nur so ein Vorschlag.

Mögen den zögerlichen Bankmanagern in New York evtl. noch die Worte des New Yorker Fed-Chefs William Dudley aus 2014 in Erinnerung sein? Damals sagte er in einer großen Nachbetrachtung der Krise 2007/2008 als Schlussfolgerung/Drohung Richtung Banken:

„In conclusion, if those of you here today as stewards of these large financial institutions do not do your part in pushing forcefully for change across the industry, then bad behavior will undoubtedly persist. If that were to occur, the inevitable conclusion will be reached that your firms are too big and complex to manage effectively. In that case, financial stability concerns would dictate that your firms need to be dramatically downsized and simplified so they can be managed effectively. It is up to you to address this cultural and ethical challenge. The consequences of inaction seem obvious to me—they are both fully appropriate and unattractive—compared to the alternative of improving the culture at the large financial firms and the behavior that stems from it. So let’s get on with it.“

Hier klicken und kommentieren

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Richard David Precht: Künstliche Intelligenz und unsere Zukunft!

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

„Wir gehen in die zweite ganz große industrielle Revolution hinein!“, sagt der Philosoph Richard David Precht. Damit stehen wir vor einscheidenden Veränderungen nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Gesellschaft. Die erste industrielle Revolution beendete die Herrschaft des Adels und der Kirche – die derzeit ablaufende zweite Revolution durch künstliche Intelligenz verändert vor allem die Arbeitswelt und damit die Produktionsverhältnisse grundlegend. Nun versuchen uns Ökonomen stets zu versichern: kein Problem, es fallen zwar viele Jobs weg, aber es würden eben auch viele neuartige Jobs geschaffen werden. Das ist eine schöne Perspektive, sie hat aber leider einen kleinen Makel: sie stimmt nicht, sagt Richard David Precht zur sogenannten „Kompensations-Theorie“.

Die Menscheit jedenfalls ist durch diesen Wandel überfordert, der Boden, auf dem wir stehen, wackelt erheblich – und so entsteht zunächst einmal die Sehnsucht danach, die gute alte Welt mit ihren Werten wiederzubeleben. Ausdruck dieses Versuchs sind etwa Trumpin den USA oder die AfD in Deutschland. Aber einer der einschneidenden Änderungen im politischen Bereich wird sein, dass die Parteien, die mit der ersten industriellen Revolution entstanden und aufgestiegen waren, unter gehen werden.

Richard David Precht über schwache KI und starke KI

Richard David Precht unterscheidet zwischen schwacher und starker künstlicher Intelligenz – und führt Beispiele an, worin sich diese beiden unterscheiden. Was bedeutet das aber für uns praktisch? Wird vor allem durch „starke“ KI, also einer KI, die tiefgehende Lernprozesse leisten kann, etwa der Niedriglohn-Sektor wegfallen? Eher nicht – denn je mehr Menschen in bestimmten Bereichen verdienen, umso interessanter wird der Einsatz einer starken KI zur Kosten-Ersparnis, während sich der Einsatz im Niedriglohnsektor gar nicht lohnen würde.

Was bleibt, was wird untergehen – und welche Bereiche werden sich durchsetzen? Es werde derjenige technische Fortschritt kommen, der gesellschaftlich akzeptiert wird, dazu ein Bedürfnis befriedigt und sich gleichzeitig zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell machen läßt, sagt Richard David Precht. Folgender Vortrag des Philosophen ist ein „must see“!

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Der Philosoph Richard David Precht über Künstliche Intelligenz

Richard David Precht

Von Foto: © JCS‘, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62733272

weiterlesen

Allgemein

Arbeitsmarkt positiv gestimmt? Mehr neue Jobs bei IT als Entlassungen in der Gastronomie?

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Laptop mit Aufklebern

Kann das wirklich sein? Ist es das vorgezogene Weihnachtswunder am deutschen Arbeitsmarkt, mitten im zweiten Lockdown? Wenn man ein Wirtschaftsforschungsinstitut für verlässlich und seriös hält, dann doch in erster Linie das ifo-Institut! Und man möchte den Forschern bei ifo wirklich nichts Böses unterstellen. Aber ist es wirklich realistisch, dass die Stimmung am deutschen Arbeitsmarkt derzeit sogar besser wird, weil die IT-Dienstleister mehr neue Stellen schaffen wollen, als gleichzeitig in Restaurants, Bars, Hotels, Reisebüros etc verloren gehen?

Kann man sich das vorstellen? Gibt es überhaupt zehntausende oder hunderttausende neue IT-Experten in Deutschland, die auch so viele neue Stellen besetzen können? Ist die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wirklich so stark gestiegen in den letzten Wochen? Klar, dank Corona verlagert sich sehr viel des Geschäftslebens ins Internet. Aber wirklich, nochmal mit gesundem Menschenverstand nachgedacht: Können diese neuen Jobs hunderttausende Jobs ersetzen, die bei Gastro und Co verloren gehen? Es fällt wirklich schwer das zu glauben.

Aber das ifo-Institut hat sich das nicht ausgedacht. Nein, man macht für sein Beschäftigungsbarometer Umfragen bei ca 9.500 Unternehmen. Sie werden gebeten ihre Beschäftigtenplanungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Also, kann das wirklich sein? Die IT fängt den Arbeitsmarkt auf in dieser Krise? Hier die Aussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

Etwas mehr deutsche Unternehmen als im Oktober denken über Neueinstellungen nach. Das ifo Beschäftigungsbarometer ist im November auf 96,7 Punkte gestiegen, von 96,4 Punkten im Oktober. Die zweite Welle hat vorerst keine größeren negativen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Entwicklung ist jedoch über die Branchen hinweg sehr heterogen.

In der Industrie ist das ifo-Barometer leicht gestiegen. Jedoch ist die Zahl der Unternehmen mit Entlassungsplänen weiterhin größer als die jener, die mit steigenden Mitarbeiterzahlen rechnen. Die Dienstleister planen eher Mitarbeiter einzustellen. Getragen wird die Entwicklung vor allem von den IT-Dienstleistern. In der Reisebranche und dem Gastgewerbe dagegen sind Entlassungen nicht zu vermeiden. Im Handel hat das Barometer leicht nachgegeben. Dort planen die Firmen derzeit mit konstanten Mitarbeiterzahlen. Die Bauindustrie sucht weiter neue Mitarbeiter, um ihre aktuellen Aufträge abarbeiten zu können.

Hier die vier Einzelsektoren mit einzelnem Chart:

Grafiken zeigen Beschäftigungsbarometer für den deutschen Arbeitsmarkt

weiterlesen

Allgemein

Markus Krall und Marc Friedrich: Crash 2021, Gelddrucken ersetzt Denken

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Markus Krall spricht über die Hyperinflation, in der Geld entwertet wird

Markus Krall und Marc Friedrich unterhalten sich im folgenden Gespräch über die aktuelle Krise, den möglicherweise anstehenden großen Crash, und die Zeit danach. Einig sind sich die beiden, dass es 2021 los gehen wird mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Markus Krall formuliert es recht klar, dass die Wirtschaftskrise längst da sei. Sie sei nur noch nicht bilanziert worden. Durch Maßnahmen wie die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sei die Krise bei Unternehmen und in Bankbilanzen nur noch nicht richtig transparent sichtbar.

Markus Krall und Marc Friedrich sehen die Hyperinflation

Markus Krall kann man aufgrund seiner zahlreichen Tweets über die Corona-Maßnahmen der Politik kritisch betrachten. Das sollte Kommentatoren und geneigte Beobachter aber nicht davon abhalten, seinen höchst interessanten Aussagen zur wirtschaftlichen Gesamtsituation zuzuhören, die er seit Monaten öffentlich präsentiert. Denn er ist absoluter Bankeninsider, und hat die letzten Jahre eine große Bankenkrise vorhergesagt. Zusammen mit Marc Friedrich bespricht er im folgenden Video Punkt für Punkt wichtiger Themen rund um die aktuelle Krise und zukünftige Entwicklungen.

Wichtig ist, was die nächsten Quartale passieren wird. Einig sind sich Marc Friedrich und Markus Krall, dass wir derzeit in einer deflationären Phase sind, auf die zwingend eine kräftige Inflation folgen soll. Nur wie schnell die Preise in eine Hyperinflation umschlagen, das könne man nicht genau vorhersehen. Entscheidend hierbei ist unter anderem, wann die Geldumlaufgeschwindigkeit anspringen müsste. Sehen Sie beim Klick an dieser Stelle genau zu diesem Punkt interessante Ausführungen von Hans-Werner Sinn.

Die EZB als großes Problem

Ein wichtiger Punkt im Gespräch zwischen Markus Krall und Marc Friedrich ist auch die zentral wichtige Rolle der EZB. Sie arbeite derzeit am digitalen Euro. Die EZB wisse, dass eine Hyperinflation (hier die Begriffserklärung) drohe. Sie wisse auch, dass die Leute aus dem Geld fliehen würden, wenn sie das Vertrauen darin verlieren. Mit einem digitalen Euro hätte die EZB Kontrolle über das gesamte Konsumverhalten der Menschen, und könnte zum Beispiel bestimmen, wie viel Geld die Bürger maximal in einem bestimmten Zeitraum ausgeben dürfen. Die Rolle der EZB insgesamt sehen die beiden grundsätzlich mehr als kritisch.

Der große Knall

Markus Krall macht wenig bis gar keine Hoffnung auf eine Rettung unseres jetzigen bestehenden Geldsystems. Der große Crash werde kommen. Je länger EZB und Politik die Probleme hinauszögern würden, desto schlimmer werde der unausweichliche große Knall sein. Immer mehr gesunde Firmen würden sich derzeit anstecken, weil sie als Lieferant zum Beispiel unwissentlich Forderungen gegenüber Zombieunternehmen aufbauen würden, die Forderungen nicht begleichen können. Auch wenn man die Aussicht der beiden auf eine Hyperinflation und einen großen Systemkollaps nicht zwingend teilen muss, so sind ihre Ausführungen und die Zustandsbeschreibungen der aktuellen Lage doch hochinteressant!

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage