Devisen

Die EZB macht ernst

Mario Draghi hatte es auf der Pressekonferenz nach der EZB-Sitzung angedeutet: man sei bei der nächsten Sitzung bereit zu handeln. Und die Hinweise, dass das wirklich passieren wird, verdichten sich immer mehr.

So steckte gestern ein „Insider“ dem Wall Street Journal“, dass die Bundesbank ihren Widerstand gegen negative Einlagezinsen und den Kauf von verbrieften Bankkrediten aufgegeben habe. Heute dann der nächste Paukenschlag: in einem vorab veröffentlichten Interview mit der „Zeit“ sagte der Chefvolkswirt der EZB, Praet, „negative Einlagenzinsen sind ein möglicher Teil einer Kombination von Maßnahmen“. Damit würden Banken für das Parken von Liquidität sogar zahlen müssen – die (wenig begründete) Hoffnung dabei ist, dass die Banken dann lieber Kredite vergeben, statt das Geld bei der EZB zu parken.

„Wir bereiten eine Reihe von Dingen vor. Wir könnten den Banken erneut für einen längeren Zeitraum Geld leihen, möglicherweise gegen Auflagen. Wir könnten die Zinsen noch einmal senken. Auch eine Kombination mehrerer geldpolitischer Instrumente ist denkbar“, so Praet gegenüber der „Zeit“.

Gleichzeitig aber erteilte der Chefvolkswirt der EZB eine Absage an Anleihekäufen nach dem Muster der Fed oder Bank of Japan:  „Ich denke, dazu würde es erst kommen, wenn sich die Konjunktur und die
Inflation in der Euro-Zone deutlich schlechter entwickeln als von uns erwartet“.

Die Devisenmärkte haben das von Praet angedeutete Szenario bereits eingepreist: der Euro fiel von knapp 1,40 gestern auf ein Tief bei 1,3690. Was aber würde passieren, wenn der Euro bis zur nächsten EZB-Sitzung weiter abwertet? Praet hat gegenüber der „Zeit“ noch einmal explizit betont, dass ein steigender Euro die Inflation weiter drücken würde. Je weiter sich nun der Euro von seinen Hochs entfernt, desto geringer wird daher der Handlungsdruck für die EZB..



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