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China: Immobilienkrise und Ukraine-Krieg bringt Wirtschaft in Gefahr

Wie stark bringt die Immobilienkrise in China die Wirtschaft im Reich der Mitte in Gefahr? Welche Rolle spielt der Ukraine-Krieg?

China - Immobilienkrise und Ukraine-Krieg

Wie stark bringt die Immobilienkrise in China die Wirtschaft im Reich der Mitte in Gefahr? Welche Rolle spielt der Ukraine-Krieg für die wirtschaftliche Entwicklung in China?

In Peking finden seit Freitag die sogenannten „Zwei Sitzungen“ statt. Diese besteht aus der Sitzung des Nationalkongresses (NPC) und des Ausschusses der Politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes (CPPCC). Dabei verkündete der chinesische Premier Le Ke Qiang ein Wachstumsziel des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 5.5%. Trotz der niedrigen Zielsetzung, der niedrigsten seit 1991, erscheint dieses Ziel im gegenwärtigen Umfeld als ambitioniert.

Immobilienkrise: BIP-Fantasiezahlen in China

BIP-Wachstumszahlen sind in China seit jeher eher Fantasiezahlen der politischen Führung und haben mit der Realität nur bedingt etwas zu tun. In der Vergangenheit wurden diese Zahlen je nach Opportunität entweder nach unten oder oben korrigiert. Aber selbst nach den Veröffentlichungen aus dem Führungszirkel klingen sie sehr hoch. So hieß es schon im Umfeld eines Planungstreffen von hochrangigen Vertretern, dass die Wirtschaft 2022 unter „dreifachem Druck“ stehe. Unter anderem durch sinkende Nachfrage, Lieferengpässe und schwache Erwartungen wegeen der Immobilienkrise – das alles wird nicht gerade besser durch den Ukraine-Krieg.

Eigentlich sollte 2022 im Zeichen der wirtschaftlichen Erholung stehen, die Post-Covid Zeit sei angebrochen. Derzeit verzeichnet China allerdings die höchsten Ansteckungsraten seit Monaten. Und dies, obwohl – wie Premier Le Ke Qiang bei seinem Rechenschaftsbericht betonte – mittlerweile über 85% der Bevölkerung zweifach gegen Corona geimpft seien. Die „flexible Null-Covid“-Strategie verlangt eine strenge Abschottung der Ausbruchsorte. Diese „flexible Null-Covid“-Strategie hemmt in immer mehr Hochrisiko-Gebieten die wirtschaftliche Erholung: Reisen können nicht verlässlich angetreten werden. Wer Pech hat, findet sich in einem teilweise wochenlangen Lockdown wieder. Privat- und Geschäftsreisen werden daher minimiert. Die Reisewelle zum diesjährigen Neujahrsfest sah nur 75% des Reiseaufkommen im Vergleich zur Vor-Corona-Periode.

Die Lieferketten werden häufig unterbrochen, nicht nur regional, sondern auch international, wenn die großen Häfen, wie Tianjin, Ningbo oder Shenzhen schließen. Es scheint im Moment nicht so, dass China die Pandemie wirklich unter Kontrolle bekommt.

Die große Baustelle in China – der Konsum

Corona drückt auch auf die zweite große Baustelle in China: Den Konsum. Im Dezember wuchs der Konsum nur noch um 1,9% im Vergleich zum Vorjahr. Beijing will auch im Jahr 2022 den Konsum durch mehrere Maßnahmen stimulieren, wie z.B. Verbrauchermessen und Unterstützung des Hospitality-Sektors, also Catering- und Touristikunternehmen, Gaststätten und Hotels. Im Januar blickten die chinesischen Verbraucher leicht positiver in die Zukunft. Der Consumer Confidence Index stieg leicht auf 121.5 Punkte, der höchste Stand seit Oktober 2021. Gleichzeitig fielen aber die Konsumausgaben leicht um 0.18% gegenüber dem Vormonat.

Die Autoverkäufe – ein wichtiger Indikator für das Verbraucherklima – fielen im Januar um 4.4% im Jahresvergleich. Für die Hersteller von Konsumgüterprodukten wäre ein Wachstum des Konsums auch ein zweischneidiges Schwert: Die Produktionskosten (Erzeugerpreise) in China steigen – im Januar um 9,5%, zugleich können aber höhere Preise für die Endkonsumenten nicht durchgesetzt werden. Im Januar lag die Steigerungsrate gerade bei 0.9%. Le Ke Qiang nannte bei seinem Rechenschaftsbericht als Ziel für die Inflation ca. 3%.

Immobilienkrise als größtes Problem für China

Das größte Problem stellt für China aber die wachsende Immobilienkrise dar. Im Januar fielen die Verkäufe gemessen am Wert von Häusern in erster Hand um 39.6% und im Februar sogar um 47.7%. Gemessen an der Fläche um 32%. Anhand dieser Zahlen ist eine Preissteigerung von offiziell 0,03% eher unrealistisch. Banken und lokale Behörden versuchen die Hauskäufe zu stimulieren, indem sie leichtere Bedingungen für Kredite gewähren. Da aber ein Hauskauf in der Vergangenheit oft ein Spekulationsobjekt war, warnte nun Guo Shu Qing, Vorsitzender der chinesischen Banken- und Versicherungsregulierungskommission auf einer Pressekonferenz am Mittwoch, dass fallende Preise – so wörtlich – eine „große Finanzkrise“ auslösen könne.

Die Immobilienkrise wird auch dadurch verschärft, dass die Urbanisierungsrate im letzten Jahr um weniger als 1% wuchs. Dies stellt die geringste Rate seit 25 Jahren dar. Während einige Zentren noch ein gesundes Bevölkerungswachstum aufweisen – wie Shanghai, Shenzhen, Guangzhou, Chengdu, Hangzhou, Wenzhou oder Beijing – wandert aus anderen Städten die Bevölkerung ab.

Ein geringeres Bevölkerungswachstum der Städte aber zieht mehrere nachteilige Effekte nach sich: Geringer wird die Nachfrage nach weiteren Arbeitskräften: Weniger Bauarbeiter, die weniger Wohnungen schaffen – was die Immobilienpreise weiter senken wird – weniger Infrastrukturprojekte, weniger Haushaltshilfen und weniger Kurierfahrer, die den Mittelstand mit Essen und Konsumgüter versorgt. Die Immobilienkrise in China könnte also durchaus eine Abwärtsspirale für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt in Gang setzen – mit Folgen für die Weltwirtschaft!

Bei all diesen Betrachtungen sind die Herausforderungen, die der Ukraine-Krieg wohl noch schaffen wird, noch nicht einmal eingeschlossen..



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3 Kommentare

  1. Da paßt doch gleich ein Tipp:

    Alexandra Cavelius
    China-Protokolle

    Aber nicht jammern hinterher, nix für Zartbesaitete!

  2. Das bedeutet, auch bei uns wird es „enger„ werden. letztlich ist dies doch auch das Ziel der Grünen.
    Wie auch immer, es wird echt schwieriger werden.

  3. Dieses Puzzle-Teil fehlte irgendwie noch bei dem „Perfect Storm“-Drama…

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