Allgemein

Lebensmittelpreise weltweit fünf Monate in Folge gefallen – Krisenende absehbar?

Die Lebensmittelpreise sind weltweit fünf Monate in Folge gefallen. Ist ein Ende der Krise absehbar, weil sich Versorgungsängste entspannen?

Weizenfeld

Nimmt man einen globalen Durchschnitt der Lebensmittelpreise, dann sind sie inzwischen den fünften Monat in Folge gefallen. Man betrachte die Grafik am Ende des Artikels. Seit Ende 2019 sieht man hier als blaue Linie die Entwicklung des FAO Food Price Index (FFPI), des Index der Vereinten Nationen für die weltweite Entwicklung der Lebensmittelpreise. Die jüngsten Daten für August zeigten einen Rückgang des Index um 2,7 Punkte auf 138 Punkte. Im Hoch im März lag er noch bei 160 Punkten. Trotz des jüngsten Rückgangs lag der Index laut der UN-Behörde für Argar- und Lebensmittel (FAO) immer noch um 10,1 Punkte (7,9 Prozent) über dem Wert von vor genau einem Jahr. Alle fünf Teilindizes des FFPI gingen im August moderat zurück, wobei die monatlichen prozentualen Rückgänge zwischen 1,4 Prozent für Getreide und 3,3 Prozent für Pflanzenöle lagen. Also ist es noch ein gutes Stück zu gehen, damit weltweit wieder Preisniveaus wie vor 12 Monaten gesehen werden – aber die Entwicklung geht in die richtige Richtung.

Globale Lebensmittelpreise fallen – Spurensuche am Terminmarkt

Sehen wir mittlerweile auch deswegen eine Beruhigung der Lebensmittelpreise, weil die schlimmsten Befürchtungen nicht eingetreten sind? Denn die Versorgung mit Agrarprodukten aus der Ukraine ist nur teilweise durch den Krieg lahmgelegt worden, und die an den Terminmärkten hoch gepushten Preise waren nur eine kurzzeitige Übertreibung, die inzwischen korrigiert wurde? Der Chart ist für diese These ein gutes Indiz. Die orange Linie zeigt den Kursverlauf des Weizen-Terminkontrakts an der Rohstoffbörse CBOT in Chicago. Dank des Ukraine-Kriegs steil angestiegen, begann er schon ab März wieder deutlich zu sinken. Mit einigen Monaten Verzögerung begannen dann auch wieder die tatsächlichen Lebensmittelpreise für die Endverbraucher zu sinken. Entspannt sich die Lage rund um den Ukraine-Krieg nach und nach, können sich die Preise für Lebensmittel womöglich auch noch weiter nach unten entspannen. Aktuell spielen aber auch andere entspannende Faktoren eine Rolle für die fallenden Lebensmittelpreise.

Bessere Produktionsaussichten für Weizen in Kanada, USA und Russland

Schauen wir einige Details der Lebensmittelpreise, die von der FAO monatlich veröffentlicht werden. Der Preisindex für Getreide lag im August bei durchschnittlich 145,2 Punkten und damit 2,0 Punkte niedriger als im Juli, aber immer noch 14,8 Punkte über dem Wert vom August 2021. Im August sanken die internationalen Weizenpreise laut der FAO um 5,1 % und damit zum dritten Mal in Folge. Ausschlaggebend dafür waren die verbesserten Produktionsaussichten, insbesondere in Kanada, den Vereinigten Staaten von Amerika und in Russland, sowie eine höhere saisonale Verfügbarkeit, da die Ernten in der nördlichen Hemisphäre fortgesetzt wurden und die Exporte aus den ukrainischen Schwarzmeerhäfen zum ersten Mal nach über fünf Monaten Unterbrechung wieder aufgenommen wurden. Dennoch blieben die Weltmarktpreise für Weizen um 10,6 Prozent über den Werten vom August letzten Jahres.

Die Weltmarktpreise für Mais haben sich laut FAO mit einem Plus von 1,5 % leicht gefestigt, was vor allem auf die geringeren Produktionsaussichten in der EU und den USA aufgrund der heißen und trockenen Bedingungen zurückzuführen ist, während die Wiederaufnahme der Exporte aus der Ukraine einen weiteren Preisanstieg verhinderte. Im Gegensatz dazu sanken die Weltmarktpreise für Gerste und Hirse um 3,8 % bzw. 3,4 %. Der FAO-Index für Reis blieb im August stabil, da leichte Rückgänge bei den Notierungen der am meisten gehandelten Indica-Sorten leichte Preissteigerungen in anderen Reis-Marktsegmenten ausglichen.

Preise für Pflanzenöl ebenfalls spürbar gefallen

Der FAO-Pflanzenölpreisindex erreichte im August einen Durchschnittswert von 163,3 Punkten und lag damit um 5,5 Punkte (3,3 Prozent) niedriger als im Vormonat, so dass der Indexwert leicht unter dem Niveau des Vorjahres lag. Der anhaltende Rückgang des Index war auf die niedrigeren Weltmarktpreise für Palm-, Sonnenblumen- und Rapsöl zurückzuführen, die die höheren Notierungen für Sojaöl mehr als ausglichen. Die internationalen Palmölpreise fielen im August den fünften Monat in Folge, was auf steigende Exportmöglichkeiten aus Indonesien, vor allem dank niedrigerer Ausfuhrsteuern, sowie auf saisonal steigende Produktionsmengen in Südostasien zurückzuführen war. In der Zwischenzeit sanken die Weltmarktpreise für Sonnenblumenöl aufgrund der anhaltend gedämpften weltweiten Importnachfrage, die mit der allmählichen Wiederaufnahme der Verschiffungen aus den ukrainischen Seehäfen zusammenfiel. Die internationalen Notierungen für Rapsöl fielen im August ebenfalls, da für die kommende Saison 2022/23 ein reichliches Angebot erwartet wird. Im Gegensatz dazu erholten sich die Weltmarktpreise für Sojaöl nur mäßig, was vor allem auf die Besorgnis über die Auswirkungen der ungünstigen Witterungsbedingungen auf die Sojaproduktion in den USA zurückzuführen ist, so die Aussage der FAO.

Milch

Der FAO-Milchpreisindex lag im August bei durchschnittlich 143,5 Punkten und damit 3,0 Punkte (2,0 Prozent) niedriger als im Juli, was den zweiten monatlichen Rückgang in Folge bedeutet, aber immer noch 27,3 Punkte (23,5 Prozent) über dem Wert vor einem Jahr. Im August gingen die internationalen Preisnotierungen für Butter und Milchpulver zurück, was vor allem auf die schwächere Nachfrage der meisten führenden Importeure nach Spotlieferungen zurückzuführen war, da die Lagerbestände zur Deckung ihres unmittelbaren Bedarfs weiterhin ausreichten.

Fleisch

Der FAO-Fleischpreisindex* lag im August bei durchschnittlich 122,7 Punkten und damit um 1,8 Punkte (1,5 Prozent) niedriger als im Juli, was auch den zweiten monatlichen Rückgang in Folge gegenüber dem im Juni 2022 erreichten Allzeithoch bedeutete; er blieb jedoch um 9,3 Punkte (8,2 Prozent) über dem entsprechenden Vorjahreswert. Im August gingen die internationalen Notierungen für Geflügelfleisch zurück, was auf geringere Importkäufe führender Importeure und etwas höhere globale Exportverfügbarkeiten zurückzuführen war. Unterdessen gingen die Weltmarktpreise für Rindfleisch aufgrund der schwachen Inlandsnachfrage in einigen führenden Exportländern, eines steigenden Exportangebots und eines leichten Anstiegs des australischen Angebots zurück. Im Gegensatz dazu stiegen die Preisnotierungen für Schweinefleisch aufgrund des anhaltend geringen Angebots an schlachtreifen Schweinen, während sich die Preise für Schaffleisch aufgrund der gestiegenen Importnachfrage aus einigen europäischen Ländern leicht erholten und die geringeren Käufe Chinas ausglichen.

Lebensmittelpreise im Vergleich zum Weizenpreis am Terminmarkt seit Ende 2019 Chart: TradingView



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage