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Trump – vom Sanierer zum Schuldenkönig

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Was hatte Donald Trump vor seiner Wahl nicht alles versprochen? Er wolle gegen das Establishment vorgehen, gegen den Clinton-Sumpf, die Zinsen sollten steigen, da sie unnatürlich niedrig und schädlich wären und er wolle zudem innerhalb seiner Amtszeit (von acht Jahren!) die Staatsverschuldung komplett abbauen, wie er in einem Interview mit der „Washington Post“ im Jahre 2016 versprach. Und was ist in der Zwischenzeit geschehen? Wie gut, dass der Bürger und damit die Wähler so vergesslich (oder soll man sagen verzeihend) sind – was übrigens für die USA und Deutschland gilt. .

 

An ihren Taten sollt ihr sie messen

Es ist doch einiges anders gelaufen als versprochen. Beginnend mit der gigantischen Unternehmensteuerreform die für jedermann große Erleichterung bringen sollte, aber wie in diesen Monaten erkennbar wurde, doch hauptsächlich für Big Business gedacht war. Der Mittelstand, der auch stark von der Steuersenkung profitieren sollte, sah sich plötzlich – angesichts gestrichener Abschreibungsmöglichkeiten -, unerwarteten Steuernachforderungen ausgesetzt. Trump ließ in seinen Hotels und Luxusressorts nicht nur ausländische Staatsgäste und Regierungssmitglieder unterkommen, jüngst logierten sogar US-Soldaten in einer seiner Luxusherbergen. Über seine Einstellung zu den US-Zinsen wurde ja zur Genüge geschrieben, jetzt liebäugelte er schon mit Minuszinsen. Was die Staatsverschuldung betrifft, ist diese es wert nochmals einen Blick auf sie zu werfen, weil diese angesichts ihrer Dimension die nächsten Jahre/Jahrzehnte die Finanzmärkte bestimmen werden.

Der US-Schuldenstand unter Trump – kurz vor der Zinsentscheidung

Zu Beginn der Amtszeit Donald Trumps lag der US-Schuldenstand bei 19,5 Billionen Dollar, nach zwei Dritteln seiner Amtszeit schon bei 22,56 Billionen.

Ein Monat vor dem Ende des laufenden US-Fiskaljahres (30. September) betrug das Defizit des Staates nach Angaben des Finanzministeriums über eine Billion Dollar – es liegt damit 19 Prozent höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das aktuelle Haushaltsdefizit des Bruttoinlandsprodukts steigt hierdurch auf 4,4 Prozent, ein hoher Wert in Zeiten einer boomenden Wirtschaft. Was aber hat diesen Anstieg ausgelöst?

Da sind zum einen die höheren Ausgaben der Regierung zu nennen, die um sieben Prozent zulegten, allen voran die Militärausgaben mit neun Prozent. Aber natürlich die sich „selbst finanzierende Steuerreform “, die zu Steuereinbußen führte – am Abend eines langen Konjunkturzyklus. Alles in allem eine enttäuschende Entwicklung einer Schuldensituation, wenn es nicht einmal in Jahren der Hochkonjunktur gelingt, diese zu entspannen.

US-Schulden unter Trump  – wie geht es weiter?

Während in den USA nach der Finanzkrise das Defizit schon einmal die Eine-Billion-Dollar-Grenze überschritten hatte, war man zu dieser Zeit seitens des Kongresses daran gegangen, Ausgaben zu kürzen und Steuererleichterungen zurückzuführen. Mit Erfolg, denn die Haushaltssituation wurde anschließend zusehends besser.

2019 aber geht US-Präsident Trump einen anderen Weg. Während er beständig über weitere Steuersenkungen sinniert, drängt er seine Notenbank zu starken Zinssenkungen. Klar haben sich die neuen Zinsanhebungen der Federal Reserve in den Zinskosten sehr deutlich sichtbar gemacht. Schlimmer noch: durch die ständig steigende Verschuldung, käme es bei höheren Zinsen in den USA für Staat und Verbraucher zu heftigen Problemen. Inflationstendenzen hin oder her, der Fed bleibt gar keine andere Möglichkeit als auf den weltweiten Zinszyklus aufzuspringen. Die Vereinigten Staaten mit Staatsschulden von über 22 Billionen Dollar, deren Anleihen dazu noch eine „relativ lukrative“ Rendite bieten – das bringt Aufwertungsdruck für die US-Währung.

Ergo: Ein Wille zum Sparen, ist bei dieser Regierung nicht einmal im Ansatz zu erkennen!

 

Fazit – Trump und Keynes

Der John Maynard Keynes-Spruch: „When the facts change, I change my mind!“, wurde durch den US-Präsidenten schon öfters auf eine ganz neue Dimension gehoben. Das Versprechen, die Staatsschulden bis ins Jahr 2025 auf Null zurückzuführen, scheint in diesem Zusammenhang eine der größten Märchenerzählungen in der Geschichte der Politik zu werden.

Jetzt braucht der Präsident das Wohlwollen der Notenbank, denn sonst wären die heutigen Schulden schon nicht mehr auf Dauer finanzierbar.

Trump hat versprochen, die US-Schulden zu reduzieren - das Gegenteil ist passiert

5 Kommentare

5 Comments

  1. tm

    18. September 2019 10:21 at 10:21

    Alles korrekt, nur „Jetzt braucht der Präsident das Wohlwollen der Notenbank, denn sonst wären die heutigen Schulden schon nicht mehr auf Dauer finanzierbar.“.. also dahin ist der Weg noch durchaus weit. Von Mitte der 1980er bis Mitte der 1990er war die Zinsbelastung in etwa doppelt so hoch wie aktuell:
    https://fred.stlouisfed.org/series/FYOIGDA188S

    Nun liegt der Durchschnittscoupon der ausstehenden Anleihen bei ca. 2%. Auch bei steigender Schuldenquote wären also über einen längeren Zeitraum mehr als doppelt so hohe Zinsen wie aktuell (1,8% für 10jährige) notwendig, nur um wieder auf die Belastungen der damaligen Zeit zu kommen.

    Von der Kostenseite wird also Trump kein Problem bekommen, selbst wenn er wiedergewählt wird und selbst wenn die Zinsen nun zeitnah deutlich steigen würden. Das problem vererbt er.

    • Wolfgang M.

      18. September 2019 11:26 at 11:26

      @tm. Mit den Staatsschulden haben Sie natürlich recht. Aber ich dachte zusätzlich an die Verschuldung von Bürgern und Unternehmen und da spielt die Höhe der Zinsen (speziell der 10-jährigen U.S.-Treasury) schon eine gewichtige Rolle.
      Gruß

      • tm

        18. September 2019 13:10 at 13:10

        hm ja, mag sein. Also auch bei den Privathaushalten ist die Zinsbelastung historisch niedrig (wenn auch nur 25% unter dem Hoch), was zum einen natürlich an den niedrigen Zinsen, zum anderen aber auch an der gesunkenen Schuldenquote der Haushalte liegt:
        https://fred.stlouisfed.org/series/TDSP
        https://fred.stlouisfed.org/series/HDTGPDUSQ163N

        Aber klar, hier ist die Struktur wichtig und nicht(nur) der Durchschnitt.

        Wie dem auch sei, ich gehe davon aus, dass es mehr oder weniger unabhängig von der Ausrichtung der Notenbank auch in den USA nie wieder Zinsen wie vor 2008 geben wird. Die 2,0% bis 2,25% Fed Fund und gut 3% auf 10y Treasuries stellen nun schon zyklische Höchtstände dar. Vielleicht gibt es nach der nächsten Rezession noch einen Aufschwung, wo wir 3% bzw. 4% sehen werden, aber in der Tendenz werden die Zinsen weiter sinken bzw. sehr niedrig bleiben. Für mich stellt sich eher die Frage, welche Konsequenzen das hat, wenn sich Staaten und Konzerne dauerhaft zu mehr oder weniger 0% verschulden können.

        Beste Grüße

  2. Helmut Josef Weber

    18. September 2019 13:02 at 13:02

    Die Versprechungen der Politiker richten sich immer nach dem Intelligenzkoeffizient Derjenigen, denen die Lügen aufgetischt werden.

    • Michael

      18. September 2019 20:12 at 20:12

      @Helmut Josef Weber
      Wenn ich Ihre Aussage richtig interpretiere, sind die Lügen und Versprechungen der Grünen sehr perfide, wissenschaftlich fundiert und relativ intelligent, weil sie sich an eine eher gebildete Wählerschicht wenden. Die Lügen der Blauen sind dagegen eher plump, ungeschickt, leicht durchschaubar und einfach gestrickt, die der Schwarzen an noch zufriedene Rentner und Pensionäre gerichtet, weil sie sich an den IQ derjenigen wenden, denen sie aufgetischt werden.

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