Folgen Sie uns

Aktien

Alitalia und Monte dei Paschi: Zwei Vorgänge, die nicht gegen EU-Recht verstoßen?

Ja in Italien, da ist was los. Gestern berichteten wir über die Insolvenz des nationalen Airline-Symbols „Alitalia“. Die zweite Pleite nach 2008. Inhaltlich geändert in Sachen Effizienz oder…

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Ja in Italien, da ist was los. Gestern berichteten wir über die Insolvenz des nationalen Airline-Symbols „Alitalia“. Die zweite Pleite nach 2008. Inhaltlich geändert in Sachen Effizienz oder Wettbewerbsfähigkeit hatte sich nichts, die Airline verbrannte weiter Milliarden. Wie auch bei Air Berlin hat der arabische Airline-Partner Etihad mit seinem Einstieg bei Alitalia (49% der Anteile) Geld verbrannt, und hatte jetzt zusammen mit den italienischen Mehrheitsaktionären nur noch Geld nachschießen wollen, wenn die Mitarbeiter zu weiteren drastischen Sparmaßnahmen bereit gewesen wären.

Aber 67% der Belegschaft stimmte dagegen. Dann folglich gestern die Insolvenz, oder wie man es in Italien nennt die Übergabe der Geschäfte in eine „außerordentliche Verwaltung“ des Unternehmens. Der nun eingesetzte Verwalter soll in Windeseile einen privaten Käufer suchen. Die italienische Politik betont nach wie vor, dass es keine Verstaatlichung von Alitalia geben werde. Aber siehe da, was wir gestern als Gerücht angedeutet hatten, hat sich bewahrheitet.

Nein, keine Verstaatlichung, und sicher auch keine Staatshilfe ist der sogenannte „Brückenkredit“ in Höhe von 600 Millionen Euro, den das italienische Kabinett noch gestern Abend in Windeseile für Alitalia beschlossen hat? Nein, ein Brückenkredit ist keine Beihilfe oder Staatshilfe, oder gar Rettung? Denn staatliche Beihilfen oder Zuschüsse wären ja genehmigungspflichtig durch die EU – und merkwürdigerweise hört man aus Brüssel zu diesem „Brückenkredit“ heute gar nichts. So als gäbe es diese Cash-Zufuhr gar nicht. Aber was soll´s, der Laden ist ja eh in der Insolvenz?

Warum wird denn gerade die HSH Nordbank unter Hochdruck zum Verkauf gestellt? Weil Brüssel darauf besteht wegen der vorigen staatlichen Beihilfen für die Bank. Und bei Alitalia? Na ja… wenn man es einfach nicht als Beihilfe sieht, sondern nur als sogenannten Brückenkredit, dann braucht man diesen Vorgang auch nicht weiter zu beachten. Ganz sicher, so sind wir zu 150% überzeugt, wird Alitalia diesen Kredit zurückzahlen – spätestens dann, wenn aus dem Geldhimmel ein Investor aus dem Nichts auftaucht mit zu viel Geld, von dem er nicht weiß wohin damit. Obwohl… könnte die EZB nicht einfach mit den ständig nachgedruckten Euros die Alitalia kaufen? (Scherz).

Zurück zur Sache. Aus Rom hört man dieser „Brückenkredit“ solle nur (!) dazu da sein den Flugbetrieb aufrecht zu erhalten. Wenn die Maschinen am Boden bleiben sollten, gäbe das große Probleme für die Kunden und die Airline. Der eingesetzte Zwangsverwalter soll doch tatsächlich jetzt in nur 15 Tagen einen Verkaufsprozess starten, in dem er bei möglichen Käufern eine Art Aufruf startet. Eine Verstaatlichung sei vom ersten Moment an ausgeschlossen gewesen, so der italienische Ministerpräsident Paolo Gentiloni. Carlo Calenda, der im Kabinett für wirtschaftliche Entwicklung zuständig ist, sagte heute, dass die Bürger ganz genau darauf achten würden, wofür ihr (Steuer)geld verwendet würde. Damit spielt er wohl auf die große Wahrscheinlichkeit an, dass eben kein Käufer gefunden wird, und dann die 600 Millionen Euro einfach weiter „ver-feuert“ werden, bis sie aufgebraucht sind.

Denn wenn die bisherigen Aktionäre schon gesagt haben sie würden gerne weitere Gelder zuschießen, aber eben nur bei einer harten Sanierung, und wenn die aber von den Mitarbeitern blockiert wird – welcher sonstige externe Investor soll sich das antun? Wird der Staat doch noch schwach? Wie würde man dann versuchen den Tatbestand „staatlicher Beihilfe“ im Sinne des EU-Rechts zu umgehen? Wäre das dann nach dem „Brückenkredit“ eine Art „vorübergehende Brücken-Eigentümerschaft“, damit es keine Beihilfe ist? (nur teilweise scherzhaft gemeint).

Monte dei Paschi

Bei der italienischen Krisenbank Nummer 1 „Banca Monte dei Paschi di Sienna“ ist bisher nur klar, dass nichts klar ist. Im Dezember hatte man die italienische Regierung um Hilfe gebeten. Die kann aber nicht ohne Genehmigung aus Brüssel. Erfolglos hatte die Bank versucht 4,2 Milliarden Euro in Eigenregie am Markt zu besorgen. Also muss Rom retten, oder der Laden geht den Bach runter, was danach eventuell eine Lawine im italienischen Finanzsektor auslöst. Also hängt man nun in der Schwebe.

Angeblich soll der so gesunden Bank eine Art kurzfristiger Notkredit gegeben werden, was ja keine Beihilfe ist, oder? Genehmigt ist das durch Brüssel noch nicht. Eine richtige Rettung mit Genehmigung aus Brüssel gäbe es ja erst, wenn vorher die kleinen italienischen Sparer kräftig beteiligt würden durch eine Entwertung ihrer Anteile. Aber genau das will man ja nicht haben in Rom.

Aber wie das alles mit EU-Recht vereinbart werden soll? Angeblich soll es so gedreht werden, dass es gar keine Rettung oder Beihilfe ist, sondern eben nur eine kurzfristige Hilfe für eine eigentlich gesunde Bank. Aber wie passt das dann mit dem Umstand zusammen, dass der italienische Staat wohl für seine Geldspritze in die Bank einen Mehrheitsanteil an ihr erhalten soll? Wir kommen da nicht mehr mit. Die endgültige Entscheidung und nennen wir es mal „Ausgestaltung“ dieses Konstrukts ist ja noch offen. Wir sind gespannt wie das ausgeht…

Derzeit will die Bank, wie man hört, Brüssel weich klopfen mit dem Versprechen von Massenentlassungen und Filialschließungen. Nach dem Motto „seht her, wir schrumpfen uns ja bereits gesund“? Aber was soll das bringen? Die EU gibt grünes Licht für einen Notkredit, für den der Kreditgeber (die Regierung in Rom) Aktien der Bank erhält? Das ist nämlich eine Eigenkapitalzufuhr, und kein Notkredit! Das klingt einfach nur noch merkwürdig. Gegenüber Aktionären sagte der Bankchef jüngst, dass man mit der EU einen Plan bespreche, der sich radikal von dem unterscheide, was man bisher gegenüber dem Markt offeriert habe.

Puhhh, man darf gespannt sein. Wie will man sich an den neuen EU-Regularien vorbei manövrieren, damit die Anteile der kleinen Bankkunden nicht vor einer Rettung ihren Wert verlieren? Irgendeine krumme Nummer wird schon drin sein, so vermuten wir es. Aber nein, Scherz bei Seite. Wir wollen wie immer in solchen Fällen keine bösen Absichten unterstellen. Sicher wird alles strikt nach EU-Recht gehandhabt.

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Walter Schmid

    3. Mai 2017 21:07 at 21:07

    Wieder mal echt super, welche Recherche-Leistung FMW hier aufbietet und die Dinge kritisch hinterfragt!
    Es ist wirklich der Hammer, wie die Politik geltendes Recht immer wieder beugt und der Steuerzahler schlussendlich immer alles ausbaden muss. Gut, es gibt Ausnahmesituationen, die Maßnahmen erforderlich machen, die mit geltendem Recht nicht vereinbar sind, wenn dadurch ein fataler und ungleich größerer Schaden vermieden werden kann. In der Eurozone sind solche Ausnahmen zur ständigen Regel geworden, niemand hält sich mehr an nichts und das Volk wird für dumm verkauft. Und keiner dieser Gauner (zu denen ja nun keineswegs nur die Politiker gehören), wird für seine Machenschaften hinter Gitter kommen.

  2. Avatar

    PK

    4. Mai 2017 07:55 at 07:55

    das Problem ist, daß den großen Firmen immer wieder geholfen wird, als kleiner Selbständiger oder im Mittelstand wird man gegängelt ohne Ende.

  3. Avatar

    Dreistein

    4. Mai 2017 10:33 at 10:33

    @ Walter Schmid welches geltende Recht meinen sie?
    So etwas kann es nicht geben wenn es immer wieder gebogen wird! Zahlen sie doch einmal ihre Steuern nicht oder biegen sie ihre Steuern mal nach ihren Gunsten und machen sie ihr Konto leer, mal sehen wie lange sie dann gesiebte Luft schnuppern dürfen. Es sei denn sie bewegen auch Milliarden dann gehen sie natürlich straffrei aus. @ PK Die Arbeitsministerin A. Nahles möchte den Selbständigen nun auch noch zwingen in die Rentenkasse einzuzahlen da die Kassen sich immer weiter leeren, nein Scherz, weil sie die Selbstständigen vor der Altersarmut schützen will.
    Der Selbstständige zahlt aber schon Einkommensteuer, Umsatzsteuer, Gewerbesteuer, Krankenkasse, Berufsgenossenschaft, iHK, und den Steuerberater. Dazu kommt noch Krank sein oder Urlaub heißt Geldausfall da bekommt der Selbstständige nichts. Fahrgeld, Auslöse, Unterkunft alles im Verrechnungssatz mit inbegriffen. Meiner Meinung nach werden viele das Handtuch Schmeißen.

  4. Avatar

    Herr Meier

    4. Mai 2017 23:09 at 23:09

    Ja ja, immer die nörgelnden, übergenauen Deutschen. Hallo? Ist da eventuell jemand neidisch? Italien stellt den EZB Chef und der Papst fliegt mit ALITALIA. Was soll denn da schon schief gehen?

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Aktien

Tesla: Frank Thelen ist voll des Lobes über den „Battery Day“ -Video

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Innenansicht eines Tesla-Autos

Für die Börsianer war der diese Woche stattgefundene „Battery Day“ von Tesla eine Enttäuschung. Die Produktion viel günstigerer Autos mit sehr langer Batterielaufzeit dauere noch drei Jahre. Und zack, die Aktie von Tesla fiel spürbar. Aber der aus der „Höhle der Löwen“ bekannte Investor und Tech-Experte Frank Thelen singt im folgenden Instagram-Video ein Loblied auf den Battery Day von Tesla. Er sieht hier von A-Z ein sensationelles Konzept, und einen großen Schub hin zu einem wirklich erschwinglichen Auto. Dass so ein riesiger Sprung nach vorne nun mal nicht sofort funktioniere, sondern drei Jahre dauere, sei ganz normal. Aber sehen Sie selbst.

weiterlesen

Aktien

Aktien: Vermögensreport offenbart, Deutsche investieren mehr

Entdecken die Deutschen plötzich ihre Liebe zu Aktien? Die Enteignung der Geldsparer durch die Zinspolitik wirkt, die Bürger wenden sich stärker Aktien zu

Avatar

Veröffentlicht

am

Entdecken die Deutschen plötzich ihre Liebe zu Aktien? Der aktuelle Allianz Global Wealth Report hat es dargelegt: Die Notenbankpolitik der Länder wird dazu führen, dass das Vermögen der Wohlhabenden global trotz Corona ansteigen wird – auf 198 Billionen Euro zu Jahresende – FMW berichtete darüber. Der Report zeigt aber auch, dass sich die deutschen Sparer mehr den Aktien als Anlagevehikel zuwenden.

Aktien: Corona und die Vermögensbildung

Die Volkswirte der Allianz werteten Daten aus 57 Nationen aus, zum Vermögen aus Bargeld und Bankeinlagen, angelegtem Geld in Versicherungen und Pensionskassen sowie Anlagen in Wertpapieren und Fonds. Trotz der Pandemie erhöhte sich dies im ersten Halbjahr des Jahres um 1,5 Prozent, der Frühjahrseinbruch von geschätzten 4,3 Prozent ist damit mehr als ausgeglichen. Über die Gründe braucht nicht großartig spekuliert zu werden: Staatliche Rettungsprogramme, die Geldpolitik der Notenbanken, eine erhöhte Sparneigung der Konsumenten und natürlich der Anstieg der Aktien. Noch ein kurzer Blick auf die Vermögensübersicht der Länder pro Bürger:

USA: 209.524 Euro
Schweiz: 195.388 Euro
Singapur: 116.657 Euro

18. Deutschland: 57.097 Euro

An dieser Übersicht wird wieder einmal das Problem einer statistischen Erfassung von Durchschnittswerten ersichtlich. Die vier reichsten Amerikaner besitzen ein Vermögen von über 500 Milliarden Dollar, verteilt auf die 331 Millionen Amerikaner würde dies bereits 1500 Dollar pro Bürger ergeben. Dabei gab es 2019 allein schon 607 Milliardäre in den Vereinigten Staaten. Man bräuchte aus so einer Statistik nur den reichsten Mexikaner, Carlos Slim, aus der Liste entfernen und schon hätte man veränderte Zahlen für das Land. Aber erstaunlich ist diese Vermögensverteilung auf der Welt dennoch. Im Jahr 2019 lagen von den 192 Billionen Euro Weltvermögen nicht weniger als 83,7 Billionen in den USA.

Die Entwicklung in Deutschland

Was bedeutet das für das Land der (Geld-)Sparer, mit deren 2,4 Billionen Euro auf nicht verzinslichen Konten? Die Allianz stellt fest, dass sich die Bankeinlagen um 3,5 Prozent und damit weniger als in anderen Ländern erhöht haben (Frankreich plus 6 Prozent, China plus 9 und die USA plus 10 Prozent).

Dennoch stieg das Vermögen der Haushalte um 1,3 Prozent im ersten Halbjahr und sollte nach der Schätzung der Allianz zum Jahresende 6,8 Billionen Euro erreichen. Da dies nicht am Geldmarkt zu verdienen war, deutet dies auf eine Verhaltensänderung im Sparverhalten hin.

Die langsame Hinwendung zu Aktien

Lange hatte man es eigentlich schon erwartet, dass die Enteignung der Geldsparer durch die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank wirkt und sich die Bürger stärker den Aktien zuwenden. Die Allianz stellt fest, dass die deutschen Sparer in den vergangenen drei Jahren 20 Prozent ihrer verfügbaren Ersparnisse direkt in Aktien angelegt haben. Auf Sechsjahressicht waren dies 5,8 Prozent und das Interessante daran ist, dass US-Bürger in dieser Zeit nur 0,7 Prozent in Aktien investiert haben. Das bevorzugte Investment waren börsengehandelte Indexfonds. Allerdings beziehen sich diese Werte auf die Zeit vor Corona und seither gibt es den großen Hype um die gebührenfreien Brokerdepots – Stichwort RobinHood. Diesen Trend gibt es auch in Deutschland mit der riesigen Zahl neu eröffneter Depots bei günstigen Direktanlagebanken.

Es verändert sich auch der so genannte Home Bias, also die Bevorzugung heimischer Titel. Deutsche Anleger investieren verstärkt in ausländische Aktien, die Quote stieg in den vergangenen sechs Jahren von 25 auf 38 Prozent. Aber noch ist Deutschland weit von der angelsächsischen Aktienpräferenz entfernt.

In den USA liegen 53 Prozent der Ersparnisse auf Wertpapierkonten, in Deutschland 25 Prozent.

Fazit

Auch wenn das Pflänzchen Anlage in Aktien in Deutschland langsam wächst, sind es laut Allianz vorwiegend die Haushalte mit einem höheren Einkommen, die sich an diese Assetklasse heranwagen. 30 Prozent unserer Haushalte besitzen kaum Geldvermögen. So zählt auch Deutschland zu den Ländern, in dem „die Vermögensverteilung relativ ungleich verteilt ist“, so Arne Holzhausen, Leiter Insurance und Wealth Markets bei der Allianz.

Die Deutschen entdecken ihre Liebe zu Aktien

weiterlesen

Aktien

Abwarten beim Dax, ifo steigt, 5G startet, Tradingideen bei Adidas und Mastercard

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Sollte man sich jetzt in den Dax reinkaufen? Im folgenden Video bespricht Manuel Koch die aktuelle Lage und die Aussicht für die nächsten Wochen mit einem Experten. Noch 3 bis 4 Wochen solle man abwarten. Würden die Kurse dann zurückkommen, seien es Kaufkurse. Wenn nicht, dann sehe der Markt neue Jahreshöchststände.

Der heute veröffentlichte ifo-Index gebe weiteren Optimismus für die deutsche Konjunktur. Auch im Video angesprochen wird das von Telefonica an den Start gebrachte 5G-Netz.

Konkret besprochen werden im folgenden Video zwei Handelsempfehlungen der trading house Börsenakademie. Die Aktien von Adidas und Mastercard seien beide ein Kauf. Man könnte mit einer Stop-Buy-Order einsteigen.

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen