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Ölpreis nach Rally erstmal abgesoffen

Der Ölpreis hat in den letzten Wochen und Monaten gut zugelegt. Seit Juni ging es bis vor Kurzem rauf von 42 auf 52,80 Dollar im WTI-Ölkontrakt. Und dabei muss man bedenken, dass sich fundamental...

FMW-Redaktion

Der Ölpreis hat in den letzten Wochen und Monaten gut zugelegt. Seit Juni ging es bis vor Kurzem rauf von 42 auf 52,80 Dollar im WTI-Ölkontrakt. Und dabei muss man bedenken, dass sich fundamental nichts Großartiges geändert hat. Auch wenn man unterstellen würde, dass die Ausbalancierung zwischen Angebot und Nachfrage besser geworden ist – so ein Anstieg von 25% in so kurzer Zeit ist doch zu viel des Guten. So sieht es auch der Chef der Rohstoffanalyse der Saxobank Ole Hansen.

In seinem Quartalsausblick für Anleger schreibt er, dass die Fundamentaldaten jetzt noch nicht stark genug seien um die Fortsetzung der Rally zu unterstützen. Vor allem der Rohstoff Öl hänge stark vom Nachfragewachstum ab. Bis die Welt sich endlich wieder über das große OPEC-Chaos aufregen kann, dauert es noch sieben Wochen. Am 30. November findet die nächste offizielle OPEC-Sitzung in Wien statt, wo das Kernthema das Funktionieren oder Nicht-Funktionieren der bisherigen Fördermengen-Kürzung sein wird.

Und mal wieder wird man darüber beraten, ob man die Kürzungen über März 2018 hinaus verlängern sollte. Aber normalerweise gibt es im Vorfeld von OPEC-Sitzungen unendlich viele Gerüchte, Andeutungen und Aussagen von Energieministern der Mitgliedsstaaten – diesmal aber ist es bislang ruhig. Also schaut der Terminmarkt auf das, was sonst an Trading-Argumenten vorhanden ist.

Die USA bauen ihre Öl-Förderung weiter aus. Die Anzahl aktiver Öl-Bohrstellen stieg auch letzte Woche weiter mit +6 auf 750. Und auch die Öl-Fördermenge der USA stieg im September auf inzwischen 9,55 Millionen Barrels pro Tag (Schätzungen der US-Energiebehörde). Damit liegt man nur knapp unter dem Rekord von 9,61 Millionen Barrels pro Tag aus Juni 2015. Die USA mit ihrer nicht staatlich regulierten Öl-Industrie drücken also weiter auf die Stimmung der Öl-Bullen.

Positiv für die Öl-Bullen ist der Fakt, dass die Compliance-Rate bei der Fördermengenkürzung der OPEC derzeit angeblich bei sogar über 100% liegt. Damit ist gemeint, dass die Teilnehmer der Kürzungen (insgesamt 1,8 Millionen Barrels weniger pro Tag) diese zugesagte Menge derzeit sogar noch übertreffen, also noch weniger fördern als gedacht. Auch zeigen die Öl-Lagerbestände in den USA (Rohöl) seit Monaten deutliche Rückgänge. Erst gestern fielen sie auf Wochenbasis um weitere 6 Millionen Barrels (zweiter Chart).

Diese Tatsache half dem Ölpreis gestern aber nur wenige Minuten. Er stieg nur ganz kurz um 0,40 Dollar, um dann wieder abzusacken von 50,80 auf jetzt 50 Dollar. Seit Anfang des Monats ist der WTI-Ölpreis von 52,80 auf jetzt wie gesagt 50 Dollar gefallen. Betrachtet man sich das Gesamtbild, dann könnte man vermuten, dass das aktuelle Niveau realistisch ist. Vielleicht wäre ein weiterer vorsichtiger Anstieg möglich, aber bei der zürückliegenden Rally der letzten Wochen könnte erst einmal eine Verschnaufpause angebracht sein.


Der WTI-Ölpreis seit Mai.



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