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Ölpreis mit mehr als wackligem Anstieg – China-Hoffnung als Grund

Öl-Tanker auf hoher See

Der Ölpreis steigt seit gestern Abend um mehr als 2 Dollar an. WTI-Öl ist über die 90-Dollar-Marke geklettert (Chart zeigt Kursverlauf der letzten 30 Tage). Dies darf man aber als ziemlich wackligen Anstieg bezeichnen. Denn Laut Bloomberg liegt dies an weiteren Spekulationen, dass China seine Covid-Beschränkungen lockern könnte. Bedeuten würde dies mehr wirtschaftliche Aktivität und mehr Konsum, und damit mehr Öl-Nachfrage. Aber ob man sich auf solche Gerüchte und Hoffnungen wirklich verlassen kann?

Kursverlauf im WTI-Ölpreis in den letzten 30 Tagen

Bloomberg merkt weiter an: Zum zweiten Mal in dieser Woche legte der Ölpreis zu, nachdem in den sozialen Medien Gerüchte aufgetaucht waren, China könnte seine Covid-Null-Politik ändern. Ähnliche Gerüchte hatten Anfang der Woche zu Kursgewinnen an den Rohstoffmärkten geführt und die oberste Gesundheitsbehörde des Landes zu der Aussage veranlasst, die Strategie bleibe der allgemeine Ansatz zur Bekämpfung von Covid-19.

„Der Markt spürt, dass hier etwas im Gange ist, und denkt, wo Rauch ist, ist auch Feuer“, sagte Stephen Innes, geschäftsführender Partner bei SPI Asset Management. „Niemand will bei der Wiedereröffnungsparty in China zu spät kommen.“ Chinas Covid-Zero-Strategie setzt auf Abriegelungen und Massentests, um Infektionen auszumerzen, und hat die Wirtschaft des Landes in diesem Jahr stark belastet. Die Bank of China International Ltd. schätzt, dass die Ölnachfrage des Landes bis 2022 um 400.000 Barrel pro Tag zurückgehen wird, weil das Virus eingedämmt wird.

Die Öl-Futures schwankten in den letzten Sitzungen in einem weiten Bogen im Einklang mit den allgemeinen Markttrends und den Schwankungen des US-Dollars, während die schwachen Handelsvolumina zu mehr Volatilität führten. Die Anleger haben auch mit den sich verknappenden Angebotsaussichten und der Besorgnis über eine weltweite Konjunkturabschwächung zu kämpfen.

Saudi-Arabien senkte seinen Ölpreis für Dezember-Verkäufe nach Asien, was die Besorgnis über die Nachfrageaussichten unterstreicht. Das Königreich verkauft den Großteil seines Rohöls im Rahmen langfristiger Verträge in die Region. Die OPEC+-Allianz wird jedoch ab diesem Monat ihre Fördermengen erheblich kürzen, und die Europäische Union wird ab Dezember Sanktionen gegen russische Rohölströme verhängen.

Die USA und ihre Partner haben sich darauf geeinigt, eine Preisobergrenze für russisches Rohöl auf einem festen Niveau festzulegen, aber es ist noch nicht klar, auf welchem Niveau diese festgelegt wird, so mit der Angelegenheit vertraute Beamte. Der Mechanismus wurde von den USA befürwortet und soll Moskaus Energieeinnahmen nach der Invasion in der Ukraine schmälern.

Laut Goldman Sachs müssen die USA und ihre Verbündeten möglicherweise eine höhere Preisobergrenze festsetzen, damit der Mechanismus Wirkung zeigt, da die Abschläge für russisches Rohöl gegenüber den Benchmark-Preisen zu hoch sind. Unterdessen hat das britische Finanzministerium angekündigt, dass es die Erbringung von Versicherungs-, Makler- und Schifffahrtsdienstleistungen verbieten wird, wenn die EU-Sanktionen in Kraft treten, es sei denn, russisches Öl wird zu oder unter der Obergrenze gekauft.

FMW: Das aktuelle Argument, dass man auf eine Covid-Lockerung in China hofft, ist doch mehr als wacklig! Schon am Montag kann diese Hoffnung wieder vom Tisch sein, und zack, der Ölpreis fällt in den Keller. Darauf sollte man sich also nicht verlassen.

FMW/Bloomberg



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3 Kommentare

  1. Bundeskanzler Olaf Scholz und Staatspräsident Xi Jinping erörtern aktuell in Peking u.a. Handelsfragen. Möglicherweise führt dies auch zu entsprechenden Informationen in Sachen aktuelle und künftige chinesische Covid-Politik.

  2. Das politische Präsidium der Kommunistische Partei Chinas spricht sich im Rahmen des aktuellen Staatsbesuchs von Bundeskanzler Olaf Scholz für stabile Energiemärkte aus. Eine Grundlage für die Volksrepublik China und die Bundesrepublik Deutschland, sich zur energiepolitischen Agenda der Öl-Allianz OPEC+, also zu einem Energiemix, bestehend aus fossilem Erdöl, fossilem Erdgas, Wasserstoff/eignet sich auch zur Veredelung von Rohöl, Wasserkraft, Sonnenenergie und Windenergie zu bekennen. Die Volksrepublik China ist auf Grundlage ihrer Wirtschaftsordnung gelenkte sozialistische Marktwirtschaft kein Entwicklungsland mehr. Somit also nein zu weiterer deutscher Entwicklungshilfe für China.

  3. Es gibt noch einen wichtigen Punkt, die nahenden US-Wahlen! Um seine miesen Umfragewerte zu pushen hat Biden ja im großen Stil die nationalen Ölreserven der USA geplündert. Und Robert Habeck hat selbst gesagt, wir hätten Biden durch der Plünderung unserer eigenen Ölreserven dabei unterstützt. So wurde der Ölpreis künstlich gedrückt, damit der US-Wähler sich nicht durch Inflation + hohe Benzinpreise gleichzeitig völlig in die Ecke gedrängt fühlt. (In den USA ist aufgrund der riesigen Entfernungen ein Auto eben meistens lebenswichtig, wenn nicht sogar überlebenswichtig.)
    Ja, aber nun ist bald Wahl und danach ist Schluss mit der Plünderung der Ölreserven. Vielmehr müssen diese Reserven dann ja wieder aufgefüllt werden, was also einen doppelten Effekt Richtung Ölpreisanstieg hat. Die USA sagten zwar, sie wollten mit dem Wiederauffüllen warten, bis der Ölpreis deutlich unter 70 US/Barrel fällt (good luck with that!!), aber angesichts von Rekord-Tiefständen der US-Ölreserven und 2 drohenden Militärkonflikten (Russland + China) wird die USA (und auch wir) sich mit Sicherheit SEHR zügig wieder an das Auffüllen machen. Nach der Wahl sind ohnehin alle Wahlversprechen das Adenauersche „dumme Geschwätz von gestern“. Zusammen mit den im Atikel aufgezählten Fakoren (wie der OPEC+ Förderkürzung) ist da also ziemlich viel Luft nach OBEN für den Ölpreis!

    MfG
    Der Energiefaktor

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