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Devisen

Aktienmärkte steigen vor dem Handelsdeal

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Die europäischen Aktienmärkte stehen heute morgen ein wenig höher – nach einem eher glanzlosen Ende der Vor-Woche. Das US-China-Handelsabkommen wird fraglos das Hauptthema für die Aktienmärkte sein. Am heutigenMontag liegt der FTSE 100 wieder über 7600 Punkten und der DAX an der 13.500er-Marke – wird der deutsche Leitndex sein Allzeithoch in dieser Woche erreicht? Asiens Aktienmärkte heute Nacht ebenfalls Nacht höher, Japan war aber wegen eines Feiertags geschlossen.

Am Freitag fielen die US-Aktien nach der Eröffnungs-Glocke, als die Bullen offenkundig versuchten, die schwächeren Hände abzuschütteln, bevor sie eine Rallye inszenierten, die den Dow auf 29.000 Punkte brachte. Aber die Gewinne wurden schnell wieder abgegeben, der Dow schloß schließlich bei -133 Punkten. Die US-Futures stehen am heutigen Montag aber wieder etwas höher.

Der US-China-Handelsdeal steht im Mittelpunkt. Das Weiße Haus beharrt darauf, dass dieser Deal eine vollendete Tatsache sei, es fehle nur noch die Übersetzung des 86-seitigen Dokuments ins Chinesische. Die Unterzeichnung wird für Mittwoch erwartet.

Da das erste Abkommen bereits angelaufen ist, wollen die Märkte wissen, wie schnell – wenn überhaupt – beide Seiten die Dinge in Phase 2 vorantreiben können. Es besteht kein Zweifel daran, dass dieser Phase 2 Deal viel mehr Aufwand und Kompromisse erfordert. Natürlich könnte der Phase 1 jederzeit auch wieder scheitern: besonders neuralgisch ist die  faktische Durchsetzung des Deals mit seinen von den Amerikanern installierten Kontrollmechanismen (enforcement).

Die US-Gewinn-Saison beginnt diese Woche, wenn die großen Banken am 14. Januar mit der Berichterstattung beginnen. Ein schwaches Wachstum der Unternehmensgewinne könnte den Optimismus in Sachen US-Aktien trüben – aber wenn das vierte Quartal 2019 irgendwann abgehakt ist, wird der Markt sich darauf konzentrieren, ob wir das für 2020 prognostizierte Gewinnwachstum von +10% erreichen. Wie immer liegt der Schwerpunkt auf der Prognose.

Die Konsensschätzungen deuten auf einen Rückgang der Gewinne im 4. Quartal um 1-2% hin, aber die Tendenz, die Erwartungen zu übertreffen, lässt auf ein – wenn auch geringes – Gewinnwachstum schließen.

Im letzten Jahr sahen wir eine mehrfache Kurs-Expansion, die das Gewinnwachstum massiv überwog- die Gewinne der US-Unternerhmen waren jedenfalls nicht der Motor des 28%igen Anstiegs des S&P 500 im letzten Jahr. Dies ist problematisch, da die Bewertungen bereits jetzt ziemlich hoch sind – und zu ihrer Rechtfertigung auf ein starkes EPS-Wachstum im Jahr 2020 angewiesen sind. Das Forward-PE des S&P 500 ist von etwa 14 zu Beginn des Jahres 2019 auf 19 gestiegen, nachdem es in den letzten fünf Jahren durchschnittlich 16-17 betrug.

Die US-Präsidentschaftswahlen mit dem wichtigen Iowa Caucus am 3. Februar rücken allmählich in den Fokus der Aktienmärkte. Eine Umfrage letzte Woche zeigte, dass Sanders vor Warren an der Spitze steht – beides nicht gerade Kandidaten, die die Wall Street liebt!

Öl – die spekulative Long-Positionierung ist seit 2018 nicht mehr so stark ausgeprägt wie derzeit, was teilweise erklärt, warum wir letzte Woche eine so deutliche Wende erlebt haben. Die Netto-Longpositionen stiegen auf 567.000 Kontrakte. WTI hat zwar die 59 Dollar-Marke wieder zurück erpbert, aber die Schwäche ist durchweg offensichtlich. Der saudische Energieminister sagte heute, dass die OPEC+ im März eine Entscheidung über die Verlängerung der Kürzungen treffen wird.

Bei Gold sehen wir ebenfalls ausgeprägte Longpositionen, die Netto-Longpositionen sind auf 322.000 gestiegen. Wir haben seit Jahren keinen so starke Long-Positionierung mehr gesehen. Die Preise halten sich vorerst um die $1550-Marke.

Im Devisenhandel gibt es nach der Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten immer noch viel Unsicherheit in Bezug auf den Dollar. Letztlich brauchten die US-Arbeitsmarktdaten nicht viel Neues. Die gemeldeten Unternehmensgewinne blieben weit hinter den Erwartungen zurück, was jeden zaghaften Falken der Fed zähmen wird, da alles darauf hindeutet, dass die Inflation nicht heiß laufen wird. Die neuen Stellen waren mit 145.000 ein wenig niedrig, aber nicht schlecht genug, um sich Sorgen um die US-Arbeitsmarkt zu machen. Die Löhne waren mit +2,9% auf Jahresbasis gegenüber den erwarteten +3,1 % (+0,1% gegenüber +0,3% auf Monatsbasis) jedoch deutlich zu niedrig. Die Arbeitslosigkeit blieb bei 3,5% stabil. Die Revisionen der letzten beiden Monate waren mit -14 Tausend eher moderat.

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In UK ist das Pfund ist unter Druck bei $1,30, kurzzeitig sogar im Bereich bei $1,29 – weil sich bei der Bank of England die dovishen Stimmen mehren. MPC-Mitglied Gertjan Vlieghe sagte, er würde gerne für eine Zinssenkung stimmen, wenn die Daten keine Wende nach oben zeigten. Er schließt sich Carney und Tenreyro an, die argumentieren, dass eher früher als später mehr Stimulus benötigt werden könnte. Man spürt, dass die Bank nicht „hinter die Kurve“ zurück fallen will und daherversucht, den Märkten ein Signal in Richtung Zinssenkung zu geben. Michael Saunders – der zusammen mit Jonathan Haskell bei den letzten beiden MPC-Sitzungen für eine Senkung gestimmt hatte – spricht am Mittwoch und wird zweifellos seine Überzeugung bekräftigen, dass jetzt eine Zinssenkung notwendig sei.

Die Zweifel an der Fähigkeit Großbritanniens, in diesem Jahr ein Handelsabkommen mit der EU auszuhandeln, belasten das Pfund. Heute veröffentlichte Daten zur Industrieproduktion, zur Produktion des verarbeitenden Gewerbes und zum monatlichen BIP waren schwach und belasteten das Pfund weiter.

Ein zentraler Indikator für die Märkte ist USD/JPY – das Währungspaar handelt im Bereich 109,60. Nachdem Dollar-Yen die 200-Tage-Linie überwunden hat, scheint der Widerstand auf der Trendlinie, die von den fallenden Hochs seit dem Swing-Hoch im Oktober 2018 bei 109,50 liegt, nun entscheidend gebrochen zu sein. Das langfristige 61% Fibonacci-Niveau liegt bei 109,60, wo wir in letzter Zeit mehrmals das Ende von Rallys gesehen haben. Dieser Bereich bietet infolgedessen einen zentralen Widerstand – wenn aber dieser Widerstand überwunden wird, könnte ein starker Anstieg anstehen. Der gleitende 200-Wochen-Durchschnitt liegt knapp darüber bei 109,70/80 – ein Bruch dieser Zone macht den Weg frei bis 112 (für die Aktienmärkte wäre das ein positives Singal!).

EUR/USD wiederum handelt im Bereich 1,11, nachdem die Gemeinschaftswährung von der Haupunterstützung und dem 50-Tage-SMA abgeprallt ist.

Hinweis: Neil Wilson ist Chefanalyst bei Markets.com

 

Für die Aktienmärkte steht der Handelsdeal zwischen den USA und China im Fokus

 

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Aktien

Aber CFDs sind Termingeschäfte? Verbände für steuerliche Bevorzugung von Optionsscheinen

Claudio Kummerfeld

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Aktives Trading mit CFDs und Optionsscheinen könnte problematisch werden

Was sind CFDs? Die „Contracts for Difference“ erlauben gehebelte Wetten auf steigende und fallende Kurse. Die CFDs können Anleger zeitlich unbefristet lange halten. Und Optionsscheine? Die haben einen fest definierten Ablaufzeitpunkt. Und wie definiert man Termingeschäfte? In Kurzform: Dies sind Börsengeschäfte, bei denen die Erfüllung des Vertrags (Abnahme und Lieferung der Ware) zu einem späteren Termin erfolgt. Also sind Optionsscheine doch Termingeschäfte, und CFDs irgendwie nicht so richtig?

Egal. Wenn der Gesetzgeber eine Feststellung trifft, dann ist das eben so – weil es nun mal der Gesetzgeber ist? So wurde vor Kurzem die seit Anfang Januar gültige Novellierung des Einkommensteuergesetzes beschlossen, wonach Verluste aus „Termingeschäften“ nur noch bis zu 20.000 Euro pro Jahr mit Gewinnen aus Termingeschäften verrechnet werden dürfen. Dadurch wird die bizarre Realität entstehen, dass Anleger Steuern auf Gewinne zahlen müssen, obwohl sie effektiv in einem Börsenjahr im Handel keinen Gewinn erzielt haben (wir berichteten schon mehrmals). Danke Olaf Scholz, darf man da schon mal im Voraus sagen.

Klar zu sein scheint, dass die CFDs in die Kategorie der Termingeschäfte fallen im Sinne dieser Novelle des Einkommenssteuergesetzes – wohl ganz einfach, weil der Gesetzgeber es so will. Aber auch Optionsscheine, die per Definition doch viel eher Termingeschäfte sind? Wie man derzeit munkelt, wird das Bundesfinanzministerium noch eine Klarstellung für die ausführenden Steuerbehörden veröffentlichen, aus welcher hervorgehen könnte, dass auch Optionsscheine als Termingeschäfte zu betrachten wären. Das würde den Kreis der betroffenen Anleger deutlich erweitern.

Lobbyarbeit für Optionsscheine – von CFDs ist keine Rede

Aber halt. CFDs werden fast komplett von angelsächsischen und Offshore-Anbietern angeboten. Optionsscheine sind die Kinder der deutschen Bankenbranche. Und drei Mal darf man raten, wer den besseren Draht zu BaFin, Bundesfinanzministerium, Staatssekretären etc haben könnte? Diese Woche sieht man vom Deutschen Derivate-Verband, der Börse Stuttgart und der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) einen offiziellen Appell an das Bundesfinanzministerium (siehe hier), worin man eindringlich dazu auffordert Optionsscheine bezüglich dieser Neuregelung nicht als Termingeschäfte einzustufen. Man möchte also erreichen, dass Anleger auch weiterhin unbegrenzt Verluste aus Optionsscheinen mit Gewinnen aus Optionsscheinen verrechnen dürfen.

Gibt der Gesetzgeber dem nach, wäre dies ein glasklarer Vorteil für die Anbieter von Optionsscheinen, und ein riesiger Nachteil für die ausländischen CFD-Anbieter. Und wer ist denn Mitglied im Deutschen Derivate-Verband? Eben nicht die CFD-Anbieter, sondern so ziemlich alle deutschen Anbieter von Zertifikaten und Optionsscheinen, wie Deutsche Bank, Deka, Hypo, LBBW, DZ, Baader usw. Für CFDs bitten sie nicht um eine Ausnahme, sondern nur für Optionsscheine. Und die DSW? Hat sie die CFDs schon aufgegeben, und hofft nun noch darauf, wenigstens noch die Optionsscheine vor diesem Steuerirrsinn retten zu können? Aus dem Appell zitieren wir hier auszugsweise im Wortlaut:

Der Deutsche Derivate Verband (DDV), die Börse Stuttgart und die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) appellieren an das Bundesfinanzministerium, die Linie aus dem Juni 2020 beizubehalten und Optionsscheine nicht als Termingeschäfte einzuordnen. Im Entwurf des Anwendungsschreibens des BMF vom Juni 2020 wurden Optionsscheine nicht als Termingeschäfte klassifiziert und damit eine klare, angemessene Abgrenzung erreicht. Damit wird vermieden, dass Anleger in der Depotgestaltung beeinträchtigt werden und zudem aufwendige individuelle Veranlagungen vornehmen müssen. Anderenfalls drohen schwere steuerliche Nachteile, nachträgliche Steuerzahlungen und Unsicherheiten für hunderttausende von Anlegern. Für Termingeschäfte sieht das Jahressteuergesetz, das seit Jahresbeginn gilt, eine begrenzte Verlustverrechnungsmöglichkeit nur mit anderen Termingeschäften und Erträgen aus Stillhaltegeschäften vor.

Marc Tüngler, DSW-Hauptgeschäftsführer: „Die steuerliche Neuregelung der Verlustverrechnung ist ein weiterer herber Schlag für Privatanleger und führt zu massiven Verunsicherungen. Vom Grundsatz her halten wir die Regelung insgesamt für verfassungswidrig. Der Entwurf des BMF-Schreibens war immerhin ein fairer Vorschlag, wie die Anwendung zumindest in Bezug auf Optionsscheine zu regeln ist, und würde betroffenen Anlegern eine Perspektive geben. Wenn das BMF jetzt von diesem ursprünglichen Entwurf abweicht, weckt das Unverständnis und offenbart einmal mehr die feindliche Gesinnung gegenüber Privatanlegern.“

Würden Optionsscheine jetzt durch das Anwendungsschreiben des BMF den Termingeschäften zugerechnet, wird die neugeschaffene Unwucht im Steuerrecht weiter dramatisch verschärft.

Es gibt gute sachliche Argumente dafür, warum Optionsscheine steuerlich als sonstige Finanzinstrumente und nicht als Termingeschäfte zu klassifizieren sind. Die Klassifizierung sollte anhand der Erfüllungsweise von Optionsgeschäften vorgenommen werden. Diese ist bei Optionsscheinen „Zug-um-Zug“, sie sind daher bei der steuerlichen Behandlung den Kassageschäften zuzurechnen, und nicht den Termingeschäften. Diese Einschätzung wird auch von Wissenschaftlern geteilt.

Eine Studie der WHU aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass hunderttausende von Privatanlegern von einer solchen Klassifizierung betroffen wären. Zudem stellt die Studie der WHU fest, dass 68,8 Prozent der Nutzer von Hebelprodukten wie Optionsscheinen diese zur Absicherung einsetzen. Die Beschränkung der Verlustverrechnung erschwert es Anlegern von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen.

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Türkische Lira vor weiterer Aufwertung? Aktuelle Zinsentscheidung gibt Hoffnung

Redaktion

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Türkei Flagge

Die türkische Lira könnte noch weiter aufwerten. Warum? Nun, zuerst ein kurzer Rückblick. Seit November ist der Leitzins in der Türkei durch die türkische Zentralbank in zwei Schritten kräftig angehoben worden, von 10,25 Prozent auf zuletzt 17 Prozent. Erst der zweite Zinsschritt von 15 Prozent auf 17 Prozent an Heiligabend brachte Vertrauen in die Lira – denn die Inflationsrate liegt derzeit bei satten 14,6 Prozent. Jetzt liegt der Leitzins deutlich genug über der Inflation, damit es einen positiven Geldfluss vom Ausland in die Türkei geben kann. Dies wäre Balsam für die türkische Lira. Aber so ein hoher Leitzins muss einige Zeit beibehalten werden, damit er wirken kann.

Und nun? Heute hat die türkische Zentralbank erneut eine weitere Zinsentscheidung verkündet. Man belässt den Leitzins bei 17,0 Prozent. Dies kann vom Devisenmarkt als Signal gewertet werden, dass die Zentralbanker gewillt sind die Angelegenheit „durchzuziehen“, als eine nachhaltige Bekämpfung der hohen Inflation.

Türkische Lira reagiert leicht positiv

Auf längere Sicht hohe Zinsen in der Türkei – das könnte die türkische Lira nachhaltig aufwerten lassen. Und die letzten Wochen lief es ja schon ganz gut in diese Richtung. Und jetzt aktuell? Die Zinsentscheidung wurde um 12 Uhr deutscher Zeit veröffentlicht. Da notierte US-Dollar vs türkische Lira noch bei einem Wechselkurs von 7,39. Jetzt notiert USDTRY bei 7,36. Im Chart sehen wir den Kursverlauf von Dollar vs Lira seit Februar 2020. Die türkische Währung konnte seit November einiges gut machen, und könnte womöglich nun weiter aufwerten (sicher ist das aber natürlich nicht).

Zentralbank mit guten Aussagen, Erdogan meldet sich zu Wort

Die Notenbanker in Ankara erklärten heute, dass man seinem harten geldpolitischen Kurs treu bleibe, bis sich ein nachhaltiger Rückgang der Inflation abzeichne. Falls nötig, werde man weitere Schritte zur Straffung der Geldpolitik unternehmen. Super, da freut sich der Devisenmarkt im Sinne einer festeren Lira? Achtung, Präsident Erdogan fordert seit Jahren sinkende Zinsen. Die würden (so Erdogan) die Inflation zum Sinken bringen – was aber eigentlich genau anders rum funktioniert. Seit Monaten hört man von Erdogan kaum Aussagen in dieser Hinsicht. Aber am letzten Freitag, da meldete er sich wieder zu Wort. Die aktuelle Geldpolitik (steigende Zinsen sollen Geld teuerer machen etc) diene nicht der Türkei. Die Lösung des Problems der hohen Inflation sei, die Zinsen zu senken. Bringt dies die nachhaltige Erholung der Lira wieder in Gefahr?

Chart zeigt US-Dollar gegen türkische Lira seit Februar 2020

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Devisen

Goldpreis steigt nach Yellen-Rede – was ist da los?

Claudio Kummerfeld

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Ein Barren Gold

Der Goldpreis reagiert recht merkwürdig auf die gestern Abend gehaltene Online-Rede der neuen US-Finanzministerin Janet Yellen vor dem US-Kongress. Wir sprachen vorgestern vorab darüber, und was ihre möglichen Aussagen für den Goldpreis bedeuten könnten. Ein stärkerer US-Dollar würde den Goldpreis schwächen. Vorab waren Redeinhalte durchgesickert. Aber ob sie auch wirklich genau das sagen würde? Nun, es kam wie erwartet. Janet Yellen (hier alle wichtigen Redeinhalte) sagte ganz eindeutig, dass man nicht wie die Trump-Regierung einen niedrigen US-Dollar sehen möchte.

Nein, man überlässt es dem freien Devisenmarkt den fairen Wert für den US-Dollar zu finden, ohne jede verbale Beeinflussung. Trump hatte auf einen billigeren US-Dollar gedrungen, damit die US-Wirtschaft wettbewerbsfähiger wäre (damit wären US-Produkte im Ausland günstiger). Janet Yellen sprach gestern von einer stabile Währung, deren Preis von den Marktkräften bestimmt werden solle. Man strebe keinen schwächeren US-Dollar an. Es sei inakzeptabel absichtlich schwächere Wechselkurse anzuvisieren um wirtschaftliche Vorteile zu erlangen, so Yellen. Und der Goldpreis, wie reagierte der auf diese Worte?

Warum steigt der Goldpreis nach der Yellen-Rede?

Nun, ihre Worte bringen ganz eindeutig Phantasie für einen höheren US-Dollar. Dann würde der Goldpreis fallen. Aber das Gegenteil passiert seit gestern Abend. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere wichtige Währungen) fiel von 90,50 auf aktuell 90,27 Indexpunkte. Der Goldpreis steigt seit gestern Abend von 1.840 auf aktuell 1.855 Dollar. Damit zeigt er Stärke, als klassische negative Korrelation zum US-Dollar.

Nun, offenbar geht der Markt kurzfristig vor nach dem Motto „Sell on good news“? Der US-Dollar war die letzten Tage vor der Yellen-Rede gestiegen (in Erwartung genau dieser Aussagen), und jetzt kam die Yellen-Rede exakt wie erwartet auf den Tisch. Also, erstmal Gewinne im Dollar machen, und der Goldpreis kann steigen? Auch kann man den aktuellen Anstieg im Gold erklären mit anderen gestrigen Aussagen von Janet Yellen. Ebenfalls wie erwartet will sie nun erstmal jede Menge neue Schulden machen um US-Bürger und Wirtschaft zu stützen in dieser Krise. Das ist tendenziell positiv für Gold. Aber, als Frage formuliert: Kommt der Drang hin zu einem stärkeren US-Dollar bald wieder zum Vorschein, und Gold schwächelt doch? Vorsicht ist also geboten im restlichen Verlauf dieser Woche.

Chart zeigt Kursverlauf von Goldpreis gegen US-Dollar
Im Chart sehen wir seit gestern früh den steigenden Goldpreis in rot-grün gegen den fallenden US-Dollar.

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