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Kommt der nächste Börsencrash durch die US-Studenten?

FMW-Redaktion

Wir hatten bereits mehrmals berichtet über die starke Zunahme des Volumens der Autokredite und der US-Studentenkredite, die beide wachsende Anteile notleidender Rückzahlungen aufweisen. Kreditnehmer können also zunehmend ihre Raten nicht mehr bedienen. Ein ähnliches Szenario führte ab 2007 zu rasch steigenden Ausfallraten bei den Subprime-Hauskrediten in den USA. Die Schuldner waren eh überschuldet und hatten viel zu geringe Einkommen für die Bedienung der Kredite – dann stiegen auch noch die variablen Zinsen, und dann war der Crash perfekt.

2007 betrug das Volumen der US-Subprime-Hauskredite (Hochrisiko-Kredite) 1,3 Billionen Dollar. Das Volumen aller US-Studentendarlehen beträgt heute 1,4 Billionen Dollar. 2004 lag es noch bei 260 Milliarden Dollar – ein unglaublicher Anstieg. Wie die Grafik unten steigt, sind die Studentenkredite (rote Linie) seit Jahren im konstanten Aufwärtstrend, was die Ausfallrate von Rückzahlungen angeht – also bei Krediten, die länger als 90 Tage nicht mehr bedient wurden. Der Anteil stieg zuletzt auf 11,2%. Die Ausfallrate bei kürzeren Betrachtungszeiträumen als 90 Tage dürfte noch höher sein.

Und anders als die Hauskredite damals sind die US-Studentenkredite nicht mit Sicherheiten unterlegt. Man geht einfach davon aus, dass jemand der studiert, später im Berufsleben gut genug verdient um den Studentenkredit auch zurückzahlen zu können. Für immer mehr Amerikaner trifft das aber nicht zu. Laut Daten der Notenbank Federal Reserve verdienen mehr als 25% der US-Hochschulabsolventen später im Berufsleben nicht mehr als „einfache“ High School-Absolventen, die schuldenfrei ins Berufsleben starten.

Und jetzt kommen wir doch mal zur finalen Frage. Droht den USA und dem Rest der Welt der nächste Börsencrash, diesmal durch die Studenten nach vormals den Hauskäufern? In diesem Fall kann man diese Frage wohl mit NEIN beantworten. Denn von den 1,4 Billionen Dollar besteht weit über die Hälfte des Volumens aus staatlichen oder staatlich garantierten Krediten. Wenn die Ausfallraten also steigen, zahlt eben der Steuerzahler die Zeche. Der Verlust verschwindet dann also im großen Loch namens „US-Staatsverschuldung“, die eh schon bei 20 Billionen Dollar liegt. Die Zahl interessiert eh niemanden mehr. Nach dem Motto „so viele Staatsschulden, das wird eh nichts mehr“.

Da droht wohl eher Ungemach von hohen Kreditkartenschulden von US-Verbrauchern, die ausschließlich privater Natur sind, und von hohen Autokrediten mit ebenfalls steigenden Ausfallraten, die aber nicht so vergleichbar dramatisch sind wie damals bei den Hauskrediten. Also, bis zum nächsten Crash ist noch etwas Luft? Die Kreditbelastungen als Gesamtvolumen betrachtet haben das Hoch vor der Finanzkrise schon wieder erreicht. Vor allem sind dafür die Studentendarlehen verantwortlich. Welcher Posten nun der Auslöser der nächsten Krise ist, das kann man noch nicht genau sagen. Aber die Studenten werden es wohl nicht sein. Bei denen ist es eher ein Problem, dass immer mehr Amerikaner durch diese hohen Ratenbelastungen daran gehindert werden „produktive Teilnehmer des US-Konsumrausches“ zu werden.



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2 Kommentare

  1. fmw, stimmen die Zahlen? wie ist es möglich dass Studentenkredite ein höheres Volumen haben als Immobilienkredite? Das kann ich mir nicht vorstellen, evtl. ein Zahlendreher…?

  2. Die Stundenkredite sind als Geschenk von Bill Clinton an die Bankster aufgrund mangelnder Sicherheiten zur Risikobegrenzung „non-dischargeable“, d.h. die wird ein Student nicht mal durch Bankrott wieder los. Meist wurden auch noch Bürgschaften durch Eltern gefordert. Wenn nun das ganze teure Studium am Ende nicht den erhofften gut bezahlten Job bringt sind entweder die Bürgen dran oder das Opfer landet in lebenslanger Leibeigenschaft. Solange das so ist, bleibt das Risiko durch Studentenkredite begrenzt.

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