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Anleihen

Bund-Future: Selten so wichtig wie derzeit – und tief in der Korrektur!

Ist die lange Party am Anleihemarkt vorbei? Sieht ganz danach aus..

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Eine Analyse von Henrik Becker

Meine letzte Langzeitbetrachtung für den Rentenkontrakt liegt inzwischen sechs Monate zurück, doch hat die damalige Sichtweise nichts an Aktualität eingebüßt. Der Bund-Future befindet sich demnach in einer seit Mitte´16 laufenden Korrektur. Diese Korrektur verfügt zudem noch über das Potenzial einen Wellenabschluß; einen Trendwechsel herbeizuführen. Ganz so weit ist die Performance noch nicht gediehen, doch sollte auch diese zudem noch sehr realistische Variante ins Kalkül gezogen werden.

(Charts durch anklicken vergrößern)

Ausblick:


Die seit fast zwei Jahren laufende Korrektur bildet sich offenbar als Triangle (
ABCDE) als große Welle (B) aus und befindet sich momentan in Welle (B). Diese sich dreiteilig (abc) ausformende Welle formt ihrerseits die finale (c) aus. Der Abschluß von (c) wird noch etwas auf sich warten lassen. Aber dazu nehme ich wie immer auf der folgenden Seite näher Bezug. Das eigentliche Ziel der großen (B) liegt im Bereich des 0.62 Retracements bei 148.81 Prozent. Zusätzliche Unterstützung erfährt diese Lesart durch die auf gleichem Niveau liegende untere Trendkanallinie.

Derzeit steht der Rentenkontrakt unmittelbar vor einer ebenfalls sehr widerstandsfähigen Barriere: dem 0.38 Retracement bei 156.47 Prozent. Auch wenn ich den unvermittelten Bruch dieser Linie nicht erwarte, wird der Widerstand nicht unendlich aufrechterhalten zu sein. Nach Abschluß von (B) wird sich der Index wieder sehr deutlich stabilisieren können und Welle (C) ausbilden. Das unterhalb liegende Zeitlineal gibt Anhaltspunkte über den Abschluß der einzelnen Wellen. Der Abschluß des Triangles ist demzufolge nicht vor Ende 2021 bis Mitte 2022 zu erwarten.

Da sich diese Konstellation (abc) von Welle (B) nicht als Impulswelle darstellt, ist von einem Durchbrechen, oder gar einem crashartigen Verhalten des Bund-Futures, nicht auszugehen. Vielmehr wird hierdurch der Trianglevariante Rechnung getragen. Erst durch einen eventuellen Bruch des 0.62 Retracements (148.81 Prozent) würde das Pendel in Richtung Crash ausschlagen. Die Folge hiervon wäre der sofortige Abverkauf bis in den Bereich um 140 Prozent als erste Phase eines sehr langen Trends.

Momentan bildet der Bund-Future Welle (3) der größeren (c) aus. Allein der Schlußkurs unter der Unterstützung bei 158.33 Prozent (1.00 Retracement) ist ein sehr sicheres Indiz auf sich weiter fortsetzenden Verkaufsdruck. In dessen Folge wird der Index zeitnah bis zur nächsten Unterstützungslinie bei 154.88 Prozent (1.62 Retracement) fallen. Den Bruch dieser schon fast existenziellen Kursmarke erwarte ich indes nicht. Jedenfalls nicht im ersten Anlauf, denn von diesem Niveau aus muß sich Welle (4) ausbilden.

Sollte sich diese Unterstützung als nicht tragfähig erweisen, würde sich das Bild noch einmal eintrüben. An den kommenden Tagen kann sich eine kleinere Aufwärtsbewegung einstellen. Mit Überschreiten des kleinen 0.24-Retracements bei 158.83 Prozent, wird diese kleine Korrektur ins Leben gerufen. Das dieser Bewegung zur Verfügung stehende Potenzial reicht maximal bis zum Widerstand bei aktuell 161.38 Prozent, dem 0.62 Retracement. Selbst ein eventuelles Überschreiten dieser Barriere würde noch keinen Befreiungsschlag aus der Korrektur bedeuten.

Dieser kleine Trend nimmt allerdings keinen Einfluß auf das größere Geschehen. Erst oberhalb des in der Hierarchie sehr hoch angesiedelten 1.62 Retracements (166.97 Prozent) würde eine gewisse Aufhellung der Ausgangslage bewirken. Mehr aber auch nicht. Eine grundlegende Wendung hin zu besseren Tagen kann ich dem Chart nicht entnehmen. Zudem kann die weitere Entwicklung auch bewirken, daß die aktuelle Welle (B) sich lediglich als erste Unterwelle einer komplexeren Formation als dem Triangle herausstellt.

Fazit:


Der Bund-Future befindet sich tief im Korrekturmodus. Aller Voraussicht nach wird der Index diesen Zustand auch an den kommenden Jahren nicht verlassen. Zeitnah werden sich die Verluste weiter fortsetzen, ohne indes ein dramatisches Szenario heraufzubeschwören. Für den kurzen Bereich wird über dem
0.24 Retracement (aktuell 158.83 Prozent) ein kleines Kaufsignal geliefert. Für größere Zeitebenen ist ein derartiges Signal nicht zu erwarten. Sichern Sie Ihre Positionen auf dem 1.62 Retracement bei 154.88 Prozent oder auf der unteren Trendlinie ab.

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Allgemein

EZB ebnet argumentativen Weg für lang anhaltende Rettungsmaßnahmen

Claudio Kummerfeld

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Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Seit der Finanzkrise 2008 veranstaltet die EZB ein Anleihekaufprogramm nach dem nächsten. Die Zinsen sinken im großen Bild gesehen immer weiter. Egal wie gut es der Konjunktur in der Eurozone zwischen 2008 und 2020 wieder ging. Die EZB druckte immer weiter Geld, kaufte immer weiter Anleihen. Länder wie Italien wurden mit EZB-Geld und immer weiter sinkenden Zinsen am Leben erhalten. Nach der Krise war vor der Krise.

Und nun, kommt nach der Coronakrise (die Impfstoffe kommen ja bald) wieder die nächste Krise, nämlich die Rettung der überschuldeten Unternehmen? Deswegen muss die EZB (wie es auch die Fed macht) zusammen mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten immer weiter retten, retten und retten. Denn ja, wir wissen es alle. Mit gigantischen Kreditprogrammen, Zuschüssen, Kurzarbeitergeld uvm werden in Europa die Nöte der Coronakrise gemildert, und Probleme optisch versteckt. Am besten erkennt man das beim Thema Kurzarbeitergeld. In Deutschland wurde die ausgeweitete Funktion dieses Instruments erst letzten Freitag im Bundestag bis Ende 2021 verlängert – welch ein Zufall, bis zur Bundestagswahl kann die Kurzarbeit in ihrer jetzigen Form also weiterhin als neuer Dauerzustand für eigentlich arbeitslose Arbeitnehmer genutzt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

EZB kommt mit „Nicht zu früh aufhören“-Argumentation

Aber zurück zur EZB. Die einfache wie auch clevere Aussage der EZB lautet am heutigen Montag (frei und sinngemäß zusammengefasst): „Wenn wir die Hilfen zu früh einstellen, gefährden wir den Erfolg“. Tja, und wann das Ende der Hilfen angebracht ist, das ist bei der EZB bekanntermaßen eine sehr dehnbare Ansichtssache (siehe Anleihekäufe seit 2008 bis heute – hier eine wunderschöne historische Übersicht zu dem Thema). Im Rahmen ihres heute veröffentlichten Finanzstabilitätsberichts hat die EZB auch einen einzelnen Artikel veröffentlicht, bei dem es um die „Bewertung von Schwachstellen von Unternehmen“ in der Eurozone geht.

Und die Schwachstelle scheint offenbar darin zu bestehen, dass EZB und Regierungen ihre Hilfsprogramme zu früh auslaufen lassen könnten. Man sieht die Probleme wohl auch vor allem beim Zugang zu Krediten und bei steigenden Finanzierungskosten. Die Unterstützung durch die Geldpolitik der EZB habe dazu beigetragen, die tatsächlichen Insolvenzen bisher unter Kontrolle zu halten. Staatliche Kreditgarantien und Konkursmoratorien hätten eine groß angelegte Welle Unternehmenspleiten verhindert. Aber eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen könnte gezwungen sein Konkurs anzumelden, wenn diese Maßnahmen zu früh aufgehoben werden oder die Kreditvergabebedingungen der Banken verschärft werden, so die heutige Aussage der EZB. Tatsächlich deute die historische Ko-Bewegung des Anfälligkeitsindikators mit den Unternehmensinsolvenzen und dem BIP-Wachstum darauf hin, dass sowohl die Regierungspolitik als auch die niedrigen Fremdfinanzierungskosten dazu beigetragen hätten, die Auswirkungen der Verschlechterung des Gesundheitszustands der Unternehmen auf die tatsächliche Zahl der Insolvenzen zu dämpfen – auch wenn die Auswirkungen je nach Land, Sektor und Unternehmensgröße unterschiedlich seien.

Dieser neu entwickelte Indikator mache laut EZB deutlich, dass die Anfälligkeit des Unternehmenssektors auf ein Niveau gestiegen ist, das zuletzt während der Staatsschuldenkrise im Euroraum beobachtet wurde. Finanzierungsrisiken hätten sich dank verschiedener Unterstützungsmaßnahmen bisher nicht materialisiert, aber die Anfälligkeit der Unternehmen könne weiter ansteigen und ein Niveau erreichen, das während der globalen Finanzkrise beobachtet wurde. Insbesondere wenn die zweite Welle der Pandemie die wirtschaftliche Erholung zum Stillstand bringe und das Wachstum schwächer ausfällt als prognostiziert, könnte ein frühzeitiger Ausstieg aus den Stützungsmaßnahmen schließlich zu einem deutlichen Anstieg der Unternehmenskonkurse führen, mit Auswirkungen auf die Finanzstabilität auch für die Banken im Euroraum, so die EZB.

Aus Rettung wird Dauerzustand

Tja, haben sie es auch rausgelesen? Diese Aussagen (wie auch jüngst die Warnung von Christine Lagarde vor der Rezession) bieten die perfekte Vorlage, damit KfW-Kredite, Null- und Negatzvinsen, Kurzarbeitergeld, Anleihekäufe in Billionenhöhe etc immer so weitergehen, Jahr für Jahr. Nicht denkbar? Nochmal, ich möchte erinnern an die letzten zwölf Jahre seit der Finanzkrise! Natürlich sind viele Maßnahmen sicherlich gut und richtig wie die KfW-Kredite, Zuschussprogramme etc. Aber vor allem was die EZB da anrichtet mit ihren Kaufprogrammen und abgeschafften Zinsen. Diese Maßnahmen, wenn sie jahrelang immer weiter beibehalten werden, schaffen ein Gesamtumfeld, das nicht mehr ohne zinslose Kredite leben kann, und Staaten die nicht mehr ohne negative Anleiherenditen leben können. Man gewöhnt sich an diese schöne neue Welt sehr schnell – oder besser gesagt, man hat sich längst daran gewöhnt. Ein Ende dieser Geldpolitik der EZB, ist die überhaupt noch vorstellbar bei der Schuldenexplosion bei Staaten und Unternehmen? Entweder immer so weitermachen, oder man riskiert einen großen Knall.

EZB-Grafik zur Verwundbarkeit der Unternehmen
Grafik: EZB

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Anleihen

China hält immer weniger US-Staatsanleihen – warum das kein Problem ist

Claudio Kummerfeld

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US-Flagge

China hält immer weniger US-Staatsanleihen. Laut aktueller Veröffentlichung des US-Finanzministeriums hielt China im Monat September ein Volumen von 1,061 Billionen US-Dollar. Vor genau einem Jahr waren es noch 1,102 Billionen Dollar. Der aktuelle Stand ist der niedrigste Wert seit drei Jahren. Der folgende Chart  zeigt, dass die Tendenz seitdem stetig fallend ist. Will sich da jemand unabhängig vom US-Dollar machen?

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Man kann gleich aus zwei Gründen sagen, dass diese Entwicklung für die USA als gigantischer Neuschulden-Aufnehmer kein echtes Drama darstellt. Denn die folgende Detailgrafik mit den aktuellsten Daten zeigt, dass das Volumen von US-Staatsanleihen, das durch ausländische Eigentümer gehalten wird, binnen Jahresfrist sogar gestiegen ist von 6,92 auf 7,07 Billionen Dollar.

Und zweitens kauft die US-Notenbank Federal Reserve genau wie die EZB und zahlreiche andere Notenbanken derzeit ja in gigantischem Ausmaß die Schulden des eigenen Landes auf. Nur so können die Länder in dieser Coronakrise massiv neue Schulden machen, und das auch noch mit traumhaft günstigen Konditionen. Seit Beginn der Coronakrise im März hat die Fed für 2 Billionen Dollar US-Staatsanleihen aufgekauft. Noch Mitte Februar lag die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen bei 1,57 Prozent. Jetzt sind es 0,86 Prozent.

Grafik zeigt die größten ausländischen Eigentümer von US-Staatsanleihen

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Allgemein

Logik der Transferunion: Fünf-Sterne fordern EZB zu Schuldenerlass für Italien auf

Claudio Kummerfeld

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Geld aus dem nichts von der EZB?

Die mit in der italienischen Regierung sitzende Fünf-Sterne-Bewegung hat heute in einem Blog-Eintrag die Europäische Zentralbank dazu aufgefordert, dass sie Italien einfach Schulden erlassen solle. Aber halt. Wie, was, warum? Die EZB kauft seit Jahren in Billionen-Höhe Anleihen von Euro-Mitgliedsstaaten auf, so auch die von Italien. Offiziell nicht, aber de facto werden die Regierungen von der EZB durchgefüttert (Staatsfinanzierung), mit oft nicht mehr vorhandenen Zinsen.

Und in der Coronakrise hat die EZB nochmal kräftig nachgelegt mit neuen Aufkaufprogrammen in Höhe von 1,35 Billionen Euro. So konnten die Länder in der Eurozone sich in der Coronakrise weiter kräftig verschulden, und die EZB stand als Aufkäufer am Anleihemarkt stets parat. Nun soll die EZB laut Fünf-Sterne-Bewegung Italien doch bitte diejenigen Schulden erlassen, die mit der Schuldenaufnahme für die Bewältigung der Coronakrise zu tun haben. Laut dem Blog-Eintrag gehe es um eine Summe von 140 Milliarden Euro, die bis Jahresende noch auf 200 Milliarden Euro steigen werde.

Die Fünf-Sterne-Bewegung deutet auch an, dass man sich am liebsten die Streichung aller italienischen Schulden wünscht, die von der EZB gehalten werden. Aber doch auf jeden Fall diejenigen, die mit Corona zusammenhängen. Denn das wäre leicht machbar und fair. Tja, so ist das im sozialistischen Märchenland. Man nimmt Kredite auf, die man eh nicht zurückzahlen will. Und in diesem Fall… was soll´s, die EZB gehört ja eh den Mitgliedsstaaten, also auch Italien? Daher kann man praktisch selbst Geld drucken, es an sich selbst verleihen, und dann sich selbst (über das Vehikel der EZB) die eigenen Schulden erlassen?

So einfach geht Politik im linken Märchenland, wo Geld aus dem Nichts entsteht, wo es nicht erwirtschaftet werden muss, und wo aus so einer Vorgehensweise keinerlei Probleme entstehen. Und natürlich, da kann man sich sicher sein… selbst wenn die EZB diese Forderungen gegenüber Italien wirklich streichen würde (was nicht passieren wird), dann wäre dies nicht die letzte derartige Forderung. Dann würde es heißen: Schaut her, es geht doch. Dann kann die EZB von nun an auch als Dauer-Einrichtung neue Anleihen kaufen, und danach auf die Rückzahlung der Forderungen verzichten. Dass die EZB dann selbst Verluste in Billionenhöhe anhäufen würde, welche wiederum Italien und alle anderen Eigentümer der EZB zu bezahlen hätten… egal.

Der Chefvolkswirt der Commerzbank twitterte zu dieser Forderung aus Italien vor wenigen Minuten, dass dies die politische Logik der Transferunion sei. Ja, was soll man dazu noch sagen? Erst das Geld nehmen, und dann nicht zurückzahlen wollen, weil man es sowieso nie vor hatte. Das Geld entsteht ja irgendwo im luftleeren Raum. Aus der Illusion wird eine Wirklichkeit. Wo ist also das Problem, wenn man diese Schulden einfach streicht? So einfach und angenehm ist diese linke Sichtweise auf komplexe finanzielle Zusammenhänge.

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