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Indizes

Manische Fixierung auf das Gelddrucken

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Von Claus-Peter Sesin.

In den letzten Monaten ging es in fast allen Marktkommentaren nur noch um die Frage: Wird die US-Notenbank ihr Anleihenaufkaufprogramm (QE) fortsetzen oder nicht? Die Fed hat es damit geschafft, ihren Einfluss auf die Märkte noch weiter auszubauen.

Dabei sah es Ende 2008, als US-Notenbankchef Ben Bernanke die US-Leitzinsen auf nahe Null gesenkt hatte – wo sie seitdem blieben -, noch so aus, als hätte die Fed „ihr Pulver verschossen“. Tiefer als Null können Leitzinsen schwerlich sinken. Doch als die Fed 2009 erstmals in großem Stil US-Staatsanleihen und Hypothekenpapiere aufzukaufen begann (QE1) und damit das „lange Ende“ der Zinskurve in Angriff nahm, lieferte sie den Beweis, dass sie die Märkte auch weiterhin voll im Griff hat. Und dass das Bonmot „never fight the Fed“ auch in der Nach-Lehman-Ära volle Gültigkeit besitzt. Das Aufkaufprogramm ist inzwischen in seiner dritten Stufe, dem unbefristeten QE3, angelangt – und avancierte zu einer Art Götzen: Die Märkte huldigen fast nur noch diesem „QE-Halbgott“, während Fundamentaldaten kaum mehr Beachtung finden.

US-Notenbank, US-Politiker und US-Investmentbanken ziehen dabei an einem Strang. Solange die Fed signalisiert, dass sie an ihrer Politik des billigen Geldes festhält, kaufen Banker und Hedgefonds weiterhin Vermögenswerte aller Art hoch und machen damit die scheinbare Heilwirkung von QE – steigende Aktienkurse – zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Gleichzeitig verdienen sie kräftig an den Anstiegen, so dass sich die verzockte US-Finanzwirtschaft auch fundamental von den 2008-Schieflagen erholt.

US-Politiker wiederum sind sich – trotz allen Hickhacks – im Grunde einig, die 2008 begonnene massive Neuverschuldung auch künftig mehr oder minder stark fortzusetzen. Das nötige Geld liefert indirekt das Fed-Aufkaufprogramm. Denn normalsterbliche Marktteilnehmer, darunter Notenbanker anderer Länder, könnten die im Zuge der starken US-Neuverschuldung emittierten Massen an neuen „Treasuries“ schon mangels Masse kaum mehr in vollem Umfang abnehmen. Ganz abgesehen davon sind US-Staatsanleihen bei den künstlich gedrückten Mickerzinsen schlichtweg unattraktiv.

Diese Gemengelage bewirkt, dass sich QE zu einem – wenn nicht dem – Markt bestimmenden Faktor entwickelt hat. Entscheidend dabei ist die Macht, die hochgezogene Kurse auf viele Marktteilnehmer ausüben. Kein großer Fonds will schlechter abschneiden als die US-Indizes, egal aus welchen Gründen diese auch steigen mögen. Dies zwingt sie – nolens volens – zum Mitziehen. Und da die Realwirtschaft offenbar keine brauchbaren Indizien mehr für die Börsenentwicklung liefert, bleibt nur noch das QE-Theater der Fed als letzter „Wegweiser“.

Die Fed lieferte damit den Beweis, dass sie auch in einem Nullzins-Umfeld weiterhin die Märkte lenken und beherrschen kann. Hinter dieser vermeintlichen Position der Stärke verbirgt sich allerdings, nüchtern betrachtet, Schwäche: Die starke Abhängigkeit von QE offenbart, dass sich die US-Wirtschaft nur noch dank Gelddrucken über Wasser halten – oder präziser: vor einem Absacken in die Deflation schützen – kann.

Die große Frage bleibt, ob QE auch als Vorbild für Europa taugt, wie US-Finanzmedien und Vorzeigeökonomen wie Nobelpreisträger Paul Krugman unablässig weis zu machen versuchen. Zweifel sind angebracht. Wer sich „alternativlos“ dem US-Patentrezept des Gelddruckens verschreibt – wie seit einem Jahr auch die Japaner -, läuft Gefahr, ebenfalls in chronische Abhängigkeit von der Notenpresse zu geraten. Die Eurozone ist daher gut beraten, sich dem Druck aus USA, dem neuerdings auch Brüssel und der IWF Nachdruck zu verleihen versuchen, zu widersetzen und von QE-ähnlichen Aufkaufaktionen (z. B. EZB-Käufe von PIIGS-Staatsanleihen) abzusehen. Zumal der Nettonutzen von QE unter Ökonomen nach wie vor umstritten ist.

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