Allgemein

Industrie in Russland boomt – Wachstum dank Krieg

Die Industrie in Russland boomt mit +3,5 % in 2023. Trotz westlicher Sanktion läuft die Kriegswirtschaft auf Hochtouren. Hier aktuelle Details.

Industrieproduktion in Russland. Foto: Bloomberg

Die russische Industrie ist 2023 das dritte Jahr in Folge gewachsen, da die Ausgaben der Regierung für den anhaltenden Krieg gegen die Ukraine dazu beigetragen haben, die Auswirkungen der von den USA und ihren Verbündeten verhängten Sanktionen auszugleichen. Die Industrieproduktion in Russland stieg im vergangenen Jahr um 3,5 %, nach einem Wachstum von 0,6 % im Jahr 2022, wie laut Bloomberg aus heute veröffentlichten Daten des Föderalen Statistikdienstes hervorgeht. Der Anstieg in der verarbeitenden Industrie, die im vergangenen Jahr von Militäraufträgen profitiert hat, hat den Daten zufolge einen Einbruch der Bergbau-Produktion mehr als ausgeglichen.

Industrie mit Rüstungsbezug baut Produktion massiv aus

Die Zahlen zeigen, dass sich die Unternehmen an die „aktuellen außenwirtschaftlichen Bedingungen“ angepasst haben, so das Wirtschaftsministerium in einer Erklärung am späten Mittwoch. Das Ausmaß des Übergangs Russlands in eine Kriegswirtschaft wurde durch die drei am schnellsten wachsenden Kategorien des verarbeitenden Gewerbes unterstrichen, zu denen Güter wie Bomben und Waffen, Flugzeuge und Raketentriebwerke sowie Schiffe und Kampffahrzeuge gehören. Die Produktion in Kategorien wie „Metallwaren“, „Computer, Elektronik und Optik“ und „Sonstige Transportmittel“ stieg im Vergleich zu 2022 um bis zu einem Drittel.

Grafik zeigt Wachstum der Industrie in Russland im letzten Jahr

Geplante Reduktion der Ölproduktion

Der Rückgang von 1,3 % im Vergleich zum Vorjahr bei der Produktion der Förderindustrien wie Bergbau, Erdöl und Erdgas ist größtenteils auf eine freiwillige Reduzierung der Ölproduktion zurückzuführen, so das Wirtschaftsministerium in einer separaten Erklärung. Russland hatte sich im vergangenen Jahr in Abstimmung mit seinen OPEC+-Verbündeten verpflichtet, seine Rohölproduktion zu verringern und die Kürzungen bis 2024 beizubehalten. Das Land hat im vergangenen Jahr die Veröffentlichung von Daten zur Ölproduktion eingestellt.

Mehr Industrieproduktion trotz westlicher Sanktionen

Die jüngsten Daten untermauern die jüngsten Behauptungen russischer Beamter, dass das Land seine militärische Produktion trotz der Bemühungen der Gruppe der Sieben und der Europäischen Union, die Kriegsmaschinerie des Kremls durch strenge Sanktionen einschließlich einer Ölpreisobergrenze zu stoppen, gesteigert hat. Verteidigungsminister Sergej Schoigu sagte am Montag, die Produktion von Raketen für Luftverteidigungssysteme habe sich verdoppelt, ohne Zahlen zu nennen. Zuvor hatte er erklärt, auch die Panzerproduktion sei um das Siebenfache gestiegen.

Der Kreml plant, die Wirtschaft mindestens für die nächsten drei Jahre auf Kriegskurs zu halten und die Ausgaben für die Rüstungsproduktion zu erhöhen. Der Ukraine gehen die Waffen zum Schutz ihrer Städte aus, und die lebenswichtige Hilfe der USA und der EU wird durch politische Streitigkeiten blockiert. Der Krieg, der sich nun schon dem dritten Jahr nähert, hat sich zu einem Patt entwickelt, so dass eine ständige Versorgung mit Waffen und Munition für beide Seiten von entscheidender Bedeutung ist.

Russische Rüstungsbetriebe produzieren rund um die Uhr, und in den lokalen Medien wird immer wieder über umfunktionierte Einkaufszentren und Bäckereien berichtet, in denen nun auch Militärdrohnen hergestellt werden. Der Kalaschnikow-Konzern, Russlands wichtigster Waffenhersteller, hat neue Waffentypen entwickelt, die er nächste Woche auf der World Defense Show 2024 in Saudi-Arabien vorstellen will, wie der staatliche Rüstungskonzern Rostec mitteilte.

Russland hat auch Waffenlieferungen und andere Unterstützung aus dem Iran und Nordkorea in Aussicht gestellt. Satellitenbilder zeigen seit Oktober einen stetigen Handel zwischen Nordkorea und Russland, der nach Schätzungen Südkoreas mehr als 2 Millionen Schuss Artillerie und mehrere ballistische Raketen umfasst.

FMW/Bloomberg



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

16 Kommentare

  1. da kann der Herr Diktator furchtbar stolz darauf sein, weiter so im Kampf um den Abstieg

  2. Wo stände dann wohl die US-Wirtschaft ohne die zahlreich geführten Angriffskriege?

    1. Helmut52

      Meinen Sie, die EU sollte aus wirtschaftlichen Gründen ein paar Angriffskriege führen?
      Zum Beispiel könnte Spanien eventuell die Schweiz überfallen, um sich zu sanieren.
      Was halten Sie davon?

      1. Columbo, das war nicht die Frage

        1. War auch nur ne Frage und fragen kann man alles😁.

  3. Und bei uns gibt es keine Aufträge für Waffen und Munition oder die Bürokratie stellt sich quer, trotz „Zeitenwende“. Anderseits schaut man zu wie Elektronik über Zwischenhändler weiter nach Russland exportiert werden.

  4. Die Russen geben ca. 50% mehr für den Militäretat aus als Deutschland. Dafür bekommen sie sehr viel mehr Bang for the Buck. Dass Russland sich deswegen zur „Kriegswirtschaft“ umbaut, ist wahrscheinlich auch nur eines dieser unzähligen Märchen, mit denen wir hier seit Beginn der SMO gefüttert werden.

    Die EU hat gerade beschlossen 50 Mrd € in die Ukraine zu kippen. Orban hat dem Druck nachgegeben. Wäre ich ukrainischer Oligarch, ich würde das Geld in Russland investieren.

  5. Dummheit ist lernbar

    Der Westen sollte bald aufwachen, man wollte Russland finanziell ruinieren und was passiert ? Russland ist nur sehr wenig verschuldet und die EU verlängert den Krieg mit immensen Summen und am Schluss werden die Amis aussteigen und der EU einen Trümmerhaufen hinterlassen.Die russische Wirtschaft wird mit Hilfe der Brics gestärkt hervorgehen.Die dummen Sanktionierer haben Russland schon früher zu einem der grössten Weizenproduzenten gemacht. Auch in Sachen Uran und seltenen Erden ,Metallen und Energie gehört den Russen die Zukunft.
    Braucht schon gewaltige Dummköpfe wenn eine Region ohne Rohstoffe als Exporteur ein rohstoffreiches Land in die Knie zwingen will.

  6. @ Helmut 52, die Amis haben oft Kriege geführt, und meistens ging es um Rohstoffe, es gab auch schon Fälle wo sie an beiden Parteien beteiligt waren.Heute sind sie sehr schlau geworden und lassen dumme Trabanten Stellvertreterkriege ausführen.Am Schluss sind sie mit wenig Aufwand der grosse Profiteur.Ein Beispiel will ich nicht nennen, aber ganz Intelligente könnten es selber erraten.

  7. @Claudio Kummerfeld: Vielen Dank für den Artikel, aber der Titel ist irrführend. Volkswirtschaftliche Modelle sind für Zeiten des normalen Wirtschaftens im relativen Frieden entwickelt worden und nur dafür gelten sie auch. Kriegswirtschaft ist Pseudoökonomie, weil sie keine (oder nur wenige) dauernden Werte schafft. Von echtem Wachstum kann keine Rede sein. In der Wirklichkeit befindet sich Russland in einer echten Stagflation.

  8. Die CIA wirkte an der verfassungswidrigen Amtsenthebung von Staatspräsident Viktor Janukowitsch mit. Die Krim, Lugansk und Donezk sind Russische Föderation. Cherson und Saporoschje hingegen nicht. Das russische Öl-Embargo entbehrt jeder Grundlage. Vielleicht kann Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder erneut mit Staatspräsident Wladimir Putin bestmöglich vermitteln versuchen.

    1. Das kommt davon, wenn man sich aks Bürger am Zuschauertelefon des Internationaler Frühschoppen beteiligt. Im Rahmen der aktuellen Sendung wurde ich sogar zurückgerufen, um zu fragen, ob es Sinn macht, daß Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder nochmals das Thema Russland-Ukraine-Konflikt mit Staatspräsident Wladimir Putin erörtert. Die fehlgeleitete, erbärmliche Journalistin Eva Lindenau hat mich dabei allerdings hinter die Fichte geführt, indem sie meinen Anruf ignorierte, mir also trotz Rückruf nicht die Möglichkeit gab, die genannte Frage an den Internationaler Frühschoppen zu stellen. Ein Fall für die Rundfunkkommission der Länder, da der genannte journalistische Gimmick mit den journalistischen Leitplanken des Medienstaatsvertrags nicht kompatibel ist.

      1. Rede von Staatspräsident Wladimir Putin zur Lage der Nation am 29.02.24: Ohne das OPEC+-Mitgliedsland Russische Föderation keine entsprechende globale Ölversorgung. Ich kann nicht erkennen, daß Putin die Dinge schönredet, da er auch von Problemen spricht. Russland möchte die Luftwaffe besser aufstellen.

        1. Leider räumt Präsident Putin Branchen außerhalb des Rohstoffsektors erneut einen entsprechenden Stellenwert ein. Rußland ist aufgerufen, an der Öl-Allianz mit dem OPEC+-Mitgliedsland Königreich Saudi-Arabien festzuhalten. Dies gilt auch für dir russisch-syrische Offshore-Ölförderung.

          1. Was versteht Bundesminister der Verteidigung Boris Pistorius unter einer kriegstauglichen Bundeswehr? Etwa eine Krim-Invasion? Die CIA wirkte an der verfassungswidrigen Amtsenthebung von Staatspräsident Viktor Janukowitsch mit. Daraufhin bat die Krim Moskau um militärischen Beistand. Die Krim ist deswegen mittlerweile Russische Föderation. Nachdem russische Geheimdienste ein Telefonat von Bundeswehrsoldaten abhörten, in dem es um eine mögliche Krim-Invasion ging, würde mich ein russischer Präventivschlag gegen mein Land Bundesrepublik Deutschland nicht wundern. Ggf. sogar mittels Atomwaffen.

    2. Staatspräsident Dr. Wladimir Putin erklärt aktuell, daß das OPEC+-Mitgliedsland Russische Föderation nicht beabsichtige, seine Wirtschaft auf Kriegswirtschaft umzustellen, sondern unabhängiger von äußeren Zwängen werden möchte. Putin erklärt hierbei, daß Russland die notwendigen Güter selbst produzieren könne und somit selbst produzieren werde. Hierbei bleibt dann abzuwarten, wie sich dies beispielsweise auf die russische Ölindustrie/Rosneft auswirken wird. Im Zusammenhang mit dem Russland-Ukraine-Konflikt sanktioniert die Europäische Union die russische Ölindustrie dahingehend, daß keine innovativen Ölfördertechnologieen nach Russland exportiert werden dürfen, bzw. Russland diese nicht importieren darf.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage

Exit mobile version
Capital.com CFD Handels App
Kostenfrei
Jetzt handeln Jetzt handeln

78,1% der Kleinanlegerkonten verlieren Geld.