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Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage Neuer Krieg um Container – Frachtraten steigen diese Woche 16%

Container Frachtraten +16%
Foto: diloka107 - Freepik.com

Ein neuer Krieg um Container entbrennt auf den Weltmeeren, während die globale Lieferketten sich einem beispiellosen Druck gegenüber sehen. Die steigende Nachfrage trifft auf eine Flotte, die durch geopolitische Spannungen, pandemiebedingte Störungen und trotz eine Welle von neuen Schiffen an ihre Grenzen gebracht wird.

Unberechenbarer Markt treibt Kosten für Container

„Wenn man allen Sinn und alle Vernunft wegnimmt, was übrig bleibt, ist der Markt für Containerschifffahrt,“ bemerkte Peter Sand, Chef-Analyst bei des Analyseuntermehens Xeneta dieser Tage. Diese Worte spiegeln die derzeitige Lage auf dem Markt für Container-Schifffahrt wider, der von Unvorhersehbarkeit und einem erbitterten Kampf um Kapazitäten geprägt ist. Der Drewry World Container Index stieg diese Woche um weitere 16% auf 4.072 US-Dollar für einen 40-Fuß-Container. Damit erreicht er den höchsten Stand seit Ende September 2022. Der Shanghai Containerized Freight Index erhöhte sich auf 2.703,43 US-Dollar für einen 20-Fuß-Container nach 2.520,76 US-Dollar in der Vorwoche.

Rekordzahl neuer Containerschiffe kann Bedarf nicht decken

Die geopolitischen Spannungen rund um das Rote Meer haben zu einer Umleitung von Schiffen um den afrikanischen Kontinent geführt. Diese Umleitung der Schiffe aufgrund der geopolitischen Spannungen erfordert nun statt der bisherigen 12 Schiffe für einen regelmäßigen Asien-Europa-Service insgesamt 15 Schiffe auf einer Route. Diese Erhöhung um drei Schiffe ist notwendig, um die gleiche Regelmäßigkeit der Abfahrten zu gewährleisten und die zusätzlichen Tage für den längeren Seeweg zu kompensieren.

Die durchschnittliche Geschwindigkeit der Container-Schiffe sank letztes Jahr von 14,3 Knoten im Jahr 2022 auf 13,9 Knoten – und könnte im Jahr 2024 weiter sinken. Dies verringert die Effizienz der Flotte, und es könnte notwendig sein, 3-4% zusätzliche Kapazität einzusetzen, um sicherzustellen, dass die Volumenzunahme im Jahr 2024 bewältigt werden kann.

Für 2024 wird ein Rekordwert bei der In-Dienststellung von neuen Container-Schiffen erwartet. Im Jahr 2023 wurden 350 neue Container-Schiffe mit einer Gesamtkapazität von 2,2 Millionen TEU ausgeliefert, was den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2015 übertraf, als 1,7 Millionen TEU geliefert wurden. Für das Jahr 2024 sind 478 Container-Schiffe mit einer Kapazität von 3,1 Millionen TEU zur Auslieferung geplant, was den Rekord von 2023 um 41% übertrifft. Trotz einer erwarteten Zunahme der Recyclingaktivitäten könnte die Flotte bis Ende 2024 um fast 2,8 Millionen TEU wachsen und erstmals in der Geschichte 30 Millionen TEU überschreiten.

Die Zahlen zeigen, dass trotz der neuen Schiffe die derzeitige Kapazität nicht ausreicht, um den Bedarf zu decken. Denn parallel dazu haben Reedereien das Angebot an verfügbaren Schiffen künstlich verknappt. Die daraus resultierende Verknappung der Kapazitäten hat die Preise weiter in die Höhe getrieben und den Wettbewerb um Frachtraum verschärft.

Weihnachten kommt dieses Jahr früher

Im Mai sollte die Hochsaison im Container-Transport noch nicht begonnen haben sollen, es ist aber eine ungewöhnliche Zunahme der Aktivitäten zu beobachten. Reedereien wie Maersk haben bereits ihre Zuschläge für die Mai erhöht, was auf eine Strategie hindeutet, die darauf abzielt, die Frachtraten durch zusätzliche Gebühren zu steigern, die mit den rechtlichen Verträgen mit den Versendern übereinstimmen.

Die Weihnachtssaison, die normalerweise erst im Juli beginnt, setzt dieses Jahr bereits im Juni ein. Dies hat zu einer unerwarteten Knappheit an Frachtkapazitäten geführt, da Einzelhändler und Unternehmen versuchen, ihre Lagerbestände frühzeitig aufzustocken. Die traditionelle Hochsaison im Oktober scheint nun durch eine verlängerte Periode hoher Nachfrage ersetzt zu werden. Diese vorzeitige Steigerung der Nachfrage trägt weiterhin zu den steigenden Frachtraten bei und verstärkt den Druck auf die bereits angespannten globalen Lieferketten.

Wachstum und knappe Container

Die wirtschaftliche Erholung, insbesondere in den USA, zeigt sich in einem steigenden Frachtaufkommen. Im ersten Quartal 2024 verzeichnete die US-Wirtschaft ein Wachstum von 1,6% gegenüber dem Vorquartal. Dieses Wachstum spiegelt sich auch in den amerikanischen Häfen wider, wo die Container-Raten um 11% gestiegen sind. In Europa hingegen wird trotz einer allmählichen Erholung mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum des realen BIP von nur 0,6% im Jahr 2024 gerechnet. Diese Zahlen verdeutlichen, dass sowohl in den USA als auch in Europa ein erhöhter Bedarf an Waren besteht, was die Nachfrage nach Frachtkapazitäten weiter anheizt und zu den steigenden Frachtraten beiträgt.

Neben der Knappheit an Schiffen hat nun ein Kampf um Container eingesetzt, und die Bestellungen für neue Container sind deutlich gestiegen. Die großen Container-Hersteller sind bereits bis November ausgelastet. Dies wird die Frachtraten im dritten Quartal stützen.

Trotzdem sollte das Zusammenspiel von knappen Frachtkapazitäten, längeren Transitzeiten und wenig verfügbaren Containern eine längere Phase von hohen Preisen für die Versender von Gütern haben.

Die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage dürfte sich im Jahr 2024 weiter vergrößern. Allerdings könnte eine anhaltende Störung im Roten Meer, die Schiffe dazu zwingt, über das Kap der Guten Hoffnung zu segeln, das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage weiter stören. Weitere drei Millionen TEU sind inzwischen für die Jahre 2025-2026 zur Auslieferung geplant – es sei denn, das Recycling nimmt deutlich zu. Erst wenn die Situation im Roten Meer gelöst ist, dürfte das Marktungleichgewicht zurückzukehren.



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1 Kommentar

  1. „Wenn man allen Sinn und alle Vernunft wegnimmt, was übrig bleibt, ist der Markt für Containerschifffahrt“ Der Satz ist gut und besitzt einen tieferen Sinn: Das Märkte nicht einer einfachen Logik folgen können. Die Globalisierung ist dem Schein nach doch noch nicht am Ende, die Wirtschaft bricht auch nicht überall zusammen, die Tendenz ist aber zumindest mittelfristig inflationär. Aus den versprochenen Zinssenkungen werden entweder minimale Anpassungen oder sie entfallen komplett. Die Aktienmärkte bleiben dieses Jahr deswegen auch stabil.

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