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Devisen

Druckt Athen unkontrolliert Euros? Ein Anruf bei der EZB

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Von Stefan Kasper-Behrs und Markus Fugmann

Gestern meldete die Chefin des griechischen Bankenverbandes, Louka Katseli, dass die Geldversorgung der Bankautomaten in Griechenland noch bis Montag gesichert sei:

„Wir wissen, dass alles bis Montag gesichert ist“, so Katseli gegenüber dem griechischen Fernsehsender Skai TV.

Diese Aussage hat uns stutzig gemacht. Zuvor nämlich hatten griechische Banken-Insider immer wieder betont, dass die Geldversorgung der Bankautomaten bis maximal Mitte der laufenden Woche sichergestellt sei. Und diese Insider hatten zuvor stets zuverlässige Informationen – etwa über die täglichen Abhebungen der Griechen von ihren Konten. Haben sich diese Insider diesmal gravierend geirrt? Möglich. Aber nicht sehr wahrscheinlich. Was wäre denn, wenn Athen einfach weiter Euros druckt? Kann die EZB das wirklich kontrollieren, was in der Euro-Druckerpresse in Athen vor sich geht? Jedes Land der Eurozone kann ja bekanntlich Euros drucken – in einem mit der EZB abgestimmten Rahmen. Nun aber herrscht in Griechenland eine Notlage – was wäre passiert, wenn aus den Geldautomaten keine Euros mehr kommen? Ein Aufstand, Tumulte, Plünderungen etc. Das alles galt es natürlich zu vermeiden. Athen hatte und hat also ein massives Interesse daran, dass die Geldautomaten weiter Euros ausspucken (und seien es nur die maximal möglichen 60 Euro pro Tag). Der Verdacht liegt nahe, dass sich Griechenland seine dringend benötigten Euros derzeit einfach selbst druckt – mit oder ihne Wissen der EZB.

Kann die EZB aber wirklich kontrollieren, ob Griechenland derzeit mehr Euros druckt, als es eigentlich dürfte? Diese Frage hat uns umgetrieben – also riefen wir die EZB an!

EZB Eurotower
Sitz der EZB: der Eurotower
Foto: Simsalabimbam, CC BY-SA 3.0

Am Telefon der EZB meldet sich eine Dame mit „Die public inquiry der EZB“. Nette Stimme, leicht hessischer Akzent – wir sind überrascht, hatten erwartet, das Gespräch auf englisch zu führen.

Wir stellen uns freundlich vor – und kommen gleich zur Sache:

finanzmarktwelt.de: Alle Staaten der Eurozone haben doch eine eigene Euro-Notenpresse?!

public inquiry der EZB: Ja, das stimmt.

finanzmarktwelt.de:: Gibt es Kontrollmechanismen die dafür sorgen, dass wenn z.B. Deutschland 24 Stunden am Stück Euronoten druckt, dass das unterbunden wird?

public inquiry der EZB: Es ist natürlich so geregelt, dass ohne die Erlaubnis der EZB nicht einfach gedruckt werden darf.

finanzmarktwelt.de: Das ist klar, aber wenn da jetzt jemand in Deutschland zum Beispiel sagt: es ist mir egal, wir drucken jetzt was das Zeug hält!

public inquiry der EZB: Das wäre eine kriminelle Tat, die wird mit Sicherheit auch bestraft. Aber ich sag jetzt mal: ob es da Kontrollen gibt als solches, also dass da ein Kontrolleur ist .. ich nehme mal an, Sie zielen auf Griechenland ab?

finanzmarktwelt.de: Das haben Sie gesagt! Gibt es elektronisch eine Kontrolle, so dass da jemand über das Internet sehen kann, ob alles okay ist?

public inquiry der EZB: Das ist sicherlich ein Teil der sogenannten Sicherheitmechanismen und darüber werden wir natürlich nicht kommunizieren. Ich würde ihn jetzt folgenden Vorschlag machen. Sie schicken uns eine E-Mail, wir geben das noch einmal an die Banknoten-Abteilung ab und in wieweit es da Informationen gibt, ich kann ihn da nur Informationen…. meines Kenntnistandes nach gibt es keine Kontrollen (Hervorhebung von finanzmarktwelt.de). Es würde dann wahrscheinlich einfach anhand der Seriennummer gesehen: Ok, da hat Griechenland gedruckt. Ob da jetzt sag ich mal Leute vor Ort sind oder die anhand irgendwelcher Features aufgespürt wird..kann ich ihnen jetzt keine Auskunft geben. Ich gebe ihnen jetzt mal die Mail an der sie ihre Frage schicken. info@ecb.europa.eu..

Wir bedanken uns freundlich für das Telefonat – und senden unsere Anfrage wie mit der Dame von der EZB besprochen, an die angegebene Email-Adresse. Bislang haben wir noch keine Antwort bekommen..

Nun gibt es drei Möglichkeiten:

1. Die Insider haben sich geirrt, das Geld reicht doch länger als gedacht (nicht sehr wahrscheinlich)

2. Athen druckt Euros ohne Wissen der EZB – um ein Chaos im Land zu vermeiden. Ein sehr nachvollziehbares Motiv!

3. Die EZB weiss, dass Athen mehr Euros druckt als erlaubt – weil auch sie ein Interesse daran hat, dass in Griechenland kein völlig unkontrollierbares Chaos ausbricht. Also wartet die EZB ab, ob es einen Deal zwischen Griechenland und den Gläubigern gibt – wenn ja, würde hinterher sowieso keiner mehr fragen, ob Athen ein paar Euro zuviel gedruckt hat..

Sobald wir eine schriftliche Antwort von der EZB haben – sofern sie denn kommt, die Sache ist durchaus delikat – werden wir Sie informieren!

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    joah

    10. Juli 2015 11:13 at 11:13

    „delikat“?! Nein, der geneigte Kritiker – gemeinhin als „Verschwörungstheoretiker“ wegtituliert – bezeichnet dies als hoch brisant, denn es wäre auf das gesamte Euro-System zu übertragen. Vollständiger Bilanzbetrug? Devisenmanipulation im übelsten Ausmaß?

    • Avatar

      joah

      10. Juli 2015 12:11 at 12:11

      mit was wollen die diese illegale und illegitime Bereicherung denn dann eigentlich „bestrafen“ – doch nicht etwa mit Geldsummen, oder?! Ein Schelm, wer …

  2. Avatar

    joah

    10. Juli 2015 11:52 at 11:52

    alles wiederholt sich (immer und immer wieder):

    noch 24,175Mrd. D-Mark im „Umlauf“:
    http://www.gevestor.de/news/millionen-d-mark-scheine-unter-deutschen-kopfkissen-18792.html

    Heckenmünzen in der Kipper- und Wipperzeit:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Heckenm%C3%BCnze

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      joah

      10. Juli 2015 11:59 at 11:59

      ich bitte um Verzeihung: es sind doch nur 13,6 Mrd. D-Mark – hatte mich verlesen.

  3. Avatar

    reiner tiroch

    10. Juli 2015 14:25 at 14:25

    also wenn Staaten so Pleite sind, aber Geld selber drucken fürfen, Kontrollen nicht stattfinden, und gelogen werden darf, ja wieviel geld haben dann alle Staaten bisher denn so nebenbei gedruckt? hehe

  4. Avatar

    Michael Leist

    10. Juli 2015 14:31 at 14:31

    Grieschenland soll heimlich Gold in London verkaufen um sich zu finanzieren! Siehe:
    http://www.mmnews.de/index.php/gold/49115-gr-verkauft-heimlich-gold

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      joah

      10. Juli 2015 14:44 at 14:44

      bisher nur angeliefert – erklärt folglich nicht die unerwartet hohe noch vorhandene Geldmenge vor Ort -, ABER noch nicht verkauft. Schlecht wäre es dennoch, denn genau darauf haben die es abgesehen und sie werden ihr Ziel sicherlich erreichen.

  5. Avatar

    irgendwer

    30. Juli 2015 16:11 at 16:11

    ECB von dort versuche ich seit 6 Wochen eine Auskunft zu bekommen,denn ich will wissen was die ECB mit den von ihr gekauften Anleihen vorhat,bis her schreibt man mir ,man werde sich Melden.
    Ich trage mich mit dem Gedanken bei der ECB anzurufen um heraus zu finden was mit den Schrottpapieren geschehen soll,denn ich fürchte,es wird so gehändelt wie man das mit Argentinien macht,dass wäre dann aber hochkriminell.
    mfg.

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Devisen

Goldpreis fällt weiter – Experte bringt das Problem auf den Punkt

Claudio Kummerfeld

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am

Gold Barren mit Adler und US-Dollar

Der Goldpreis fällt weiter. Dank immer neuer hoffnungsfroher Meldungen wegen den Corona-Impfstoffen nimmt die Euphorie der Anleger immer mehr zu, und sie schalten um in den Risk On-Modus (hier die Begriffserklärung). Man schaltet um, weg von sicheren Häfen wie Gold, und kauft wieder risikoreichere Anlageklassen wie Aktien. Vor genau einer Woche notierte der Goldpreis noch bei 1.868 Dollar. Letzten Freitag Abend waren es dann nur noch 1.786 Dollar, und jetzt aktuell 1.774 Dollar.

US-Dollar kann Goldpreis nicht helfen

Seit Wochen und Monaten war es wie eine Automatismus. Bewegte sich der US-Dollar etwas, zack, bewegte sich der Goldpreis sofort entgegengesetzt. Denn alles was in US-Dollar gehandelt wird (wie auch Gold), tendiert im Preis oft in der Tendenz gegensätzlich. Diese negative Korrelation war bei Gold die letzten Monate extrem stark vorhanden. Seit einigen Tagen aber ist davon gar nichts mehr zu spüren. Wir wiesen bereits letzte Woche darauf hin. Und nicht nur letze Woche fiel der US-Dollar deutlich. Auch diese Woche fällt er weiter. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Währungen) fällt weiter, seit genau einer Woche von 92,60 auf jetzt 91,62 Indexpunkte. Aber der Goldpreis will einfach überhaupt nicht reagieren und ansteigen.

Experte bringt es auf den Punkt

Der Experte Carsten Fritsch von der Commerzbank bringt es mit seiner erst vor wenigen Minuten veröffentlichten Gold-Analyse auf den Punkt. „Nicht mal ein schwacher Dollar kann Gold helfen“, so lautet der Titel seiner Analyse. Der angesprungene Risk On-Modus (Sog hin zu Aktien) scheint derart stark zu sein, dass wie gesagt selbst der immer weiter fallende US-Dollar dem Goldpreis derzeit keine Kehrtwende beschert. Durch den Bruch der wichtigen Unterstützung bei 1.800 Dollar am Freitag habe sich das charttechnische Bild für Gold nochmals eingetrübt, was weitere kurzfristig orientierte Anleger zum Ausstieg veranlasst haben dürfte, so seine Worte. Die letzte Woche verlor Gold 4,5 Prozent an Wert, womit es nur knapp am stärksten Wochenverlust seit März vorbeischrammte. Den heute zu Ende gehenden Monat November dürfte der Goldpreis mit dem stärksten Verlust seit vier Jahren abschließen. Die aktuelle Schwäche von Gold sei umso bemerkenswerter, weil der US-Dollar ebenfalls zur Schwäche neigt, so Carsten Fritsch.

Der EUR-USD-Wechselkurs nähere sich laut seinen Aussagen der Marke von 1,20, die zuletzt Anfang September erreicht wurde. Die Mischung aus Goldpreis-Schwäche und Dollarschwäche lasse den Goldpreis in Euro abstürzen. Dieser verzeichnete am Morgen mit 1.475 Euro je Feinunze den niedrigsten Stand seit Anfang April. Angesichts der seither durch die Anleihekäufe verursachten Ausweitung der EZB-Bilanzsumme um 1,7 Billionen Euro sei dies geradezu grotesk. Auch dass derzeit Anleihen mit einem Rekordvolumen von knapp 17,5 Billionen US-Dollar mit einer negativen Rendite handeln, verhindere den Preisverfall nicht. Somit falle es schwer, diesen Ausverkauf noch mit fundamentalen Argumenten zu erklären.

ETF-Abflüsse

Das Vertrauen in Gold habe laut Carsten Fritsch dadurch stark gelitten, was sich in anhaltenden Abflüssen aus den Gold-ETFs widerspiegelt. Mit dem für Freitag gemeldeten Abfluss hätten sich diese in der letzten Woche auf rund 40 Tonnen und in den letzten drei Wochen auf gut 90 Tonnen summiert. Also, bleibt es erstmal bei der Schwäche im Goldpreis? Unerwartet für viele Beobachter! Geht es weiter bergab, wenn die ersten Bilder von Corona-Impfungen im Dezember über die Schirme flimmern?

Beim Klick an dieser Stelle finden Sie die gestrige sehr interessante Gold-Analyse des Experten Mario Steinrücken.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in US-Dollar seit Mai
Im Chart sehen wir den Goldpreis-Verlauf in US-Dollar seit Mai.

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Devisen

Türkische Lira: Abwertung nach Zinsanhebung – warum ist das passiert?

Redaktion

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am

Von

Lira-Geldscheine

Die türkische Lira verliert diese Woche wieder deutlich an Boden. Es ist ein Desaster für alle die hofften, dass eine drastische Zinsanhebung durch die türkische Zentralbank auch eine Wende für die türkische Lira einleiten würde. Denn die wertet seit Jahren dramatisch ab. Aber wie gesagt, letzte Woche Donnerstag erhöhte die Zentralbank den Leitzins drastisch, um 4,75 Prozentpunkte auf volle 15 Prozent, um die Inflation in der Türkei einzudämmen.

Türkische Lira reagierte auf drastische Zinsanhebung

Genau dieser Schritt auf 15 Prozent war am Devisenmarkt erwartet worden. Entsprechend war die türkische Lira in den Tagen vorher schon gestiegen, und auch kurz nach der Zinsanhebung stieg die Lira weiter an gegen US-Dollar und Euro. USDTRY fiel von 7,67 auf 7,51. Also, alles lief nach Plan? Nein, die Lira begann wieder abzuwerten, und zwar deutlich – jetzt notiert USDTRY bei 7,91. Diese Woche Montag berichteten wir bereits darüber, dass vermutlich Inländer in der Türkei zwischenzeitlich die gestiegene türkische Lira dafür genutzt hatten, um zu besseren Kursen weiter US-Dollar und Euro zu kaufen. Dass die türkische Lira die letzten Tage ein echtes Eigenleben führte, erkannte man an einer fallenden Lira bei gleichzeitig fallendem Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen). Wenn der US-Dollar fällt, hat eigentlich alles was gegen ihn gehandelt wird, eine gute Chance zu steigen – aber nicht so die Lira in den letzten Tagen!

Warum die Zinsanhebung dennoch verpuffte

Denn die große Unsicherheit gegenüber der türkischen Politik und der Beeinflussung der Zentralbankpolitik ist wohl weiterhin vorhanden, und drückt gegen die türkische Lira. Ein Aspekt kommt aber hinzu, der nicht so direkt ins Auge fällt. Zwar hatte die Zentralbank den Leitzins letzte Woche wie gesagt drastisch angehoben von 10,25 Prozent auf 15 Prozent. Aber wie es zum Beispiel ein türkischer Kolumnist gestern erwähnte, so war es doch keine richtige, eindeutige Zinsanhebung. Denn andere Zinssätze der Zentralbank seien bereits vorher deutlich höher gewesen, bei beinahe 15 Prozent. Mit dieser Zinsanhebung hat die Zentralbank also sozusagen nur für eine Glättung und Vereinheitlichung ihrer Zinsen gesorgt. Vorher versuchte die Zentralbank zum Beispiel bereits die Abwertung der Lira zu stoppen, in dem man bei Derivaten mit höheren Zinskosten versuchte Spekulanten aus dem Ausland die Liquidität zu beschneiden.

Was kann man tun?

Müsste die türkische Zentralbank nun also den Leitzins erneut kräftig anheben, um ihrem Willen zur Inflationseindämmung Nachdruck zu verleihen? Könnte dies die türkische Lira zum Aufwerten bringen? Wichtig wäre wohl ein längeres Festhalten an hohen Zinsniveaus. Und eine klare Sprachregelung von Zentralbank und Präsident Erdogan wären wichtig, in der nicht mehr von Zinsen die Rede ist, die möglichst stark sinken sollen. Hat man am Devisenmarkt den Verdacht, dass die Zinsen nur für einen relativ kurzen Zeitraum oben bleiben? Dann könnte dies die Annahme bestärken, dass die Inflation in der Türkei nicht gebremst wird, was wiederum die türkische Lira schwächt. Es geht um Verlässlichkeit. Der Devisenmarkt will eine konstante und klare Linie sehen – so darf man es annehmen.

Die jetzige Vereinheitlichung des Zinsniveaus durch die Anhebung des Leitzinses sorgt für mehr Transparenz – aber es fehlt womöglich noch eine zweite kräftige Zinsanhebung. Auch hat die türkische Bankenaufsicht angekündigt Mindestausleihungen an türkische Banken nicht mehr vorzugeben. Diese galten unter anderem als ein Grund für die umfangreiche Kreditvergabe in der Türkei. Es wirkt derzeit so, als tue sich einiges in Sachen Transparenz und Normalisierung. Es ist ein Anfang. Es braucht viel Verlässlichkeit, Konstanz, Vertrauen, und wohl auch ein Unterlassen von Äußerungen von Präsident Erdogan über niedrigere Zinsen. Dazu vielleicht noch ein erneuter kräftiger Zinsschritt nach oben, und dann ein Durchhalten auf diesem Niveau. Dann könnte die türkische Lira auch anfangen nachhaltig wieder aufzuwerten? Im Chart sehen wir den Verlauf von US-Dollar vs Türkische Lira seit dem 13. November.

Chart zeigt US-Dollar gegen türkische Lira in den letzten Tagen

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Allgemein

Janet Yellen – wird sie den Dollar weiter abstürzen lassen?

Was bedeutet die faktische Ernennung von Janet Yellen zur zukünftigen US-Finanzminsterin für den Dollar? Sind die USA auf den Spuren Japans?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Was bedeutet die faktische Ernennung von Janet Yellen zur zukünftigen US-Finanzminsterin für den Dollar? Mit dem neuen US-Präsidenten Joe Biden kehrt wieder etwas Berechenbarkeit in die amerikanische Politik zurück. Auch erkennbar an den ersten Postenbesetzungen im neuen Kabinett. Der Vorschlag für die Nachfolge Steven Mnuchins schlug in den letzten Tagen wie eine kleine Bombe in der Finanzszene ein, schließlich möchte der neue Präsident eine „altbewährte“ Ökonomin mit dieser Schlüsselposition besetzen: die ehemalige Präsidentin der Federal Reserve, Janet Yellen. Was heißt das für die künftige Geld- und Fiskalpolitik  – und amit für den Dollar?

Die Karriere der Janet Yellen

Mit der ehemaligen Wirtschaftsprofessorin wird eine Person vom Fach den Posten des obersten Geldverwalters oder korrekter der Geldverwalterin in den USA antreten, was in anderen Ländern nicht generell der Fall ist. Janet Yellen kam neben ihrer Lehrtätigkeit schon früh in Kontakt mit der US-Notenbank, wo sie bereits ab 1975 Mitarbeiterin beim Board of Governors im System der Federal Reserve gewesen ist. Von 1994 bis 1997 war sie Mitglied im Vorstand der Federal Reserve, anschließend wurde sie Vorsitzende des Rates der Wirtschaftsberater von US-Präsident Bill Clinton. Also eine Funktion, wie sie jüngst Larry Kudlow in besonderer Art und Weise ausgefüllt hat.

Von 2004 bis 2010 war sie Präsidentin der Fed von San Francisco, ab dem Jahr 2009 stimmberechtigtes Mitglied im Federal Open Market Committee. Im Jahr 2010 wurde sie zur Stellvertreterin von Fed-Chef Ben Bernanke ernannt und ab 2013 gelangte sie als erste Frau an die Spitze der bedeutendsten Zentralbank der Welt. Diese Position verlor sie als Demokratin nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten, der mit diesem Schritt einmal mehr von der bisherigen Tradition abwich. Ihr Nachfolger Jerome Powell ist bereits seit 2012 im Direktorium der Federal Reserve, somit dürften sich die neue Finanzministerin und der Fedchef sehr gut kennen. Janet Yellen ist mit dem Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften George A. Akerlof verheiratet – sie ist also privat und beruflich immer im Umfeld der Ökonomie.

Die „dovishe“ Janet Yellen

Für die Benennung der Wirtschaftsprofessorin als neue Finanzministerin hat der neue US-Präsident sicherlich mehrere Gründe: Zum einen gilt die Demokratin als sehr ausgleichend zwischen den Parteien, was nach Donald Trump sicherlich äußerst bedeutsam wird, und zum anderen wird sie eine Konnexion zwischen Politik und Notenbank gewährleisten, was in der jetzigen Verschuldungssituation sehr vonnöten ist. Die Regierung braucht den kurzen Draht zur Geldpolitik, eine Sonderstellung der Notenbank wäre in der kommenden Zeit sehr hinderlich. Die Märkte gehen von einer guten Weichenstellung aus, deshalb auch die erste positive Börsenreaktion. Die Tauben sind demnächst in den USA am Drücker – daher tendiert auch der Dollar wieder schwächer.

Des einen Freud, des anderen Leid

Was wird diese neue Konstellation Janet Yellen – Powell für geldpolitische Konsequenzen haben? Zunächst freut man sich an den Märkten, dass „der Kelch“ in Gestalt der linken Demokratin Elisabeth Warren an ihnen vorübergegangen ist. Deren während ihrer Kandidatur vorgetragenes Programm hätte die Wirtschaft und die Finanzmärkte eine Zeit in Wallung gebracht, denn ob Warren ihre Vorstellungen in die Tat hätte umsetzen können, steht auf einem anderen Blatt. Nach einer Corona-Schonfrist würden bald schon die Midterm Elections anstehen, die rasche Veränderungen im Kongress bringen können.

Wer sind die Profititeure, wer die Leittragenden?

Zunächst dürften die Finanzmärkte sich über eine weiterhin lockere Geldpolitik freuen, denn es sind zwei Tauben an den Schaltstellen, die über alles sinnieren werden, jedoch nicht über künftige Zinserhöhungen.

Bevor eine Massenimpfung eine echte Erleichterung am Arbeitsmarkt bringt – Stichwort: Maximum Employment – wird man vonseiten der Federal Reserve das Anleihekaufprogramm fortsetzen und retten, wo es zu retten gilt. Hinzu kommen wird der unbedingte Wille der Durchsetzung von Konjunkturprogrammen, speziell im Umweltbereich, einem zentralen Thema von Joe Biden, in dem er ganz besonders den neuen Wind nach Trump symbolisieren könnte. Was nichts anderes bedeutet, als weiter die Verschuldung nach oben zu treiben, auch unter Inkaufnahme einer ansteigenden Inflation. Sowohl Fed-Chef Powell als auch die mögliche neue Finanzministerin haben eine gewisse Flexibilität mit einer höheren Inflationsrate bekundet. Niedrige Zinsen, bei steigender Teuerungsrate – damit wird deutlich, wer dabei besonders leiden könnte: der Dollar!

Aber in der jetzigen Situation kommen einige frühere Bemerkungen von Janet Yellen ins Gedächtnis, wenn es um die Bewältigung einer Rezession geht. Bereits auf einer Konferenz im September 2016 brachte die damalige Notenbankchefin den Gedanke von neuen Instrumenten ins Spiel, die die Fed zur Bewältigung einer Wirtschaftsschrumpfung benötigen könnte: Ankauf von Firmenbonds und Aktien. Letzteres wiederholte sie in diesem Jahr bei einem Interview im April. Die USA auf den Spuren Japans, was für ein Gedanke! Diesen Gedanken hatte unser Autor bei FMW, Hannes Zipfel, in seinem bemerkenswerten Artikel vom 30.6.2020 schon ins Spiel gebracht („Aktienmarkt: Verlassen Sie sich auf die Fed“!)

Fazit

Noch ist es zu früh irgendwelche Schlussfolgerungen über ungelegte Eier anzustellen. Aber eines dürfte klar sein: Bei zwei Verfechtern einer lockeren Geldpolitik wird es von innen heraus keine große Änderung in der Fiskal- und Geldpolitik geben. Das Zusammenspiel zweier Vertreter einer taubenhaften Geldpolitik wird in der jetzigen Lage den monetären Impuls nicht ohne Not verringern.

Und von woher könnte eine solche Notsituation kommen? Eher nicht von einer opulent anspringenden Wirtschaft, die ohne Stütze auskommt, sondern eher von der Inflation, die nun schon ein Jahrzehnt wie tot erscheint. Aber in diesem Zeitraum haben die Notenbanken weltweit auch nicht sieben Billionen Dollar binnen eines Dreivierteljahres ins System geschleust.

Wird die dovishe Janet Yellen den Dollar weiter schwächen?

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