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Die eigentliche Botschaft des Fed-Protokolls

Von Markus Fugmann

Das gestrige Fed-Protokoll wurde vor allem im Hinblick auf die Frage gelesen, ob die Notenbank die Zinsen im Dezember anheben wird oder nicht. Die Tendenz scheint klar in diese Richtung zu gehen, auch wenn „einige“ Mitglieder des FOMC sich über die zu geringe Inflation Sorgen zu machen scheinen.

Auffällig aber ist, dass das Protokoll gestern eine sehr lange Anfangspassage von ca. 600 Wörtern enthielt, die sich mit dem Thema der „realen“ oder „normalen“ Zinsen beschäftigt (die sogenannte „the equilibrium real interest rate“, das wissenschaftliche Kürzel dafür lautet „r*“). Derzeit, so stellt das FOMC fest, liegt der normale Zins nahe Null und damit tiefer als „normal“. Bislang ist die Fed davon ausgegangen, dass der „normale“ Zins bei 3,5% liegen müsste. Aber im gestrigen Fed-Protokoll findet sich folgende Passage:

„The longer-run downward trend in real interest rates suggested that short-run r* would likely remain below levels that were normal during previous business cycle expansions, and that the longer-run normal level to which the nominal federal funds rate might be expected to converge in the absence of further shocks to the economy—that is, the level that would be consistent, in the long run, with maximum employment and 2 percent inflation—would likely be lower than was the case in previous decades.“

Das klingt zunächst einmal etwas kryptisch, und wir wollen Sie nicht mit den dahinter stehenden volkswirtschaftlichen Theorien belasten. Wichtig ist vielmehr, dass die Fed damit signalisiert, dass der „normale“ Zins von 3,5% in diesen Zeiten nicht mehr bei 3,5%, sondern tiefer liegen wird, etwa bei 2%.

Die Fed selbst veröffentlicht in ihren Statements die sogenannten „dot plots“, also eine Projektion, wie sich der Leitzins in den USA entwickeln wird. Die lange Passage zu Beginn des Fed-Protokolls bedeutet also faktisch, dass die Fed zwar durchaus nach einem ersten Schritt die Zinsen weiter anzuheben gedenkt, aber deutlich weniger (also nicht mehr auf 3,5%), als sie das früher kommuniziert hatte. Zu vermuten ist nach diesen Aussagen des Fed-Protokolls – die sich ähnlich schon in einer Rede des New Yorker Fed-Chefs Dudley vor einer Woche finden – dass etwa bei einem Leitzins von 2% Schluß sein wird.

Und genau das ist die eigentliche Botschaft des gestrigen Fed-Protokolls – und erklärt vielleicht die gestrige Rally an den Aktienmärkten sowie die Schwäche des Dollars nach dem Fed-Protokoll..



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