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Alitalia und Monte dei Paschi: Zwei Vorgänge, die nicht gegen EU-Recht verstoßen?

Ja in Italien, da ist was los. Gestern berichteten wir über die Insolvenz des nationalen Airline-Symbols „Alitalia“. Die zweite Pleite nach 2008. Inhaltlich geändert in Sachen Effizienz oder…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Ja in Italien, da ist was los. Gestern berichteten wir über die Insolvenz des nationalen Airline-Symbols „Alitalia“. Die zweite Pleite nach 2008. Inhaltlich geändert in Sachen Effizienz oder Wettbewerbsfähigkeit hatte sich nichts, die Airline verbrannte weiter Milliarden. Wie auch bei Air Berlin hat der arabische Airline-Partner Etihad mit seinem Einstieg bei Alitalia (49% der Anteile) Geld verbrannt, und hatte jetzt zusammen mit den italienischen Mehrheitsaktionären nur noch Geld nachschießen wollen, wenn die Mitarbeiter zu weiteren drastischen Sparmaßnahmen bereit gewesen wären.

Aber 67% der Belegschaft stimmte dagegen. Dann folglich gestern die Insolvenz, oder wie man es in Italien nennt die Übergabe der Geschäfte in eine „außerordentliche Verwaltung“ des Unternehmens. Der nun eingesetzte Verwalter soll in Windeseile einen privaten Käufer suchen. Die italienische Politik betont nach wie vor, dass es keine Verstaatlichung von Alitalia geben werde. Aber siehe da, was wir gestern als Gerücht angedeutet hatten, hat sich bewahrheitet.

Nein, keine Verstaatlichung, und sicher auch keine Staatshilfe ist der sogenannte „Brückenkredit“ in Höhe von 600 Millionen Euro, den das italienische Kabinett noch gestern Abend in Windeseile für Alitalia beschlossen hat? Nein, ein Brückenkredit ist keine Beihilfe oder Staatshilfe, oder gar Rettung? Denn staatliche Beihilfen oder Zuschüsse wären ja genehmigungspflichtig durch die EU – und merkwürdigerweise hört man aus Brüssel zu diesem „Brückenkredit“ heute gar nichts. So als gäbe es diese Cash-Zufuhr gar nicht. Aber was soll´s, der Laden ist ja eh in der Insolvenz?

Warum wird denn gerade die HSH Nordbank unter Hochdruck zum Verkauf gestellt? Weil Brüssel darauf besteht wegen der vorigen staatlichen Beihilfen für die Bank. Und bei Alitalia? Na ja… wenn man es einfach nicht als Beihilfe sieht, sondern nur als sogenannten Brückenkredit, dann braucht man diesen Vorgang auch nicht weiter zu beachten. Ganz sicher, so sind wir zu 150% überzeugt, wird Alitalia diesen Kredit zurückzahlen – spätestens dann, wenn aus dem Geldhimmel ein Investor aus dem Nichts auftaucht mit zu viel Geld, von dem er nicht weiß wohin damit. Obwohl… könnte die EZB nicht einfach mit den ständig nachgedruckten Euros die Alitalia kaufen? (Scherz).

Zurück zur Sache. Aus Rom hört man dieser „Brückenkredit“ solle nur (!) dazu da sein den Flugbetrieb aufrecht zu erhalten. Wenn die Maschinen am Boden bleiben sollten, gäbe das große Probleme für die Kunden und die Airline. Der eingesetzte Zwangsverwalter soll doch tatsächlich jetzt in nur 15 Tagen einen Verkaufsprozess starten, in dem er bei möglichen Käufern eine Art Aufruf startet. Eine Verstaatlichung sei vom ersten Moment an ausgeschlossen gewesen, so der italienische Ministerpräsident Paolo Gentiloni. Carlo Calenda, der im Kabinett für wirtschaftliche Entwicklung zuständig ist, sagte heute, dass die Bürger ganz genau darauf achten würden, wofür ihr (Steuer)geld verwendet würde. Damit spielt er wohl auf die große Wahrscheinlichkeit an, dass eben kein Käufer gefunden wird, und dann die 600 Millionen Euro einfach weiter „ver-feuert“ werden, bis sie aufgebraucht sind.

Denn wenn die bisherigen Aktionäre schon gesagt haben sie würden gerne weitere Gelder zuschießen, aber eben nur bei einer harten Sanierung, und wenn die aber von den Mitarbeitern blockiert wird – welcher sonstige externe Investor soll sich das antun? Wird der Staat doch noch schwach? Wie würde man dann versuchen den Tatbestand „staatlicher Beihilfe“ im Sinne des EU-Rechts zu umgehen? Wäre das dann nach dem „Brückenkredit“ eine Art „vorübergehende Brücken-Eigentümerschaft“, damit es keine Beihilfe ist? (nur teilweise scherzhaft gemeint).

Monte dei Paschi

Bei der italienischen Krisenbank Nummer 1 „Banca Monte dei Paschi di Sienna“ ist bisher nur klar, dass nichts klar ist. Im Dezember hatte man die italienische Regierung um Hilfe gebeten. Die kann aber nicht ohne Genehmigung aus Brüssel. Erfolglos hatte die Bank versucht 4,2 Milliarden Euro in Eigenregie am Markt zu besorgen. Also muss Rom retten, oder der Laden geht den Bach runter, was danach eventuell eine Lawine im italienischen Finanzsektor auslöst. Also hängt man nun in der Schwebe.

Angeblich soll der so gesunden Bank eine Art kurzfristiger Notkredit gegeben werden, was ja keine Beihilfe ist, oder? Genehmigt ist das durch Brüssel noch nicht. Eine richtige Rettung mit Genehmigung aus Brüssel gäbe es ja erst, wenn vorher die kleinen italienischen Sparer kräftig beteiligt würden durch eine Entwertung ihrer Anteile. Aber genau das will man ja nicht haben in Rom.

Aber wie das alles mit EU-Recht vereinbart werden soll? Angeblich soll es so gedreht werden, dass es gar keine Rettung oder Beihilfe ist, sondern eben nur eine kurzfristige Hilfe für eine eigentlich gesunde Bank. Aber wie passt das dann mit dem Umstand zusammen, dass der italienische Staat wohl für seine Geldspritze in die Bank einen Mehrheitsanteil an ihr erhalten soll? Wir kommen da nicht mehr mit. Die endgültige Entscheidung und nennen wir es mal „Ausgestaltung“ dieses Konstrukts ist ja noch offen. Wir sind gespannt wie das ausgeht…

Derzeit will die Bank, wie man hört, Brüssel weich klopfen mit dem Versprechen von Massenentlassungen und Filialschließungen. Nach dem Motto „seht her, wir schrumpfen uns ja bereits gesund“? Aber was soll das bringen? Die EU gibt grünes Licht für einen Notkredit, für den der Kreditgeber (die Regierung in Rom) Aktien der Bank erhält? Das ist nämlich eine Eigenkapitalzufuhr, und kein Notkredit! Das klingt einfach nur noch merkwürdig. Gegenüber Aktionären sagte der Bankchef jüngst, dass man mit der EU einen Plan bespreche, der sich radikal von dem unterscheide, was man bisher gegenüber dem Markt offeriert habe.

Puhhh, man darf gespannt sein. Wie will man sich an den neuen EU-Regularien vorbei manövrieren, damit die Anteile der kleinen Bankkunden nicht vor einer Rettung ihren Wert verlieren? Irgendeine krumme Nummer wird schon drin sein, so vermuten wir es. Aber nein, Scherz bei Seite. Wir wollen wie immer in solchen Fällen keine bösen Absichten unterstellen. Sicher wird alles strikt nach EU-Recht gehandhabt.

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Walter Schmid

    3. Mai 2017 21:07 at 21:07

    Wieder mal echt super, welche Recherche-Leistung FMW hier aufbietet und die Dinge kritisch hinterfragt!
    Es ist wirklich der Hammer, wie die Politik geltendes Recht immer wieder beugt und der Steuerzahler schlussendlich immer alles ausbaden muss. Gut, es gibt Ausnahmesituationen, die Maßnahmen erforderlich machen, die mit geltendem Recht nicht vereinbar sind, wenn dadurch ein fataler und ungleich größerer Schaden vermieden werden kann. In der Eurozone sind solche Ausnahmen zur ständigen Regel geworden, niemand hält sich mehr an nichts und das Volk wird für dumm verkauft. Und keiner dieser Gauner (zu denen ja nun keineswegs nur die Politiker gehören), wird für seine Machenschaften hinter Gitter kommen.

  2. Avatar

    PK

    4. Mai 2017 07:55 at 07:55

    das Problem ist, daß den großen Firmen immer wieder geholfen wird, als kleiner Selbständiger oder im Mittelstand wird man gegängelt ohne Ende.

  3. Avatar

    Dreistein

    4. Mai 2017 10:33 at 10:33

    @ Walter Schmid welches geltende Recht meinen sie?
    So etwas kann es nicht geben wenn es immer wieder gebogen wird! Zahlen sie doch einmal ihre Steuern nicht oder biegen sie ihre Steuern mal nach ihren Gunsten und machen sie ihr Konto leer, mal sehen wie lange sie dann gesiebte Luft schnuppern dürfen. Es sei denn sie bewegen auch Milliarden dann gehen sie natürlich straffrei aus. @ PK Die Arbeitsministerin A. Nahles möchte den Selbständigen nun auch noch zwingen in die Rentenkasse einzuzahlen da die Kassen sich immer weiter leeren, nein Scherz, weil sie die Selbstständigen vor der Altersarmut schützen will.
    Der Selbstständige zahlt aber schon Einkommensteuer, Umsatzsteuer, Gewerbesteuer, Krankenkasse, Berufsgenossenschaft, iHK, und den Steuerberater. Dazu kommt noch Krank sein oder Urlaub heißt Geldausfall da bekommt der Selbstständige nichts. Fahrgeld, Auslöse, Unterkunft alles im Verrechnungssatz mit inbegriffen. Meiner Meinung nach werden viele das Handtuch Schmeißen.

  4. Avatar

    Herr Meier

    4. Mai 2017 23:09 at 23:09

    Ja ja, immer die nörgelnden, übergenauen Deutschen. Hallo? Ist da eventuell jemand neidisch? Italien stellt den EZB Chef und der Papst fliegt mit ALITALIA. Was soll denn da schon schief gehen?

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Aktien

Aktien: Die Rally und die Cocktail-Theorie von Peter Lynch

Ibrahim Sonay

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Klar, Corona ist das Gesprächsthema Nummer-Eins, doch dicht auf den Fersen folgt derzeit schon das Thema Aktien!

Aktien: Woher stammt die Cocktail-Theorie?

Der berühmte Magellan-Fonds Manager Peter Lynch, ein Maestro der Investment-Welt aus den 80er-Jahren, stellte damals die Interessante Cocktail-Theorie auf, um die unterschiedlichen Marktprognosen darzulegen, die er über Jahre entwickelt hatte, während er auf Partys herumstand.

Phase Eins

Gar nicht über Aktien sprechen die Leute in der ersten Phase, eines leichten Marktanstiegs, nachdem sie längere Zeit am Boden lagen, ohne Bewegung und Beachtung. Fragte man Lynch auf der Party, was er denn so beruflich treibe, antwortete er, dass er einen Aktienfonds manage. Daraufhin nickten die Leute freundlich und gingen weiter, um sich mit dem Nächsten auf der Party über Belangloses zu unterhalten. War dies der Fall, so wusste Lynch, dass der Markt vor einer Erholung stand.

Phase Zwei

Nachdem Lynch seinen Beruf nannte, blieben die Partygäste meist etwas länger – aber auch nur so lange, um ihn klar zu machen, wie gefährlich doch Aktien seien. Danach sprachen die Partygäste wieder übere andere Themen. Auch dies beobachtete er und stellte somit fest, dass die Börse in der zweiten Phase steckt, denn die Aktien stiegen bereits, doch es interessierte (noch) niemanden.

Phase Drei

Der Markt war bereits um 30 % gestiegen und Lynch wusste, dass ihn auf der Party eine neugierige Schar von Menschen umringen würde. Viele euphorische Zeitgenossen nahmen ihn beiseite, um herauszufinden, in was sie denn nun investieren sollten und fast jeder sprach von Aktien. Damit war klar, Phase Drei ist erreicht.

Phase Vier

In der vierten Phase umzingelten ihn die Leute erneut, aber diesmal nicht um zu erfragen, worin sie investieren sollten, sondern um ihn Tipps und Ratschläge zu geben, welche Aktien er kaufen solle. Erfuhr er Tage später, dass die Empfehlungen der Partygäste aufgingen, so erkannte Lynch, dass der Markt in Phase Vier steckt: Das Hoch war erreicht – ein Rückschlag der Märkte stand kurz bevor.

Das aktive Zuhören kann sehr wertvoll sein. Halten Sie also ihre Augen und Ohren auf. Auf lange Sicht sollte jeder für sich selber entscheiden, worin er sein Geld investieren möchte – ob er dabei Prinzipien, Ethik oder Trends berücksichtigt. Eines zeigt uns die Vergangenheit der Aktienmärkte jedoch: wenn man Aktien von Qualitäts-Unternehmen findet und das zu einem guten Preis, erzielt man über Jahre Rendite.

Aktien und die Cocktail-Theorie

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Aktien: Die 2020-er, wieder das Jahrzehnt der Aktie?

Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Wolfgang Müller

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Die Jahre 2010 bis 2020 war ein Jahrzehnt für die Aktien – den Notenbanken sei Dank! Aber wie sieht es für die 2020er-Jahre aus?

Derzeit wird viel spekuliert über die Zukunft nach Corona. Ein Jahrzehnt hat begonnen, in dem die Schulden weltweit auf noch nie gesehene Höhen gestiegen sind. Für einen Dollar Wachstum mussten in den USA bisher bereits sieben Dollar neue Schulden aufgenommen werden, um dieses zu generieren – die Demographiefalle schlägt in vielen Industriestaaten unbarmherzig zu. Deshalb sollte es schwierig werden, das Potenzialwachstum der letzten Jahrzehnte überhaupt zu halten. Man kann sich vieles vorstellen und darüber diskutieren, es gibt aber ein paar fundamentale Gesetzmäßigkeiten in neuzeitlichen Gesellschaften. Auch wenn das durch Geldhäuser ausgerufene Jahrzehnt der Aktien recht interpretationsbedürftig ist.

Aktien: Die Wirtschaft ist der Ast, auf dem wir alle sitzen

Bei allen Dikussionen über das FIAT-Geld, über Schulden und einem Auseinanderdriften der Gesellschaften in der Einkommensverteilung, darf man eines nicht übersehen: Ohne eine funktionierende Wirtschaft, ohne Steuereinnahmen funktioniert kein Gemeinwesen. Die Aufwendungen für einen Staat mit seiner Regierung, seiner Verwaltung, seiner Justiz, seiner Polizei, seinem Militär, seinem Gesundheits- und Bildungssystem, können nicht durch die Druckerpresse der Notenbanken produziert werden, zumindest nicht für lange. Die Kosten müssen durch Steuereinnahmen der Unternehmen und bei den Bürgern erwirtschaftet werden.

Was passiert denn in einem Staat, in dem durch Krieg oder Aufstände Polizei und Militär ausgeschaltet werden? Eine erste Reaktion in einem solchen Land (beispielsweise nach den Umstürzen im Irak oder Lybien) sind stets sofort Plünderungen, aber auch Vergewaltigungen und andere Abscheulichkeiten.

Anleihen können auf null gesetzt und entwertet werden, Schulden durch Währungsreformen vernichtet, aber ein Teil der Wirtschaft bleibt immer erhalten und damit auch der Aktienmarkt und die Aktien.

Denn was stellt der Aktienmarkt dar? Die Beteiligung an Unternehmen, an der Volkswirtschaft, bei allen stets immer wieder zu korrigierenden Entgleisungen. Damit wird auch im Jahrzehnt nach Corona höchstwahrscheinlich der Spruch von Warren Buffett, aus den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts weiter gelten:

“Langfristig werden die Aktienmärkte für gute Nachrichten sorgen. Im 20. Jahrhundert durchlebten die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte. Eine Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11.497.”

Sondersituation Deutschland

Deutschland wird im Anleihebereich als ein sicherer Hafen angesehen – mit fatalen Folgen für Sparer und Vorsorgesysteme. Denn wie sollen selbst bei leicht steigenden Zinsen Vorsorgeleistungen, Versicherungs- und Pensionsleistungen erwirtschaftet werden? Deutschland sitzt inmitten von Ländern, die sich keine höheren Zinsen leisten können. Der Zinseszinseffekt schafft erst ab einem Zinssatz von drei Prozent in überschau- und erlebbaren Zeiträumen einen Vermögensaufbaueffekt. Aber wie würden die Belastungen für die Staatshaushalte ausfallen, wenn die Renditen für Staatsanleihen in diese Regionen zurückkehren sollten. Die europäische Staatengemeinschaft mit ihrer Zentralbank wird also versuchen über die Zeit aus diesem Dilemma herauszukommen. Die Anleihelaufzeiten auf 30/50 Jahre plus verlängern, wie in Griechenland im Ansatz geschehen.

Die erzielbaren Renditen reichen nicht für das bisherige Vorsorgesystem. Wird man etwa den norwegischen Weg gehen und die Quote an Aktien erhöhen? Das Börsen-Urgestein Gottfried Heller (Partner von André Kostolany) hat auf einem Börsentag schon vor zwei Jahren die Prognose gewagt, dass Versicherer ihre Statuten ändern werden (müssen), um eine auskömmliche Rendite zu erwirtschaften und ihren ständigen Auszahlungsverpflichtungen nachzukommen. Die langlaufenden Anleihen im Bereich von 10 Jahren und mit ertragreichen Kupons, sind am Auslaufen. Allzu viele 30-jährige hat man sicher nicht in den Portfolios. Also wohin mit den Kundengeldern in Zukunft? In grüne Projekte, Private Equity u.ä.?

Was macht eine Allianz, eine der großen Dividendenzahler (4,8 Prozent aktuell), wenn es nicht einmal mehr am (nicht nutzbaren) Markt für Junk Bonds solche Renditen gibt? Der Zyklus der sinkenden Zinsen seit dem Jahr 1980 ist mit den großen Zinsschritten in den USA im März am Ende angelangt. Bis zuletzt konnte man wegen der Durationseffekte stets Gewinne mit den Anleihen erwirtschaften, so auch noch einmal im Jahr 2020. Aber wenn die Zinsen nicht unter null fallen, gibt es künftig kaum noch etwas – keine Kupons und keine Kursgewinne bei fallenden Zinsen.

Was machen Großfirmen mit ihren Betriebsrenten, Stiftungen mit ihren Anlagegeldern in den nächsten Jahren? Es spricht sehr viel für die Dividendentitel in diesem Jahrzehnt. Mit all ihren Schwankungen und vermutlich sind die jahrelangen Renditen von acht Prozent plus per annum auch bei Weitem nicht mehr realistisch. Aber wo sind die Alternativen?

Fazit

Obwohl ich absolut nichts davon halte, größere Zukunftsprognosen zu stellen – daran verbrennen sich schon ständig ganze Organisationen und Thinktanks die Finger, mit einer Heerschar von Professoren – so bin ich schon davon überzeugt, dass das jetzige Jahrzehnt wieder das Jahrzehnt der Aktien sein wird. Mit großen Schwankungen, Crashs, die Exzesse bereinigen werden, aber auch begründet in der Tatsache, dass man zwar Geldsysteme verändern und vernichten kann, aber nicht die Produktionsanlagen oder die Betriebe in einer Volkswirtschaft, ohne die es kein Überleben gibt, apokalyptische Szenarien einmal ausgenommen.

Es ist aber auch wahrscheinlich, dass es ein wesentlich langsameres Wachstum an den Börsen geben wird, nach Preisexzessen und deren Bereinigung, wie man es in Japan seit 31 Jahren nun schon beobachten kann. Aber selbst wenn Euro oder Kryptowährungen scheitern, wofür hat man nach 250 Staatsbankrotten seit 1800 (sowie 68 internen Pleiten) noch keinen Ersatz gefunden? Für Aktien..

Werden die 2020er-Jahre ein Jahrzehnt für Aktien?

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JP Morgan-Quartalszahlen: Deutlich besser als erwartet – Milliarden-Rücklagen für faule Kredite aufgelöst

Claudio Kummerfeld

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Soeben wurden JP Morgan-Quartalszahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen. Der Umsatz liegt bei 30,16 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 29,2/Erwartungen 28,7). Der Gewinn liegt bei 3,79 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,57/Erwartungen 2,62).

In der Grafik unten sieht man es in der dritten Spalte. JP Morgan hat im letzten Quartal die Risikofürsorge für faule Kredite um 1,9 Milliarden Dollar reduziert, wodurch natürlich der Gewinn erhöht wird. JPM ist der Meinung, dass sich das wirtschaftliche Umfeld (im Sinne der Zahlungsmoral der Kunden) bessert, und vor allem dass Firmenkunden nach wie vor frisches Geld am Kapitalmarkt aufnehmen können. Insgesamt spricht die Bank davon, dass sogar 2,9 Milliarden Dollar an Kreditreserven umgewandelt und in den Gewinn von 12,1 Milliarden Dollar verschoben wurden. Ohne diese Buchung wären es nicht 3,79, sondern nur 3,09 Dollar Gewinn pro Aktie, so die Headline-Aussage der Bank.

Zitat aus dem aktuellen Bericht von JPM:

The provision for credit losses was a net benefit of $1.9 billion, compared to an expense of $1.4 billion in the prior year driven by reserve releases in the current quarter. The Wholesale reserve release was $2.0 billion, reflecting an improvement in the macro-economic scenarios and the continued ability of clients to access liquidity and capital markets. The Consumer reserve release was $0.9 billion, in Home Lending, primarily due to improvements in HPI expectations and portfolio run-off. The prior year included a net reserve release in the Consumer portfolio and a net reserve build in the Wholesale portfolio. Net charge-offs of $1.1 billion were down $444 million from the prior year, driven by Card.

Die Aktie notiert vorbörslich mit +0,7 Prozent.

Hier das Headline-Statement von JPM-CEO Jamie Dimon:

Jamie Dimon, Chairman and CEO, commented on the financial results: “JPMorgan Chase reported strong results in the fourth quarter of 2020, concluding a challenging year where we generated record revenue, benefiting from our diversified business model and dedicated employees. While we reported record profits of $12.1 billion, we do not consider the reserve takedown of $2.9 billion to represent core or recurring profits – essentially reserve calculations, while done extremely diligently and carefully, now involve multiple, multi-year hypothetical probability-adjusted scenarios, which may or may not occur and which can be expected to introduce quarterly volatility in our reserves. While positive vaccine and stimulus developments contributed to these reserve releases this quarter, our credit reserves of over $30 billion continue to reflect significant near-term economic uncertainty and will allow us to withstand an economic environment far worse than the current base forecasts by most economists.”

Dimon added: “In Consumer & Community Banking, deposits grew 30% or over $200 billion driven primarily by growth in the Federal Reserve’s balance sheet and the continuation of modest market share gains. Within our consumer lending franchise, auto and retail mortgage originations were both up more than 20%. Consumer spending continued to recover, as reflected in combined debit and credit card spend being up for the full quarter. The Corporate & Investment Bank delivered another impressive quarter with growth in Global Investment Banking fees of 34% and Markets revenue of 20%. With a record quarter, Commercial Banking earned $3.3 billion of investment banking revenue in 2020, surpassing its previous $3 billion long-term target. In Asset & Wealth Management, AUM grew 17% due to higher asset values and net inflows of over $190 billion into long-term and liquidity products over the last twelve months.”

Dimon concluded: “We ended the year with a CET1 ratio of 13.1% (vs. 12.4% at the beginning of the year) and capital above $200 billion, providing us with meaningful capacity to further invest in our business and communities, while returning capital to
our shareholders. This increase in capital was after raising over $2 trillion of credit and capital for our consumer and institutional clients around the world, which includes nonprofits and U.S. government entities, including states, municipalities, hospitals and universities and adding net $12 billion to credit reserves. We also hold $1.4 trillion of cash and marketable securities, which is currently over $450 billion in excess of what is required. We opened branches in new markets, improved our digital capabilities, and made acquisitions that will enhance our product offerings and deepen our engagement with our customers. We also continued to invest in our communities – for example, through our initial commitments to support those most impacted by the pandemic and our longer-term commitment to advance racial equality and promote economic growth. Our earnings power and healthy capital position also provide us the flexibility to pay dividends and return excess capital to shareholders through share repurchases. I want to end by thanking our frontline colleagues and those working from home who quickly adapted to the pandemic and safely helped our clients, customers, communities and governments.”

Grafik zeigt aktuelle JP Morgan-Quartalszahlen

JP Morgan-Quartalszahlen - Jamie Dimon
Jamie Dimon. Foto: Steve Jurvetson Creative Commons Attribution 2.0

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