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Großer Wandel am Arbeitsmarkt Arbeitskräftemangel ist kein Hirngespinst, sondern Realität!

Der Arbeitskräftemangel ist Realität, und macht echte Probleme! Noch nie gab es so viele unbesetzte Stellen. Der Arbeitsmarkt ändert sich!

Angestellter in einem Cafe

Der Arbeitskräftemangel ist kein Hirngespinst, er ist tatsächlich vorhanden. Über die Ursachen kann man jetzt lange sprechen. Vor allem wäre da der Demografiewandel zu nennen, der nun mit voller Härte zuschlägt. Immer mehr Menschen gehen in Rente, immer weniger junge Leute rücken gleichzeitig in den Arbeitsmarkt nach. Dazu kommen noch schlecht bezahlte Jobs mit unattraktiven Arbeitszeiten – viele Menschen in diesen Berufen haben während ihrer Corona-Kurzarbeit die Branche gewechselt, und sitzen jetzt zum Beispiel beim Staat in einem warmen Büro, statt zu kelnern. Auch wenn Arbeitgeber im einzelnen etwas tun können, in dem sie die Gehälter kräftig anheben und das Arbeitsumfeld verbessern, so besteht doch volkswirtschaftlich gesehen ein echter Arbeitskräftemangel. Hier dazu einige Fakten, Aussagen und Beobachtungen.

Offizielle Statistik belegt den Arbeitskräftemangel – offene Stellen auf Allzeithoch

Nichts ist ein klarerer Beleg für den Arbeitskräftemangel in Deutschland als die gestern veröffentlichte Statistik des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), der Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit. Ihre Daten zeigen für das zweite Quartal des Jahres, dass die Zahl der offenen Arbeitsstellen in Deutschland mit 1,93 Millionen erneut ein Allzeithoch erreicht hat. Gegenüber dem ersten Quartal stieg die Zahl der offenen Stellen noch mal um rund 189.500 oder 11 Prozent, im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal 2021 um 764.400 oder 66 Prozent. Dies ergab eine Betriebsbefragung des IAB. Die Grafik, die bis zum Jahr 2010 zurückreicht, lässt erkennen, dass Corona den Arbeitsmarkt kräftig durcheinander gewirbelt hat.

Von den 1,93 Millionen offenen Stellen waren 1,47 Millionen sofort oder zum nächstmöglichen Termin zu besetzen und 458 Tausend Stellen später zu besetzen. Die Fach- und Arbeitskräfteengpässe äußern sich deutlich in den Angaben der Betriebe und führten im ersten Halbjahr zu einem steigenden Personalbedarf in fast allen Branchen. Der Arbeitsmarkt signalisiert laut IAB eine hohe Arbeitsnachfrage, dennoch bestünden für die nahe Zukunft gravierende Risiken, zum Beispiel im Hinblick auf einen möglichen Stopp der Gaslieferungen aus Russland.

Mit offenen Augen durch das Land laufen

Wer mit offenen Augen durch die Gegend läuft, der sieht es dieser Tage fast überall. Bei sehr vielen Restaurants, Cafes, Bars und Bäckereien sieht man Aushänge, dass Mitarbeiter gesucht werden. Bei mir in der Nähe musste ein Restaurant sogar schließen wegen Arbeitskräftemangel. Dies wurde nach der Schließung explizit in einem Aushang erklärt. Auch der Verband der Insolvenzverwalter sagte jüngst, dass es inzwischen häufiger zu beobachten ist, dass der Arbeitskräftemangel inzwischen zu Insolvenzen führt. Der gravierende Personalmangel in der Gastronomie fällt tagtäglich ins Auge. Der Arbeitsmarkt hat sich in wenigen Jahren gewandelt von einem Arbeitgebermarkt hin zu einem Arbeitnehmermarkt.

Die Menschen können sich jetzt ihre Jobs aussuchen. Wer als Arbeitgeber zu schlecht bezahlt und auch sonst kein tolles Umfeld zu bieten hat, ist zunehmend mit Problemen konfrontiert. Wenn ein Gastronom den Arbeitskräftemangel bekämpfen will, müsste er die Löhne drastisch anheben, und damit auch die Preise für seine Kunden zwecks Refinanzierung. Aber auch das ist keine Garantie für die Besetzung offener Stellen. Abgesehen von möglichen Gegenmaßnahmen bei einzelnen Betrieben bleibt das Problem bestehen – volkswirtschaftlich gesehen mit Blick auf das ganze Land sind offenbar zu wenig Arbeitskräfte vorhanden.

Industriebetrieb nimmt praktisch jeden Bewerber

Über einen persönlichen Kontakt habe ich Einblick in einen deutschen Industriebetrieb mit Milliardenumsatz. Eine Führungskraft, die ihren Namen und den Unternehmensnamen nicht genannt sehen möchte, bot mir einen Einblick. Es handelt sich um einen Maschinenbauer, also einen klassischen deutschen Exportbetrieb, einen Eckpfeiler des deutschen Wohlstands. Der Betrieb sucht seit Monaten händeringend in allen Bereichen Personal. Der Arbeitskräftemangel ist unfassbar. Vom Sekretariat über den Außendienst bis hin zu hochspezialisierten Tätigkeiten an Werkbanken in der Produktion mangelt es überall. Die Suche nach neuem Personal geht sogar soweit, dass man bereit ist jeden Bewerber einzustellen, Hauptsache man bekommt überhaupt Personal.

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Auch wenn es an einer Werkbank eine hochspezialisierte Tätigkeit zu verrichten gibt, werden hierfür völlig Ungelernte eingestellt. Sie werden dann intern umfassend geschult. Das alte Denkmuster, dass ein Bewerber Berufsausbildung, Studium und Berufserfahrung vorweisen muss, scheint in Zeiten des Demografiewandels nicht mehr in allen Fällen zu gelten. Wichtiger scheint im ersten Schritt zu sein, dass man überhaupt noch jemanden findet, der in dem Betrieb arbeiten möchte.

Arbeitskräftemangel belegt anhand Rekordzahl offener Stellen



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5 Kommentare

  1. Das ist alles Hausgemacht, beginnend durch Schröders Billiglohnkampagne bis heute!
    Die Arbeitsbedingungen in Deutschland sind halt einfach nur schlecht.
    Wenn man alleine die Mindestlohnanhebung auf 12 € sieht, die alleine durch die Inflationierung aufgefressen wird, na da mache ich doch lieber Urlaub und verlasse das Land!
    Ein hoch auf die Sozialdemokratie und die neue grüne FDP.
    Frank

    1. Was hat das mit Schröder zu tun? Das ist eher unser Wohlfahrtsstaat, mit Freibier für alle. Wer hat da noch Lust zu Arbeiten.
      Was erreichst du mit hohen Löhnen und hohen Energiepreisen? Richtig Inflation, das ist einfachste Betriebswirt.

  2. Ich bin echt gespannt, wie es in einem halben Jahr aussieht.
    Dann bin ich mir echt nicht sicher, ob das alles Jetzt noch offene Stellen sind…

  3. Das ist eine glatte Lüge der Arbeitsagentur. Hab´s gerade nachgesehen. Offene Stellen am 12.08.22 um 18:45 Uhr auf der Seite der Agentur für Arbeit. 1.125.144

    Anzahl der insgesamt Verfügbaren Arbeitskräfte vom ALG II Empfänger bis zum ALG I Empfänger ca. 6 mio. So und jetzt rechnen wir noch mal nach. 6 mio Arbeitskräfte, aber nur knapp über eine Million offener Stellen hhhhmmmm also ich kann da keinen Fach- oder Arbeitskräftemangel erkennen.

  4. Die Sanktionen für H4 wurden abgeschafft. Das ist der Grund für die vielen unbesetzten Stellen.

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