Gas

Gaspreis in den USA steigt – größter Produzent senkt Fördermenge!

Der größte Produzent in den USA senkt seine Gas-Fördermenge sprübar. Der Gaspreis sei einfach zu niedrig. Hier dazu Aussagen.

Gas-Pipeline. Grafik: kanpvl07 - Freepik.com

Wie war das noch? Ende Januar verbot die US-Regierung neue Exportlizenzen für LNG (Flüssiggas), angeblich aus Umweltschutzgründen. In Wirklichkeit will man die US-Verbraucher vor den Wahlen nach Möglichkeit mit billiger Energie versorgen, und daher ein Überangebot schaffen? Da scheinen die Produzenten nicht so richtig mitmachen zu wollen? Während Europa und vor allem die deutsche Industrie immer noch über zu hohe Energiekosten klagt, kämpft der US-Markt nun mit Überangebot, und für die Produzenten ist der Gaspreis offenbar zu niedrig. Deswegen sehen wir aktuell Produktionskürzungen! Es ist der übliche Mechanismus, wie man es seit Jahrzehnten auch am globalen Ölmarkt sieht: Passen den Produzenten zu niedrige Preise nicht, senkt man die Fördermenge. Verknappung treibt die Preise hoch!

Kursverlauf im US-Gaspreis in den letzten fünf Jahren

US-Gaspreise steigen – EQT senkt Produktionsmenge

Die US-Erdgasfutures legen heute zu, nachdem EQT, der größte Erdgasproduzent der USA, angekündigt hat, seine Produktion zu drosseln, da ein für die Jahreszeit untypisch warmer Winter und ein Überangebot den Gaspreis einbrechen ließen. Benchmark Henry Hub-Futures steigen heute um 6,7 % auf 1,96 Dollar pro Million British Thermal Units. Der Terminkontrakt für einen Monat ist seit Jahresbeginn um mehr als 20 % gesunken und liegt weiterhin deutlich unter dem saisonalen Durchschnitt. Im Chart sehen wir den Kursverlauf seit dem Jahr 2019.

Das in Pittsburgh ansässige Unternehmen EQT wird als Reaktion auf den niedrigen Gaspreis die Nettoproduktion im März um etwa 30 bis 40 Milliarden Kubikfuß drosseln, wie man heute in einer Erklärung mitteilte. Das entspricht 5 bis 7 % der vierteljährlichen Produktion des Unternehmens, wie Bloomberg auf der Grundlage der Produktion des vierten Quartals errechnet hat.

Die US-Gasfutures sind in den letzten Monaten eingebrochen, da der milde Winter die Nachfrage nach dem Produktionsanstieg der Schiefergasbohrer verringert hat. Jetzt müssen sich die Unternehmen anpassen. Letzten Monat kündigten sowohl Chesapeake Energy Corp als auch Comstock Resources Inc an, ihre Produktion zu verringern.

EQT, das in den Appalachen nach Gas bohrt, beschloss, seine Bruttoproduktion ab Ende Februar um 1 Milliarde Kubikfuß pro Tag zu kürzen. Das Unternehmen wird die Marktlage nach Ende dieses Monats neu bewerten. Die Produktionskürzungen sind eine Reaktion auf den derzeit niedrigen Gaspreis, der auf das warme Winterwetter und die daraus resultierenden hohen Lagerbestände zurückzuführen sind“, so EQT.

Die Produktion in den Appalachen beginnt zu sinken, um das Überangebot abzubauen, obwohl die Wettervorhersagen für Anfang März ein begrenztes Nachfragepotenzial erkennen lassen“, so Energy Aspects Ltd. in einer Mitteilung von letzter Woche. „Die gesamte US-Produktion zeigt erste Anzeichen von Schwäche“.

Der anerkannte Energie-Experte Javier Blas twittert dazu aktuell, dass auf der einen Seite US-Produzenten wegen einem zu geringeren Gaspreis ihre Produktion reduzieren, während gleichzeitig in Europa die Chemieindustrie ihre Produktion kürzt, wegen zu hohen Preisen.

FMW/Bloomberg



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

5 Kommentare

  1. Ja- der zuverlässige Handelspartner USA (!?)
    Würde Putin (egal aus welchen Gründen) an der Schraube für die Menge oder für den Preis drehen, wäre das Geschrei groß: Man hätte sich nicht so abhängig machen dürfen von Russland, und sollte nun mit Sanktionen antworten, usw.
    Aber wer heute russische LNG kaufen möchte, und auch noch gleichzeitig auf das umweltfeindliche Fracking-Gas verzichten möchte, kann es ja in Russland kaufen.

    1. @Helmut. LNG aus den USA geht in der Gesamtliefermenge für Deutschland unter. Ihre Hetz-Szenarien gehen wie immer in heisser Luft auf.

      Gaslieferungen nach Deutschland, Stand November 2023, total 3106 GWh pro Tag, Aufteilung:

      Norwegen 1’374 (44.2%)
      Niederlande 805 (25.9%)
      Belgien 737 (23.7%)
      LNG 190 (6.1%)

      Bedenkt man, dass auch andere Länder ausser den USA noch LNG nach Deutschland liefern, dann ist die Abhängigkeit nochmals geringer als die 6.1% der Gesamtliefermenge.

      https://de.statista.com/infografik/30706/taegliche-gasimporte-nach-deutschland-nach-herkunft/#:~:text=Mengenm%C3%A4%C3%9Fig%20stellen%20die%20Importe%20aus,die%20wichtigste%20Erdgasbezugsquelle%20f%C3%BCr%20Deutschland.

  2. Nun, @Helmut52, Putin hat uns das Gas abgedreht, obwohl wir mit ihm Verträge hatten.

  3. @ Permanix:

    Ahh..ha… und wo kommen die belgischen 23,7 % und die 25,9% aus Holland her?

    Im Oktober 23 hat Holland das letzte große Gasfeld Groningen geschlossen, damit gibt es weder in Holland noch in Belgien nennenswerte aktive Gasfelder. Aber Holland und Belgien haben neben Frankreich die größten LNG-Terminals nebst Regasifizierungs- und Transportkapazitäten nach Deutschland.

    Aktuell kommen zwischen 2.200 und 2.800 GWh am Tag in Nordwesteuropa als LNG-Sendout an, wovon ein Großteil nach Deutschland geht. Oder anders ausgedrückt, ungefähr 35% des deutschen Erdgas in den deutschen Gasnetzen ist ursprüngliches LNG-Gas, was zum wesentlichen Teil aus den USA, etwas aus Russland über Dritthändler und etwas aus Katar kommt. Das das LNG die Umwege über Belgien und Holland nehmen muss, ist klar, da die aktuellen deutschen LNG-Terminalkapazitäten gegenüber dem deutschen Bedarf ein Witz sind.

    Aber warum sollte Deutschland teure Großterminals bauen, wenn es die in Belgien und Holland auch tun?
    Ihre Quoten der Importe sagen nichts über die eigentliche Herkunft das Erdgases aus.

    Selbst Norwegen möchte mehr LNG nach Europa liefern, da die Transportkapazitäten der bestehenden Pipelines nahezu ausgeschöpft sind und neue Pipelines sich aufgrund des avisierten Gasausstieges in Europa in den nächsten Jahren wohl nicht mehr lohnen.

    1. @Andi. Ihr Einwand ist sicherlich richtig, zeigt aber gleichzeitig auf, dass die Abhängigkeit von den USA nicht unbedingt so bedeutend ist wie angenommen. LNG wird ja nur zu Transportzwecken erzeugt. Wenn der LNG-Transport selbst für Gas aus Norwegen rentabel ist, dann zeigt das doch, dass der von Ihnen genannte Anteil des LNG in deutschen Netzen von ca. 35%, mehr und mehr auch aus anderen Ländern bezogen wird. Und der klare Plan ist es doch, die Diversifizierung der Herkunftsländer zu erhöhen, um so weniger abhängig von einigen wenigen Ländern zu sein und den Wettbewerb besser spielen zu lassen. Wir erkennen, dass die jahrelang scheinbar günstige Lieferung über die Pipeline aus Russland, durch LNG, und damit die Möglichkeit den Lieferkreis zu erweitern, locker unterboten wird. Wer hätte das anfänglich gedacht?

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage

Exit mobile version
Capital.com CFD Handels App
Kostenfrei
Jetzt handeln Jetzt handeln

75,0% der Kleinanlegerkonten verlieren Geld.