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Ausweicheffekt in der Energiekrise Brennholz und Holzpellets 86 % teurer als im Vorjahr

Die Energiekrise ist da. Bei höheren Gaspreisen steigt die Nachfrage nach Brennholz und Holzpellets. Die Preise für diese alternativen Brennstoffe gehen durch die Decke.

Brennholz

Was macht man in dieser laufenden Energiekrise bei explodierenden Kosten für Gas, wenn die Heizperiode nun beginnt? Man weicht aus. Ein Blick in Baumärkte zeigt es, Brennholz ist ein rares und teures Gut geworden – wer hätte das mal gedacht. So lange man mit Holz als Brennstoff billiger fährt als mit Gas, werden viele Menschen wohl verstärkt Brennholz und auch Holzpellets nachfragen – so einfach ist die Logik. Und dementsprechend steigen die Preise, wenn die Nachfrage stark ansteigt für eine bestimmte Ware, bei der das Angebot nicht gleichermaßen ansteigt.

Brennholz und Holzpellets deutlich verteuert – hohe Nachfrage und erhöhte Beschaffungskosten

Heute veröffentlichte Daten des Statistischen Bundesamts zeigen dementsprechend: Im August 2022 sind die Preise für Brennholz und Holzpellets um 86 Prozent gestiegen gegenüber August 2021. Auch die staatlichen Statistiker sehen es ganz klar. Zitat: „Angesichts steigender Preise für Gas, Öl und Strom setzen immer mehr Menschen auf Holz als alternative Möglichkeit zur Beheizung von Wohnräumen. Für den Kauf von Holz zum Heizen von Öfen oder Heizungen mussten Verbraucherinnen und Verbraucher im August 2022 deutlich mehr ausgeben als noch ein Jahr zuvor“. Gründe für die überdurchschnittliche Preissteigerung bei Brennholz und Holzpellets sind laut den Statistikern neben der gestiegenen Nachfrage auch die erhöhten Beschaffungs- und Transportkosten in der Holzindustrie.

Entwicklung der Preise für Brennholz und Holzpellets seit Anfang 2021

Erzeugerpreise für Brennholz noch viel teurer als die Endkundenpreise

Hier zeigen wir Detailaussagen der Statistiker über die aktuellen Entwicklungen bei Holzpellets und Brennholz. Noch deutlicher als der Endkundenpreis zeigt sich die Entwicklung beim Blick auf die Erzeugerpreise von zum Heizen verwendetem Holz. Denn Holzplättchen und -schnitzel, die unter anderem zum Heizen von Hackschnitzelheizungen genutzt werden, waren im August 2022 um 133,3 % teurer als im Vorjahr. Die Preise für Holzpellets lagen im August 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 108,2 % höher.

Leichte Zunahme bei der Produktion von Holzplättchen und -schnitzeln

Für den Absatz produziert wurden in Deutschland im 1. Quartal 2022 insgesamt 1,30 Millionen Tonnen Brennholz in Form von Holzplättchen und -schnitzeln, der Großteil (90,9 %) davon aus Nadelholz. Das entspricht einer Zunahme von 4,2 % gegenüber dem 1. Quartal 2021, als 1,25 Millionen Tonnen produziert wurden. Die Produktion von Holzpellets blieb im selben Zeitraum hingegen auf ähnlichem Niveau (+0,9 %) und lag im 1. Quartal 2022 bei gut 750.500 Tonnen.

Exporte und Importe von Brennholz und Holzpellets gehen zurück

Die Statistiker blicken auch auf die Im- und Exporte von Brennholz. Insbesondere seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine Ende Februar 2022 rückt Holz als Energieträger in den Blickpunkt. Von März bis Juli 2022 wurden knapp 311.000 Tonnen Brennholz und Holzpellets im Wert von rund 79,0 Millionen Euro aus Deutschland exportiert – das waren mengenmäßig 30,3 % weniger als im Vorjahreszeitraum. Italien war in den Monaten März bis Juli 2022 mit einem Anteil von 24,4 % der größte Abnehmer von Brennholz und Holzpellets aus Deutschland, gefolgt von Österreich (23,4 %) und Dänemark (11,5 %).

Etwas geringer fielen die Importe von Brennholz und Holzpellets aus. Hiervon wurden hierzulande von März bis Juli 2022 gut 223.800 Tonnen im Wert von rund 51,6 Millionen Euro eingeführt. Dies stellt einen leichten Rückgang von 1,6 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum dar. Das meiste Brennholz (23,7 %) wurde in den Monaten März bis Juli 2022 aus Polen importiert.



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2 Kommentare

  1. Ich habe letzte Woche in einer Unterhaltung erfahren, das die Leute für Öfen mittlerweile bereit sind jeden Preis zu zahlen, nur das sie vor dem Herbst/Winter noch einen bekommen. Ofenbauer sind tilweise bis weit ins nächste Jahr hinein ausgelastet mit Aufträgen.

  2. Um genau zu sein, sind die Holzpelletpreise um 250% gestiegen, es waren auch schon 300%.
    Wie man am dem Chart im unteren Bereich sehr schön sehen kann, ist die Nachfrage nur kurzzeitig für 3 Wochen von Juni bis Juli etwas gestiegen und befindet sich schon längst wieder auf dem Niveau der letzten paar Jahre.
    https://www.heizpellets24.de/pelletpreis

    Man versucht immer, alles so schön volkwirtschaftlich mit Nachfrage und Angebot zu erklären. Nur leider ist das nicht so. In Wahrheit stecken gierige Kriegsprofiteure dahinter, die die Notsituation der Menschen schamlos ausnutzen. Bei Brennstoffen kann man nicht einfach verzichten oder die Anschaffung in die Zukunft verschieben. Wenn die Lager leer sind, muss nachgefüllt werden.

    Ein Kunde von uns betreibt mehrere Pelletwerke in ganz Deutschland. Vor kurzem habe ich den Chef mal gefragt, warum denn die Preise so explodieren, wo doch die Nachfrage auf üblichem langjährigen Niveau ist. Erst kamen irgendwelche Ausreden, die Rohstoffe (Sägespäne) seien knapp, weil China und USA so viel ungeschnittenes Rohholz aufkaufen. Nach meinem Einwand, das sei schon seit 2020 nach den Lockdowns so und tendenziell eher rückläufig, versuchte er einen 180°-Schwenk zu nachlassendem Schnittholzbedarf aus den USA und niedriger Nachfrage nach Bauholz im Inland (!!!). Allerdings war ihm anzumerken, dass er sich damit nicht unbedingt wohlfühlte.

    Also versuchte er es weiter mit höheren Energiepreisen für das Trocknen der Späne.
    Ok, ein Argument, das man gelten lassen kann, allerdings nicht ansatzweise in der Dimension und angesichts des kurzen, fast explosionsartigen Zeitrahmens von etwa 6 Wochen. Zumal Trocknung und Strombedarf durch angeschlossene Blockheizkraftwerke realisiert werden, deren Überschüsse natürlich in das Fernwärmenetz eingespeist bzw. an den Strombörsen zu utopischen Preisen „bedarfsgerecht vermarktet“ werden.

    Nachdem die Ausreden also immer dünner wurden und die Argumente nur noch an einem seidenen Faden hingen, gab er schließlich zu, dass „man derzeit schon ganz gut verdiene“. Meine Frage, ob er nicht ein ganz klein wenig schlechtes Gewissen hätte, die Notlage von Menschen aufgrund eines Krieges derart auszunutzen, kam die lakonische Antwort: „So what, wenn die Märkte es eben hergeben…“ Tja, die Märkte, eine schöne neutrale Umschreibung für Abzocke.

    Laut Heizpellets24.de vom Herbst/Winter 2021 komme es bei den Pelletpreisen momentan zu einer “kurzfristigen Übertreibung nach oben”. Man könne eine Normalisierung des Pelletpreises zum Frühjahr und Sommer 2022 hin annehmen, hieß es von verschiedenen Seiten. Tja, die „kurzfristige Übertreibung“ von 350 € pro Tonne wurde zu einem längerfristigen Plateau, bis die nächste „kurzfristige Übertreibung“ in Richtung 800 € folgte.
    https://www.heizpellets24.de/news/artikel/001202

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