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Hohe Dispozinsen: Verbraucher müssen selbst Grenzen setzen

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Wer sein Konto überzieht, wird von der Bank ordentlich zur Kasse gebeten. Doch zum Problem wird der Dispokredit nur, wenn man häufig oder für längere Zeit ins Minus rutscht. Mit einem bewussten Umgang kann man sich vor hohen Zinsen schützen.

Stiftung Warentest untersuchte im Juli 2019 die Zinsen für Dispokredite, und kam zu erschreckenden Ergebnissen: Im Schnitt verlangen Kreditinstitute nach wie vor fast 10 Prozent Zinsen von ihren Kunden. „Die berechneten Zinsen der Banken sind oftmals gar nicht so einfach einsehbar. Zum Teil geben betreffende Kreditinstitute am Telefon keine Auskunft. Bei einigen waren die Zahlen nicht mal im Internet recherchierbar“, kritisiert die Verbraucherorganisation.

Dispokredit immer mit Bedacht verwenden

Wer sein Konto überzieht, sollte dies immer mit Bedacht tun. Am sinnvollsten ist es, das Limit erst gar nicht bis zum Äußersten auszureizen. Auch wenn es zunächst verführerisch klingt, sich manche Dinge sofort leisten zu können: So sollte man doch lieber wieder zum klassischen Sparen zurückkehren, auch wenn man dabei auf die eine oder andere Anschaffung ein bisschen länger warten muss. Der Dispokredit sollte als das angesehen werden, was er eigentlich ist: Nicht als zusätzliches Einkommen für Konsumausgaben, sondern lediglich als Notreserve für bestimmte Fälle. Lässt sich eine Nutzung dennoch nicht vermeiden, ist es sinnvoll, nicht zu lange im Minus zu verweilen. Je länger das Konto überzogen wird, desto mehr Zinsen fallen an. Nach spätestens einem Monat sollte man idealerweise wieder das eigene Geld zur Verfügung haben.

Die eigenen Finanzen besser im Blick haben

Sind die Ausgaben höher als die Einnahmen, führt dies dauerhaft zu einer langfristigen Verschuldung und weiteren Zinsen. Um die eigenen Kontobewegungen besser im Blick zu haben, ist es sinnvoll, einen Haushaltsplan zu erstellen. Hiermit lassen sich die Einnahmen und Ausgaben tabellarisch gegenüberstellen. Mögliche Einsparpotentiale werden so schnell ersichtlich. Wer nicht das klassische Haushaltsbuch in Papierform nutzen möchte, findet im Internet kostenlose Apps für sein Smartphone.

Auch eine Umschuldung kann hilfreich sein

Lässt sich der Dispo nicht so leicht zurückführen, kann auch eine Umschuldung hilfreich sein. Ein Ratenkredit ist günstiger, und verschafft zumindest für eine gewisse Zeit etwas Luft. Zwar muss der Ratenkredit in regelmäßigen Raten an die Bank zurückgezahlt werden: Aufgrund der deutlich niedrigeren Zinsen spart man jedoch eine Menge Geld. Vor einer Umschuldung ist es jedoch ratsam, sich zunächst über verschiedene Angebote am Markt zu informieren. „Grundsätzlich lohnt sich eine Umschuldung immer für Kredite, die deutlich über dem aktuellen Zinsniveau liegen. Bei einem Dispokredit kann man überlegen, diesen in einen Ratenkredit umzuwandeln, da die Zinsen des Dispos im Normalfall deutlich höher sind als bei einem Ratenkredit“ erklärt Kerstin Föller, Kreditexpertin bei der Verbraucherzentrale Hamburg.

Dispokredit reduzieren oder ganz streichen

Ist man erst wieder im Plus, gilt es im nächsten Schritt, eine erneute Verschuldung zu verhindern. Wer dazu neigt, mehr Geld auszugeben als vorhanden ist, sollte zukünftig auf die Möglichkeit einer Kontoüberziehung verzichten. Um den Dispokredit zu löschen, ist lediglich ein kurzer Schriftverkehr mit der Bank nötig. Einige Experten raten jedoch dazu, zumindest ein kleines Limit von ein paar Hundert für den Notfall stehen zu lassen. Gerät man versehentlich ins Minus, wird so die Rückgabe von Lastschriften mit hohen Mahnkosten vermieden.

Nicht alle Banken verlangen hohe Zinsen

Die gute Nachricht lautet: Nicht alle Banken schlagen beim Dispozins erbarmungslos zu. Auch hier gibt es inzwischen große Unterschiede, die sich Verbraucher dank des Wettbewerbs zu Nutze machen können. Deutlich günstigere Zinsen mit unter 7 Prozent bieten z.B. viele Online-Banken, wie z.B. die DKB oder die ING. Wer sich für einen Wechsel seiner Bankverbindung entscheidet, sollte sich zunächst über die genauen Konditionen informieren. „Bei Dispozinsen jenseits der 10 Prozent, Kontoführungsgebühren oberhalb von 60 Euro im Jahr sowie häufiger Nutzung des Dispos sollte ein Kontowechsel in Betracht gezogen werden“ erläutert Stiftung Warentest. Zu beachten ist jedoch, dass ein Wechsel der Bankverbindung einiges an Aufwand mit sich bringt. Wer seiner Hausbank treu bleiben möchte, ohne auf ein flexibles Limit zu verzichten, kann auch einen Rahmenkredit in Betracht ziehen. Wie beim Dispo handelt es sich um einen zeitlich unbegrenzten Kredit mit flexibler Inanspruchnahme. Die Eröffnung erfolgt allerdings auf einem Extra-Konto meist bei einer Direktbank. Mit Zinssätzen um die 6 Prozent sind Rahmenkredite im Schnitt deutlich günstiger als der Dispokredit. Wer aufmerksam vergleicht, spart auch hier den einen oder anderen Euro zusätzlich.


Grafik: pixabay / Tumisu

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Arbeitsmarkt nach Corona: Mehr Staatswirtschaft, weniger Industrie

Redaktion

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Büro-Arbeitsplatz

Verschwörungstheorie? Oder nur eine Vermutung? Das „übliche“ neo-liberale Gelaber, welches den Staat verteufelt, und vor noch mehr Staat warnt? Nein, offizielle staatliche Aussagen vom heutigen Tage zeigen, dass am deutschen Arbeitsmarkt in die Staatswirtschaft deutliche Stellenzuwächse erleben wird, während produzierende Betriebe nicht nur jetzt, sondern auch in 2021 weiter Stellen abbauen wird.

Staatswirtschaft im Aufwind, Industrie im Rückzug?

De facto heißt das: Die Angestellten in der Privatwirtschaft müssen (insgesamt gesehen) durch Steuern und Abgaben immer mehr, mehr und noch mehr erwirtschaften und abführen, damit die immer größere Zahl der Arbeitsstellen im Rahmen der Staatswirtschaft auch bezahlt werden kann! Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute ihre Prognose für den deutschen Arbeitsmarkt für die Jahre 2020 und 2021 veröffentlicht. Und genau aus diesen Aussagen geht folgendes hervor, auszugsweise im Wortlaut:

Die Zahl der Arbeitslosen steigt laut der IAB-Prognose im Jahresdurchschnitt 2020 um 440.000, im Jahr 2021 könnte sie wieder um 100.000 zurückgehen.

Im Produzierenden Gewerbe gab es insbesondere im zweiten Quartal 2020 einen deutlichen Stellenabbau, der auch 2021 anhalten wird. Im Jahresdurchschnitt 2020 fallen hier 160.000 und 2021 nochmal 60.000 Stellen weg.

Beschäftigungszuwächse erwarten die IAB-Forscher dagegen vor allem im Bereich „Öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit“ (jeweils +190.000 in beiden Jahren).

Wird man im Detail die Neueinstellungen bei Staat und öffentlichen Betrieben (zusammen nennen wir das mal die „Staatswirtschaft“) durchgehen, dann wird man im Einzelfall sicher sagen: Ja, diese neue Stelle ist sinnvoll, und die auch, und die auch, und die da… ja dieser neue Job bei dieser Behörde ist auch notwendig. Zum Beispiel mehr Polizisten, mehr Lehrer, mehr Personal für die Gesundheitsämter, mehr Personal für den Zoll für die Kontrollen bei Schwarzarbeit und Einhaltung der Vorschriften bei Fleischbetrieben, mehr Sozialarbeiter etc. Und so könnte man die Liste sicher endlos fortsetzen.

Nur irgendwer muss all das ja auch bezahlen, zusätzlich zu der immens steigenden Staatsverschuldung, die irgendwann ja auch irgendwer mal bezahlen soll. Unterm Strich, da darf man sich sicher sein, wird es heißen: Wir müssen leider, leider die Steuern erhöhen. Geht eben nicht anders? Oder wird man anstatt die Steuern raufzuschrauben, eher auf indirekte Steuern und Sozialabgaben setzen? Was der Bürger nicht so offensichtlich sieht, tut auch nicht so sehr weh?

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Baugewerbe mit Einbruch bei den Auftragseingängen – kein Grund zur Sorge!

Claudio Kummerfeld

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Baugewerbe mit Rückgang bei den Aufträgen

Das deutsche Baugewerbe verzeichnet einen Rückgang der Auftragseingänge. Krise? Weit gefehlt, so möchten wir meinen. Wie heute offiziell vermeldet wurde, sind die Auftragseingänge im Juli im Vergleich zu Juni um 5,6 Prozent gesunken, und im Vergleich zu Juli 2019 um 4,9 Prozent. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2020 sank der reale Auftragseingang im Baugewerbe gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,7 Prozent. Warum diese Rückgänge noch kein Problem sind? Nun, die Aussagen der Statistiker deuten dies an.

Denn der Auftragseingang im Juni 2020 war aufgrund von Großaufträgen ungewöhnlich hoch ausgefallen. Und der Auftragseingang im Juli 2019 war der höchste jemals in einem Juli gemessene Wert. Von daher war es für den Juli 2020 auch schwer, im Vergleich zu diesem Rekord-Ausgangswert noch mal eine Steigerung hinzulegen. Und aktuell darf man ja auch noch ergänzen, dass im Zuge der Coronakrise verständlicherweise einige wirtschaftliche Abläufe wie Bauaufträge oder Bauanträge bei Ämtern verschoben werden oder sich verzögern. Wenn man das bedenkt, dann sind diese Auftragsrückgänge im Baugewerbe noch eher mild ausgefallen. So schreiben die Statistiker vom Statistischen Bundesamt auch Zitat „Gründe für diese negative Entwicklung sind neben möglichen Einflüssen der Corona-Pandemie auch das sehr hohe Niveau des Vorjahres“.

Die am Anfang des Artikels genannten Prozentveränderungen waren real, saison- und kalenderbereinigt gerechnet. Die nominalen Veränderungen fielen noch viel kleiner aus. Der Auftragseingang im Baugewerbe betrug im Juli 2020 rund 7,5 Milliarden Euro. Das waren nominal (nicht preisbereinigt) 2,5 % weniger gegenüber dem Höchststand im Juli 2019. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sanken die Auftragseingänge in den ersten sieben Monaten 2020 nominal um 0,5 %.

Grafik zeigt Verlauf der Auftragseingänge im Baugewerbe

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Coronakrise und Insolvenzen: Ab 01.Oktober kommt die Pleite-Welle

Markus Fugmann

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Aufgrund der Coronakrise hat die Bundesregierung bekanntlich beschlossen, das Insolvenzrecht zeitlich begrenzt auszusetzen und damit die Pflicht zur Anmeldung einer Insolvenz ausser Kraft zu setzen – gleichwohl droht nun bereits in der nächsten Woche eine massive Pleite-Welle. Denn ab 01.Oktober müssen jene Unternehmen wieder Insolvenz anmelden, die zahlungsunfähig sind – während überschuldete Firmen erst ab 01.Januar 2021 die Pflicht zur Insolvenz-Anmeldung haben.

Wie viele der von der Coronakrise betroffenen Unternehmen in Deutschland müssen dann als ab nächster Woche Insolvenz anmelden? Volker Römermann, unter anderem Fachanwalt für Insolveznrecht, sagt: über 90% der betroffenen Firmen werden dann ab 01.Oktober Insolvenz anmelden müssen, denn so hoch sei die Zahlungsunfähigkeits-Quote bei allen Insolvenzen – Überschuldung und damit die Pflicht zur Insolvenzanmeldung erst ab 01.Januar 2021 sei dagegen bei weniger als 10% der Fall.

Coronakrise: Jetzt kommt der Schmerz!

Das bedeutet: hunderttausende Firmen in Deutschland werden wohl zeitnah Insolvenz anmelden! Das wird viele Arbeitsplätze kosten. Der durch die Coronakrise ausgelöste Schmerz wurde also lediglich in die Zukunft verschoben – und diese Zukunft und damit der große Schmerz kommt nun also im Oktober, „buchstäblich am 01.Oktober“, sagt Römermann im Interview mit Florian Homm. Zwischen Januar und August diesen Jahres war die Zahl der Insolvenzen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr sogar rückläufig – da hat sich nun viel aufgestaut, was sich nun in einer Pleite-Welle entladen dürfte!

Und der Schmerz geht dann ab 01.Januar 2021 weiter, denn viele Firmen haben in der Coronakrise noch einmal Kredite aufgenommen, seien aber nicht zuletzt dadurch aussichtslos überschuldet, sagt Volker Römermann:

Ab 01.Oktober schlägt die Coronakrise voll durch - es droht eine Welle von Insolvenzen

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