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Nach Wirecard: Alle Leerverkäufe verbieten?

Das Verbot der Bafin für Leerverkäufe der Wirecard-Aktie sorgte gestern für Aufsehen – bekanntlich war die Wirecard-Aktie nach Artikeln in der „Financial Times“ stark unter Druck gekommen.

Aufgrund des Leerverkaufs-Verbots für die Wirecard-Aktie kochte erneut eine Diskussion um Leerverkäufe in Deutschland hoch – kein Zufall, dass diese Diskussion in Deutschland besonders ausgeprägt ist, da dieses Land wie kaum ein anderes der „Spekulation“ feindlich gegenüber steht und demgegenüber „echte Arbeit“ propagiert wird.

Diese deutsche Spekulationsfeindschaft geht historisch zurück auf den Berliner Börsen-Crash von 1873, für den vor allem die jüdischen Spekulanten verantwortlich gemacht wurden (kurz zuvor konnten jüdische Deutsche durch die Emanzipation am normalen Geschäftsleben teilnehmen und waren daher stark an der Börse engagiert). Mit dem Börsen-Crash entstanden dann sofort im Deutschen Kaiserreich antisemitische Parteien.

Nachdem der Antisemitismus in Deutschland nach der totalen Niederlage im Zweiten Weltkrieg obsolet geworden war, blieb gleichwohl die „Spekulationsfeindschaft“ als kultureller Code in Deutschland bestehen. Was man dabei hierzulande verkennt ist die Tatsache, dass das gesamte Leben im Grunde eine Spekulation ist: wer sich für etwas entscheidet, spekuliert, dass sich das in der Zukunft positiv auswirken wird!

Die Leerverkäufe wiederum sind eine Art Selbstreinigungsprozeß für die Märkte: Überbewertungen werden dadurch erkennbarer, gleichzeitig sind die Leerverkäufer ein stabilisierendes Element: crashen Märkte, dann sind es vor allem die Leerverkäufer, die ihre Positionen eindecken und damit als Käufer auftreten, wo sonst keine Käufer mehr sind in Paniksituationen!

All das bringt Jochen Stanzl gut auf den Punkt:


Foto: Kaethe17 CC BY-SA 4.0 – Ausschnitt aus Originalfoto



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4 Kommentare

  1. Ehrlich gesagt, kann ich das Thema nicht mehr hören und lesen.
    Jeder versucht einen Teil der Klicks mit Artikeln bzw. Videos zu erhaschen.
    Das die Bafin ne lange Leitung hat ist keine Neuigkeit :-).

  2. Der Kursanstieg ist nur durch den Eingriff der Bafin entstanden. Das ist Marktmanipulation und unfair gegenüber der Konkurrenz. Ein Unternehmen muß Leerverkäufe, Gerüchte, Negativberichterstattung aushalten und sich selbstständig verteidigen können.
    Irgendwann wird man halt generell den Verkauf von Aktien verbieten: Wer Aktien kauft, muß sie 10 Jahre lang halten.

  3. Wo sind denn Leeverkäufe für den Markt stabilisierend. Im Gegenteil, die geliehenen Aktie wird doch direkt verkauft.

    Und angenommen es wäre nicht so, warum werden dann bei großen Turbulenzen wie eben auch jetzt oder zu Finanzkriese diese Instrumente komplett verboten/eingeschränkt. Super stabilisierend.

    Solche Instrumente und auch gerade das Trading über Algos großer Player sollten verboten werden. Alternativ Gewinne verstaatlichen.

  4. Laut div Berichten gab es vor Veröffentlichung“ des Artikels“ Insiderinformationen worauf gigantische Leerverkaufspositionen aufgebaut wurden ! Dadurch kam es zu diesen irren Verwerfungen !Das schadet der Glaubwürdigkeit jedes Börsenplatzes . Gut daß die Bafin endlich tätig wurde ! Ob es erfolgreich war wird erst die Zukunft zeigen

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