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Umschichtung von Eigentum zur Miete Immobilien: Drastische Auswirkungen der gestiegenen Bauzinsen

Immobilien kaufen oder mieten? Die gestiegenen Bauzinsen sorgen derzeit für eine drastische Veränderung bei Nachfrage und Angebot.

Bau von Immobilien

Wir hatten es am Montag besprochen. Die Bauzinsen sind seit Jahresanfang von 1 Prozent bis auf 3,42 Prozent im Juni gestiegen, um bis jetzt wieder auf 2,75 Prozent zu fallen. Gut möglich ist es, dass dies nur eine Verschnaufpause ist auf dem Weg zu höheren Zinsniveaus. So oder so – die Bauzinsen sind deutlich teurer als zum Anfang des Jahres. Und heute veröffentlichte Analysedaten zeigen bei Immobilien eine klare Verschiebung der Nachfrage, und damit auch eine Angebotsreaktion.

Dank gestiegenen Bauzinsen – Nachfrage nach Immobilien zum Kauf sinkt, Mietwohnungen deutlich stärker gefragt

Das Portal Immowelt hat die Auswirkung der seit Jahresanfang kräftig gestiegenen Bauzinsen heute klar gemacht. Zahlreiche kaufwillige Bürger, die sich Immobilien zulegen wollten, schrecken nun wohl aufgrund der zu hohen monatlichen Zinsbelastungen vor einem Kauf zurück, und suchen lieber erst einmal nach Objekten zur Miete. So sagt Immowelt in seiner Analyse-Headline auch „Folge der gestiegenen Bauzinsen: Nachfrage nach Kaufimmobilien sinkt, Druck auf Mietmarkt steigt“. Es sind nachvollziehbare Mechanismen. Durch die verlagerte Nachfrage lässt dann auch der Aufwärtsdruck für Kaufpreise bei Immobilien nach, dafür aber erhöht sich der Aufwärtsdruck bei Wohnungsmieten.

Immowelt sagt heute, dass die zuletzt stark gestiegenen Bauzinsen aller Voraussicht nach nicht nur für das Ende des Immobilienbooms, sondern auch für eine Verlagerung der Nachfrage sorgen. Innerhalb eines Jahres sind laut Daten von Immowelt die Anfragen für Immobilien zum Kauf deutschlandweit um 17 Prozent gesunken. Parallel dazu hat sich die Anzahl der Anfragen auf Mietimmobilien um 34 Prozent erhöht. Als Basis für diese Daten hat das Portal das Angebot an inserierten Immobilien und die Anfragen darauf im 2. Quartal 2022 mit dem Vorjahreszeitraum verglichen. Viele Menschen würden sich den Traum vom Eigenheim inzwischen nicht mehr leisten können. Die deutlich höheren Bauzinsen haben laut der Analyse für potenzielle Käufer eine monatliche Mehrbelastung von mehreren hundert Euro zur Folge. Gerade in den teuren Großstädten sei der Immobilienkauf für viele Menschen nicht mehr leistbar, und das Interesse gehe folglich zurück. Oftmals bleibe dann als einzige Option weiterhin zur Miete zu wohnen, was den Mietmarkt zusätzlich belastet.

Interessanter Effekt bei Kaufimmobilien

Es ergeben sich interessante Effekte durch die gestiegenen Bauzinsen und die damit stark verteuerten Kaufkosten für Immobilien. Die Anzahl der angebotenen Kaufimmobilien hat sich im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 29 Prozent erhöht. Man darf vermuten: Die Eigentümer von Immobilien haben jahrelang auf immer weiter steigende Immobilienpreise gewettet, und daher ihre Objekte noch nicht zum Verkauf angeboten. Jetzt wo die Bauzinsen explodieren und die Nachfrage deutlich sinkt, gerät man langsam in Panik und versucht noch schnell sein Haus oder die Eigentumswohnung loszuwerden? Die Vermarktung von Kaufimmobilien wird laut Immowelt durch die zurückgehende Nachfrage aufwendiger, und deswegen werden wieder mehr Objekte auf dem freien Markt angeboten.

Laut Immowelt tut sich auch etwas beim Angebot für Mietwohnungen. Dort biete sich ein gegenteiliges Bild – hier habe sich im gleichen Zeitraum die Zahl der inserierten Mietwohnungen um 14 Prozent reduziert. Die gestiegene Nachfrage habe die Vermarktung für Vermieter nochmal einfacher gemacht, und Objekte werden seltener auf dem freien Markt angeboten.

Klare Verschiebung der Nachfrage in Großstädten

Beim Blick auf die 14 Großstädte mit mehr als 500.000 Einwohnern zeigt sich laut Immowelt, dass besonders in den Märkten mit hohen Preisen eine Verschiebung der Nachfrage weg von Immobilien zu Kauf und hin zu Mietobjekten stattfindet. In München gibt es im Vergleich zum Vorjahr 18 Prozent weniger Anfragen auf Kaufobjekte, allerdings 56 Prozent mehr Anfragen auf Mietimmobilien. Das Angebot geht bei Wohneigentum gleichzeitig nach oben, während es bei Mietwohnungen abnimmt. Ein ähnliches Bild zeigt sich in den beiden Großstädten am Rhein: Die Kaufnachfrage verbucht einen Rückgang von 20 Prozent in Köln und 26 Prozent in Düsseldorf, während die Mietnachfrage um 35 beziehungsweise 30 Prozent steigt.

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Hier besonders klare Auswirkungen bei Immobilien zum Kauf. Von Immowelt im Wortlaut: „In Berlin hat sich die Nachfrage nach Wohneigentum sogar mehr als halbiert (-52 Prozent), und auch in Hamburg (-47 Prozent) werden deutlich weniger Anfragen gestellt. Das Angebot ist aber in beiden Städten noch nicht angestiegen und hat sich entgegen dem Trend in den anderen Großstädten noch einmal verringert. In Berlin und Hamburg scheint die sinkende Nachfrage daher durch das anhaltend geringe Angebot bedingt zu sein. Auf den Mietmarkt ist die Entwicklung allerdings analog zu den restlichen Städten: In Berlin steigt die Nachfrage um 23 Prozent, in Hamburg um 14 Prozent, während das Angebot in beiden Städten schrumpft.“



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6 Kommentare

  1. Pingback: Morning Briefing vom 12.08.2022 - Heroes of Homes

  2. Ich habe meinen Darlehensvertrag 2012 für 12 Jahre zu 3,75 % Zinsen abgeschlossen. Bisher habe ich vorrangig Zinsen statt Tilgung bezahlt und den Kredit vor mir hergeschoben. Jetzt erst kehrt sich das ganze um.
    Ich sehe jetzt gar nicht ein zu wechseln und der Bank den Gewinn völlig zu überlassen.

    1. @Frank Steffen

      Unter gewissen Umständen wird bei einem Wechsel gar keine Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung fällig, das sollten Sie prüfen:
      https://www.finanztip.de/baufinanzierung/vorfaelligkeitsentschaedigung/

      Ansonsten wäre es vielleicht überlegenswert, ob Sie nicht schon heute eine Forwarddarlehen für die Zeit ab 2024 abschließen. Damit fahren Sie mit Sicherheit nicht schlechter, als zu den derzeitigen Konditionen, an die Sie Ihre Ausgaben- und Finanzplanung seit 10 Jahren angepasst haben.
      Das Zocken auf die künftige Zinsentwicklung kann fatale Folgen mit sich bringen.

      Ich wünsche Ihnen für die weitere Zeit viel Erfolg mit Ihrer Immobilie. Der Punkt, an dem sich Tilgungs- und Zinslast umkehren, ist ein wichtiger und erfreulicher Meilenstein.

  3. Pingback: Aktuelles vom 13.08.2022 | das-bewegt-die-welt.de

  4. Wenn die Nachfrage rückläufig ist und das Angebot in einer gewissen Größenordnung weiterhin auf den Markt kommt, dann steigen automatisch die Angebotszahlen. Das ist jedoch noch kein Beweis dafür, dass nun einige Immobilienbesitzer noch schnell verkaufen wollen. Mit der rückläufigen Nachfrage steigen die Umschlagzeiten. Das Preisniveau in Hamburg ist stabil.

  5. Pingback: Immobilien: Drastische Auswirkungen der gestiegenen Bauzinsen - finanzmarktwelt.de - Immo-journal

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