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Brasilien: S&P stuft das Land auf „junk“

FMW-Redaktion

Die amerikanische Ratingagentur Standard & Poor’s hat am späten Mittwoch Abend Brasilien auf „junk“ abgestuft: das neue Rating lautet nun BB-plus (das bedeutet „non-investment grade“, wenngleich BB-plus die höchste Stufe im Bereich „junk“ ist). Zuvor hatte S&P Brasilien mit BBB-minus eingestuft. Gleichwohl drohen sogar noch weitere Abstufungen, da S&P das Rating mit negativem Ausblick versehen hat.

Die amerikanische Ratinagentur hatte bereits vor knapp zwei Monaten angedroht, Brasilien abzustufen – aber dass der Schritt nun so schnell erfolgte, ist dann doch eine Überraschung. Zuvor hatte Brasilien in den letzten Wochen reihenweise schwache Konjunkturdaten vermeldet, die Wirtschaft des Landes befindet sich reglerecht im Sturzflug. Für Brasiliens ohnehin angeschlagene Präsidentin Rousseff, deren Zustimmungsraten aktuell unter 10% liegen, ist das ein weiterer herber Rückschlag. Zu erwarten ist, dass die Finanzmärkte nun duetlich höhere Risiko-Prämien verlangen werden etwa für basilianische Staatsanleihen, auch die Aktienmärkte dürften noch weiter unter Druck kommen. So fiel – da zum Zeitpunkt der Abstufung Brasiliens Aktienmarkt bereits geschlossen war – ein in den USA gehandelter Brasilien-ETF (iShares MSCI Brazil ETF) um über 4%.

Brasilien hatte von S&P erst im Jahre 2008 den investment-grade-Status bekommen – das war eine Voraussetzung für den steilen Aufstieg der brasilianischen Wirtschaft, die insbesondere von der Nachfrage Chinas nach Rohsoffen profitierte (China ist der wichtigste Handelspartner für Brasilien). Die Abstufung durch S&P könnte für Brasilien, das seit dem 2.Quartal offiziell in der Rezession ist, ein erneuter Wendepunkt sein – diesmal jedoch zum Negativen.

Für Brasilien entscheidend ist, dass die beiden anderen Marktführer unter den Ratingagenturen, Moody´s und Fitch, Brasilien noch nicht auf „junk“ eingestuft haben: Fitch stuft Brasilien mit BBB ein und damit zwei Stufen über junk, Moody´s hatte vor knapp einem Monat Brasilien bereits abgestuft, eine Stufe über junk. Sollte eine der beiden Agenturen S&P folgen und Brasilien auf junk abstufen, würden internationale Profi-Investoren wie Pensionsfonds etc. keine brasilianischen Staatsanleihen mehr kaufen können (die Regel lautet: wenn zwei der drei Agenturen ein Land auf junk stufen, dürfen die Anleihen des Landes nicht mehr gekauft werden).

S&P begründete den Schritt mit den politischen Problemen des Landes, die die wirtschaftliche Lage noch deutlich verschlechtert habe und die „Fähigkeit und den Willen“ reduzierten, 2016 einen Haushalt vorzulegen, der von Roussef versprochen worden war. Die Frage ist nun, wie die Roussef-Regierung reagieren wird: durch Einsparungen oder durch weitere Stimulusmassnahmen, die zwar die Wirtschaft wieder ankurbeln könnten, jedoch gleichzeitig die hohe Verschuldung weiter erhöhen würden.

In diesem Jahr hat der brasilianische Real bereits um ein Drittel gegenüber dem US-Dollar abgewertet, die Inflation steigt kontinuierlich und liegt derzeit bei 10%. Hohe Inflation bei gleichzeitig schrumpfender Wirtschaft – diese giftige Kombination wird durch die Abstufung des Leitwolfs unter den Ratingagenturen wohl noch weiter verschärft…



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5 Kommentare

  1. der letzte Satz: nicht der YEN fällt, sonder es muss heißen der YUAN fällt

    1. @Jupp, der Yuan steigt ja, der Chart zeigt den Dollar zum Yuan, also fällt der Dollar zum Yuan (der Yuan steigt). Ich meinte schon den Yen – das war kein Versehen..

      Viele Grüsse!

  2. Jedes Zinseszins Schuldgeldsystem, auch der brasilianische Real, ist eine nicht staatliche „Waehrung“. Mittels der Landeszentralbank und den exorbitanten Zinsen wird dieses Land seit Jahrzehnten ausgepluendert. Die sozialen Ergebnisse sind in diesem Lande das nicht endende Wachtum der Fawelas, inbesondere in den grossen Staedten, wie z. B. Rio de Janeiro und Sao Paulo.
    Konsumenten Kredite von 6 % pro Monat locken doch die internationalen Kredithaie in Scharen an, und saugen das Land skrupellos aus.
    Hier liegt fuer jeden denkenden Menschen der Fakt auf den Tisch, dass die politische Fuehrung des Landes gar nicht die Macht hat, diesem internationalen Raubrittern das Handwerk zu legen.
    Weiter ist es fuer einige „Gruppierungen“ unannehmbar, dass Brasilien auch im BRICS Verbund praesent ist, und da jedoch politisch sehr schwach, und ueber NGO s im Lande, politisch destabilisiert wird. Sollte Brasilien aus dem BRICS ausscheren, waere dieses eine erhebliche Schwaechung der BRICS Staaten.
    Da Brasilien jedoch in allen Rohstoffen autark ist, sind aeussere Begehrlichkeiten
    klar zu erkennen, und aus diesem Grunde muss alles getan werden, um dem finanziellen Sklaventum kein Ende zu setzen!

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