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Aktienmarkt fällt weil Wirtschaft zu gut läuft – das Paradoxon

Die US-Konjunktur läuft zu gut, deswegen fällt der Aktienmarkt. Eigentlich ein Paradoxon. Der Blick hinter die Logik der Profi-Anleger.

Grafik: user15338606-Freepik.com

Der Aktienmarkt fällt, weil die Wirtschaft zu gut läuft. Gibt´s nicht, das ist doch Quatsch? Doch, das sehen wir gerade. Aber dahinter steckt eine gewisse Logik. Eigentlich würde man denken: Je besser es der Wirtschaft geht, desto besser läuft der Aktienmarkt. Denn Unternehmen haben bei einer brummenden Konjunktur gute Umsätze und Gewinne, was die Aktienkurse antreibt. Aber gestern sahen wir: Egal ob Dax, Dow Jones oder Nasdaq: Punkt 15:45 Uhr deutscher Zeit rutschten die Kurse. Seitdem verliert der Dax bis heute früh 126 Punkte, der Dow Jones 440 Punkte, Nasdaq 100 verliert 190 Punkte. Der Grund: Zu dem Zeitpunkt wurde der stark beachtete US-Einkaufsmanagerindex veröffentlicht, mit 54,4 Punkten spürbar stärker als erwartet (51,5). Alle Werte über 50 zeigen Wirtschaftswachstum an.

Aktienmarkt fällt – aber die US-Konjunktur brummt doch ohne Ende!?

Die Erklärung für die fallenden Kurse am Aktienmarkt bei besserem Einkaufsmanagerindex: NOCH brummt die US-Konjunktur, aber Profi-Anleger befürchten offenbar, dass die weiterhin hohen Zinsen der US-Notenbank Federal Reserve demnächst zu einem Konjunkturabsturz führen könnten. Je länger hohe Zinsen, desto kräftiger später der Konjunkturabsturz. Man sieht es in den USA: Kreditkartenzinsen weit über 20 % und viele anderen enorm hohe Kreditbelastungen drücken viele Verbraucher in die Enge, aber erstaunlicherweise wächst die US-Wirtschaft immer noch kräftig mit annualisiert 4,2 %, wie der letzte GDPNow-Indikator der Atlanta Fed zeigte. Davon kann man hierzulande nur träumen. Und die US-Inflation ist mit +3,4 % immer noch hoch, was weiterhin offenbar hohe Zinsen erfordert.

Börse blickt auf die Zukunft

Die Börse handelt immer die Zukunft. Und es muss alles getan werden, um dafür zu sorgen, dass die Konjunktur auch in ein oder zwei Jahren noch gut läuft. Und wenn man jetzt an hohe Zinsen denkt, die auch noch bis Jahresende weiterhin ganz oben hängen bleiben, denkt man als geneigter Beobachter an zunehmende finanzielle Probleme für immer mehr US-Verbraucher – und ab einem bestimmten Punkt sackt dann die US-Wirtschaft abrupt ab?

Von daher reagiert der US-Aktienmarkt seit gestern so negativ auf diese starken Konjunkturdaten. Abhilfe verspricht man sich als Aktienbulle eigentlich durch die Aussicht auf sinkende Zinsen. Aber die Federal Reserve hat erst diese Woche in ihrem letzten Sitzungsprotokoll klar gemacht, dass die Zinsen noch einige Monate hoch bleiben werden, um die Inflation nachhaltiger zu bekämpfen. Dies verschlechtert für den Aktienmarkt die Zukunftsaussicht, bei der die US-Konjunktur womöglich noch stärker abstürzen könnte, weil die Zinsen zu lange oben belassen wurden, derzeit bei einer Spanne von 5,25 % bis 5,50 %.

Angst vor starkem Konjunktureinbruch nach zu langer Zeit hohen Zinsen

Im folgenden Dow Jones Chart sehen wir seit dem Jahr 2021 in orange die Entwicklung der Fed-Zinsen, die nach den deutlichen Erhöhungen nun seit fast einem Jahr bei 5,5 % hängen. Dazu sehen wir in blau den Dow Jones als Blick auf den US-Aktienmarkt. Seit Herbst 2023 stiegen die Aktienkurse kräftig, weil trotz hoher Zinsen die Hoffnung deutlich zunahm, dass die Federal Reserve die Zinsen bald senken würde. Bislang wird diese Hoffnung aber immer weiter nach hinten verschoben. Wird diese Hoffnung irgendwann in abstürzende Aktienkurse umgesetzt, und sehen wir gerade den Auftakt?

Der Aktienmarkt hatte sich in den letzten Wochen von starken Wirtschaftsdaten in den USA und der offensichtlichen Verschiebung der US-Zinswende nicht beeindrucken lassen, und war weiter gut gestiegen. Ist der aktuelle Kursrückgang nur ein kurzer Schock, und die Kurse steigen bald wieder? Immerhin gibt es seit gestern die massive Unterstützung durch die kräftig steigende Nvidia-Aktie, die nach glänzenden Quartalszahlen zumindest bei Tech- und KI-Aktien die Laune hebt.

Chart vergleicht Aktienmarkt-Entwicklung mit Fed-Zinsen

Risikohinweis: Der Handel mit Wertpapieren und Finanzinstrumenten kann Ihr Kapital erheblichen Risiken aussetzen, unter Umständen auch über das eingesetzte Kapital hinaus. Trading ist nicht für jeden geeignet. Vergangene Performance ist keine Garantie für zukünftige Performance. Die hier gezeigten Analysen stellen keine Anlageberatung dar und sind daher auch keine Empfehlung zum Kauf bzw. zum Verkauf eines Wertpapiers, eines Terminkontraktes oder eines sonstigen Finanzinstrumentes. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können ein individuelles Beratungsgespräch nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

Hinweis auf mögliche Interessenkonflikte: Der Autor dieses Artikels ist mittelbar oder unmittelbar in Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate investiert: Dax.



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2 Kommentare

  1. 2022 Bärenmarkt wegen Zinssteigerungen – 2023 Rally wegen erwarteter Zinssenkungen, die ausbleiben. Weitere Rally wegen starker Wirtschaft (Zinssenkungen egal). Nun Abverkauf wegen der Zinsangst ?… ich denke, es macht keinen Sinn, Erklärungen für die Börse zu suchen. Mal davon abgesehen ist das nur eine kleine technische Korrektur seit gestern.

  2. dieser markt ist durch die nullzins-gen z geprägt. daher auch der abstruse glaube an dieses no/softlanding-szenario. die kennen ja nichts anderes als den nanny-staat inkl. nanny-fed.

    jede(r) mit ein wenig realitätssinn hat dieses szenario von anfang an als fantasieblase eines liquid-extasy-junkies gesehen, der von seiner gratisdroge berauscht, sich in ein paralleluniversum geträumt hat. sie ist einfach in sich unlogisch aufgebaut und widerspricht so ziemlich allen grundgesetzen eines kapitalistischen systems, das noch halbwegs funktioniert.

    es war immer schon der widerspruch der auch von FMW x-fach aufgezeigt wurde. inflation geht wie durch ein wunder trotz IMMER auftretenden zweitrundeneffekten (insb. preis-lohn-spirale; kapazitätsanpassungen bei produktion und rohstoffen, etc.) befeuert durch den stimulus mittels schuldenorgie des us-staats auf wundersame weise zurück, obwohl die wirtschaft dadurch natürlich nach wie vor heiß läuft. und da sollen auch noch weiter die financial conditions durch zinssenkungen gelockert werden? warum? zinsen können erst gesenkt werden wenn das inflationsproblem beseitigt ist. und das wird erst der fall sein wenn die nachfrage durch eine rezession gedämpft wird. da der arbeitsmarkt so eng ist und bleibt, muss folglich eben der stimulus aus dem finanzmarkt beseitigt werden, der ja hauptsächlich die financial conditions aufweicht. anfangs hatte das die fed ja auch noch als ziel genannt bis dann auf wundersame weise alles anders war.

    dieser ausschließlich politisch motivierte versuch sich hier beim waschen nicht nass zu machen, wird vermutlich deswegen in einem noch deutlich größeren abschwung enden als es notwendig gewesen wäre, hätte man das qt anfang 2023 ernsthaft betrieben. so wird die hängepartie bis zu den us-präsidentenwahlen versucht durchzuhalten, während es im umfeld nur so von schwänen aller coleur so wimmelt. das das funktioniert, wird immer unwahrscheinlicher. und dazu trägt massiv bei, dass die fed nun doch erkannt bzw. nun zu konterkarieren begonnen hat, dass der markt seit min. 3 quartalen mit ihnen schlitten fährt. zu sehen eben an den aufgeweichte financial conditions, die die inflation wieder anheizt.

    das treibt vor allem wie im artikel auch richtig dargestellt die schicht an den abgrund, der nur mehr auf pump seinen (konsum-)standard aufrecht erhält. auch das großteils gen z, die mit zinsen nicht umgehen kann. und ich gehe absolut konform in der einschätzung, dass hier ein kippunkt kommt, bei dem innerhalb weniger wochen die deliquencies unkontrolliert in die höhe schießen werden. mit allen konsequenzen z.b. besonders im regionalbankensektor, der ohnedies durch die gewerbeimmo-problematik u.a. risiken mit eben schlechter bonität unter druck ist.

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