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Das Billionen-Dollar-Risiko oder der Irrtum des US-Präsidenten – Warum der US-Aktienmarkt Stärke und zugleich Achillesferse der US-Wirtschaft ist

Wo Trump und die USA besonders anfällig sind: was, wenn ein Bärenmarkt kommt?

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Eine Kolumne von Wolfgang Müller

Die Marktkapitalisierung der Wall Street

Diese Zahlen sind beeindruckend und furchteinflößend zugleich. Gemäß der Liste der World Federation of Exchanges betrug die Marktkapitalisierung der US-Börsen im Juli 2018 sagenhafte 39,4 Bio.$ (NYSE 24 Bio., Nasdaq 12,3 Bio.), dies entsprach einem Anteil von 45% an allen Weltbörsen (84,9 Bio.). Trotz des Einbruchs der Märkte seit Oktober hat sich diese Relation noch wenig verändert. Dies offenbart eine unglaubliche Dominanz der Amerikaner im Weltfinanzsystem. Für viele Amerikaner ist der Aktienmarkt die Quelle des Wohlstands, vom Durchschnittsbürger mit kleinem Aktiendepots und 401k Altersvorsorgeplan bis hin zum Großinvestor im Finanzsystem.

Nach einer Bilanz der Fed ist das Aktienvermögen der US-Bürger derzeit höher als das Immobilienvermögen (25% zu 24%), dergleichen gab es seit dem 2. Weltkrieg nur zwei Mal – 1968 und 1999. Aber daraus ergibt sich eben auch zwangsläufig eine große Abhängigkeit des gefühlten Reichtums der Bevölkerung im Wirtschaftsland Nummer eins vom Zustand der Wall Street.

Dies wird ein weiteres Mal sichtbar, wenn man sich nur die Entwicklung der Indizes seit dem letzten Tief im Frühjahr 2009 ansieht – in groben Zahlen Anstieg Dow Jones von 6500 auf fast 27000. Was bedeutet dies nun für die Vereinigten Staaten und deren Präsidenten, der mit einem Wahlspruch angetreten ist „Make America great again!“? Ein Riesenproblem, denn die bisherige Dominanz ist nicht durch ein protektionistisches Industrie-Gebaren entstanden, sondern durch den Multi-Lateralismus, der die größten Talente in die Staaten zog, einer Welt, die den Dollar als uneingeschränkte Weltleitwährung (auch als Handelswährung) akzeptierte, die auf die USA als verlässlichen Handelspartner setzte und die die US-Börsen als das Finanzzentrum erachtete, in dem man gelistet sein musste. Dies alles wird durch Donald Trump jetzt in Frage gestellt und es wird nach meiner Meinung auch die Börsenhausse beenden. Im Börsenumfeld liegt das Problem für den Präsidenten, der wiedergewählt werden will und nicht die Thematik des Handelsdefizits der USA über ein paar hundert Milliarden Dollar mit anderen Staaten.

 

Und was, wenn ein Bärenmarkt kommt?

Aus folgenden Überlegungen wird die Achillesferse Wall Street für die Trump-Administration deutlich. Sollten die US-Märkte infolge der Handelskrieges in einen Bärenmarkt rutschen (mehr als -20%), so beträgt der Vermögensverlust für die Anleger bereits 8 Billonen Dollar – einer Summe, die fast dem Wert aller Immobilienschulden in den USA entspricht. An Kursrückgängen von 30 oder 50% erst gar nicht zu denken. Deshalb wird sich ab einer bestimmten Verlusthöhe ein altbekannter Mechanismus einsetzen, der jetzt anhand der Zahlen des US-Verbraucherindex (Uni Michigan Verbrauchervertrauen 97,5 Punkte) noch völlig verdrängt wird.

Die US-Konsumenten werden sich ärmer fühlen und ihren Konsum reduzieren (müssen). Die Folgen sind in einer Ökonomie, die zu 70% von der Konsumsucht seiner Bürger abhängt klar: Umsatzrückgänge, Restrukturierungsmaßnahmen der Firmen, Abstufung der Börsenbewertungen und zuletzt die kausale Folge, die dem Präsidenten am meisten wehtut – der Anstieg der Arbeitslosigkeit. Donald Trump hatte mehrfach von sich behauptet, er werde als 45. Präsident derjenige sein, der von allen am meisten Arbeitsplätze in den USA schaffen wird (the best ever, eben). Und der 2020 wiedergewählt werden will – whatever it takes, once more.

Wenn der Schmerz zu groß wird, ändert Trump die Strategie!

Damit wird die Bedeutung der Aktienmärkte für das Land und seiner Bürger überdeutlich.

Daher meine Annahme: Ab einer bestimmten Verlustgröße wird es einen totalen Schwenk in der Strategie von Donald Trump und Fed-Chef Powell geben, um die oben beschriebene Kausalkette zu stoppen.

Da wird der Schutz geistigen Eigentums der USA erst einmal egal sein, inklusive der großen Behauptung, dass Handelskriege leicht zu gewinnen seien.

Amerika hat sich im letzten Jahrzehnt – nicht zuletzt mit dem Anstieg der Börsenkapitalisierung von 10 auf 40 Billionen Dollar (!) – unglaublich abhängig vom Kapitalmarkt gemacht. Es gelten dort mehr denn je die Sprüche: „Money makes the world go round“ und „kein Präsident regiert gegen die Interessen der Wall Street“. Deshalb habe ich vor ein paar Monaten schon einmal scherzhaft kommentiert: Die Amerikaner leben nicht im Zeitalter des Anthropozäns, sondern im selbst geschaffenen „Monetezän“.

Ich wage deshalb die Behauptung, dass es im kommenden Jahr im Weißen Haus sehr, sehr hektisch zugehen wird.

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