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Griechenland: Weitere Milliardenhilfen beschlossen – auf den ersten Blick alles gut, auf den zweiten sieht es schon ganz anders aus

Die Eurogruppe hat gestern wie immer ihren Spruch in Sachen Griechenland aufgesagt. Alles laufe bestens, Athen halte sich planmäßig an die besprochenen Vorgaben. Laut aktuell offizieller Veröffentlichung der Eurogruppe habe Griechenland…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Die Eurogruppe hat gestern wie immer ihren Spruch in Sachen Griechenland aufgesagt. Alles laufe bestens, Athen halte sich planmäßig an die besprochenen Vorgaben. Laut aktuell offizieller Veröffentlichung der Eurogruppe habe Griechenland die Eintreibung von Steuern verbessert, und habe die Effektivität und Fairness im Sozialstaatswesen verbessert (was immer das heißen mag). Das Geschäftsklima habe sich verbessert usw.

Daher habe man beschlossen, dass aus dem Rettungstopf in Höhe von 86 Milliarden Euro in Kürze als 4. Tranche weitere 6,7 Milliarden Euro an Griechenland überwiesen werden können. 5,7 Milliarden Euro davon sollen kurzfristig überwiesen werden, damit Athen Altschulden zahlen kann. Es ist schon erstaunlich, dass diese Umschuldung auch jetzt noch so stattfindet. Denn Athen wie auch die Eurogruppe gestern betonen ja, dass Griechenland schon ab diesem Sommer unabhängig von den Euro-Geldern sein will. Man möchte dann nämlich wieder in Eigenregie Schulden am Kapitalmarkt aufnehmen.

Die ökonomischen Headline-Daten (allen voran die Staatsfinanzen) sehen erst einmal gar nicht so schlecht aus. Die folgende Grafik ist ganz frisch von gestern. Sie zeigt für das 3. Quartal 2017 gesamte Staatseinnahmen für Griechenland von 23,1 Milliarden Euro. Dem gegenüber stehen Gesamtausgaben von 20,5 Milliarden Euro. Man macht also einen guten Überschuss – das wäre noch vor ein paar Jahren unglaublich gewesen. Das ist zwar zahlenmäßig eine super Sache, aber den Preis bezahlt haben vor allem Rentner, Staatsbedienstete und auf Sozialunterstützung angewiesene Menschen mit drastischen finanziellen Einbußen. Obwohl: Wenn man die Zahlen betrachtet, sind die Sozialausgaben in den letzten Jahren konstant geblieben. Die positive Bilanz kommt vor allem zustande durch gestiegene Steuereinnahmen!

Die Probleme sind nicht verschwunden

Das optisch wenig sichtbare, aber stets immense Problem in Griechenland wurde erst letzte Woche sichtbar (wir berichteten). Laut Daten der EZB waren Mitte 2016 47,2% aller in Griechenland ausgegebenen Kredite notleidend. Dies sind also Schrottkredite, die nicht bedient werden, weil die Schuldner einfach keine Raten zahlen können. Also die Hälfte aller Kredite wird nicht bedient, unglaublich! Und die jüngsten Daten für das 2. Quartal 2017 zeigen, dass diese Quote in 12 Monaten nur minimal auf 46,9% gesunken ist. Jahrelang lebten die griechischen Banken nur von den ELA-Notkrediten der EZB/Bank of Greece. Das ist eine Art Dispo für Banken durch die Zentralbank. Diese Halde an ELA-Krediten sinkt zwar langsam, aber das Finanzsystem in Griechenland bleibt nachhaltig total kaputt bei gut 50% ausgefallener Kredite.


Grafik: Elstat

Die Verschuldung Griechenlands ist in den letzten Jahren weiter angestiegen in Relation zum BIP (2016 auf 180,8%). Laut EU-Kommission soll sie in 2017 sogar noch auf 181,1% gestiegen sein (endgültige Daten liegen noch nicht vor). Angeblich soll sie bis 2020 wieder auf 165% sinken, und dann bis 2030 auf 127,2% sinken. Man darf gespannt sein.


Grafik: Eurostat


© European Union, 2017 / Source: EC – Audiovisual Service / Photo: Mauro Bottaro

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    leser

    23. Januar 2018 13:35 at 13:35

    Neben der illegalen Migration der zweite fortdauernde eklatante Rechtsbruch.

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Zinseszinseffekt: So verdoppeln Sie Ihr Depot binnen weniger Jahre – Werbung

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Lieber Börsianer,

Albert Einstein bezeichnete ihn einst als 8. Weltwunder. Für Starinvestor Warren Buffett gilt er als wichtigster Erfolgsfaktor beim Investieren. Die Rede ist vom Zinseszinseffekt. Es kommt nicht von Ungefähr, dass diese beiden Genies dem Zinseszins eine so hohe Bedeutung beimessen. Denn er verhilft selbst bei kleinen investierten Beträgen über einen längeren Zeitraum zu großen Erfolgen. Folgende kleine Geschichte veranschaulicht den Effekt des Zinseszinses:

Die Legende vom Reiskorn

Die beeindruckende Wirkung des Zinseszinseffektes war offenbar bereits den alten Persern bekannt. Von ihnen stammt die Legende vom Reiskorn. In dieser forderte der König seine Untertanen auf ihm die Langeweile zu vertreiben. Wer es schafft, sollte eine Belohnung erhalten.

Ein kluger Höfling brachte dem König daraufhin das Schachspiel bei. Der König war begeistert ob der neuen Zerstreuung und wollte den Höfling belohnen. Dieser sprach: „Ich möchte nichts weiter als ein paar Reiskörner. Ich möchte, dass ihr mir das Schachbrett mit Reis füllt. Legt ein Reiskorn auf das erste Feld und dann auf jedes weitere Feld jeweils die doppelte Anzahl an Reiskörnern.“

Der König wunderte sich über den bescheidenen Wunsch seines Dieners und sagte sogleich die Belohnung zu. Er dachte wohl an ein kleines Säckchen voller Reis. In Wahrheit hätte er aber dank der 64-maligen Verdopplung mehr Reis gebraucht, als auf der ganzen Erde wächst.

Wie ist eine solche Fehleinschätzung möglich?

Das menschliche Gehirn ist nicht besonders gut in Prozentrechnung. Diese Art der Verzinsung ist in unserer Evolutionsgeschichte erst seit wenigen hundert Jahren von Bedeutung. Deshalb unterschätzen wir genau wie der persische König systematisch die Macht des Zinseszinses. Investmentgewinne von 5% locken nur wenige hinter dem Ofen hervor. Doch über einen…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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Einzelhandelsumsätze boomen in der Coronakrise – bis auf ein Segment

Claudio Kummerfeld

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Leeres Einkaufszentrum als Symbol für die Coronakrise

Wenn man in der Coronakrise schon kein Geld für Restaurants, Theater, Kinos oder Urlaubsreisen ausgeben kann, dann kann man doch immerhin noch sein Haus, seine Wohnung oder den Garten verschönern? Und zuhause gut essen ist ja auch drin. Dementsprechend wandeln sich die Einzelhandelsumsätze in den letzten Monaten.

Unterm Strich geben die Deutschen deutlich mehr aus als noch im Vorjahr, und auch mehr als direkt vor Ausbruch der Coronakrise. Dies wird untermauert durch die vor wenigen Minuten vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Einzelhandelsumsätze für Oktober. Sie steigen im Vergleich zu Oktober 2019 um 8,2 Prozent, und im Vergleich zu Februar 2020 um 5,9 Prozent. Das ist eindeutig. Der Onlinehandel boomt am Stärksten, die Heimwerkermärkte boomen, und auch der Lebensmitteleinzelhandel. Ein klarer Wink hin zu mehr Konsum in den eigenen vier Wänden. Nur der stationäre Einzelhandel mit Bekleidung ist spürbar rückläufig. Klar, wenn man deutlich weniger ausgeht, hat man auch weniger den Drang neue Klamotten zu kaufen. Hier die Detailangaben der Statistiker über die Einzelhandelsumsätze im Wortlaut:

Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren setzte im Oktober 2020 real 7,3 % und nominal 10,3 % mehr um als im Oktober 2019. Dabei lag der Umsatz der Supermärkte, SB-Warenhäusern und Verbrauchermärkte real 7,9 % und nominal 10,9 % über dem des Vorjahresmonats. Der Facheinzelhandel mit Lebensmitteln (wie zum Beispiel der Facheinzelhandel mit Obst und Gemüse, Fleisch, Backwaren oder Getränken) setzte im entsprechenden Vergleich real 3,0 % und nominal 6,5 % mehr um.

Im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln stiegen die Umsätze im Oktober 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat real um 9,0 % und nominal um 9,4 %. Das größte Umsatzplus mit real 29,8 % und nominal 31,1 % erzielte der Internet- und Versandhandel. Deutlich zugenommen hat auch der Handel mit Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf mit einem realen Plus von 14,2 %. Noch nicht wieder auf dem Vorjahresniveau waren dagegen der Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren und der Einzelhandel mit Waren verschiedener Art (zum Beispiel Waren- und Kaufhäuser) mit real -6,4 % und -2,3 % gegenüber dem Vorjahresmonat.

Grafik zeigt Einzelhandelsumsätze für Oktober im Detail

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Autoindustrie: Die Stimmung hat sich brutal verfinstert!

Claudio Kummerfeld

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Riesiger Parkplatz mit unzähligen Autos

Die Stimmung in der deutschen Autoindustrie (Hersteller und Zulieferer) hat sich brutal verfinstert. Laut heute früh veröffentlichten Umfrageergebnissen des ifo-Instituts ist die aktuelle Geschäftslage der Branche zwar noch akzeptabel mit einem Wert von +7,2 Punkten nach -2 Punkten im Oktober. Aber die Geschäftserwartungen der Autoindustrie sinken aktuell dramatisch ab, von +16,3 im Oktober auf -4 Punkte im November! Der Chart zeigt den Absturz der Stimmungslage in der Autoindustrie in den letzten Monaten. Im Moment läuft es noch, aber der Blick in die Zukunft macht die Firmen gegenwärtig nicht glücklich, so ifo aktuell in seiner Headline-Aussage. Weitere Aussagen hier im Wortlaut:

„Im Oktober haben wir einen Einbruch bei den gewerblichen Neuzulassungen gesehen. Das wird sich wahrscheinlich fortsetzen, aufgrund der großen Unsicherheit bei den Unternehmen“, sagt Oliver Falck, Leiter des ifo Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien.

Die Unternehmen gaben an, ihre Produktion deutlich drosseln zu wollen. Der Indikator sank von plus 38,6 Punkte auf minus 0,5 Punkte. Die Exporterwartungen fielen deutlich von plus 19,0 Punkten im Oktober auf minus 5,0 Punkte. Auch gab immer noch die Mehrheit der Unternehmen an, die Zahl ihrer Mitarbeiter zu verringern. Der Indikator stieg nur leicht auf minus 34,6 Punkte.

Der Auftragsbestand konnte zuletzt nicht mehr so stark zulegen. Der entsprechende Indikator sank deutlich auf 6,2 Punkte, nach 29,3 im Oktober. Der Bestand im Fertigwarenlager ist allerdings weiterhin geringer als saisonüblich. Der Indikator stieg nur leicht auf minus 4,9 Punkte.

Chart zeigt Verlauf der Geschäftserwartungen der Autoindustrie

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