Folgen Sie uns

Europa

Aktuell: Drastische Senkung der Wachstumsprognose für Deutschland, Frankreich und Italien – Dax und Euro fallen

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Ups – die Märkte sind im Rally-Modus, aber die Konjunktur tendiert klar Richtung Süden! Heute Vormittag hatte die EZB bereits gewarnt, dass die Abwärts-Risiken weiter zunehmen würden. Nach der soeben erfolgten Prognosesenkung der EU-Kommission geraten die Aktienmärkte und der Euro nun unter Druck.

Hier die veränderten Prognosen der EU-Kommission:

– Eurozone 2019 BIP jetzt bei 1.3% (Herbst 2018 war 1.9%)

– Eurozone 2020 BIP jetzt bei 1.6% (zuvor 1.7%)

– Deutschland 2019 BIP jetzt bei 1.1% (zuvor 1.8%)

– Deutschland 2020 GDP BIP jetzt bei 1.7% (zuvor 1,7%)

– Frankreich 2019 BIP jetzt bei 1.3% (zuvor 1.6%)

– Frannkreich 2020 BIP jetzt bei 1.5% (zuvor 1.6%)

– Italien 2019 BIP jetzt bei 0.2% (zuvor 1.2%)

– Italien 2020 BIP jetzt bei 0.8% (zuvor 1.3%)

– Italien 1.Quartal 2019 nun bei 0,0% erwartet

Dazu die EU-Kommission im Wortlaut:

Winterprognose 2019: Mäßigeres Wachstum angesichts globaler Unsicherheiten

Brüssel, 7. Februar 2019

Die europäische Wirtschaft dürfte 2019 im siebten Jahr in Folge wachsen. In allen Mitgliedstaaten wird mit einem Zuwachs gerechnet. Im Vergleich zu den hohen Wachstumsraten der letzten Jahre dürfte sich das Wachstum insgesamt verlangsamen, und der Ausblick ist mit großer Unsicherheit behaftet.

Dazu Valdis Dombrovskis, Vizepräsident für den Euro und den sozialen Dialog, außerdem zuständig für Finanzstabilität, Finanzdienstleistungen und Kapitalmarktunion: „In allen EU-Ländern dürfte die Wirtschaft 2019 weiter wachsen. Das bedeutet mehr Beschäftigung und Wohlstand. Dennoch haben wir unsere Prognose nach unten korrigiert, und zwar in erster Linie für die größten Volkswirtschaften des Euro-Währungsgebiets. Dies ist externen Faktoren geschuldet, wie Handelsspannungen und der Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit in den aufstrebenden Märkten, insbesondere in China. In einigen Euro-Ländern werden erneut Bedenken hinsichtlich der Verflechtung zwischen Staat und Banken und der Tragfähigkeit der Schuldenlast laut. Die Möglichkeit eines ungeordneten Brexit schafft zusätzliche Unsicherheit. Sich dieser zunehmenden Risiken bewusst zu sein, ist Teil der Lösung. Sie vollends in den Griff zu bekommen, erfordert die richtige Kombination politischer Maßnahmen wie etwa Investitionsförderung, Intensivierung von Strukturreformen und eine umsichtige Finanzpolitik.“

Pierre Moscovici, EU-Kommissar für Wirtschafts- und Finanzangelegenheiten, Steuern und Zoll, erklärte: „Nach dem Konjunkturhöchststand im Jahr 2017 dürfte sich das Wachstum in der EU im Jahr 2019 weiter auf 1,5 % abschwächen. Diese Verlangsamung wird aufgrund der Unsicherheiten im Welthandel und binnenwirtschaftlicher Faktoren in unseren größten Volkswirtschaften ausgeprägter sein als im Herbst erwartet, insbesondere im Euro-Währungsgebiet. Dennoch sind Europas Fundamentalfaktoren nach wie vor solide und es gibt weiterhin positive Entwicklungen zu vermelden, insbesondere bei der Beschäftigung. Das Wachstum dürfte in der zweiten Hälfte dieses Jahres und im Jahr 2020 allmählich wieder anziehen.“

Wirtschaftswachstum

Das Wachstum hat sich in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres abgeschwächt, da der Welthandel nachgelassen, die Zuversicht wegen der Unwägbarkeiten abgenommen und die Produktion in einigen Mitgliedstaaten durch vorübergehende binnenwirtschaftliche Faktoren in Mitleidenschaft gezogen wurde, wie Ausfälle im Automobilbau, soziale Spannungen und eine unsichere finanzpolitische Lage. Infolgedessen ist das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sowohl im Euroraum als auch in der EU wohl von 2,4 % im Jahr 2017 auf 1,9 % im Jahr 2018 zurückgegangen (Herbstprognose: je 2,1 % für EU-28 und Euroraum).

Die Konjunkturdynamik war zu Beginn dieses Jahres verhalten, doch bleiben die Fundamentalfaktoren weiterhin günstig. Das Wirtschaftswachstum wird sich in abgeschwächter Form weiter entwickeln. Die europäische Wirtschaft dürfte nach wie vor von einer sich verbessernden Arbeitsmarktlage, günstigen Finanzierungsbedingungen und einer leicht expansiven Fiskalpolitik profitieren. Nach der aktuellen Prognose wird das BIP im Euroraum 2019 um 1,3 % und 2020 um 1,6 % wachsen (Herbstprognose: 1,9 % für 2019 und 1,7 % für 2020). Auch für die EU wurde die BIP-Wachstumserwartung heruntergeschraubt, und zwar auf 1,5 % im Jahr 2019 und 1,7 % im Jahr 2020 (Herbstprognose: 1,9 % für 2019 und 1,8 % für 2020).

Bei den größeren Mitgliedstaaten wurden die Wachstumsprognosen 2019 für Deutschland, Italien und die Niederlande deutlich abgesenkt. Viele Mitgliedstaaten profitieren nach wie vor von einer robusten Inlandsnachfrage, die unter anderem durch EU-Fonds Auftrieb erhält.

Inflation

Die Verbraucherpreisinflation im Euroraum ließ gegen Ende 2018 nach, was einem abrupten Energiepreisrückgang und dem geringeren Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln zuzuschreiben ist. Die Kerninflation, bei der Preise für Energie und unverarbeitete Nahrungsmittel ausgeklammert werden, blieb das ganze Jahr über gedämpft, obwohl die Löhne schneller stiegen. Die Gesamtinflation (HVPI) lag 2018 bei durchschnittlich 1,7 %, nach 1,5 % im Jahr 2017. Da inzwischen für dieses und für nächstes Jahr von niedrigeren Ölpreisen ausgegangen wird als noch im Herbst, wird 2019 mit einem Rückgang der Euroraum-Inflation auf 1,4 % gerechnet, bevor diese 2020 leicht auf 1,5 % anzieht. Für die EU wird in diesem Jahr eine durchschnittliche Inflation von 1,6 % erwartet, die sich 2020 auf 1,8 % erhöhen wird.

Unsicherheiten

Der Wirtschaftsausblick ist mit hoher Unsicherheit behaftet und die Prognosen unterliegen Abwärtsrisiken. Auch wenn die handelspolitischen Spannungen, die das Wirtschaftsklima seit einiger Zeit belasten, etwas nachgelassen haben, bereiten sie doch weiterhin Sorge. Die chinesische Konjunktur könnte drastischer an Tempo verlieren als erwartet, und die globalen Finanzmärkte sowie viele aufstrebende Märkte sind für abrupte Veränderungen der Risikowahrnehmung und der Wachstumserwartungen anfällig. Für die EU ist der Brexit nach wie vor ein Unsicherheitsfaktor.

Rein technische Annahmen für 2019 beim Vereinigten Königreich

Vor dem Hintergrund des bevorstehenden Austritts des Vereinigten Königreichs aus der EU beruhen die Prognosen für 2019 und 2020 auf der rein technischen Annahme, dass die Handelsströme zwischen der EU-27 und dem Vereinigtes Königreich unverändert bleiben. Dies dient einzig und allein Prognosezwecken und lässt das Verfahren nach Artikel 50 unberührt.

Hintergrund

Die Prognose basiert auf einer Reihe technischer Annahmen für Wechselkurse, Zinssätze und Rohstoffpreise mit Stichtag 25. Januar 2019. Bei allen anderen Eingangsdaten wurden Informationen bis einschließlich 31. Januar berücksichtigt.

Die Europäische Kommission veröffentlicht jedes Jahr zwei umfassende Prognosen (im Frühjahr und im Herbst) und zwei Zwischenprognosen (im Winter und im Sommer). Die Zwischenprognosen enthalten jährliche und vierteljährliche BIP- und Inflationszahlen für das laufende und das folgende Jahr für alle Mitgliedstaaten und das Euro-Währungsgebiet sowie die aggregierten Zahlen für die EU insgesamt.

Als nächste umfassende Prognose wird die Europäische Kommission im Mai 2019 ihre Frühjahrsprognose 2019 vorlegen.


© European Communities, 2004 / Source: EC – Audiovisual Service / Photo: Georges Boulougouris

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Warnsignal

    7. Februar 2019 11:30 at 11:30

    Damit dürfte auch die Defizit-Diskussion in Sachen Italien neu aufflammen, da in der Projektion der italienischen Regierung deutlich höhere Wachstumsraten angenommen wurden.

  2. Avatar

    Dreistein

    7. Februar 2019 12:42 at 12:42

    Aber, aber dafür gibt es doch ANFA / ELA da druckt es sich doch ganz leicht und den Rest den man braucht holt man sich über den langen Bleistift Target2. Die größten Risiken immer für Deutschland.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Europa

Deutsche Wirtschaft „auf schwachem Fuß gestartet“: Einkaufsmanager

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Soeben wurde der Einkaufsmanagerindex für deutsche Wirtschaft (Markit PMI; erste Veröffentlichung für Januar) veröffentlicht – einer der zentralen Indikatoren für die deutsche Konjunktur:

Gesamtindex: 50,8 (Prognose war 50,3; Vormonat war 52,0)

Verarbeitendes Gewerbe: 57,0 (Prognose war 57,5; Vormonat war 58,3)

Dienstleistung: 46,8 (Prognose war 45,3; Vormonat war 47,0)

Kurz zuvor war der Einkaufsmanagerindex aus Frankreich mit 51,5 für Gewerbe (Prognose war 50,5; Vormonat war 51,1) und mit 46,5 für Dienstleistung (Prognose war 48,5; Vormonat war 49,1) veröffentlicht worden.

Zu den Daten aus Deutschland kommentiert Phil Smith von Markit, das die Umfrage ausgeführt hat:

„Die deutschen Januar-Flashes sind keine große Überraschung. So lieferte die Industrie trotz leichter Abschwächung wieder starke Zahlen, während die Geschäftstätigkeit im Servicesektor infolge des Mitte Dezember eingeführten Lockdowns erneut rückläufig war. Alles in allem ist Deutschland auf schwachem Fuß ins neue Jahr gestartet und die Verlängerung der jüngsten Eindämmungsmaßnahmen bis mindestens Mitte Februar bedeutet, dass sich daran auch in den kommenden Wochen nicht viel ändern dürfte. Die Industrie ist weiter der Lichtblick, unterstützt vom nachhaltigen Wachstum der Exporte. Die Hersteller strotzen nur so vor Zuversicht, wie der Rekordwert bei den Geschäftsaussichten zeigt. Anscheinend lassen sie sich dabei auch nicht von den zunehmenden Unterbrechungen in den Lieferketten abschrecken, die im Januar zu einer beispiellosen Verlängerung der Lieferzeiten führte. Wir sehen jedoch bereits einen entsprechend kräftigen Anstieg der Kosten, wenngleich es angesichts stagnierender Verkaufspreise momentan keine Anzeichen für einen generell steigenden Inflationsdruck gibt.“

 

 

Die EInkaufsmanagerindizes als Parameter für die deutsche Wirtschaft

weiterlesen

Europa

Aktuell: EZB-Entscheidung veröffentlicht

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

EZB-Tower in Frankfurt

Die EZB hat soeben ihre Entscheidung veröffentlicht.

Der EZB-Leitzins (Refinanzierungssatz) bleibt unverändert bei 0,00 Prozent. Der extrem wichtige Banken-Einlagenzins, auf den sich Banken bzgl. der Negativzinsen berufen, bleibt ebenfalls unverändert bei -0,50 Prozent. Die Marginal Lending Facility bleibt ebenfalls unverändert bei 0,25 Prozent.

Die Aufkaufprogramme für Anleihen und Liquiditätsspritzen für die Banken werden wie bisher fortgesetzt.

Um 14:30 Uhr folgt die PK von Christine Lagarde. Wir berichten dann umgehend über alle interessanten Aussagen. Hier das offizielle Statement der EZB zur jetzigen Entscheidung:

Zweitens wird der EZB-Rat die Ankäufe im Rahmen des Pandemie-Notfallankaufprogramms (Pandemic Emergency Purchase Programme – PEPP) fortsetzen. Dies hat einen Gesamtumfang von 1 850 Mrd €. Der EZB-Rat wird die Nettoankäufe im Rahmen des PEPP mindestens bis Ende März 2022 und in jedem Fall so lange durchführen, bis die Phase der Coronavirus-Krise seiner Einschätzung nach überstanden ist. Die Ankäufe im Rahmen des PEPP werden durchgeführt, um während der Pandemie die günstigen Finanzierungsbedingungen aufrechtzuerhalten. Wenn mit Ankäufen, die den Gesamtumfang des PEPP über den Zeithorizont der Nettoankäufe hinweg nicht voll ausschöpfen, günstige Finanzierungsbedingungen aufrechterhalten werden können, muss dieser Gesamtumfang nicht vollständig genutzt werden. Genauso kann der Umfang erforderlichenfalls auch rekalibriert werden, um günstige Finanzierungsbedingungen aufrechtzuerhalten und so dem negativen Schock der Pandemie auf die Inflationsentwicklung entgegenzuwirken.

Der EZB-Rat wird die Tilgungsbeträge der im Rahmen des PEPP erworbenen Wertpapiere mindestens bis Ende 2023 weiterhin bei Fälligkeit wieder anlegen. Das zukünftige Auslaufen des PEPP-Portfolios wird in jedem Fall so gesteuert, dass eine Beeinträchtigung des angemessenen geldpolitischen Kurses vermieden wird.

Drittens werden die Nettoankäufe im Rahmen des Programms zum Ankauf von Vermögenswerten (Asset Purchase Programme – APP) in einem monatlichen Umfang von 20 Mrd € fortgesetzt. Der EZB-Rat geht weiterhin davon aus, dass die monatlichen Nettoankäufe von Vermögenswerten im Rahmen des APP so lange fortgesetzt werden, wie dies für die Verstärkung der akkommodierenden Wirkung seiner Leitzinsen erforderlich ist, und dass sie beendet werden, kurz bevor er mit der Erhöhung der EZB-Leitzinsen beginnt.

Der EZB-Rat beabsichtigt, die Tilgungsbeträge der im Rahmen des APP erworbenen Wertpapiere weiterhin bei Fälligkeit für längere Zeit über den Zeitpunkt hinaus, zu dem er mit der Erhöhung der Leitzinsen beginnt, vollumfänglich wieder anzulegen und in jedem Fall so lange wie erforderlich, um günstige Liquiditätsbedingungen und eine umfangreiche geldpolitische Akkommodierung aufrechtzuerhalten.

Schließlich wird der EZB-Rat weiterhin reichlich Liquidität über seine Refinanzierungsgeschäfte zur Verfügung stellen. Insbesondere stellt die dritte Serie gezielter längerfristiger Refinanzierungsgeschäfte (TLTRO III) nach wie vor eine attraktive Finanzierungsquelle für Banken dar, wodurch deren Kreditvergabe an Unternehmen und private Haushalte unterstützt wird.

Der EZB-Rat ist nach wie vor bereit, alle seine Instrumente gegebenenfalls anzupassen, um sicherzustellen, dass sich die Teuerungsrate – im Einklang mit seiner Verpflichtung auf Symmetrie – auf nachhaltige Weise seinem Ziel annähert.

weiterlesen

Europa

Verbraucherpreise Eurozone: Fünfter Monat Deflation – Osteuropa koppelt sich ab

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Taschenrechner und Münzen

Die Verbraucherpreise in der Eurozone für Dezember wurden soeben endgültig bestätigt mit -0,3 Prozent. Damit hängt man nun den fünften Monat in Folge in der Deflation. Die Energiepreise fallen weniger stark mit „nur noch“ -6,9 Prozent im Jahresvergleich nach -8,3 Prozent im November. Die Preissteigerung bei Lebensmitteln fiel mit +1,3 Prozent geringer aus als in den Vormonaten mit +1,9 Prozent. Auffällig bleibt wie in den Vormonaten, dass Osteuropa ganz klar nicht in der Deflation hängst, sondern ganz klar positive Preisentwicklungen hinlegt. Dadurch ist der Schnitt für die gesamte EU bei +0,3 Prozent. Gut sichtbar ist der Unterschied zwischen West- und Osteuropa in der ersten Grafik.

Verbraucherpreise je nach Ländern im Detail

Grafik zeigt Dezember-Verbraucherpreise im Detail

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage