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Meinung

Frau trifft Männerhirne – kann das gut gehen?

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Zum ersten Mal ist mit Yellen eine Frau „Herrin“ des Geldes – aber Missverständnisse sind vorprogrammiert. Überlegungen zu einem globalen Experiment..

Heute ist ihr großer Tag: das erste Mal in der Geschichte des großen Geldes hat eine Frau eine herausragende Stellung im Finanzsystem. Als „chairman“ der Fed lenkt sie nicht nur Geldströme, sondern beeinflusst das Schicksal von Milliarden Menschen.

Die Märkte sehen dem gelassen entgegen – sie gilt als Jüngerin von Ben Bernanke und damit als Freundin ultralaxer Geldpolitik. Kaum jemand erwartet ernsthaft eine Änderung der Geldpolitik – man traut ihr sogar zu, den eingeschlagenen Tapering-Kurs abzuschwächen und alles dafür zu tun, dass die Riesenparty an den Märkten weitergehen kann.

So weit, so klar. Allerdings unterschätzen die Märkte die Gefahr, die von einer Frau an der Spitze der wichtigsten Notenbank ausgeht! Nicht weil eine Frau das nicht könnte – das wäre absurd. Sondern weil Frauen anders kommunizieren, und die Finanzwelt gefühlt zu 99,999% männlich ist. Das Problem ist also nicht Yellen, sondern das männliche Gehirn der Finanzmärkte. Denn die Gefahr, dass die Märkte nicht verstehen, was Yellen eigentlich sagen will, ist groß!

Männerhirne brauchen einfache, klare Botschaften. Frauen aber sprechen oft mit Subtexten – es schwingen Bedeutungen mit, die dem männlichen Verstand nicht sofort verständlich sind.

Beispiel gefällig: sagt ein Mann, der Garten des Nachbarn sei schön und ordentlich, meint er, der Garten des Nachbarn ist schön und ordentlich. Sagt jedoch eine Frau zu ihrem Ehemann, dass der Garten des Nachbarn schön und ordentlich sei, versteckt sich in 99,99% der Fälle darin eine indirekt Aufforderung an den Ehemann, den eigenen Garten ebenso zu pflegen, wie es eben die Nachbarn tun.

Die Aussage hat also eine Zusatzbedeutung, die jeder anderen Frau sofort verständlich wäre, während der Ehemann nur nickt und grummelnd bestätigt, dass der Garten des Nachbarn schön und ordentlich ist. Die indirekte Handlungsaufforderung der Ehefrau wird schon alleine deshalb verkannt, weil die Pflege des eigenen Gartens für den Ehemann jenseits aller Vorstellungsräume liegt.

Hierin liegt die Gefahr, die den auf weibliche Kommunikation nicht wirklich vorbereiteten männlichen Finanzmärkten droht. Aussagen Yellens werden nur nach ihrem verbalen Oberflächengehalt wahrgenommen, während Yellen den Märkten eigentlich Botschaften geben will. Missverständnisse sind also vorprogrammiert – und das kann zu schweren Verwerfungen an den Finanzmärkten führen!

Okay, Yellen bewegt sich als Ökonomin und Fed-Mitglied schon lange in männlich dominierten Kommunikationsstrukturen. Aber auch ich selbst habe schon 44 Jahre Erfahrung mit weiblicher Kommunikation, und könnte nicht wirklich behaupten, immer zu verstehen, was Frauen wirklich meinen. Gehirne sind hormongesteuert und schwer in ihrer Struktur zu verändern.

Yellen hat sich bisher meist eher im Hintergrund gehalten, bewunderte den Leitwolf Bernanke, dessen Vorstellung von Ökonomie sie teilt, ohne mit eigenen Ideen aufzufallen. Jetzt aber muss sie Orientierung geben – zumindest erwarten die Märkte das von ihr. Orientierung geben heißt für die männlichen Märkte auch, im Stile Draghis (bei seinem Euro-Rettungsschwur) mal auf den Tisch zu hauen und zu sagen: so nicht!

Tut sie das nicht, wird ihr das schnell als Schwäche ausgelegt werden. Yellen als neue Notenbankchefin ist daher der erste globale Test, ob Männer wirklich schon so weit sind, Frauen in ihren einstigen Domänen den Vortritt zu lassen. Scheitert das Experiment, kracht es an den Finanzmärkten dieser Erde..

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