Märkte

Ölpreis vor fortgesetztem Höhenrausch? Markt vor Unterversorgung

Eine Öl-Pumpe in der Wüste

Der Ölpreis ist seit Monaten vereinfacht gesagt nur am Steigen. Noch im April 2020 lag der Terminmarktpreis für Öl im Minus. Bis heute auf über 70 Dollar, das war ein langer und konstanter Anstieg, wie man ihn im letzten Sommer wohl nicht für möglich gehalten hätte. Vor vier Wochen waren es im WTI-Öl noch 66 Dollar, jetzt über 73 Dollar (hier aktuelle Kurse). Die Fördermengen-Disziplin der OPEC auf der einen Seite und die dank Impf-Erfolgen nun stetig steigende Öl-Nachfrage auf der anderen Seite treiben den Ölpreis immer weiter an. Außerdem gibt es aktuell unterstützende Indizien und Faktoren, die für weitere gute Laune sorgen.

Iran half Ölpreis auf dem Weg nach oben

Anfang der Woche unterstützte der Iran den weiter ansteigenden Ölpreis, und das unbewusst. Die Wahl eines ultrakonservativen Präsidenten im Iran am letzten Wochenende sorgt dafür, dass sich die Atomverhandlungen mit dem Iran wohl deutlich schwieriger gestalten werden. Damit könnte das im Iran geförderte Öl noch länger vom Weltmarkt ferngehalten werden, was durchaus Abwärtsdruck vom Ölpreis nimmt.

US-Lagerbestände sind ein klares Indiz

Vorgestern wurden die aktuellsten wöchentlichen Lagerbestände für US-Rohöl veröffentlicht. Mit einem Rückgang von 7,6 Millionen Barrels war es die fünfte Woche in Folge mit kräftigen Rückgängen in den Lagertanks. Dies kann man als klares Indiz auslegen, dass die Nachfrage nach Öl in den USA kräftig zulegt, und dass das produzierte Öl nicht in Lagern verschwindet, sondern raffiniert wird und umgehend für die Endverbraucher an die Tankstellen ausgeliefert wird. Die Lagerbestands-Meldungen der letzte Wochen waren Musik in den Ohren von Tradern, die auf einen weiter steigenden Ölpreis setzen. Der Trend mit den Lagerbeständen scheint sich fortzusetzen.


source: tradingeconomics.com

Unterversorgung bei Öl im zweiten Halbjahr?

Und nun kommen wir zu einer brandaktuellen Analyse der Commerzbank. Eugen Weinberg, Deutschlands wohl bester Rohstoffexperte, spricht heute von einer weltweiten Unterversorgung mit Öl im zweiten Halbjahr. Ist dem so, könnte der Ölpreis daraufhin weiter spürbar ansteigen. Eine möglicherweise anstehende weitere Angebotsausweitung der OPEC im August um weitere 500.000 Barrels Öl pro Tag wäre seiner Meinung nach wohl immer noch zu wenig, um eine drohende Unterversorgung des Ölmarktes von 1,4 Millionen Barrels pro Tag im zweiten Halbjahr auszugleichen. Das hört sich an nach guten Aussichten für einen weiter steigenden Ölpreis.

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Die OPEC-Kunden wie zum Beispiel der weltweit drittgrößte Ölimporteur Indien hätten daher die OPEC darum gebeten, ihre zurückgehaltene Produktion von 5,5 Mio. Barrel täglich (nach der Juli-Erhöhung) weiter anzuzapfen. Das Zünglein an der Waage bleibt laut Eugen Weinberg aktuell der Iran, der eine schnelle Beendigung der US-Sanktionen angekündigt habe. Doch in diesem Fall glaubt Weinberg, dass der Wunsch Vater des Gedankens war und eine rasche Einigung im Atomstreit mit dem Iran eher unwahrscheinlich ist. Daher hätte die OPEC jetzt freie Hand und könnte durch eine relativ geringe Erhöhung Pluspunkte für Ihr Ansehen bei den Kunden als zuverlässiger Energielieferant sammeln. Aber momentan sehe es in den nächsten Monaten nach Unterversorgung mit Öl aus. Meine Anmerkung dazu.

Die Öl-Förderländer im Nahen Osten mussten letztes Jahr dank Corona extrem leiden unter dem viel zu niedrigem Ölpreis. Denn viele Ländern sind völlig von Öleinnahmen abhängig. Jetzt mit einer Unterversorgung noch höhere Preise zu bekommen, das dürfte vielen Ölministern innerhalb der OPEC gefallen. Man blicke abschließend auf die folgende Grafik. Rechts sieht man, wie sich die Nachfrage (gelbe Linie) von dem Angebot (dunkle Linie) nach oben absetzt.Es sieht nach Unterversorgung aus, wenn die OPEC die Förderung nicht noch kräftiger anhebt.

Grafik von Angebot und Nachfrage bei Öl bewegt den Ölpreis



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